Um die Softwarekrise 1965 bald beenden zu können, wollte man Planungstechniken aus den Ingenieurswissenschaften für die Softwareentwicklung adaptieren. Die dabei entstandenen Techniken werden heute oft als die "klassischen Methoden der Softwareentwicklung" bezeichnet und brachten nur einen begrenzten Erfolg. Grund hierfür ist ein gravierender Unterschied zwischen Softwareentwicklung und Ingenieurswissenschaft: Beispielsweise beim Bau einer Brücke sind die meisten Faktoren wie Flussverlauf und Untergrund bereits vor Baubeginn ermittelbar und ändern sich nur sehr selten im Projektverlauf. Bei der Softwareentwicklung stellt sich der Sachverhalt ganz anders dar: Gerade in einem stark dynamischen Umfeld sind die einst erhobenen Anforderungen schnell überholt.
Das Schlüsselwort lautet hier "Flexibilität" (oder auch oft als "Agilität" bezeichnet). Zu diesem Zwecke wurden in den vergangenen 15 Jahren viele sog. "Agile Softwareentwicklungsmethoden" entwickelt, die Risiken wie Terminverzögerung, geänderte Kundenanforderungen, zu hohe Fehlerrate und weiterentwickelte Geschäftsprozesse minimieren sollen. Eine der am schnellsten wachenden agilen Methoden ist Scrum. Diese Methodik zeichnet sich vor allem durch seine Einfachheit in der Erlernung und Anwendung aus. Scrum gibt seinem Anwender einige wenige Verfahren und Werkzeuge an die Hand, mit denen sich selbst komplexe Projekte bewerkstelligen lassen. Aber Scrum ist nicht nur in der Theorie sehr vielversprechend. Wie die beiden Yahoo!-Produktmanager Deemer und Benefield berichten, wenden viele Unternehmen, darunter Marktriesen wie Yahoo! selber, Microsoft, Google, Motorola, SAP oder Cisco, Scrum erfolgreich an und wollen auch zukünftig daran festhalten.
Innerhalb dieser Ausarbeitung werden in einem ersten Schritt die verschiedenen Softwareentwicklungsmethodiken klassifiziert. Hierdurch wird vor allem deutlich, welchen Platz agile Vorgehensmodelle und speziell Scrum im Software-Management einnehmen.
Das Herzstück der Arbeit bildet dann die detaillierte Beschreibung von Scrum. Neben der Vorstellung des sog. Scrum-Prozesses wird dabei auf alle auftauchenden Rollen, Vorgänge und Meetings ausführlich eingegangen. Schlussendlich wird gezeigt, wie weit verbreitet Scrum aktuell ist und wo weitere Potentiale dieser Methodik liegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Entstehung und Ursprung von agiler Softwareentwicklung
2 Methoden der Softwareentwicklung
2.1 Klassifikation von Softwareentwicklungsmethoden
2.2 Agile Methoden der Softwareentwicklung
3 Scrum als Methode der agilen Softwareentwicklung
3.1 Was passiert wann? Der Scrum-Prozess
3.2 Ohne sie geht nichts – Die Rollen bei Scrum
3.2.1 ProductOwner
3.2.2 Team
3.2.3 ScrumMaster
3.3 Wie alles beginnt – Die Strategische Planungsphase
3.3.1 Alles beginnt mit der Vision
3.3.2 Planungsebenen in Scrum
3.3.3 Product Backlog
3.4 Die Implementierung beginnt – Der Projektablauf
3.4.1 Die Taktische Planungsphase
3.4.2 Umsetzung des Sprints
3.4.3 Nachbereitung des Sprints
4 Praxiseinsatz von Scrum
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung von Scrum als agile Softwareentwicklungsmethode, um ein Verständnis für deren Rollen, Prozesse und Vorteile in dynamischen Projektumfeldern zu vermitteln.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte der agilen Softwareentwicklung.
- Klassifizierung von Softwareentwicklungsmethoden und Einordnung von Scrum.
- Detaillierte Analyse des Scrum-Frameworks (Rollen, Artefakte, Zeremonien).
- Planungsebenen und Implementierungsabläufe eines Scrum-Projekts.
- Praktischer Nutzen und Verbreitung agiler Managementmethoden.
Auszug aus dem Buch
3.1 Was passiert wann? Der Scrum-Prozess
Grundsätzlich besteht Scrum aus verschiedenen Regeln, Rollen, Meetings und Artefakten. Am Anfang des Scrum-Prozesses steht die Vision eines neuen Produktes, die der sog. ProductOwner (im Beispiel die Person Jörg Dressler) entwickelt.
