Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage des Einflusses von Just-in-Time auf die Arbeitnehmer in der Produktion. Es werden zunächst relevante Komponenten des Toyota Produktionssystems, die mit Just-in-Time in Verbindung stehen, definiert. Dann erfolgt eine Aufstellung der Anforderungen des Just-in-Times an den Arbeitnehmer und der Belastungen, denen er sich ausgesetzt sieht. Anschließend wird verdeutlicht, dass dieses ursprüngliche Just-in-Time System in Japan zwar durchsetzbar war und ist; für Deutschland allerdings humanisiert werden muss.
This paper deals with the influence of Just-in-Time on shop floor workers. First of all a Just-in-Time related definition of important parts of the Toyota Production System is given. Then the requirements for the employees and their pressures are shown. Furthermore it will be illustrated why Just-in-Time has succeeded in Japan, but has to be humanized to get implemented in Germany.
Inhaltsverzeichnis
1. Grundproblematik
2. Überblick über die wichtigsten Komponenten des Toyota Produktionssystems
2.1 Kaizen
2.2 Total Quality Control
2.3 Production leveling
2.4 Kanban
2.5 Just-in-Time
2.6 Just-in-Time zwischen Zulieferer und Endhersteller
3. Rolle des Arbeiters im Just-in-Time Prozess
3.1 Anforderungen an die Arbeitnehmer
3.1.1 Verantwortungsvolle Arbeitnehmer
3.1.2 Qualifizierte Arbeitnehmer
3.1.3 Kooperative Arbeitnehmer
3.1.4 Teamfähige Arbeitnehmer und Teamleiter
3.2 Belastung der Arbeitnehmer
3.3 Folgen der Belastung
4. Arbeitssituation in Japan
4.1 Arbeitskultur
4.2 Rolle der Gewerkschaften
5. Übertragung von Just-in-Time auf Arbeitnehmer in deutschen Produktionen
5.1 Erfüllung der Anforderungen des Just-in-Time durch Arbeitnehmer in deutscher Produktion
5.2 Zumutbarkeit der durch Just-in-Time bedingten Belastung für die Arbeitnehmer in Deutschland
6. Weiterer Forschungsbedarf
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Just-in-Time-Konzepts des Toyota Produktionssystems auf die Arbeitnehmer in der Produktion. Dabei wird analysiert, ob sich dieses in Japan erfolgreiche Modell eins zu eins auf die deutsche Automobilindustrie übertragen lässt oder ob eine Humanisierung der Arbeitsbedingungen zwingend erforderlich ist.
- Analyse der zentralen Komponenten des Toyota Produktionssystems (Kaizen, Kanban, JIT, etc.)
- Untersuchung der psychischen und physischen Belastungen für Arbeiter im JIT-Prozess
- Vergleich der japanischen Arbeitskultur mit den Gegebenheiten in Deutschland
- Evaluation der Übertragbarkeit und Zumutbarkeit für deutsche Arbeitnehmer
- Notwendigkeit einer Anpassung („Humanisierung“) an westliche Standards
Auszug aus dem Buch
3.2 Belastung der Arbeitnehmer
Zu maßgeblich Belastungen für die Arbeitnehmer trägt die Produktion ohne Puffer zwischen den Produktionsschritten und ohne Zeitreserven in der Fertigung (Roth/Schulten 1996) bei. Das Eliminieren dieser Puffer führt dazu, dass für die Arbeitnehmer keinerlei Möglichkeit mehr besteht kurze Pausen zwischen einzelnen Arbeitsschritte einzulegen (Hampson 1999). Die Situation der Arbeitnehmer an der Linie wird somit wie folgt beschrieben: „...workers must work every second of every minute, without a moment for a break.“ (Mehri 2006, S.25). Des weiteren wird den Arbeitnehmer durch das System der ständigen Verbesserung die Möglichkeit genommen, durch Verbesserungen ihres Arbeitsablaufes die Arbeitsgeschwindigkeit zu reduzieren, da solche Verbesserungsvorschläge durch Kaizen sofort ins System integriert werden und somit die Geschwindigkeit gleich bleibt oder sogar erhöht wird (Hampson 1999).
