Zisterzienserklöster in Stadt und Land


Essay, 2008

7 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Im Hochmittelalter kam es zu einer schnellen und europaweiten Ausbreitung eines neu gegründeten Klosterordens. Den Ausgangspunkt für diesen Orden bildete das Kloster Cîteaux, welches 1098 in Burgund errichtet wurde. Der Klostername Cîteaux (lat. cistercium) prägte den Namen dieser neuen Klöster, der so genannten Zisterzienserklöster. Wie in jedem anderen Klosterorden bestimmten die Gebetszeiten der Zisterzienser den Tagesablauf. Allerdings wurde der Umfang im Gegensatz zu anderen Orden stark gekürzt, so verzichteten sie beispielsweise auf das Totengedenken und auf einige Zusatzpsalmen. Doch gerade das Beten der Mönche war im Mittelalter für die Menschen sehr bedeutungsvoll, da die Gebete den Zorn Gottes lindern und zugleich für ein Gleichgewicht sorgen sollten, welches durch Sünde ins schwanken geraten konnte. An diesem Punkt stellte sich mir die Frage, welche Aufgaben die Zisterzienser neben den gekürzten Gebetszeiten erledigten. Aus dieser Materie entwickelte sich prompt die Fragestellung welche Aufgaben und hieraus resultierenden Auswirkungen die Zisterzienser in Stadt und Land hatten.

In diesem Essay wird die Bedeutung, die ein Zisterzienserkloster für Stadt und Land hatte, geklärt, indem ich drei wichtige Aspekte behandeln werde. Als erstes wird die Errichtung einer Zisterze mit Funktionen einer Burg thematisiert, zweitens werden die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Zisterzienser angesprochen. Der dritte Aspekt wird die Erfassung und Neugestaltung von Land durch die Zisterzienser behandeln, um schlussendlich die Fragestellung zu beantworten. Das Essay bezieht sich überwiegend auf den Aufsatz „Klöster und Städte als neuartige zentrale Orte des hohen Mittelalters im Raum östlich der mittleren Elbe“ von Winfried Schich aus dem Jahre 2006. Dieser wurde durch das Werk „Klöster und Landschaften – Zisterzienser westlich und östlich der Oder“, welches von Ulrich Knefelkamp und Wolfgang F. Reddig herausgegeben wurde, ergänzt.

Erst einmal ist festzuhalten, dass ein Zisterzienserkloster oft wie eine Burg fungierte. Dies zeigt sich bereits in der Entstehungsgeschichte des Zisterzienserklosters Lehnin, hier wird schnell ersichtlich, dass dieses Zisterzienserkloster nicht nur für das Beten der Mönche errichtet wurde. Der Marktgraf Otto I. hatte zuvor geplant eine Burg in Lehnin zu bauen, um sich unter anderem dort dem Jüngsten Tag zu stellen. Otto I. († 1184) errichtete im Jahr 1180 aber keine Burg in Lehnin, sondern ein Zisterzienserkloster, welches wie eine Burg funktionieren sollte. Das Kloster in Lehnin wurde somit als Burg zur Verteidigung der Christenheit und für den Kampf gegen teuflische Feinde errichtet. In wie weit das Zisterzienserkloster Lehnin jedoch Auswirkungen auf die Landesbeherrschung hatte, ist ungewiss. Erwiesen ist jedenfalls, dass burgartige Klöster oft für den Widerstand bzw. für das Gegenwirken eines rivalisierenden Herrschaftsträger erbaut wurden.

Es ist deutlich erkennbar, dass Burg und Kloster oft eine Einheit bildeten bzw. diese oft miteinander verknüpft waren. So z.B. war eine Burg seit dem 11. Jahrhundert für die Herrschaftsbildung des Adels genauso bedeutsam, wie ein Hauskloster, welches als Denkmal- und Begräbnisstätte der Stifterfamilie galt. Vorzufinden war diese Art von Hauskloster z.B. bei den Askaniern in Ballenstedt oder wie im bereits oben erwähnten Lehnin.

Die Verknüpfung zwischen Burg und Hauskloster könnte meiner Auffassung nach auch begründen, warum Marktgraf Otto I. im 12. Jahrhundert anstatt einer Burg das Zisterzienserkloster in Lehnin errichtete, denn dort war keine Burg vorhanden und somit entschloss er sich eine Burg der Geistlichkeit zu errichten, quasi ein Zusammenschluss von Burg und Kloster. Des Weiteren würde dies auch erklären, warum die Klosterbezirke im 13. Jahrhundert zunehmend einer Burg ähnelten. Diese wurden hoch ummauert um von der Außenwelt strikt abgegrenzt zu werden. Zutritt war nur durch ein Torhaus möglich, welches Tag und Nacht von einem Pförtner bewacht wurde. Die Personen, denen der Zutritt des Klosterbezirks nicht gestattet war, durften jedoch an der am Torhaus anliegenden Pfortenkapelle ihre Gebete sprechen. Nebenbei wurden am Torhaus Geschäfte mit der Außenwelt betrieben und der Pflicht der Zisterzienser, die Armen zu versorgen und zu unterstützen, nachgegangen.

Letztendlich ist hier kurz festzuhalten, dass die Zisterzienserklöster größtenteils von der Außenwelt abgeschottet waren und sie durch die auffällige Weiterentwicklung, bzw. durch ihre neuen Burgfunktionen für einen strategisch wichtigen Punkt zur Sicherung von Herrschaftsgebieten und zum Widerstand gegen teuflische Feinde genutzt wurden.

Des Weiteren fielen unter dem Aufgabenbereich der Zisterzienser wirtschaftliche Aspekte. Dies lässt sich unter anderem dadurch belegen, dass viele Zisterzienserklöster an wichtigen Handelsstraßen erbaut wurden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Zisterzienserklöster in Stadt und Land
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Staufer und Welfen
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
7
Katalognummer
V126819
ISBN (eBook)
9783640329601
Dateigröße
341 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zisterzienserorden
Schlagworte
Staufer, Welfen, Zisterzienserorden, Zisterzienser, Hochmittelalter, Kloster, Zisterzienserkloster, Zisterzienserklöster, Mittelalter, Saline, Burgen im Mittelalter
Arbeit zitieren
Tobias Neuhaus (Autor), 2008, Zisterzienserklöster in Stadt und Land, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126819

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Titel: Zisterzienserklöster in Stadt und Land



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