Zunächst wird untersucht, wie soziale Ungleichheiten im Bildungssystem entstehen. Hierfür wird vorab erläutert, wie soziale Ungleichheiten in der Gesellschaft geschaffen werden. Darauf aufbauend werden Determinanten vorgestellt, die Bildungsbenachteiligung weitgehend beeinflussen. Die soziale Herkunft als Determinante wird aufgrund ihrer Relevanz exklusiv thematisiert und mit Hilfe von zwei Theorien untersucht: mit der Kapitaltheorie nach Bourdieu (1983) und mit den Herkunftseffekten nach Boudon (1974). Darauffolgend wird erläutert, was unter sozialer Integration verstanden wird und wie diese im Bildungssystem verankert ist. Dafür wird das Modell der Sozial-Integration nach Esser (2000) vorgestellt, der die Interaktion als ein wichtiges Kriterium hervorhebt. Infolgedessen wird die Schüler Lehrer-Schüler-Interaktion Schüler-Interaktion und die näher behandelt. Im Anschluss wird die soziale Integration von bildungsbenachteiligten Kindern vorgestellt und mit den Determinanten der Bildungsungleichheit analysiert. Abschließend sollen die Handlungsempfehlungen für die Förderung der sozialen Integration bildungsbenachteiligter Kinder aufgezeigt, und der Anwendungsansatz im Rahmen des Projekts Schule für alle verdeutlicht werden. Die vorliegende Arbeit endet mit einem Fazit, das alle aufgeführten Inhalte zusammenfasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Soziale Ungleichheit
2.1 Strukturebenen sozialer Ungleichheit
2.2 Soziale Ungleichheit im Bildungssystem
2.2.1 Kapitalbegriff nach Bourdieu
2.2.2 Herkunftseffekte nach Boudon
2.3 Zwischenfazit
3 Soziale Integration
3.1 Soziale Integration im Bildungssystem
3.2 Sozial-Integration nach Esser
3.3 Schüler-Schüler-Interaktion
3.4 Lehrer-Schüler-Interaktion
4 Soziale Integration bildungsbenachteiligter Kinder
4.1 Geschlecht und soziale Integration
4.2 Migration und soziale Integration
4.3 Soziale Herkunft und soziale Integration
4.4 Förderung der sozialen Integration bildungsbenachteiligter Kinder
5 Exkurs: Projekt Schule für alle
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Determinanten der Bildungsbenachteiligung und deren Einfluss auf die soziale Integration von Kindern im Grundschulalter. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie soziale Ungleichheiten im Bildungssystem entstehen und welche pädagogischen Möglichkeiten bestehen, um benachteiligte Kinder in ihrer sozialen Stellung innerhalb der Klasse zu stärken.
- Analyse der Entstehung sozialer Ungleichheit im gesellschaftlichen und bildungskontextuellen Rahmen.
- Untersuchung der Bedeutung von Kapitalressourcen (nach Bourdieu) und schichtspezifischer Bildungsentscheidungen (nach Boudon).
- Darstellung der Dimensionen sozialer Integration (nach Esser) und deren Relevanz für den Grundschulalltag.
- Erörterung der Rolle von Schüler-Schüler- sowie Lehrer-Schüler-Interaktionen bei der sozialen Platzierung.
- Vorstellung von Interventionsstrategien zur Förderung sozial integrierter Lernumgebungen am Beispiel eines Praxisprojekts.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Die Schulleistungsstudie PISA hat bereits im Jahr 2000 gezeigt, dass sehr große Kompetenzunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen sozialen Schichten zu verzeichnen waren (vgl. Prenzel et al. 2004, S. 362). Daraus resultieren ungleiche Chancen zur Teilhabe an Bildungsangeboten und auf Bildungserfolg in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft (vgl. ebd.; Ehmke et al. 2004, S. 225). Unter sozialer Herkunft werden das Einkommen, der Status, der Bildungsgrad der Familie und das Sprachverhalten verstanden (Petillon 1978, S. 15). Damit gehen unterschiedliche Möglichkeiten lebensnotwendiger Anschaffungen und die Reichhaltigkeit von Sozialerfahrungen einher (ebd., S. 15f.). Bildungsbenachteiligung wird also neben den herkunftsbedingten Voraussetzungen und den unterschiedlichen familialen Sozialisationserfahrungen wie beispielsweise der Armut, auch durch das Schulsystem hergestellt (vgl. Miller & Toppe 2009, S. 56). Besonders die Familien, die einen niedrigen sozioökonomischen Status besitzen gelten als bildungsbenachteiligt (vgl. Mehringer 2013, S. 78).
