Modell zur effizienten IT-Projektportfolio-Planung in multinationalen Konzernen


Seminararbeit, 2008
60 Seiten, Note: 6.0 (=1.0)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1 Einleitung (Relevanz)
1.1 Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2 ITProjektportfolioManagement (ITPPM)
2.1 Abgrenzung und Einordnung der Begriffswelt
2.2 IstModell ITPPM
2.2.1 Allgemein
2.2.2 Portfolioframework nach Jenny
2.2.3 Vereinfachtes ITPPM Framework
2.3 Phasen des ITPPM Frameworks
2.3.1 Die Planungsphase
2.3.2 Die Steuerungsphase
2.3.3 Die Evaluationsphase

3 Praktischer Ansatz zur ITProjektportfolioPlanung

4 Konzeption eines effizienten Ansatzes zur ITPPMPlanung
4.1 Analyse des praktischen Ansatzes zur ITPPMPlanung
4.2 Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen
4.2.1 Optimierung der Vorselektionsphase
4.2.2 Erweiterung der Selektion um quantitative Methoden
4.2.3 Einbeziehung von interkulturellen Aspekten
4.3 Beschreibung des neuen Modellvorschlags

5 Evaluation – Erfolgsmessung der ITPPMPlanung
5.1 Vorstellung der Evaluationsmethoden
5.2 Evaluationsframework
5.3 Beispielhafte Darstellung von Kennzahlen
5.4 Vorgehensweise bei der Evaluation im Projekt

6 Projektierung
6.1 Projektaufbau
6.2 Zeitliche Planung
6.3 Kostenplanung
6.4 Risikoplanung

7 Kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abstract

In der ITBranche erreichen rund 70% aller initiierten Projekte die definierten Ziele nicht. Zudem verstärkt die kontinuierliche Anpassung der IT an den Anforderungen aus dem Business (ITAlignment) den Druck auf die ITBudgets. Darüber hinaus werden in ausgewählten Branchen (z.B. Finanzsektor) ca. 50 % des knappen Budgets in Projekte mit unklarem Wertbeitrag investiert. Die Entscheidung, die „richtigen“ ITProjekte durchzuführen wird, unter Berücksichtigung der begrenzten ITBudgets immer wichtiger. Laut GartnerGroup gehört die effiziente Führung eines ITProjektportfolios zu den Grundaufgaben einer jeden Unternehmung. Dennoch wird aktuell dem ITProjektportfolioManangement relativ wenig Beachtung geschenkt. Durch einen standardisierten ITProjektportfolioprozess erreichen, laut einer Studie der META Group, 25 % von 2000 befragten CIOs eine ITEffizienzsteigerung von 20-25%. Neben der Erhöhung der Wirtschaftlichkeit führt der zielgerichtete Einsatz von ITProjektportfolioManagement zu einer effizienten Planung, fortlaufender Kontrolle und erfolgreichem Abschluss von ITProjekten.

Im Rahmen dieser Arbeit wird auf die theoretischen Grundlagen des ITProjektportfolioManagement eingegangen. Hierbei folgt eine Darstellung der Zusammenhänge und Abgrenzung zwischen den Disziplinen Portfolio-, Programm- und Projektmanagement.

Nach der Erarbeitung eines unternehmensweiten Ordnungsrahmens für das ITProjektportfolioManagement wird auf ausgewählte Prozessbausteine und deren Methoden zur Umsetzung detailliert eingegangen. Dabei werden aktuelle Verfahrensmodelle der betrieblichen Praxis betrachtet und Schwachstellen kritisch beleuchtet.

Darauf aufbauend werden Ansätze vorgeschlagen, um ein allgemeingültiges Modell für global agierende Konzerne zu finden. Die detaillierte Umsetzung des Modells, sowie die Adaption auf ein spezifisches Unternehmen ist nicht Bestandteil dieser Arbeit und erfolgt erst im Rahmen des Forschungsprojekts.

