Kunst oder künstlerisches Handeln hat immer einen Hintergrund. Dieser muss nicht unbedingt zwingend auf Bildern oder in Techniken zu erkennen sein oder sich in Motiven widerspiegeln, zumindest nicht auf den ersten Blick. Oft sieht man jedoch viel, das man vorher nicht gesehen hat, wenn man etwas über das Innenleben eines Künstlers und seinen geschichtlichen Hintergrund erfährt.
Künstler nennt man wohl die Art von Menschen, die ihre Emotionen und Gedanken in etwas umwandeln; Menschen, die ein Ventil haben, durch das sie etwas herauslassen, durch das etwas entsteht - egal, ob in Worten, Gedichten, Bildern, Musik oder Aktion. Einige dieser Künstler reagieren in erster Linie auf äußere Geschehnisse, einige eher auf die eigenen, inneren. Sind die künstlerischen Ergebnisse auch noch so verschieden, möge man sich wegen dieser teils grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten gar anfeinden und bekriegen, selbst in Zeiten, in denen ein viel größerer Krieg herrscht - viele, wenn nicht die meisten dieser Künstler und Menschen, haben oder hatten mehr gemeinsam, als sie sich eingestehen wollten.
Mit dieser Frage der künstlerischen Verschiedenheiten bei ähnlichen äußeren Umständen soll sich diese Hausarbeit beschäftigen. Behandelt werden jeweils der Dadaismus und der Expressionismus zu Zeiten des Ersten Weltkrieges, d.h. vor allem von 1914 bis 1918. Da ich jedoch auch kurz auf die Entstehungszeiten der beiden Richtungen und auf die Nachwirkungen kurz nach Kriegsende sowie auf Vorläufer und Nachfolger eingehen möchte, ist der zeitliche Fokus etwas weiter ausgeweitet.
Da eine Untersuchung auf welt- oder auch europaweite Künstler den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, auch da nicht alle dieser Expressionisten oder Dadaisten, die zu dieser Zeit außerhalb von Deutschland lebten, direkt von den Kriegsgeschehnissen beeinflusst wurden, habe ich mich größtenteils mit deutschen Künstlern auseinandergesetzt.
Verglichen werden sowohl unter zeitlichen, örtlichen und menschlichen Aspekten die Beweggründe zur Entstehung von Dadaismus sowie Expressionismus, die verschiedenen Reaktionen der Künstler auf den Ersten Weltkrieg, Hintergründe einzelner Dadaisten und Expressionisten sowie der Veristen Otto Dix und George Grosz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kunst in Deutschland im 19. Jahrhundert
3. Entstehung des Expressionismus
3.1 Die Brücke
3.2 Der Blaue Reiter
4. Expressionismus im Krieg
4.1 Der Wandel zur Neuen Sachlichkeit
4.2 Max Beckmann
5. George Grosz und Otto Dix
6. Dada(ismus) in Zürich
6.1 Dada anderswo
7. Vergleich: Dada gegen Expressionismus
8. Fazit: Wer hat Recht?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld künstlerischer Reaktionen auf den Ersten Weltkrieg anhand der beiden zentralen Bewegungen Dadaismus und Expressionismus. Ziel ist es, die Beweggründe für deren Entstehung zu analysieren, ihre unterschiedliche künstlerische Auseinandersetzung mit den Kriegsgeschehnissen gegenüberzustellen und zu erörtern, ob eine der Richtungen als „treffendere“ Antwort auf die traumatischen Ereignisse dieser Ära gelten kann.
- Vergleichende Analyse von Dadaismus und Expressionismus im deutschsprachigen Raum
- Die Rolle des Krieges als Inspirationsquelle und Katalysator für künstlerischen Wandel
- Untersuchung der Arbeitsweisen von Künstlergruppen wie "Die Brücke" und "Der Blaue Reiter"
- Kritische Beleuchtung des Übergangs zur "Neuen Sachlichkeit"
- Rezeption von gesellschaftskritischen Ansätzen bei Künstlern wie George Grosz und Otto Dix
Auszug aus dem Buch
3. Entstehung des Expressionismus
Auch in Frankreich kamen derweil neue Einflüsse hinzu: Matisse brachte 1905 „wilde Tiere“ als Motiv in die Malerei und Picasso ließ sich von afrikanischer Kunst inspirieren. Allgemein wurde der künstlerische Austausch vor allem zwischen Frankreich, Deutschland und den Niederlanden immer größer. Einer der Gründe hierfür könnte sein, dass man zu dieser Zeit keinen Pass brauchte, um in andere europäische Länder zu verreisen, ein weiterer die Gründung der Zeitschrift Der Sturm, die der deutsche Schriftsteller, Verleger und Galerist Herwarth Walden 1910 herausbrachte. In dieser Wochenzeitung für Literatur und Kunst wurden sowohl deutsche als auch französische Texte und Bilder von zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Künstlern (darunter Franz Marc, August Macke, Wassily Kandinsky, Oskar Kokoschka) veröffentlicht.
Etwa ein Jahr später erschien, ebenfalls mit Walden als Herausgeber, Die Aktion. Auch hier erschienen neben Matisse und Picasso wieder Künstler, die später zu den großen deutschen Expressionisten zählten: u.a. Ernst Ludwig Kirchner, Ludwig Meidner, George Grosz und auch wieder Franz Marc.