Darüber hinaus ist die soziale Herkunft eng verbunden mit der Migration (vgl. Ramm et al., S. 272). Zugewanderte Familien verfügen über einen niedrigeren Bildungsgrad als die nichtgewanderte Bevölkerung und arbeiten in Berufen, die unter ihrem Kompetenzniveau liegen (vgl. Gogolin 2002, S. 62). Diese Umstände führen zu einem niedrigen Haushaltseinkommen und somit zu prekären sozioökonomischen Bedingungen (vgl. ebd.). Daher liegt es nahe, dass SuS mit Migrationshintergrund im Setting Schule ebenfalls benachteiligt werden. Vor allem die damit verbundene Sprachbarriere schafft Schwierigkeiten, um erfolgreich an der Schule teilnehmen zu können (vgl. ebd., S. 63; Ramm et al. 2004, S. 260).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage sowie die PISA-basierten Erkenntnisse zur Bildungsbenachteiligung und leitet die Forschungsfrage hinsichtlich der sozialen Integration von Schülern ab.
2 Soziale Ungleichheit: Definiert soziale Ungleichheit als Strukturgefüge und erläutert relevante Determinanten, Dimensionen sowie theoretische Ansätze von Bourdieu und Boudon.
3 Soziale Integration: Erklärt den Begriff der sozialen Integration als Prozess- und Zielperspektive, wobei die Dimensionen nach Esser sowie die Interaktionsdynamiken zwischen Schülern und Lehrkräften detailliert betrachtet werden.
4 Soziale Integration bildungsbenachteiligter Kinder: Analysiert, wie geschlechtsspezifische, migrationsbedingte und herkunftsspezifische Faktoren die Integrationschancen beeinflussen und präsentiert gezielte Förderstrategien.
5 Exkurs: Projekt Schule für alle: Demonstriert anhand eines individuellen Fallbeispiels die Umsetzung von Fördermaßnahmen zur Stärkung des Sozialverhaltens und der schulischen Integration.
6 Fazit: Führt die zentralen Analyseergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer klassenweit angelegten pädagogischen Unterstützung zur Förderung sozialer Integration.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Soziale Integration, Soziale Ungleichheit, Soziale Herkunft, Migrationshintergrund, Bourdieu, Kapitaltheorie, Schulleistung, Sozialstatus, Klassenklima, Interaktionen, Inklusion, Chancengleichheit, Grundschule, Pädagogische Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der Förderung der sozialen Integration bildungsbenachteiligter Kinder in der Grundschule auseinander und untersucht, welche Faktoren (z.B. sozialer Status, Geschlecht) die soziale Stellung von Schülern in der Klassengemeinschaft beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Schwerpunkte bilden die Themen Soziale Ungleichheit (Strukturebenen, Herkunftseffekte), das Konzept der sozialen Integration (Dimensionen nach Esser) sowie Ursachen für Bildungsbenachteiligung und deren pädagogische Kompensation im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Bildungsbenachteiligung und sozialer Ausgrenzung zu verdeutlichen und auf Basis theoretischer Erkenntnisse Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Lehrkräfte diese Kinder individuell fördern und ein integratives soziales Klima in der Klassengemeinschaft schaffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Bachelorarbeit, die durch eine ausführliche Literaturanalyse sowie die Darstellung eines Praxisbeispiels (Einzelfallbegleitung im Projekt „Schule für alle“) ihr Forschungsfeld fundiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der sozialen Ungleichheit erläutert, gefolgt von der theoretischen Rahmung der sozialen Integration. Zudem werden Ursachen von Integration und Isolation sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die Unterrichtspraxis erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich primär durch Begriffe wie Soziale Integration, Bildungsbenachteiligung, Determinanten der Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Interaktionen, Chancengleichheit und Förderung im Grundschulkontext aus.
Wie unterscheidet sich die soziale Situation von Jungen und Mädchen laut der Arbeit?
Die Autorin hebt hervor, dass Jungen häufiger durch physisch dominantes oder aggressives Verhalten auffallen, was oft zu Sanktionen durch die Lehrkraft führt, während Mädchen eher durch verbale Strategien agieren, was von Lehrkräften häufiger im Unterrichtsalltag bevorzugt wird.
Warum ist das Projekt „Schule für alle“ für die Arbeit zentral?
Das Projekt dient als illustratives Praxisbeispiel, an dem die theoretischen Erkenntnisse zur individuellen Förderung eines benachteiligten Kindes verdeutlicht werden; es untermauert, wie durch gezielte Ressourcenbereitstellung und Reflexion die soziale Integrationsrate gesteigert werden kann.
- Quote paper
- Meryem Özcan (Author), 2018, Förderung der sozialen Integration von bildungsbenachteiligten Kindern in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267121