Diese Arbeit soll sich mit diesem Phänomen, dem stetigen Drang nach Veränderung, Reformierung bzw. Neuschaffung befassen. Ein solcher Wandel in der europäischen politischen Gesellschafft weist Parallelen zu großen vergangenen Gesellschaftsumbrüchen im 18. und 19. Jahrhundert, wie der Amerikanischen Revolution, der Februarrevolution in Frankreich oder der Märzrevolution in Berlin, um nur einige wenige zu nennen, auf. Es stellt sich also die Frage, ob es sich bei dem Prozess der europäischen Integration um einen revolutionären Prozess handelt.
Bei der Definition von Revolution bedient sich diese Arbeit bei Reinhart Koselleck und dessen Analyse: "Revolution als Begriff und als Metapher" .
In seiner Dankesrede 2018 erinnerte der Karlspreisträger Emmanuel Macron an die Tatsache, dass das Projekt Europa auch in Zukunft nie abgeschlossen sein wird. Vielmehr wird diese Körperschaft, bedingt durch inneren und äußeren Druck, Spannungen und vielen weiteren gesellschaftlichen Aspekten, einem unendlichen Wandel unterlegen sein. Sodass es die Aufgabe einer jeden Generation aufs Neue sein wird, den 'Körper-Europa' an diese Veränderungen anzupassen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. REVOLUTION – EINE BEGRIFFSDEFINITION
2.1. Die Revolution der Gesellschaft
2.2. Die Revolution des Naturrechts
3. EUROPÄISCHE INTEGRATIONSGESCHICHTE 1: 1946 – 1957
3.1. Churchills Europa-Rede (19.09.1946)
3.2. Die Gründung der EGKS (18.04.1951)
3.3. EVG und EPG
3.4. EWG
4. EUROPÄISCHE INTEGRATIONSGESCHICHTE 2: 1959 – 2009
4.1. Kleine Fortschritte und Zusammenführungen
4.2. Die Gründung der EU und der Vertrag von Maastricht
4.3. Der Vertrag von Lissabon (EUV/AEUV) – Eine Verfassung?
5. EUROPÄISCHE INTEGRATION 3: ZUKUNFT
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Prozess der europäischen Integration von der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) bis zur heutigen Europäischen Union (EU) unter der spezifischen Fragestellung, ob es sich hierbei um einen revolutionären Prozess handelt. Dabei wird das theoretische Modell der "Revolutions-Spirale" auf die historische Entwicklung der europäischen Verträge angewandt, um zu klären, ob der Integrationsprozess als langjähriger, zusammenhängender Wandel oder als Aneinanderreihung getrennter Ereignisse zu verstehen ist.
- Analyse des Revolutionsbegriffs basierend auf theoretischen Modellen (u.a. Reinhart Koselleck).
- Chronologische Untersuchung zentraler Integrationsphasen (1946–1957, 1959–2009).
- Anwendung der Metapher der "Revolutions-Spirale" auf politische Verträge und institutionelle Veränderungen.
- Untersuchung der Interdependenz zwischen europäischen Teilbereichen (Wirtschaft, Politik, Gesellschaft).
- Bewertung der Zukunftsfähigkeit des europäischen Integrationsprozesses angesichts aktueller Krisen.
Auszug aus dem Buch
2. Revolution – Eine Begriffe-Definition
Koselleck machte bereits zu Beginn seiner Begriffsdefinition klar, dass eine durchgängige Erfahrung von Revolution existieren muss. „[S]ei sie nun politisch, wissenschaftlich, ökonomisch, technisch, sozial oder kulturell gemeint.“ Es lassen sich aber vor allem im politischen Sinne zwei große Aspekte festlegen, anhand derer man eine Revolution definieren kann.
Das heutige Verständnis von Revolution entstand vor allem durch die gesellschaftlichen Veränderungen in Europa, welche die Französische Revolution von 1789 bedingte. In der Revolution der Gesellschaft lassen sich seitdem mindestens zwei Erfahrungsbereiche erkennen, die zwar nicht zwangsläufig zusammengehören, aber sehr oft zusammen auftreten. Zum einen die „mit Gewalt verbundene Unruhen eines Aufstandes, der sich zum Bürgerkrieg steigern kann, der jedenfalls einen Wechsel der Verfassung herbeiführt“. Zum anderen […] einen langfristigen Strukturwandel, der aus der Vergangenheit auch in die Zukunft reichen kann.