1 Einleitung (Relevanz)

Die Informationstechnologie (IT) ist heute schon in vielen Branchen ein kritischer Erfolgsfaktor. Zukünftig werden nahezu alle Branchen hochgradig von der IT abhängig sein und damit werden die Investitionen in die IT einen immer stärkeren Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben. In einer aktuellen Studie der Hacket Group wurden 2.100 Unternehmen im Zusammenhang zwischen ITInvestitionen und Unternehmenserfolg untersucht. Das Ergebnis der Studie ist, dass sich höhere Investitionen in die IT auszahlen, wenn sie zielgerichtet eingesetzt werden. Eine effiziente ITLandschaft ist deshalb eine Voraussetzung für den Unternehmenserfolg.

In der Praxis wird dies momentan mit einer Transformation der monolithischen ITSysteme (bestehende isolierte Anwendungen, die eine feste, untrennbare Einheit bilden) hin zu flexibleren ITArchitekturen versucht.1 Nicht nur deshalb hat die Zahl der großen ITProjekte in den letzten Jahren stark zugenommen, aber es gab nur wenige Fortschritte in Bezug auf die Erfolgsquote von ITProjekten.

Die Standish Group, die seit mehr als zehn Jahren den Erfolg und Misserfolg von ITProjekten untersucht, veröffentlichte 2004 eine Studie über 8.000 untersuchte ITProjekte in den U.S.A. Nach dieser Studie sind von den 8.000 Projekten mehr als 15 % nicht fertig gestellt worden. Nur etwas mehr als 51 % wurden beendet, lagen aber weit über dem Zeitplan und Budget oder lieferten weniger Funktionalität als erwartet. Lediglich 34 % der Projekte liefen gemäß Planung ab.2

Andere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen, z.B. führt die Fehlallokation von Ressourcen zu der viel zitierten Situation, dass ca. 70 % aller ITProjekte die geplanten Ziele nicht erreichen.3

Es stellt sich die Frage nach den Gründen für die Misserfolge hinsichtlich von ITProjekten. Die Ursachen sind oft in mangelnder Definitionen der Projektziele und ungenügender Planung zu suchen. Genauso spielen Fehlschätzungen bei Kosten und Zeit eine große Rolle.4 Des Weiteren werden aufgrund heterogener und stellenweise sehr komplexer Zielsetzungen der Unternehmung oder einzelner Geschäftseinheiten die ITRessourcen und -Budgets signifikant überstiegen.5

Das Zusammenbringen der Anforderungen aus dem Business mit der IT und die übergreifende Planung der daraus resultierenden ITProjekte ist Aufgabe der ITVerantwortlichen. Dies zu gewährleisten ist nur mit einem übergreifenden ITProjektportfolioManagement (ITPPM) möglich.

Durch ITPPM werden die ITProjekte auf die Unternehmensziele ausgerichtet, um somit einen positiven Wertbeitrag zu leisten. Mit Methoden und Instrumenten des ITPPM lassen sich die vielfältigen Aufgaben zur Bewertung, Qualifizierung und zur kontrollierten Steuerung sämtlicher ITProjekte ganzheitlich erfolgreich realisieren. Dies beginnt bei der Anforderungsanalyse, Auswahlentscheidung und Prioritätensetzung bis hin zur Realisierung und Produktivsetzung der jeweiligen ITProjekte.6

Darüber hinaus wird ein zentralisierter Blick über alle ITProjekte in der Organisation geschaffen. Dadurch können Abhängigkeiten zwischen den Projekten früher erkannt und Redundanzen beseitigt werden. Ebenso können nicht rentable Projekte früher gestoppt und der Fokus auf hochwertige Projekte, die zum Unternehmenserfolg beitragen, gelegt werden.7

1.1 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, ein Modell zur effizienten ITProjektportfolioPlanung für multinationale Konzerne zu finden. In der ITProjektportfolioPlanung werden sowohl die bereits laufenden und in den Vorperioden nicht berücksichtigten als auch neue Projektvorschläge miteinbezogen. Insofern stellt die ITProjektportfolioPlanung und –priorisierung eine wichtige Weichenstellung für ein effektives ITPPM dar. Durch eine gründliche und gezielte Planungs- und Priorisierungsphase können frühzeitig Unstimmigkeiten innerhalb und zwischen den Projekten entdeckt werden.

