Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Social Work

Das narrative Interview im Kontext qualitativer Sozialforschung

Title: Das narrative Interview im Kontext qualitativer Sozialforschung

Term Paper , 2009 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christiane Low (Author)

Social Work
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei dem narrativen Interview handelt es sich, wie der Name schon sagt, um eine sehr offene Form des Interviews mit einem besonders hohen Narrativitätsgrad. Als Forschungsinstrument in den Sozialwissenschaften und auch als pragmatischer Ansatz in der Sozialpädagogik beruht seine Entwicklung und Herausarbeitung auf theoretischen Grundlagen der Soziologie. In der Methodologie des narrativen Interviews, wie es von Fritz Schütze entwickelt worden ist, ist der einzelfallorientierte Zugang „zu unterschiedlichen Ebenen der Erfahrungsbildung im Alltag“ (Bohnsack 2007, S. 91) von besonderem Interesse. Der handlungstheoretische und methodologische Bezugsrahmen ist dabei von mehreren soziologischen Richtungen geprägt – insbesondere aus dem Einfluss der Phänomenologischen Soziologie (nach Alfred Schütz) und der Chicagoer Schule (nach George Herbert Mead) bzw. dem später unter Blumer bekannt gewordenen Symbolischen Interaktionismus geht eine phänomenologisch-interaktionistische Soziologie hervor, durch die Schützes Ethnomethodologie und seine Überlegungen zum Datenerhebungs- und Auswertungsverfahren des narrativen Interviews beeinflusst sind (vgl. Bohnsack 2007, S. 91).

In welcher Weise das narrative Interview nun im Rahmen der qualitativen und rekonstruktiven Sozialforschung eingebettet ist, soll in der vorliegenden Hausarbeit dargestellt werden. Dazu werden zunächst eine Annäherung an den Begriff „qualitative Sozialforschung“ vorgenommen und Grundannahmen der dort anzusiedelnden Biographieforschung herausgearbeitet. In welchen Zusammenhängen Biographie geleistet und konstituiert wird, zeigen die Unterkapitel „Biographische Kategorien (nach Andreas Hanses)“ und „Prozessstrukturen des Lebenslaufs (nach Fritz Schütze)“ auf. Weiterhin werden die erzähltheoretischen Grundlagen, die für das narrative Interview und seine Auswertung von Bedeutung sind, angeführt. Nach einer Erläuterung des Interviewverfahrens werden Schritte der Auswertung und Analyse sowie das rekonstruktive Interesse an narrativen Interviews nähergebracht.
Abschließend erfolgen eine kurze Darstellung über die Grenzen der Verwendung dieser Erhebungsform sowie eine Ergebniszusammenfassung im Fazit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Qualitative Sozialforschung

3 Biographieforschung

3.1 Grundannahmen

3.2 Biographische Kategorien (nach Andreas Hanses)

3.3 Prozessstrukturen des Lebenslaufs (nach Fritz Schütze)

4 Erzähltheoretische Grundlagen

4.1 Die Besonderheiten der Stegreiferzählung

4.2 Die spezifischen Zugzwänge des Erzählens

5 Das autobiographisch-narrative Interview als Erhebungsform

5.1 Schritte der Durchführung

5.2 Die Transkription der Tonbandaufnahme

6 Die Rekonstruktion sozialer Prozesse – über den Umgang mit lebensgeschichtlichen Stegreiferzählungen

7 Grenzen des narrativen Interviews

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Einbettung und Bedeutung des narrativen Interviews innerhalb der qualitativen und rekonstruktiven Sozialforschung darzustellen. Dabei wird untersucht, wie lebensgeschichtliche Erzählungen als methodischer Zugang genutzt werden können, um soziale Wirklichkeit und individuelle Sinnzusammenhänge zu erschließen.

  • Grundlagen der qualitativen Sozialforschung und Biographieforschung
  • Erzähltheoretische Konzepte und Stegreiferzählungen
  • Methodik des autobiographisch-narrativen Interviews
  • Analyse und Rekonstruktion sozialer Prozesse
  • Pragmatischer Nutzen für die sozialpädagogische Praxis

Auszug aus dem Buch

4.1 Die Besonderheiten der Stegreiferzählung

Wie das Wort schon sagt, beginnt der Erzähler, seine Geschichte „aus dem Stegreif“ darzustellen. Es handelt sich also um eine Textsorte, die mehr oder weniger unvorbereitet und überwiegend zum ersten Mal vom Darsteller produziert wird. Stegreiferzählungen finden sich nicht nur im Alltag, sondern werden auch im Interviewkontext hervorgebracht. Abgrenzend zu den Handlungsschemata „Beschreiben“ und „Argumentieren“, die in Erzählungen eingelagert sein können, sind für die Stegreiferzählung einige Besonderheiten erkennbar. So sind für Erzählungen zwei Zeitebenen charakteristisch: Die Erzählung, die auf der Haupterzähllinie vorgenommen wird, ist eine retrospektive Darstellung, da auf ihr zurückliegende Ereignis- und Handlungszusammenhänge erzählt werden. Der Nebenerzähllinie, die auf der zweiten Ebene anzusiedeln ist, kann eine finale, also zweckorientierte, Bestimmung zugeschrieben werden. Erläuterungen und Einschübe in Form einer Nebenerzählung sind charakteristisch für die aktuelle Erzählkommunikation. Damit kommt dem Informationsgehalt des Sachverhaltsschemas „Erzählen“ eine doppelte Eigenschaft zu: Erzählen gründet sich in retrospektiver und zugleich finaler Orientierung.

