„Jesus von Nazaret – Für wen sollen wir ihn halten?“1 Dieser Titel
eines Buches unter einer Fülle weiterer Bücher, die sich mit der
Person „Jesus von Nazaret“ auseinandersetzen, beschreibt
meines Erachtens treffend die momentane Situation des
christologischen Fragens und könnte ebenso die seit zweitausend
Jahren andauernde Auseinandersetzung um die Bedeutung der
Person Jesu Christi betiteln.
Die Meinungen der Exegeten und Fundamentaltheologen zeigen
sich umfassend wie differenziert. Dieser Sachverhalt scheint mir
im „Untersuchungsobjekt“ selbst begründet: KARL-JOSEF KUSCHEL
bringt es in einem Aufsatz in dem o.g. Buch deutlich zum
Ausdruck: „Jesus, ein göttlicher Mensch, ein menschlicher Gott?“2
Schon in den Schriften des NT zeigt sich eine Vielheit
christologischer und theologischer Denkrichtungen, doch nähern
sich sowohl die paulinischen Ansätze als auch die Entwürfe in den
Evangelien dem urchristlichen Kerygma in 1 Kor 15,3-5.
Will man nun „Christologie“ betreiben und einen Quellentext (sei
es nun der Galaterbrief, ein Evangelientext oder ein modernes
Gedicht von DOROTHEE SÖLLE) auf seinen christologischen Ansatz
hin untersuchen, scheint mir als Richtschnur die Frage nach dem
„Wer“ von gundlegender Bedeutung zu sein. Die erste Frage
könnte also lauten: Wer ist Jesus von Nazaret?
Ziel dieser Arbeit soll es sein, eine mögliche Antwort aus
matthäischer Sicht zu formulieren. Dabei dient das
Messiasbekenntnis des Petrus (Mt 16,13-20) als „Aufhänger“,
welches in seiner Struktur und Aussage bearbeitet werden soll.
Anhand weiterer Perikopen sowohl alt- als auch neutestamentlich
soll diese Textstelle auf ihren Gehalt und ihren Stellenwert
innerhalb des MtEv. näher untersucht werden. Unterstützend
werden Kommentare zum MtEv. hinzugezogen. Die Arbeit soll ihren Abschluß in der Darstellung möglicher
Konsequenzen für die heutige pastorale Praxis finden.
1HOHN-KEMLER, L. (Hrsg), Jesus von Nazaret – Für wen sollen wir ihn halten?,
Herder Sonderband, Freiburg 1997
2 Ebd. S. 14
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung
2. Aspekte einer matthäischen Christologie
2.1 Formale Kriterien des Matthäusevangeliums
2.2 Text: Matthäus Kapitel 16, Verse 13-20 Münchener NT
2.3 Textverständnis
2.3.1 Syntaktische Analyse
2.3.2 Semantische Analyse
2.4 Zusammenfassung
3. Konsequenzen für die Praxis pastoralen Handelns
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, eine christologische Antwort aus der Perspektive des Matthäusevangeliums zu formulieren. Dabei fungiert das Messiasbekenntnis des Petrus (Mt 16,13-20) als zentraler Anknüpfungspunkt, um die Bedeutung und den Stellenwert Jesu innerhalb des Matthäusevangeliums zu untersuchen und in den Kontext pastoraler Praxis zu überführen.
- Analyse des Messiasbekenntnisses des Petrus (Mt 16,13-20) als christologischer „Aufhänger“.
- Untersuchung der matthäischen Christologie unter Einbeziehung formaler und inhaltlicher Kriterien.
- Syntaktische und semantische Erschließung der gewählten Perikope.
- Reflexion des Spannungsfeldes zwischen der göttlichen und menschlichen Natur Jesu (Christus vs. Menschensohn).
- Ableitung von Handlungsimpulsen für die pastorale Praxis auf Basis des christologischen Verständnisses.
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Semantische Analyse
V.13: Wie schon in 2.3.1 beschrieben findet hier ein Szenenwechsel statt; als Handlungsort wird Cäsaräa Philippi genannt. Dieser Ort „wurde vom Tetrarchen Philippos zur Stadt gestaltet und zu Ehren des Augustus „Die Kaiserliche“ genannt“7. Wichtiger scheint mir jedoch lediglich die geographische Komponente, wie sie SCHNACKENBURG erwähnt: Cäsaräa Philippi ist jüdisches Grenzgebiet, „wo noch zur Zeit des jüdischen Krieges eine jüdische Minorität lebte“8. An den Quellen des Jordan gelegen ist dieser Ort nicht nur geographisch ein „Tiefpunkt“, sondern bildet gerade in dieser Perikope einen Gegensatz zur jüdischen Hochburg „Jerusalem“, das große gesellschaftliche und religiöse Zentrum im Hochland von Judäa.