Beide Zeitungen galten in der Vorkriegszeit als Sprachrohr und sorgten für regen deutsch-französischen Austausch auf dem Gebiet der Kunst - zweifelsohne handelt es sich also um zwei der Wegbereiter für den Durchbruch des Expressionismus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den zeitlichen Rahmen der Untersuchung (vor allem 1914-1918) ab und erläutert die methodische Herangehensweise, sich primär auf deutsche Künstler zu konzentrieren.
2. Kunst in Deutschland im 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel skizziert den konservativ-gehemmten Zustand der deutschen Kunstlandschaft vor der Jahrhundertwende und den allmählichen, durch französische Einflüsse geprägten Wandel.
3. Entstehung des Expressionismus: Der Text beschreibt die Einflüsse, die zur Formung des Expressionismus führten, sowie die Rolle von Künstlergruppen und publizistischen Organen bei deren Durchbruch.
3.1 Die Brücke: Dieses Kapitel fokussiert auf die 1905 gegründete Dresdner Künstlergruppe, die das Ziel verfolgte, sich vom Traditionellen zu entfernen und eine unmittelbare, gemeinschaftliche Kunst zu schaffen.
3.2 Der Blaue Reiter: Hier wird die Geschichte der Münchener Künstlergruppe um Kandinsky und Marc beleuchtet, deren Fokus stärker auf lyrischen Mitteln und internationalem Austausch lag.
4. Expressionismus im Krieg: Das Kapitel analysiert, wie der Krieg die Sichtweise expressionistischer Künstler veränderte und warum er teils als Befreiung, teils als existenzielle Bedrohung wahrgenommen wurde.
4.1 Der Wandel zur Neuen Sachlichkeit: Es wird erörtert, wie Künstler nach der Erschöpfung des expressionistischen Ausdrucks zur "Neuen Sachlichkeit" wechselten, um eine realistischere Darstellung der Wirklichkeit zu erreichen.
4.2 Max Beckmann: Das Kapitel widmet sich der Entwicklung Beckmanns, dessen Stil durch seine traumatischen Erlebnisse im Sanitätsdienst während des Krieges eine entscheidende Wandlung erfuhr.
5. George Grosz und Otto Dix: Porträts zweier Künstler, die durch ihre sozialkritische und satirische Arbeitsweise eine Sonderrolle zwischen Expressionismus, Dadaismus und Neuer Sachlichkeit einnehmen.
6. Dada(ismus) in Zürich: Die Entstehung der dadaistischen Bewegung in der Schweiz wird als radikale, anti-ästhetische Antwort auf die Sinnlosigkeit des Krieges dargestellt.
6.1 Dada anderswo: Ein Überblick über die Ausbreitung der Bewegung, insbesondere den als extrem geltenden "Berlin-Dada" mit Akteuren wie Hausmann und Höch.
7. Vergleich: Dada gegen Expressionismus: Dieses Kapitel stellt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Stile gegenüber und betont ihre Rolle als unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe kriegerische Realität.
8. Fazit: Wer hat Recht?: Die abschließende Reflexion kommt zu dem Schluss, dass keine der Bewegungen als objektiv „richtig“ angesehen werden kann und betont die subjektive Berechtigung beider künstlerischer Reaktionen.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Kunstgeschichte, Dadaismus, Expressionismus, Die Brücke, Der Blaue Reiter, Neue Sachlichkeit, George Grosz, Otto Dix, Moderne, Kriegskunst, Avantgarde, Weimarer Republik, gesellschaftskritik, Cabaret Voltaire.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die künstlerischen Reaktionen des Dadaismus und des Expressionismus auf den Ersten Weltkrieg und die Auswirkungen dieser Zäsur auf das Schaffen der Künstler.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entstehung dieser Kunstbewegungen, ihr Wandel in der Kriegszeit und der Übergang zur Neuen Sachlichkeit sowie die politische Dimension der Kunst während dieser Periode.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist der Vergleich beider Richtungen, um herauszufinden, wie sie das Trauma des Krieges jeweils künstlerisch verarbeiteten und ob eine wertende Einordnung ihrer Reaktionen möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine vergleichende Literaturanalyse, basierend auf relevanten Kunstbänden, Manifesten sowie Internetartikeln und Filmdokumentationen der Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Künstlergruppen Brücke und Blauer Reiter, die Analyse der Kriegserlebnisse bei Künstlern wie Max Beckmann sowie die Rolle der Veristen und der Dadaisten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlüsselbegriffe sind Expressionismus, Dadaismus, Kriegskunst, Moderne und Gesellschaftskritik.
Wie unterschied sich die dadaistische Reaktion von der expressionistischen?
Während der Expressionismus den Krieg eher durch ein düsteres Innenleben und subjektive Emotionen darstellte, wählte der Dadaismus einen radikalen Weg der Destruktion, des Humors und der Anti-Kunst, um auf die Sinnlosigkeit des Krieges zu antworten.
Hatte der Erste Weltkrieg einen Einfluss auf das Ende beider Bewegungen?
Ja, der Autor argumentiert, dass der Krieg als maßgebliche Inspirationsquelle diente und das Ende des Kriegsgeschehens sowie die damit verbundene gesellschaftliche Veränderung wesentlich zum Ausklingen des Expressionismus und dem Wandel hin zur Neuen Sachlichkeit beitrugen.
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- Anonym (Autor), 2016, Reaktion der Kunst auf den Ersten Weltkrieg. Dadaismus vs. Expressionismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1268994