Auf diese Weise wird dem Erzählenden ermöglicht, Ereignisse, die erst später eintreten, auch zuvor schon anzudeuten, von der Haupterzähllinie kurzzeitig abzuweichen oder wichtige Aspekte von der Haupterzähllinie herunterzunehmen, um sie „gewissermaßen auf einer Hintergrundsfolie (zu) fixieren, und sie dann als differenzierte Reinterpretation früherer Erzählstadien zu einem späteren Zeitpunkt mit besonderer Aufmerksamkeit (zu) präsentieren.“ (Glinka 2003, S. 53). In Stegreiferzählungen begegnet man zudem immer wieder kognitiven Strukturen bzw. kognitiven Figuren, wie Ereignisträgern bzw. Geschichtenträgern, Ereignisketten, einzelnen Situationen und sozialen Rahmungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das narrative Interview und den methodologischen Bezugsrahmen der qualitativen Sozialforschung.

2 Qualitative Sozialforschung: Darstellung der erkenntnistheoretischen Grundlagen und Prinzipien der qualitativen Forschung im Vergleich zu quantitativen Methoden.

3 Biographieforschung: Erörterung der Biographieforschung als Forschungszweig mit Fokus auf individuelle Verarbeitungsformen gesellschaftlicher Erfahrungen.

4 Erzähltheoretische Grundlagen: Analyse der Struktur von Erzählungen und der spezifischen Anforderungen an den Erzähler im Interview.

5 Das autobiographisch-narrative Interview als Erhebungsform: Beschreibung des konkreten Ablaufs, der Durchführungsschritte und der Transkription narrativer Interviews.

6 Die Rekonstruktion sozialer Prozesse – über den Umgang mit lebensgeschichtlichen Stegreiferzählungen: Erläuterung der analytischen Auswertungsschritte und der Interpretation von Interviewtexten.

7 Grenzen des narrativen Interviews: Reflexion über die methodischen Beschränkungen und Einsatzbereiche des Verfahrens.

8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung des narrativen Interviews für die sozialwissenschaftliche Forschung und die sozialpädagogische Praxis.

Schlüsselwörter

Narratives Interview, Qualitative Sozialforschung, Biographieforschung, Stegreiferzählung, Sozialpädagogik, Rekonstruktive Forschung, Lebensgeschichte, Erzähltheorie, Hermeneutik, Symbolischer Interaktionismus, Fallarbeit, Interviewanalyse, Prozessstrukturen, Subjektperspektive, Handlungsschemata.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt das narrative Interview als ein zentrales Erhebungsinstrument der qualitativen Sozialforschung zur Erschließung biographischer Erfahrungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die theoretischen Grundlagen des Erzählens, die Methodik der Interviewführung und die rekonstruktive Auswertung lebensgeschichtlicher Daten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das narrative Interview komplexe soziale Zusammenhänge aus der Perspektive der Betroffenen erfassbar macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete, interpretative Sozialforschung, die auf hermeneutischen Prinzipien und dem Ansatz von Fritz Schütze basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Biographieforschung, Erzähltheorie) und die methodische Umsetzung (Durchführung und Analyse narrativer Interviews).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Narrativität, Biographieforschung, Stegreiferzählung, interpretative Sozialforschung und Rekonstruktion.

Wie unterscheidet sich die Stegreiferzählung von anderen Erzählformen?

Im Gegensatz zu geplanten Darstellungen entsteht die Stegreiferzählung weitgehend unvorbereitet während der Interviewsituation, wodurch neue, spontane Einblicke in das Erleben des Erzählers ermöglicht werden.

Warum ist das Verfahren auch für die Sozialpädagogik relevant?

Das narrative Interview erlaubt es Fachkräften, die Perspektive der Klienten als Experten ihrer selbst zu verstehen, was die Qualität der Hilfeprozesse durch ein tieferes Fallverständnis verbessert.

Was versteht man unter dem Detaillierungszwang in narrativen Interviews?

Es ist eine konditionelle Relevanz, die den Erzähler dazu bewegt, bei plausibilitätskritischen Punkten in seiner Geschichte ins Detail zu gehen, um dem Zuhörer das Verständnis zu erleichtern.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Das narrative Interview im Kontext qualitativer Sozialforschung
College
University of Kassel  (Fachbereich Sozialwesen)
Course
Rekonstruktion sozialer Prozesse
Grade
1,0
Author
Christiane Low (Author)
Publication Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V126881
ISBN (eBook)
9783640329700
Language
German
Tags
Interview Kontext Sozialforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Low (Author), 2009, Das narrative Interview im Kontext qualitativer Sozialforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126881
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint