Diese Arbeit hat den Zweck von Salomes Darstellung als Femme fatale bei Oscar Wilde entschlüsseln und klären, auf welche Weise diese Frauenrolle ihrer Epoche einen Spiegel vorhält.
Um die Jahrhundertwende 1900, in der Zeit des Fin den siècle, wurde die namenlose biblische Prinzessin und Stieftochter des Tetrarchen Herod zu Salome, einer der berühmtesten biblischen Gestalten in der Literatur und erschien dabei in vielen unterschiedlichen Facetten, von denen eine die Femme fatale ist. Das Bild von Salome, wie wir sie uns heutzutage vorstellen, eine fatale Schönheit und mächtige, aber auch tragische Frau, wurde erstmals von Oscar Wilde in der gleichnamigen Tragödie "Salome" 1891 in der französischen Sprache geschaffen und lässt sich in die Epoche der Décadence und des französischen Symbolismus einordnen. Die meisten Versionen der Interpretation der Salome-Figur während der Jahrhundertwende wurden säkularisiert und dienten nicht mehr nur religiösen Zwecken. Sie spiegelten die neue Stimmung der Jahrhundertwende wider.
Salome war zugleich das Wunsch- aber auch Angstbild und eine Projektionsfläche der Gesellschaft. Sie stand für das Fremde, das verführerisch Faszinierende und Gefährliche und repräsentierte damit die Schatten des verborgenen Unbewussten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Grundlage des Salome-Mythos in der Bibel
3. Unterschiede zwischen der Salome im Markus-Evangelium und Wildes Salome
4. Einflüsse auf Oscar Wildes Salome
5. Salomes Darstellung als Femme Fatale in Wildes Tragödie und Zusammenfassung
6. Erklärung der Femme fatale
7. Erklärung für die Femme fatale im Fin de Siècle und Décadence
8. Interpretation, Metaebene und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Transformation der biblischen Salome-Figur hin zur Femme fatale in Oscar Wildes gleichnamiger Tragödie und analysiert, wie diese Frauenrolle als Spiegel sowie Projektionsfläche für die gesellschaftlichen, psychologischen und moralischen Spannungen der Epoche des Fin de Siècle fungierte.
- Historische Herleitung des biblischen Salome-Mythos im Markusevangelium.
- Vergleichende Analyse der Salome-Figur: Bibel vs. Oscar Wilde.
- Einflüsse der Décadence und des Symbolismus auf Wildes Adaption.
- Die Funktion der Femme fatale als Ausdruck gesellschaftlicher Krisen und männlicher Ängste.
- Deutung von Salome als symbolische Personifikation der Kunst.
Auszug aus dem Buch
3. Unterschiede zwischen der Salome im Markus-Evangelium und Wildes Salome
Der größte Unterschied zwischen der Prinzessin im Markus-Evangelium und der Salome bei Wilde, ist das sie einen eigenen Namen bekommt und nach eigenem Willen handelt. Der Wunsch nach dem Haupt des Johannes kommt von Salome selbst und wird ihr nicht von Herodias eingeflüstert. Sie wird von einer Nebenfigur zu einer Hauptfigur.
Die Frau wird erst bei Wilde explizit vom heiligen Johannes dämonisiert. Salome setzt ihre Reize bewusst ein, um Johannes, den sie im Gegensatz zu anderen Männern, nicht haben kann, zu vernichten. (Vgl. Walz 2008: 148)
Der Tanz spielt im literarischen Werk eine viel größere Rolle. Im Evangelium tanzt Salome von alleine, in der Tragödie tanzt Salome, weil Herodes ihr verspricht, jeden ihrer Wünsche zu erfüllen. Bei Markus wiegt Salomes Schuld am Tod des Johannes weniger als die der Herodias oder des Herodes. (Vgl. Walz 2008: 59)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Einordnung der Salome-Figur um 1900 ein und stellt die zentrale Untersuchung der Femme fatale bei Oscar Wilde vor.