In dieser Arbeit soll nicht auf das unternehmensweite ProjektPortfoliomanagement eingegangen und ebenso wenig soll das ITPortfolioManagement betrachtet werden, sondern vielmehr soll direkt mit dem ITPPM eingestiegen werden. Es werden dabei die aktuellen Vorgehensweisen in der Theorie und in der Praxis untersucht. Basierend auf den aktuellen Entwicklungen im ITPPM und den daraus resultierenden Ergebnissen wird ein überarbeitetes Modell bzw. Artefakt skizziert, welches die Planungsund Priorisierungsphase im ITPPM bei multinationalen Konzernen unterstützen und erleichtern soll.

Ausserdem wird ein Vorgehenskonzept entwickelt, wie dieses Modell später in der Praxis evaluiert und verifiziert werden kann. Die konkrete Umsetzung dieses Modell ist allerdings nicht Teil dieser Arbeit, sondern soll erst in der daraus resultierenden Projektarbeit realisiert werden. Die Projektarbeit wird jedoch schon im Rahmen dieser Vorstudie projektiert. Im Vordergrund steht hierbei die Skizzierung des Projektaufbaus für die Umsetzung des entwickelten Modells in der Praxis mit zeitlicher Planung, Kostenplanung und Risikomanagement.

Ein weiteres Ziel dieser Arbeit ist vorab das vorgestellte Modell kritisch zu würdigen, um Vorteile und Grenzen aufzuzeigen, sowie Folgeaktivitäten darzulegen.

1.2 Vorgehensweise

Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über die einzelnen Kapitel. Beim Aufbau dieser Arbeit wurde bewusst auf das in der Lehrveranstaltung besagte Modell „Theory Building vs. Design Science vs. Engineering“ eingegangen.

In Kapitel 1 steht die Einführung in das Themengebiet ITPPM im Vordergrund. Vor allem wird auf die aktuelle Relevanz des Themas eingegangen. Zum weiteren Verständnis werden dabei die Zielsetzung und der Aufbau dieser Arbeit erläutert.

In Kapitel 2 werden die Grundlagen und Elemente des ITPPM aufgezeigt. Die Abgrenzung des Themas von ITPortfolioManagement, ITProgrammManagement und ITProjektManagement ist dabei genauso wichtig, wie das Aufzeigen des aktuellen ISTModels des ITPPM. Dabei wird ein Frame­work skizziert, anhand dessen die einzelnen Phasen beschrieben werden. Besonderes Augenmerk wird dabei den in der Zielsetzung herausgestellten Phasen der Planung und Priorisierung von ITProjekten gewidmet.

Nach der Einführung und Beschreibung des Begriffs ITPPM, wird in Kapitel 3 die Frage nach einem praxiserprobten Modell beantwortet. Hierfür wurden mehrere Ansätze aus der Praxis untersucht und es wird im Speziellen auf den Praxisansatz von dem multinationalen Industriekonzern CocaCola eingegangen.

Die aus Kapitel 2 und 3 resultierenden Ergebnisse werden in Kapitel 4 analysiert. Es werden Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet, sowie eine neue und effiziente Modellbeschreibung entwickelt.

Kapitel 5 hat die Evaluierung der angestellten Überlegungen zum Ziel. Es wird auf die Evaluationsmethoden eingegangen, mit welchen die neue Teilmodellbeschreibung des ITPPM bei der Umsetzung in der Praxis verifiziert werden kann. Ein Evaluationsframework wird hier erstellt, um später bei der Einführung beim Kunden zu unterstützen.

Die Projektierung wird in Kapitel 6 beschrieben. Hier geht es darum zu planen, wie die Einführung des Projekts in der Praxis aussehen wird. Neben dem Projektaufbau wird auf die zeitliche Planung, die Kostenplanung und das Risikomanagement eingegangen.

Zum Schluss der Studie erfolgt in Kapitel 7 eine kritische Würdigung der Arbeit. Dabei werden die Vorteile und Grenzen des Vorgehens aufgezeigt und es wird auf Möglichkeiten für Folgeaktivitäten eingegangen.