Ein weiterer Grund für die gesteigerte Belastung der Arbeitnehmer kann zudem die eingeführte Teamarbeit sein, die unter Umständen zu stressverursachenden interpersonellen Relationen führt (Fairris/Tohyama 2002). Außerdem zwingt das Total Quality Management genauso wie Kaizen und die daraus erwachsende und bereits beschriebene gesteigerte Verantwortung eine erhöhte Aufmerksamkeit des Arbeitnehmers und somit eine höhere Belastung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Grundproblematik: Einführung in die Fragestellung zur Übertragbarkeit des Toyota Produktionssystems auf deutsche Fertigungsstätten unter Fokus auf den Arbeitnehmer.
2. Überblick über die wichtigsten Komponenten des Toyota Produktionssystems: Erläuterung der Kernelemente wie Kaizen, Total Quality Control, Production leveling, Kanban und Just-in-Time.
3. Rolle des Arbeiters im Just-in-Time Prozess: Analyse der Anforderungen an die Beschäftigten sowie der daraus resultierenden Arbeitsbelastungen und deren Folgen.
4. Arbeitssituation in Japan: Betrachtung der kulturellen Rahmenbedingungen und der spezifischen Rolle der Gewerkschaften, die eine Akzeptanz der Belastungen begünstigen.
5. Übertragung von Just-in-Time auf Arbeitnehmer in deutschen Produktionen: Bewertung der Umsetzbarkeit unter Berücksichtigung der hiesigen Arbeitnehmerinteressen und Arbeitsbeziehungen.
6. Weiterer Forschungsbedarf: Ausblick auf notwendige künftige Untersuchungen zur konkreten Gestaltung eines humanen „deutschen“ Just-in-Time-Modells.
Schlüsselwörter
Just-in-Time, Toyota Produktionssystem, Automobilindustrie, Arbeitsbelastung, Humanisierung, Arbeitskultur, Lean Production, Kaizen, Kanban, Teamarbeit, Arbeitnehmer, Produktion, Gewerkschaften, Arbeitsbedingungen, Produktionsoptimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den Einfluss des Just-in-Time-Produktionsansatzes aus dem Toyota-System auf die Arbeitnehmer und hinterfragt dessen Übertragbarkeit auf die deutsche Automobilindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen Produktionsmethodik, Arbeitspsychologie, soziokulturelle Unterschiede im Arbeitskontext sowie arbeitsrechtliche und gewerkschaftliche Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Klärung, ob die durch Just-in-Time verursachten Belastungen für deutsche Arbeitnehmer zumutbar sind und ob das japanische Modell in Deutschland eine Anpassung erfordert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rein theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich vorhandener Fallstudien und Management-Theorien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die technischen Komponenten des Systems, die Anforderungen an den Arbeiter, die japanische Arbeitskultur und die spezifischen Bedingungen in Deutschland gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Just-in-Time, Toyota Produktionssystem, Arbeitsbelastung, Humanisierung und Lean Production.
Warum spielt die japanische Arbeitskultur eine Rolle für das System?
Die Arbeit stellt heraus, dass die japanische Gruppenorientierung und die Rolle der Gewerkschaften Faktoren sind, die das Ertragen hoher Belastungen im Just-in-Time-Modell in Japan erst ermöglichen.
Ist Just-in-Time eins zu eins in Deutschland umsetzbar?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die ursprüngliche Form aufgrund der immensen Arbeitsbelastung und anderer kultureller Rahmenbedingungen in Deutschland zu Konflikten führen würde und daher humanisiert werden muss.
- Arbeit zitieren
- Stephan Mühlhäuser (Autor:in), 2009, Das Toyota Produktionssystem - Vorbild für die deutsche Automobilindustrie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126782