Weihungen auf der Akropolis


Hausarbeit, 2007

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Archaische Weihungen
1.1 Die Antenorkore
1.2 Der Moschophoros
1.3 Weitere Weihungen der Archaik
1.4 Allgemeines zu Weihungen der Archaik

2. Weihungen der Klassik
2.1 Athena Promachos
2.2 Der Kritiosknabe
2.3 Das Perikles-Portrait
2.4 Weitere Weihungen der Klassik
2.5 Allgemeines zu Weihungen der Klassik

3. Allgemeines zu Weihungen auf der Akropolis
3.1 Warum weihten die Athener?
3.2 Wer weihte?
3.3 Was wurde geweiht?
3.4 Wo wurde geweiht?

4. Vergleich der Weihungen aus beiden Epochen und Begründung aus den geschichtlichen Umständen

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Aufstellen eines Weihegeschenks gehörte in der griechischen Religion häufig zum Dienst an den Göttern dazu. Unter einem Weihegeschenk versteht man allgemein die Präsentation und Hinterlegung eines Geschenks an die Götter.

Die Akropolis von Athen als Ort für Weihungen kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits aus geometrischer Zeit sind Reste von Weihungen erhalten. In dieser Arbeit wird das Hauptinteresse jedoch auf den archaischen und klassischen Weihungen liegen. Dabei soll der Bruch zwischen den beiden Epochen auf das Jahr 508 gelegt werden, dem Ende der Tyrannis und dem Anfang des demokratischen Athen. Der Umbruch in Gesellschaft und Politik dieser Jahre schien mir als Epochengrenze geeignet.

Hier soll sich in erster Linie mit der Frage beschäftigt werden, inwiefern sich archaische von klassischen Weihungen unterscheiden und welche Erkenntnisse man daraus für die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ableiten kann. Darüber hinaus soll es noch Ziel sein einen Überblick über die Weihungen der Archaik und Klassik auf der Akropolis zu geben.

Zu Anfang sollen aus jeder Epoche Weihungen näher erläutert werden; um diesen Einblick zu erweitern, folgt eine kurze Vorstellung weiterer Weihungen. Auch wird auf Fundumstände und die Besonderheiten der jeweiligen Epoche eingegangen.

Um das Wissen über die Akropolis-Weihungen zu vervollständigen, wird in einem weiteren Kapitel den Fragen nachgegangen, aus welchen Gründen Weihungen erfolgten, wer weihte, wo geweiht wurde und welche Gegenstände als Weihungen dienen konnten.

Abgeschlossen wird die Arbeit durch einen Vergleich der Weihungen aus Archaik und Klassik und die daraus resultierenden Ergebnisse.

1. Archaische Weihungen

1.1 Die Antenorkore

Bei der Antenorkore handelt es sich um die Darstellung einer jungen, aufrecht stehenden Frau. Eine leichte Bewegung wird durch ihre Bein- und Armstellung dargestellt: ihr linkes Bein orientiert sich nach vorne, der linke Arm nach hinten. Im Gegensatz dazu zeigen ihr rechtes Bein nach hinten und der linke Arm nach vorne. Sie hat breite Schultern und eine volle Brust, trägt einen Chiton und ein Himation über ihrer rechten Schulter. Die Falten des Gewandes sind tief und geradlinig und betonen die vertikale Achse der Statue. Ihr linkes Handgelenk schmückt ein Armband. Sie blickt geradeaus und trägt den Kopf aufrecht. In ihren Augenhöhlen wurden Spuren von Bergkristall gefunden, was darauf schließen lässt, dass ihre Augen durch diesen Halbedelstein dargestellt waren. Dies verlieh ihr ein leuchtendes Gesicht. Die Haare fallen in Zöpfen über ihre Schultern und über der Stirn sind sie in Locken gelegt; auf dem Kopf trägt sie ein Diadem mit einem farbigen Mäander und bronzenen Ornamenten, die nicht mehr erhalten sind. Die gesamte Statue ist ohne Plinthe 2,01 m hoch.[1]

Der Antenorkore wurde eine Basis aus pentelischem Marmor zugeordnet, in der sich vier eingravierte Verse befinden:

Νέαρχος ανέθεκε [ν hο κεραμε] Nearchos der Töpfer weihte ein Werk,

ύς έργον απαρχέν ταθ [εναίαι] er brachte der Athena die Ehrenspende

Αντένορ επ [οίεσεν h] Antenor, Sohn des Eumares,

ο Ευμάρος τ [ό αγαλμα].[2] fertigte die Kostbarkeit.