2 ITProjektportfolioManagement (ITPPM)

Der fundamentale Wandel des Umfelds von Unternehmen hat die Entwicklung der Unternehmen in den letzten Jahren grundlegend verändert und beschleunigt. Die Veränderungen im Umfeld lassen sich durch den globalisierten Wettbewerb, auf einen gewandelten politischen, regulatorischen und sozialen Rahmen als auch auf neue technologische Möglichkeiten zurückführen. Diese veränderten Umfeldkomponenten führen zu einer erheblichen Steigerung der Komplexität in Hinblick auf sich überlagernde Organisationsdimensionen, Prozesse, Projekte und Geschäftsfelder.8 Projekte sind ein essentieller Bestandteil der Veränderungsbemühungen innerhalb der Unternehmen. Projektvorhaben stehen im Unternehmen jedoch nicht alleine, sondern wetteifern um die notwendigen internen Ressourcen und um begrenzte finanzielle Mittel. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren bei vielen Unternehmen durch kontinuierliche EffizienzverbesserungsMaßnahmen und „LeanProcess“-Programme die internen, für Projekte zur Verfügung stehenden Ressourcen deutlich reduziert.9

Aufgrund einer zunehmenden Komplexität des Umfelds bei steigender Anzahl und Vielfalt an Projekten, sowie Interdependenzen zwischen den Projekten und stets mangelnder Ressourcen, wird eine koordinierte, projektübergreifende Planung, Organisation und Steuerung der Projektlandschaft (Projektportfolio) unerlässlich.10

Nach Darstellung der Relevanz des Themas für viele Unternehmen, fokussiert sich das folgende Kapitel auf die Abgrenzung der Begriffswelt, dem Aufzeigen eines aktuellen Ordnungsrahmens für das ITPPM, die detaillierte Beschreibung der einzelnen Phasen, sowie deren Methoden.

2.1 Abgrenzung und Einordnung der Begriffswelt

Im Bereich des ITPPM gibt es eine Vielzahl an Begrifflichkeiten, welche teilweise Abhängigkeiten zueinander aufweisen. Für das bessere Verständnis, sowie die klare Abgrenzung der Begrifflichkeiten für die weitere Arbeit, werden die folgenden Begriffe im Folgenden näher betrachtet:

- ITPortfolioManagement
- ITProjektportfolioManagement (ITPPM)
- ITProgrammManagement
- ITProjektManagement

Das ITPortfolioManagement ist ein Überbegriff zur Kapselung aller innerhalb der IT vorhandenen Portfolios, wie u.a. dem Projekt-, dem Solution- oder auch dem Serviceportfolio einer ITOrganisation.

Diese Portfolien müssen eine zielgerichtete Ausrichtung, sowie einen klaren Mehrwert für die vorhandene ITStrategie haben, welche wiederum eine klar definierte Auswirkung auf die unternehmensweite Strategie haben sollte. Für die weitere Arbeit ist nur das ITProjektportfolioManagement von Interesse. Dieses umfasst die Koordination der Gesamtheit der zur Verfügung stehenden ITProjekte mit dem Ziel der bestmöglichen Erreichung der Unternehmensziele unter optimalem Einsatz der vorhandenen Ressourcen.11 Die Koordination beinhaltet Aufgaben der Priorisierung, Steuerung und Kontrolle der einzelnen Projekte.12 Die Priorisierung und anschliessende Auswahl der vorhandenen Projekte darf nicht nur ITinternen Zielen folgen, sondern muss eine klare Relevanz haben und einen definierten Beitrag für die Unternehmensstrategie leisten. Die „richtige“ Auswahl der Projekte ist somit eine der Hauptaufgaben des ITPPM und hat dadurch eine direkte Wirkung auf die Effektivität der IT. Das ITProgrammManagement dagegen ist das Management gekoppelter Einzelprojekte mit einem gemeinsamen Hauptziel, welche eine vernetzte Planung, gemeinsame Regeln und Kultur, sowie eine abgestimmte Kommunikation erfordern, um mittels eines zeitlich begrenzten Vorhabens eine strategische Aufgabe zu erfüllen.13 Das ITProgrammManagement dient somit der „effizienten“ Ausführung der im ITPPM selektierten Projekte mit gemeinsamem Ziel und hat nicht die Aufgabe die eigentliche Durchführung der Projekte zu leiten. Dies ist und bleibt weiterhin die Aufgabe des ITProjektManagements und deren Projektmanager. Das Projektmanagement befasst sich mit der Führung und Durchführung der ausgewählten Projekte, welche als geschlossene, komplexe und/oder in sich geschlossene Aufträge bezeichnet werden und eine Projektmethodik erfordern, um alle Aktivitäten zu planen, steuern, durchführen und kontrollieren zu können.14 Damit können unter Einsatz der „richtigen“ Methoden Projekte erfolgreich abgeschlossen werden und die Projektmanager einen wesentlichen Beitrag für die Effizienz der IT leisten.

