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Was nicht passt, wird passend gemacht. Zur Konstruktion österreichischer Geschichte im Staatsfilm "1. April 2000"

Title: Was nicht passt, wird passend gemacht. Zur Konstruktion österreichischer Geschichte im Staatsfilm "1. April 2000"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 24 Pages , Grade: befriedigend

Autor:in: M.A. Tanja Gawlich (Author)

Film Science
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Die 1950er-Jahre sind wie in Deutschland auch in Österreich filmisch geprägt von einer Hochkonjunktur der Musikkomödien und Heimatfilme. Operetten- und Fremdenverkehrsfilme, sowie filmische Biografien lockten ein Millionenpublikum in die Kinos. Die klischeehaften Heimatfilme, deren Inhalt das einfache Leben der Bergbewohner, kombiniert mit einer Liebesgeschichte, einem Missverständnis und einem Happy End, waren durch ihre Berg- und Tieraufnahmen zugleich sehr tourismuswirksam. Auf Handlungsvielfalt wurde dabei eher wenig wert gelegt, wie Billy Wilder bemerkte: „wenn die Deutschen [gemeint war der gesamte deutschsprachige Raum] einen Berg im Hintergrund und Paul Hörbiger im Vordergrund sehen, sind sie schon zufrieden.“ Ein Heimatfilm der besonderen Art ist jedoch der Film 1. April 2000 aus dem Jahr 1952. Er ist eine einzigartige und außergewöhnliche Produktion in der Filmgeschichte. Mit Geldern und auf Initiative der Bundesregierung entstanden, bezeichnete er sich als „politisch- utopische Komödie“. Bizarr ist der Staatsfilm 1. April 2000 auf jeden Fall und bietet sich durch Form und Inhalt als historische Quelle gerade zu an, denn er ist ein interessantes Zeitdokument über das Selbstbild und Geschichtsverständnis Österreichs Anfang der 1950er Jahre.Österreich inszeniert sich nämlich als harmlosestes Land der Welt, was (wie der Titel schon sagt) scherzhaft formuliert wurde, aber ernst gemeint war. Hierbei wird die österreichische Geschichte dort kurzerhand umgeschrieben, wo sie nicht in das zu vermittelnde Bild passt. Das im Film entwickelte, bzw. konstruierte Geschichtsbild Österreichs ist das Thema der vorliegenden Arbeit. Als erstes wird der Hintergrund und die Entstehungsgeschichte des Films „1. April 2000“ dargestellt werden. Nach einer kurzen Information über den Inhalt und die Besetzung werden als Kernpunkt der Arbeit die „historisierenden“ Einschübe und Rückblicke untersucht. Dazu sollen sie nach einer kurzen Zusammenfassung berichtigt und sowohl auf ihre Funktion im Film als auch im Hinblick auf die Gesamtkonstruktion der Geschichte Österreichs hin untersucht werden. In der Schlussbetrachtung werden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hintergrund und Entstehungsgeschichte

3 Der Film: Inhalt und Besetzung

4 Die „historisierenden“ Einschübe als Konstruktion der eigenen Geschichte

4.1 Der 3. Kreuzzug 1189-1191

4.2 Das Jahr 1515

4.3 Kaiser Karl V.

4.4 Die Pest und der „liebe Augustin“

4.5 Die Türken vor Wien 1683

4.6 Prinz Eugen, Kaiser Leopold I. und Maria Theresia

5 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert, wie der österreichische Staatsfilm „1. April 2000“ aus dem Jahr 1952 gezielt historische Ereignisse manipuliert, um ein idealisiertes und geschöntes Selbstbild der Nation zu konstruieren.

  • Die Rolle der „Opferthese“ in der Identitätsbildung der Zweiten Republik.
  • Die Funktion von „historisierenden“ Einschüben als Mittel der Geschichtsumdeutung.
  • Die Vermittlung politischer Konflikte durch Harmonisierung und Mythenbildung.
  • Die systematische Ausblendung von Gewalt und NS-Vergangenheit zugunsten eines Opfermythos.
  • Die Analyse der filmischen Mittel zur Konstruktion österreichischer Staatlichkeit.

Auszug aus dem Buch

4.1 Der 3. Kreuzzug 1189-1191

Rahmenhandlung für diesen Rückblick ist der Gerichtssaal, in dem sich das Tribunal zur Verhandlung eingefunden hat. Auch ein Teil der Bevölkerung Wiens ist in dieser öffentlichen Verhandlung anwesend, der Ministerpräsident als Stellvertreter Österreichs sitzt auf der „Anklagebank“, angeklagt, ein „rückfälliger Gewohnheitsverbrecher“ zu sein. Es geht um die Entstehung der österreichischen Flagge, die im dritten Kreuzzuges während der Belagerung von Akkon, bzw. nach der Einnahme von Akkon entstanden sein soll. So sollen die roten Streifen für das Blut der Besiegten stehen. Der Vertreter der arabischen Länder sieht darin einen Beweis dafür, dass das Land Österreich und sein Banner vor tausend Jahren als Folge kriegerischer Auseinandersetzungen gegründet worden ist.