Der Erhaltungszustand der Antenorkore kann als relativ gut bezeichnet werden. Es fehlen ihr rechter Unterarm und ein Teil der Füße, ihre rechte Hand weist ebenfalls Abbrüche auf. In ihrem Gesicht zieht sich von der Stirn über die Nase bis zu den Lippen ein großer Abbruch.

Der untere Teil und der linke Arm der Antenorkore wurden 1882 im Osten des Parthenon gefunden und ihr oberer Teil 1886 im Westen des Erechtheion. Ihr jetziger Standort befindet sich im Akropolis Museum in Athen unter der Inventarnummer 681.[3] Datiert wird die Antenorkore auf ca. 520 v. Chr., gefertigt durch den Künstler Antenor[4], wie aus der Inschrift zu entnehmen ist.

Diese Statue kann unzweifelhaft der umfangreichen Gruppe der Korenstatuen zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um bekleidete junge Frauen, die oft Früchte wie Äpfel oder Granatäpfel oder einen Vogel in der Hand halten. Koren sind sowohl als Grabstatuen als auch als Weihegeschenke zu finden. Bei der vorliegenden Kore handelt es sich um eine Weihung, wie aus der Inschrift in ihrer Basis hervorgeht. Sie wurde durch den berühmten Töpfer und Vasenmaler Nearchos geweiht. Insgesamt sind viele Weihungen von Töpfern auf der Akropolis erhalten, was durch den Umstand erklärt werden kann, dass Athena die Schutzgöttin des Töpferhandwerks war. Die Weihungen der Töpfer werden oft als Dank an Athena für ein gutes Geschäft gedeutet. Diese Deutung ist in diesem Fall sehr wahrscheinlich, da Nearchos es sich nicht hätte leisten können, ein solch großes Weihegeschenk zu machen, wären seine Geschäfte nicht gut gegangen. Ferner behaupteten die Töpfer durch das Aufstellen von Weihegeschenken ihren Status und ihr Geschäft, es kann also als eine Art von Werbung angesehen werden. Wie alle Koren ist auch diese eine private Weihung, die wohl ausschließlich von Männern aufgestellt wurden; eine Frau als Stifterin ist nicht bekannt.

Darüber, was Koren letztendlich darstellen sollen, gibt es immer noch kontroverse Diskussionen. Die wahrscheinlichste und gegenwärtig auch akzeptierte Annahme ist, dass es sich dabei um junge Athenerinnen, wohl Töchter adliger Familien oder reicher Bürger, handelt. Eine weitere diskutierte Möglichkeit ist die Darstellung der Arrhephoroi, jener jungen Frauen, die den Peplos der Athena webten. Hierbei könnte man Stiftungen der Familien der Arrhephoroi annehmen, jedoch sind die Koren vielfach zu alt um diese Personengruppe darzustellen. Für eine Darstellung der eher reiferen Priesterinnen der Athena werden die Korenstatuen als zu jung angesehen. Auch wird noch eine Darstellung der Kanephoroi, der adligen jungen Frauen, die beim Panathenäischen Festzug das Kanoun tragen, in Betracht gezogen. Neben diesen Möglichkeiten gibt es auch noch die Vermutung, dass es sich um Göttinnen oder auch Nymphen handelt.

Die Korenstatuen zeigen also mit großer Wahrscheinlichkeit junge Athenerinnen, das symbolische Kapital ihrer Familien, aufgestellt und geweiht, um im Gegenzug Prestige und Ruhm sicherzustellen.[5] Sie zeigen sehr deutlich das Selbstverständnis reicher Familien, das Glücklichsein der Adligen und reichen Bürger. Das Heiligtum wird als der am besten geeignetste Ort für diese Darstellung angesehen und weist auch auf die enge Verbindung der Koren zu Athena hin.[6]

1.2 Der Moschophoros

Neben den weiblichen Korenstatuen gibt es auch viele Darstellungen von Männern als Weihegaben.

Beim Moschophoros handelt es sich um eine Statue, die eine männliche Person zeigt. Sie ist 1,65 m hoch und aus Marmor gearbeitet.[7] Der Moschophoros oder Kalbträger steht aufrecht, sein linker Fuß ragt weiter vor wie der rechte. Er trägt einen nach vorne geöffneten Chiton. Durch diese Bekleidung wird die herausgearbeitete Muskulatur an Bauch und Armen sichtbar. Auf seinen Schultern trägt er ein Kalb, dessen gekreuzte Füße er mit beiden Händen vor seiner Brust festhält. Damit bilden seine Arme und die Beine des Kalbs eine X-Form. Kalb und Kalbträger blicken beide den Betrachter an. Der Moschophoros hat einen entspannten, offenen Gesichtsausdruck und lächelt. Seine Haare sind zu kleinen Zöpfen geflochten und er trägt einen Bart, der Kinn und die Hälfte seiner Wangen bis zu den Haaren bedeckt. Die Statue steht auf einem Sockel aus Poros, der eine eingravierte Inschrift enthält. Die Inschrift ist von rechts nach links gearbeitet:

[Ρ] όνβος ανέθεκεν hο Πάλο[8].