Die nachfolgende Abbildung stellt die aufgezeigten Zusammenhänge grafisch dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einordnung und Abgrenzung ITPPM
Quelle: Eigene Darstellung.

Die Leistungserstellung innerhalb der IT wird somit durch die zwei Managementdisziplinen ITPPM, welches das Ziel der „richtigen“ Projektauswahl verfolgt, und ITProjektManagement, welches die „richtige“ Leitung und Durchführung der einzelnen Projekte als Ziel hat, wesentlich beeinflusst. Diese beiden Disziplinen haben damit einen direkten Einfluss auf die Effektivität und Effizienz einer ITOrganisation. Folgende Abbildung verdeutlicht dies.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Effektivität vs. Effizienz innerhalb der IT
Quelle: CubelesMarquez (2008), S. 33.

2.2 IstModell ITPPM

2.2.1 Allgemein

In der heutigen Zeit sind viele ITOrganisationen einem hohen Druck ausgesetzt. Neben der Vielzahl an gleichzeitig ausgeführten Projekten, müssen diese zum einem „richtig“ und damit „effizient“ ausgeführt werden und zum anderen einen klaren Beitrag für die Unternehmensstrategie, um damit einen Wertbeitrag für das Unternehmen liefern. In dieser Situation müssen heutige Chief Information Of­ficers (CIOs) nicht nur die „richtigen“ ITProjekte „richtig“ ausführen, sondern den Wertbeitrag der IT und deren Projekte unternehmensweit darlegen, um die vergangenen sowie zukünftigen ITInvestitionen zu qualifizieren und quantifizieren.15 Bei einem eingesetzten ITGesamtbudget von rund $780 Mrd. in den USA 2002 ist die Adaption eines ITPPM für immer mehr CIOs von grosser Bedeutung. Neben der Studie von Jeffery und Leliveld 2003, die unter Befragung von 130 CIOs den Einsatz eines optimalen ITPPM bei nur 25% der Befragten feststellte,16 stellt auch Gartner die Wichtigkeit von ITPPM in den Fokus und prognostiziert, dass 40% der grossen ITOrganisationen einen strukturierten und disziplinierten ITPPM Ansatz für die Koordination der ITInvestitionen mit dem Fokus, die strategischen Ausrichtung zu verbessern, einführen werden.17

Nach Kevin Hughes liefert das ITPPM schliesslich die notwendige Unterstützung bei der Identifizierung, Auswahl, Priorisierung, sowie der Ressourcenallokation für anstehende Projekte und ermöglicht dadurch eine strukturierte Vorgehensweise, um die wichtigsten Projekte zu identifizieren und anschliessend auszuwählen. Ausserdem sind Mechanismen zum effektiven Umgang mit unwichtigen Projekten notwendig.18 Weitere Hauptaufgaben des ITPPM sind die Betrachtung der Ausrichtung der ITProjekte auf die Unternehmensstrategie, die Risikobewertung, die kontinuierliche Überwachung, sowie das Verstehen bzw. das Vereinfachen der Komplexität der Projektvielfalt und deren Abhängigkeiten untereinander.