Es scheint mir, daß sich der eigentliche Inhalt um das Petrusbekenntnis in V.16 gruppiert. Zwei Jesusfragen bereiten auf dieses Bekenntnis hin vor: die erste – allgemein gehaltene – Frage nach der Meinung der Menschen über den „Sohn der Menschen“ (V.13b) mit der ebenso allgemein formulierten Antwort der Jünger (V.14) und eine weitere, jetzt konkret an die Jünger gerichtete Frage „Ihr aber, wer, sagt ihr, daß ich bin?“. Hier wird mit relativ einfachen Mitteln ein Spannungsbogen erzeugt, der die zentrale Aussage, das Bekenntnis des Petrus als Höhepunkt anvisiert. Mit der zweiten Jesusrede, der Seligpreisung Petri und der Prophezeiung, wird die Spannung aufgefangen und zur Schlußformel (V20) hin abgeleitet, in der dem Bekenntnis aus V16 nochmals Nachdruck verliehen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: Die Einleitung beleuchtet die christologische Fragestellung nach der Person Jesu und definiert das Ziel der Arbeit, diese aus matthäischer Sicht anhand des Petrusbekenntnisses zu explorieren.
2. Aspekte einer matthäischen Christologie: Dieses Kapitel analysiert das Matthäusevangelium formal und untersucht das Petrusbekenntnis durch eine syntaktische sowie semantische Analyse, um dessen Bedeutung zu ergründen.
3. Konsequenzen für die Praxis pastoralen Handelns: Der abschließende Teil überträgt die christologischen Erkenntnisse in einen spirituellen Kontext und leitet daraus Impulse für die Arbeit in pastoralen Berufen ab.
Schlüsselwörter
Matthäusevangelium, Christologie, Messiasbekenntnis, Petrus, Menschensohn, Sohn Gottes, lebendiger Gott, Exegese, biblische Theologie, pastorale Praxis, Menschwerdung, Gott-Mit-Uns, christologischer Ansatz, neutestamentliche Forschung, Lebensfülle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der christologischen Darstellung Jesu Christi innerhalb des Matthäusevangeliums, wobei das Messiasbekenntnis des Petrus als zentrales Textbeispiel dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Person Jesu als Menschensohn und Sohn Gottes, das Verständnis des „lebendigen Gottes“ sowie die Relevanz dieser theologischen Konzepte für die heutige Lebenswirklichkeit und pastorale Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das christologische Profil des Matthäusevangeliums zu schärfen und zu begründen, warum die Verbindung von Menschlichkeit und Göttlichkeit in Jesus für den Glauben zentral ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine exegetische Arbeit, die durch eine syntaktische und semantische Analyse des ausgewählten Bibeltextes (Mt 16,13-20) sowie die Heranziehung fachwissenschaftlicher Kommentare geleitet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formal-historische Einordnung des Matthäusevangeliums und eine tiefgehende Analyse der Petrus-Perikope, inklusive der Interpretation der Titel „Christos“ und „Sohn des lebendigen Gottes“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Matthäusevangelium, Christologie, Messiasbekenntnis, Sohn Gottes, Menschensohn und pastorale Praxis.
Wie wird das „Petrusbekenntnis“ im Vergleich zu anderen Evangelien bewertet?
Der Autor arbeitet heraus, dass das Bekenntnis bei Matthäus im Vergleich zu Markus und Lukas am stärksten ausgeprägt ist und Jesus explizit als „Sohn des lebendigen Gottes“ darstellt.
Warum verwendet der Autor den Begriff „lebendiger Gott“?
Der Autor interpretiert das Prädikat „lebendig“ als Bezeichnung für einen Gott, der befreit, rettet und gegen die Mächte des Chaos handelt, und zieht Parallelen zum alttestamentlichen Gottesverständnis.
Welche spirituellen Impulse werden für pastorale Berufe abgeleitet?
Der Autor postuliert, dass die Nachfolge Jesu darin besteht, als „lebendiger Mensch“ Lebensfülle zu finden und anderen Menschen bei dieser Suche helfend zur Seite zu stehen.
- Quote paper
- Marius Stelzer (Author), 1999, Aspekte einer matthäischen Christologie dargestellt anhand des Messiasbekenntnis des Petrus (Mt 16, 13-20) und ausgewählter Perikopen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12684