Rhonbos, der Sohn des Palos, stellte dieses Weihebild auf.

Der Moschophoros ist nur von den Knien aufwärts erhalten, die Unterschenkel und Füße fehlen beide. Die Oberfläche seines linken Oberschenkels ist stark abgetragen und seine Hände fehlen vollständig. An seiner Nase sind leichte Beschädigungen sichtbar und das rechte Ohr des Kalbs ist abgebrochen.

Gefunden wurde die Statue im Jahre 1888 in der Südostecke der Akropolis[9] ; der heutige Standort ist das Athener Akropolis Museum unter der Inventarnummer 624.[10]

Datiert wird der Kalbträger auf die Jahre zwischen 570 und 560 v.Chr.[11]

Die Weihinschrift nennt den Stifter der Statue, einen gewissen Rhonbos. Die gemeinsame Darstellung mit einem Kalb legt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Bauern oder Hirten handelt, tatsächlich ist aber die Darstellung eines Landadligen um einiges wahrscheinlicher.[12] Die Statue war wahrscheinlich Athena geweiht. Einerseits könnte die Weihung nach einem Sieg des Stifters bei einem Spiel mit einem Ochsen als Gewinn erfolgt sein[13], weitaus wahrscheinlicher ist aber der zweite Deutungsansatz. Das Kalb wird als Opfertier angesehen, das von Rhonbos zum Altar gebracht wird. Durch die Statue soll dieses Opfer verewigt werden, bis zur Zerstörung der Statue bring Rhonbos sein Opfer dar.[14] Anzunehmen wäre, dass er Athena für eine reiche Ernte dankte, die er möglicherweise im Vorfeld von ihr erbeten hatte.

[...]


[1] M. Brouskari, Musée de l’Acropole. Catalogue descriptif (Athen 1974) 82f.

[2] A. E. Raubitschek, Dedications from the Athenian Acropolis. A Catalogue of the Inscriptions of the Sixth and Fifth Centuries B.C. (Cambridge 1949) 232f.

[3] Brouskari a.O. (Anm. 1) 82.

[4] J. Muss – C. Schubert, Die Akropolis von Athen (Graz 1988) 164.

[5] H. A. Shapiro, Zum Wandel der attischen Gesellschaft nach den Perserkriegen im Spiegel der Akropolis-Weihungen, in: Gab es das griechische Wunder? Griechenland zwischen dem Ende des 6. und der Mitte des 5. Jahrhunderts v.Chr. . Tagungsbeiträge des 16. Fachsymposiums der Alexander von Humboldt-Stiftung, veranstaltet vom 5. bis 9. April 1999 in Freiburg im Breisgau (Mainz 2001) 92-94.

[6] L. A. Schneider, Zum Wandel der archaischen Korenstatuen, Hamburger Beiträge zur Archäologie Beih. 2 (Hamburg 1975) 16.

[7] Brouskari a.O. (Anm. 1) 41.

[8] Raubitschek a.O. (Anm. 2) 62f.

[9] Raubitschek a.O. (Anm. 2) 62.

[10] Brouskari a.O. (Anm. 1) 41.

[11] Brouskari a.O. (Anm. 1) 42; Muss a.O. (Anm. 4) 164.

[12] Muss a.O. (Anm. 4) 164.

[13] Raubitschek a.O. (Anm. 2) 62.

[14] J. M. Hurwit, The Athenian Acropolis. History, Mythology and Archaelogy from the Neolithic Era to the Present (Cambridge 1999) 87.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Weihungen auf der Akropolis
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Klassische Archäologie)
Veranstaltung
Die Akropolis von Athen
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V126917
ISBN (eBook)
9783640332809
ISBN (Buch)
9783640332816
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klassische, Archäologie, Griechenland, griechisch, Tempel, Heiligtum, Akropolis, Athen, Weihungen, Religion
Arbeit zitieren
Stefanie Leisentritt (Autor), 2007, Weihungen auf der Akropolis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126917

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