Zur „Entlastung“ Österreichs zeigt nun der Ministerpräsident einen Lehrfilm über die Kreuzzüge. Dieser Einspieler dauert nur wenige Minuten und beinhaltet folgendes: 1191 ist Akkon, das zum Sarazenenreich gehört, von einer Allianz abendländischer Könige und Kaiser und ihrer Heere belagert. In der entscheidenden Schlacht kann Leopold V. von Babenberg den Sieg für die Allianz erringen. Dazu gratulieren ihm Richard Löwenherz, Phillip II. und der deutsche Kaiser, der, nachdem Leopold V. den Gürtel seines blutverschmierten Waffenrockes abnahm, feststellt, dass eben dieser wie ein Banner aussehe, dass von nun an die Flagge Österreichs sein soll. Kriegsbeute in dem Sinne habe es nicht gegeben, Leopold V. habe Theodora von Byzanz geheiratet und mit in die Heimat gebracht, zusammen mit einem Baby und einem byzantinischen Wiegenlied. Soweit der „Lehrfilm“, der um das Datum 1191 die Gründung Österreichs, nicht als Herzogtum, sondern als Gesamtstaat und die Entstehung einer gemeinsamen Flagge konstruiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Geschichtskonstruktion im österreichischen Film der 1950er Jahre ein und benennt den Film „1. April 2000“ als zentrales Fallbeispiel.

2 Hintergrund und Entstehungsgeschichte: Das Kapitel beleuchtet den politischen Kontext Österreichs in der Nachkriegszeit, insbesondere die „Opferthese“ und die Besatzungssituation.

3 Der Film: Inhalt und Besetzung: Hier werden die Rahmenhandlung des Films, die gerichtliche Anklage gegen Österreich und die prominente Besetzung des Films vorgestellt.

4 Die „historisierenden“ Einschübe als Konstruktion der eigenen Geschichte: Dieser Hauptteil analysiert detailliert, wie historische Ereignisse im Film zugunsten eines friedliebenden nationalen Selbstbildes umgeschrieben werden.

4.1 Der 3. Kreuzzug 1189-1191: Das Kapitel hinterfragt die filmische Darstellung der Flaggenentstehung und die Konstruktion eines österreichischen Gesamtstaatsgedankens im Mittelalter.

4.2 Das Jahr 1515: Hier wird die filmische Inszenierung habsburgischer Heiratspolitik als völkerverbindendes Friedensinstrument kritisch untersucht.

4.3 Kaiser Karl V.: Das Kapitel analysiert die Umdeutung der Herrschaft Karls V. zu einer ausschließlich friedensorientierten, gottgefälligen Mission.

4.4 Die Pest und der „liebe Augustin“: Die Analyse konzentriert sich hier auf die Darstellung des Wiener Galgenhumors als Bewältigungsstrategie für historische Katastrophen.

4.5 Die Türken vor Wien 1683: Dieses Kapitel behandelt die filmische Darstellung der Türkenbelagerungen und die Strategie der Ausblendung von Gewalt.

4.6 Prinz Eugen, Kaiser Leopold I. und Maria Theresia: Das Kapitel betrachtet die Ikonisierung historischer Persönlichkeiten als nationale Vorbilder und Repräsentanten eines friedliebenden Österreichs.

5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass der Film ein raffiniertes kollektives Selbsttäuschungsmanöver darstellt, das die NS-Vergangenheit ausblendet und Österreich als ewiges Opfer inszeniert.

Schlüsselwörter

1. April 2000, österreichischer Film, Geschichtskonstruktion, Opferthese, Nationale Identität, Historisierende Einschübe, Nachkriegszeit, Staatsfilm, Ideologie, Propaganda, Identitätsbildung, Vergangenheitsbewältigung, 1950er Jahre, Historische Mythen, Österreich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den österreichischen Staatsfilm „1. April 2000“ aus dem Jahr 1952 als ein Instrument der nationalen Identitätsbildung und Geschichtskonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die filmische Darstellung österreichischer Geschichte, die Nutzung von Mythen und die Strategien der politischen Harmonisierung sowie der Opferdarstellung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzudecken, wie der Film historische Tatsachen manipuliert, um ein geschöntes und „harmloses“ Bild Österreichs zu vermitteln und die Verantwortung für die NS-Zeit zu negieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine filmwissenschaftliche Inhaltsanalyse mit einer historischen Überprüfung der filmischen Behauptungen an den tatsächlichen Quellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der verschiedenen „historisierenden“ Einschübe im Film, von den Kreuzzügen über die habsburgische Heiratspolitik bis hin zu Maria Theresia.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören nationale Identität, Geschichtskonstruktion, Opferthese, Staatsfilm und die kritische Auseinandersetzung mit österreichischer Geschichtslosigkeit.

Warum wird die „Opferthese“ im Film so stark betont?

Der Film dient dazu, Österreich als unschuldiges Opfer zu präsentieren, um einen unkomplizierten Ausweg aus der historischen Verantwortung der NS-Zeit zu finden.

Welche Bedeutung hat die Figur des „lieben Augustin“ im filmischen Kontext?

Die Figur dient als Symbol für den Wiener Galgenhumor, durch den suggeriert wird, dass die Nation Krisen einfach „mit einem Lied“ überstehen kann, anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

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Details

Title
Was nicht passt, wird passend gemacht. Zur Konstruktion österreichischer Geschichte im Staatsfilm "1. April 2000"
College
University of Cologne  (Historisches Seminar)
Course
Heimat in der Moderne? Der deutsche Heimatfilm der 1950er Jahre
Grade
befriedigend
Author
M.A. Tanja Gawlich (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V126748
ISBN (eBook)
9783640327119
ISBN (Book)
9783640327553
Language
German
Tags
Konstruktion Geschichte Staatsfilm April
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Tanja Gawlich (Author), 2007, Was nicht passt, wird passend gemacht. Zur Konstruktion österreichischer Geschichte im Staatsfilm "1. April 2000", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126748
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