Durch den Einsatz von ITPPM verspricht CubelesMàrquez u.a. folgende Vorteile für die Unternehmen und deren ITOrganisationen19:

- Maximierung des Return on Investment (ROI) von ITProjekten durch den Fokus auf hochwertige Projekte
- Transparenz des Auswahlprozesses der Projekte
- Konsolidierung der Projekte und Vermeidung redundanter Projekte durch eine zentrale Übersicht aller Projekte
- Effizienz in der Ressourcenplanung
- Standardisierte Messung und Berichte über die Projekterfüllung

2.2.2 Portfolioframework nach Jenny

Trotz der genannten Vorteile und der aktuellen Relevanz für viele ITOrganisationen befasst sich ein Grossteil der Fachliteratur nur mit einzelnen Methoden und deren Kombination und nur selten mit einem übergreifenden Prozessframework für den Einsatz von ITPPM. Dennoch soll in der vorliegenden Arbeit ein Framework mit den einzelnen Phasen und Prozessen des ITPPM vorgestellt werden. Dabei wird das aktuelle Prozessmodell von Bruno Jenny detaillierter betrachtet. Dieses besteht aus den folgenden fünf Hauptprozessen20:

- PortfolioProjektaufnahmeprozess,
- PortfolioProjektführungsprozess,
- PortfolioProjektabnahmeprozess,
- ProjektportfolioManagementprozess und
- ProjektportfolioSupportprozess.

Diese fünf Prozesse wiederum sind über die drei Portfoliophasen verteilt:

- Aufnahmephase,
- Führungsphase und
- Abschlussphase.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: ITPPM Framework nach Jenny
Quelle: Jenny (2009), S.222.

Der PortfolioProjektaufnahmeprozess beschreibt den detaillierten Ablauf für die Aufnahme, sowie Absage von Projektaufträgen und -anträgen. Dabei werden sechs Einzelschritte durchlaufen, um ein transparentes, ausgeglichenes und strategiekonformes Portfolio zu erreichen:

1. Projektantrag bewerten
2. Projekt priorisieren
3. Projektauftrag ausarbeiten
4. Projektauftrag bewerten
5. Projekt priorisieren
6. Masterplan überarbeiten

Der PortfolioProjektführungsprozess dagegen befasst sich mit der Überwachung der einzelnen Projekte des Portfolios. Dabei steht die Überwachung einzelner Kennzahlen, wie u.a. Termin und Budget, deren SollIstVergleich, sowie die Koordination daraus resultierender Massnahmen im Vordergrund. Darüber hinaus müssen die Portfolioverantwortlichen auch die kumulierten Werte und die Gesamtwirkung einzelner Abweichungen auf das Portfolio bewerten und entsprechende Massnahmen ableiten.

Nach Abschluss eines Projektes bzw. Lieferung der im Projekt definierten Leistung fokussiert sich der PortfolioProjektabnahmeprozess auf die Überprüfung der geplanten Projektkosten und –ziele mit den tatsächlich angefallenen und umfasst folgende Schritte:

1. Projekterfolgsbericht erstellen
2. Abweichungsanalyse durchführen
3. Projektportfolio- und StrategieEmpfehlung abgeben

Damit ist das Ziel dieses Prozesses, die letztendliche Wirkung eines Projektes und dessen Folgen transparent zu machen, um notwendige Anpassungen an dem Portfolio, sowie der Methoden im Rahmen der kontinuierlichen Verbesserung vorzunehmen.

Der phasenübergreifende ProjektportfolioManagementprozess befasst sich dagegen mit den folgenden Fragen:

- Welche Vorhaben sollen realisiert werden?
- Wie können laufende Projekte geführt bzw. unterstützt werden?
- Welchen Effekt haben umgesetzte Projekte auf den Unternehmenserfolg?

Durch die Analyse und Beurteilung vorhandener Projektinformationen stellt dieser Prozess sicher, dass in allen Phasen auf vorhandene Probleme und Risiken reagiert werden kann, die „richtigen“ Projektentscheidungen getroffen und diese Entscheidungen und resultierenden Massnahmen an die wichtigsten Stakeholder kommuniziert werden.

Der ProjektportfolioSupportprozess unterstützt die einzelnen Portfolioprozesse phasenübergreifend durch administrative Leistungen, wie u.a. der Pflege und Aufbereitung von notwendigen Projektdaten. Ausserdem werden mit Hilfe dieses Prozesses Portfolio- und Projektstandards definiert.