2. Historische Grundlage des Salome-Mythos in der Bibel: Dieses Kapitel bietet eine Zusammenfassung der biblischen Geschichte aus dem Markusevangelium und interpretiert die Rollen von Herodes, Herodias und Salome in ihrem ursprünglichen Kontext.
3. Unterschiede zwischen der Salome im Markus-Evangelium und Wildes Salome: Hier werden die zentralen Abweichungen herausgearbeitet, wobei Salome bei Wilde von der biblischen Nebenfigur zur selbstbestimmten Hauptfigur und Femme fatale avanciert.
4. Einflüsse auf Oscar Wildes Salome: Das Kapitel verknüpft Wildes Interpretation mit seiner eigenen Biografie sowie den ästhetischen Vorbildern des Fin de Siècle und französischen Symbolismus.
5. Salomes Darstellung als Femme Fatale in Wildes Tragödie und Zusammenfassung: Eine detaillierte Untersuchung von Salomes Entwicklung innerhalb des Stückes, ihrer Objektifizierung und ihrem Wandel zur Femme fatale.
6. Erklärung der Femme fatale: Diese Sektion definiert die Femme fatale als literarische Projektionsfläche männlicher Ängste und gesellschaftlicher Krisen der Jahrhundertwende.
7. Erklärung für die Femme fatale im Fin de Siècle und Décadence: Es beleuchtet das Lebensgefühl der Décadence und warum das Frauenbild der Femme fatale in dieser Zeit zur zentralen Identifikationsfigur wurde.
8. Interpretation, Metaebene und Fazit: Das abschließende Kapitel deutet Salome als Symbol der Kunst, die sich vom Leben loslöst und hinterfragt die fatalen gesellschaftlichen Auswirkungen dieser ästhetischen Ideale.
Schlüsselwörter
Salome, Oscar Wilde, Femme fatale, Fin de Siècle, Biblischer Mythos, Décadence, Symbolismus, Frauenbild, Objektifizierung, Moral, Kunst, Literarische Analyse, Jahrhundertwende, Johannes der Täufer, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die literarische Transformation der biblischen Salome zur Femme fatale bei Oscar Wilde und die damit verbundenen gesellschaftlichen Implikationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse umfasst die biblische Vorlage, die literarisch-biografischen Einflüsse Wilde'scher Texte sowie die soziologische Verankerung des Femme-fatale-Motivs im Fin de Siècle.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Entschlüsselung des Zwecks von Salomes Darstellung als Femme fatale und die Frage, wie dieses Frauenbild als Spiegel für die gesellschaftlichen Werte der Epoche dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung primärer dramatischer Texte und sekundärliterarischer Forschung (z.B. Walz, Blänsdorf) basiert.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf dem Vergleich zwischen dem Markusevangelium und Wildes Tragödie sowie der psychologischen Wandlung Salomes von einer Unschuldigen zur Femme fatale.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die relevantesten Begriffe sind neben Salome und Wilde besonders die Konzepte der Décadence, das Frauenbild der Femme fatale und der Konflikt zwischen Kunst und menschlichen Werten.
Inwiefern beeinflusst der historische Kontext der Décadence das Verhalten von Salome im Stück?
Der Kontext der Décadence, geprägt von Sinnsuche und moralischer Krise, fungiert als Nährboden für die extreme Charakterausprägung Salomes als symbolische Naturgewalt und zerstörtes Kunstwerk.
Welche Rolle spielt die Objektifizierung in Bezug auf Salomes Entwicklung zur Femme fatale?
Die ständige Objektifizierung durch ihr männliches Umfeld treibt Salome erst dazu, ihre eigene Identität als selbstbestimmte, fatale Akteurin durchzusetzen, was schließlich in ihre Vernichtung führt.
- Citation du texte
- Olena Brandes (Auteur), 2022, Von den Ursprüngen der Salome im Markus-Evangelium zu der Femme fatale bei Oscar Wilde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1267855