Ggf. zusammen mit dem Scrum-Team erarbeitet der ProductOwner in der strategischen Planungsphase die Produktfunktionalitäten, die sich aus der Vision ergeben. Diese Product Items werden anhand ihres Nutzens (beispielsweise der erwartete finanzielle Gewinn) priorisiert und zusammen mit dem geschätzten Aufwand der Umsetzung im sog. Product Backlog festgehalten. Ähnlich einem Lastenheft stellt der Product Backlog so die Grundlage der geforderten Leistung dar.
Nach dieser initialen Planungsphase beginnt die eigentliche Umsetzung des Projekts, in dem sich das Team der Entwicklung des Produktes widmet. Die gesamte Projektdauer wird in gleichlange Zeiteinheiten, den sog. Sprints, eingeteilt. Jeder Sprint soll etwa zwei bis vier Wochen umfassen und innerhalb dieser Zeit wird das Ziel verfolgt einen ausgewählten Teil des Product Backlogs in auslieferungsfähige Software zu entwickeln.
Im sog. Sprint Planning Meeting am Anfang eines jeden Sprints wählt das Team die höchst-priorisierten Product Backlog Items aus, von denen sie der Meinung sind, sie im kommenden Sprint entwickeln zu können. Wenn allen Beteiligten klar ist, was Inhalt des kommenden Zeitabschnitts ist, werden die ausgewählten Funktionalitäten im sog. Selected Product Backlog festgeschrieben und das Team versichert sein Bestes zu geben um die Anforderungen umzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Entstehung und Ursprung von agiler Softwareentwicklung: Beschreibt den historischen Kontext der Softwarekrise und die Notwendigkeit flexiblerer Ansätze gegenüber klassischen Ingenieurmethoden.
2 Methoden der Softwareentwicklung: Klassifiziert verschiedene Vorgehensmodelle und grenzt klassische, phasenorientierte Methoden von agilen Ansätzen ab.
3 Scrum als Methode der agilen Softwareentwicklung: Detaillierte Darstellung des Scrum-Frameworks, unterteilt in Rollen, die strategische Planung, den operativen Projektablauf und die Sprint-Nachbereitung.
4 Praxiseinsatz von Scrum: Reflektiert die aktuelle Verbreitung von Scrum in der Industrie und bewertet dessen Potenzial für zukünftige IT-Projekte.
Schlüsselwörter
Scrum, Agile Softwareentwicklung, Projektmanagement, Software Engineering, ProductOwner, ScrumMaster, Sprint, Product Backlog, Sprint Planning, Burndown Chart, Softwarekrise, Inkrementelle Entwicklung, Selbstorganisation, Anforderungsanalyse, Flexibilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Ausarbeitung bietet einen fundierten Überblick über Scrum als agile Methode zur Bewältigung komplexer Softwareentwicklungsprojekte und beleuchtet dabei sowohl theoretische als auch praktische Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Herleitung agiler Prinzipien, die genaue Definition der Rollen (ProductOwner, Team, ScrumMaster) sowie die operative Durchführung von Sprints innerhalb des Scrum-Prozesses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Funktionsweise von Scrum darzustellen und aufzuzeigen, wie durch eine prozessorientierte Struktur mit kurzen Iterationen (Sprints) eine höhere Flexibilität und Softwarequalität erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der begleitenden Fallstudie einer fiktiven E-Commerce-Plattform, anhand derer die theoretischen Abläufe von Scrum praxisnah veranschaulicht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Struktur von Scrum, der Bedeutung der Vision, den verschiedenen Planungsebenen und den spezifischen Meetings wie dem Daily Scrum, Sprint Review und der Retrospective.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Agilität, Sprints, Backlogs, Selbstorganisation und Timeboxing charakterisiert.
Warum unterscheidet sich der ScrumMaster von einem klassischen Projektmanager?
Im Gegensatz zum klassischen Projektmanager hat der ScrumMaster keine Personal- oder Führungsautorität; er fungiert als Coach und Change Agent, dessen Fokus auf der Optimierung des Prozesses und der Beseitigung von Hindernissen liegt.
Welche Bedeutung hat das „Sprint Goal“ für das Team?
Das Sprint Goal dient als verbindliches, fokussiertes Ziel für den anstehenden Arbeitsabschnitt und fördert das gemeinsame Verständnis sowie die Motivation innerhalb des interdisziplinären Teams.
Warum wird im Review Meeting auf PowerPoint verzichtet?
Der Fokus des Reviews liegt auf der funktionsfähigen Software selbst („Show, don't tell“), um den Stakeholdern einen ehrlichen und direkten Eindruck über den tatsächlichen Fortschritt ohne spektakuläre Inszenierung zu vermitteln.
Was ist die Kernbotschaft der Retrospective?
Die Retrospective soll als „Herzstück von Scrum“ durch ehrliche Reflexion der Zusammenarbeit kontinuierliche Verbesserungen im Team ermöglichen, um die Effizienz der Folge-Sprints zu steigern.
- Quote paper
- Eric Dreyer (Author), 2008, Agiles Projektmanagement mit Scrum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126725