Damit ist auch der Sonderfall in der gesellschaftlichen Revolution angedeutet. Was passiert, wenn ein Strukturwandel in der Vergangenheit beginnt, in der Gegenwart andauert und in die Zukunft reicht, ohne Anzeichen dafür, dass der Strukturwandel jemals abgeschlossen sein wird? In diesem Fall sprach Koselleck von einer 'permanenten Revolution'. Vor allem für diesen Sonderfall ist es prägend, dass sie sich über den politischen Sinn hinaus auf die ganze Gesellschaft erstreckt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob die europäische Integration als revolutionärer Prozess verstanden werden kann, und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. REVOLUTION – EINE BEGRIFFSDEFINITION: In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen des Revolutionsbegriffs, insbesondere nach Reinhart Koselleck, sowie Konzepte wie die "Revolutions-Spirale" und "permanente Revolution" dargelegt.
3. EUROPÄISCHE INTEGRATIONSGESCHICHTE 1: 1946 – 1957: Dieser Abschnitt analysiert die Gründungsjahre der europäischen Integration, beginnend mit Churchills Rede bis hin zur Gründung der EWG.
4. EUROPÄISCHE INTEGRATIONSGESCHICHTE 2: 1959 – 2009: Hier werden die weitere Entwicklung und die Vertragsmodifikationen der europäischen Gemeinschaft bis zum Vertrag von Lissabon untersucht.
5. EUROPÄISCHE INTEGRATION 3: ZUKUNFT: Das Kapitel widmet sich den aktuellen Herausforderungen und der Frage, ob der Integrationsprozess noch fortdauert oder an ein Ende gelangt ist.
6. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die europäische Integration ein permanenter und interdependenter Prozess ist, der sich am besten durch das Modell der Revolutions-Spirale beschreiben lässt.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Revolution, Revolutions-Spirale, Strukturwandel, EGKS, Europäische Union, Vertragsgeschichte, Reinhart Koselleck, Politische Transformation, Permanente Revolution, Europäische Verträge, Interdependenz, Krisenmanagement, Integrationsgeschichte, Verfassung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung der europäischen Integration und untersucht, ob dieser Prozess als revolutionär bezeichnet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition von Revolution, die institutionelle Geschichte der EU (von der EGKS bis Lissabon) und die Analyse von Integrationsprozessen als kontinuierlicher Wandel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Analyse?
Ziel ist es zu klären, ob die europäische Integration einen revolutionären Prozess darstellt und ob dieser als langfristiger, zusammenhängender Wandel oder als Summe einzelner Ereignisse interpretiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-chronologische Überprüfung zentraler Schlüsselereignisse und wendet darauf das Theorie-Modell der "Revolutions-Spirale" an, um die Vertragsgeschichte der EU zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der europäischen Integrationsgeschichte (1946–1957 und 1959–2009), in denen die Entwicklung der EGKS, der EWG sowie spätere Vertragsreformen bis zur EU beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Das Werk ist geprägt von Begriffen wie Europäische Integration, Revolutions-Spirale, Strukturwandel, Interdependenz und permanente Revolution.
Wie unterscheidet der Autor zwischen einer "endlichen" und einer "permanenten" Revolution?
Der Autor argumentiert, dass Revolutionen enden, wenn äußere Zwänge oder Ressourcenknappheit den Prozess stoppen, während sie permanent fortbestehen, wenn keine klaren Grenzen existieren und die beteiligten Teilbereiche interdependent agieren.
Welche Rolle spielt die Metapher der "Spirale" in diesem Dokument?
Die Spirale symbolisiert, dass ein Prozess sich nicht nur im Kreis dreht, sondern bei jeder Umdrehung auf eine neue, höhere Ebene bewegt, wobei das Ende einer Teilrevolution gleichzeitig den Beginn der nächsten markiert.
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- Daniel Karl Schmitt (Author), 2018, Europäische Integration! Eine permanente Vertragsrevolution?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268259