2.2.3 Vereinfachtes ITPPM Framework

Mit der Einteilung in drei Hauptphasen und fünf Hauptprozesse stellt Jenny ein sehr umfassendes ITPPM Framework dar, welches wiederum verschiedenste Methoden innerhalb der einzelnen Phasen und Prozesse kapselt. Betrachtet man dieses Framework aus einer tätigkeitsorientierten, und nicht prozessorientierten Sichtweise findet das folgende erstellte ITPPM Framework Anwendung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Tätigkeitsorientiertes ITPPM Framework
Quelle: Eigene Erstellung.

In diesem Framework sind alle beeinflussenden Parteien einer Unternehmung, wie die verschiedenen Stakeholder des Unternehmens, die verschiedenen Unternehmensgeschäftsbereiche, sowie die IT als Beteiligte an dem ITPPM dargestellt. Ausgehend von den Stakeholdern einer Unternehmung und deren Bedürfnisse erstellt ein Unternehmen eine Strategie, welche wiederum innerhalb der IT spezifisch umgesetzt wird. Darüber hinaus werden durch die Interaktion zwischen den Stakeholdern und den Geschäftsfeldern Erwartungen festgestellt, welche wiederum Leistungen von der IT erfordern. Die Koordination ausgehend von der Bewertung, der Selektion und der anschliessenden Entscheidung über die Umsetzung der Erwartungen erfolgt in der dargestellten Planungsphase des ITPPMs. Die Überwachung und Kontrolle der Umsetzung erfolgt in der Steuerungsphase. Innerhalb der Phase Evaluati­on werden abschliessend die Projektergebnisse analysiert, verglichen mit den SollWerten und anschliessend gefundenes Verbesserungspotential im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses in die Methoden und Vorgehensweisen der Planungs- und Steuerungsphase übernommen. Einzelne Methoden der ITPPM Phasen werden im folgenden Kapitel näher betrachtet.

[...]


1 Vgl. Zimmermann (2008), S. 460.

2 Vgl. Tscherne (2006), S. 3.

3 Vgl. Zimmermann (2008), S. 460.

4 Vgl. Tscherne (2006), S. 3.

5 Vgl. Bartenschlager/Heym (ohne Datum), S. 1.

6 Vgl. Tiemeyer (2008), S. 43.

7 Vgl. CubelesMarquez (2008), S. 33.

8 Vgl. Wollmann (2008), S. 67.

9 Vgl. Wieder (2007), S. 1.

10 Vgl. Eßeling (2008), S. 109.

11 Vgl. Müller et al. (ohne Datum), S. 10.

12 Vgl. Jenny (2009), S. 217.

13 Vgl. Jenny (2009), S. 105.

14 Vgl. Jenny (2009), S. 107.

15 Vgl. META Group (2002), S. 2.

16 Vgl. Jeffery/Leliveld (2004), S. 41 ff.

17 Vgl. Spizzuco (2007), S. 2.

18 Vgl. Hughes (2007), S. 1.

19 Vgl. CubelesMarquez (2008), S. 33.

20 Im folgendem Vgl. Jenny (2009), S. 222 ff.

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Modell zur effizienten IT-Projektportfolio-Planung in multinationalen Konzernen
Hochschule
Universität Liechtenstein, früher Hochschule Liechtenstein  (Wirtschaftsinformatik)
Veranstaltung
Design Science Research
Note
6.0 (=1.0)
Autoren
Jahr
2008
Seiten
60
Katalognummer
V126766
ISBN (eBook)
9783640332205
ISBN (Buch)
9783640332199
Dateigröße
1964 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Authoren: Stefan Bauert, Andreas Grünbecken, Christian Kopp, Christian Mohr
Schlagworte
Modell, IT-Projektportfolio-Planung, Konzernen
Arbeit zitieren
Dipl. Wirtschaftsinformatiker (BA) S. Bauert (Autor)A. Grünbecken (Autor)C. Kopp (Autor)C. Mohr (Autor), 2008, Modell zur effizienten IT-Projektportfolio-Planung in multinationalen Konzernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126766

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