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Eliten als Minderheiten in modernen Gesellschaften

Title: Eliten als Minderheiten in modernen Gesellschaften

Presentation (Elaboration) , 2009 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Martin Schultze (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Elitenschelte ist in. Angesichts der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise und dem drohenden Staatsbankrott einiger Länder stehen Führungspersonen in der Wirtschaft unter scharfer Kritik. Manager, die ihre Institute oder Unternehmen durch hoch spekulative – von der Realwirtschaft abgekoppelte – Finanzgeschäfte ruiniert haben und jetzt Steuergelder zur Sanierung fordern oder mit Millionenabfindungen die Unternehmen verlassen, sorgen für Empörung in allen Teilen der Bevölkerung und der Politik.
Auch bei anderen krisenhaften Symptomen wie hoher Arbeitslosigkeit, steigender Verschuldung und Strukturproblemen in den sozialen Sicherungssystemen wird regelmäßig an der mangelnden Leistungs- und Problemlösungsfähigkeit gesellschaftlicher Eliten gezweifelt (vgl. Grabow 2006: 19).
Ist davon auszugehen, dass Eliten nicht nur mit der Demokratie vereinbar sind, sondern auch für den Erhalt, Wohlstand und Reformfähigkeit unverzichtbar sind, wie es die Mehrzahl der Demokratietheoretiker sieht, so muss sich auch die Frage nach der Förderung von zukünftigen Eliten gestellt werden. In der modernen Wissensgesellschaft werden darunter Personen mit besonderen Fähigkeiten und Talenten, also Hochbegabte verstanden. Damit zielt der Begriff Eliteförderung vor allem auf das Hervorbringen von Leistungs- und Bildungseliten ab. In diesem Zusammenhang sind Eliten für die Gesellschaft nur sinnvoll, wenn sie gemeinwohlorientiert sind und sich ihrer sozialen Verantwortung stellen, immerhin wurde mit gesellschaftlichen Ressourcen in die Ausbildung der zukünftigen Entscheidungsträger investiert, was die Eliten in irgendeiner Form zurückgeben sollten. Nur so wird ihre herausragende Stellung in der Gesellschaft legitimiert.
Der schlechte Ruf der Eliten in Deutschland ist sowohl auf die aktuell fehlende soziale Verantwortung und Gemeinwohlorientierung zurückzuführen als auch auf eine historisch negative Besetzung des Begriffs „Elite“ in der deutschen Geschichte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. WAS SIND ELITEN UND WIE KÖNNEN SIE IDENTIFIZIERT WERDEN?

3. LEGITIMITÄT, GEMEINWOHLORIENTIERUNG, PROBLEMLÖSUNGS- UND LEISTUNGSFÄHIGKEIT VON ELITEN

4. DIE ELITESTRUKTUR DER BRD: ZENTRALE ERKENNTNISSE AUS DER POTSDAMER ELITESTUDIE 1995

5. WERTEINSTELLUNGEN UND GEWOHNHEITEN VON ELITEN: ERGEBNISSE DER BEFRAGUNGEN DES ALLENSBACH INSTITUTS FÜR DIE ZEITSCHRIFT „CAPITAL“

6. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

7. LITERATURVERZEICHNIS

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit befasst sich mit der Definition, Identifikation und Struktur von Eliten in modernen demokratischen Gesellschaften, wobei ein besonderer Fokus auf der Bundesrepublik Deutschland liegt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie sich die Machtstrukturen und Legitimationsgrundlagen von Eliten im Spannungsfeld zwischen ökonomischer Sektoralrationalität und demokratischer Gemeinwohlorientierung darstellen.

  • Grundlagendefinition und Identifikationsmethoden von Eliten
  • Legitimationsprobleme und Leistungsfähigkeit in der Demokratie
  • Empirische Analyse der Elitenstruktur der BRD (Potsdamer Elitestudie 1995)
  • Werteinstellungen und habituelle Gewohnheiten deutscher Führungseliten
  • Diskurs um Eliteförderung und historische Konnotationen des Elitebegriffs

Auszug aus dem Buch

2. Was sind Eliten und wie können sie identifiziert werden?

Umgangssprachlich werden mit dem Begriff „Elite“ oder dem Etikett „elitär“ diejenigen bezeichnet oder betitelt, die herausragende Leistungen erbringen und dafür unsere Hochachtung erhalten. Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen Wort „eligere“ ab und wird meist im Sinne von „sorgfältig auswählen“ oder „eine Wahl treffen“ übersetzt (vgl. Wasner 2004: 16). Obwohl der Begriff auf den ersten Blick intuitiv erscheinen mag, so gibt es dennoch keine klare, einheitliche und präzise Definition, welche Personen denn nun genau zur Elite zu zählen sind, sondern miteinander konkurrierende Definitionen. Zwischen diesen Ansätzen lässt sich allenfalls ein Minimalkonsens ausmachen, den die Theoretiker teilen und der wie folgt lautet:

„Alle gehen davon aus, dass die Eliten aus Personen bestehen, die einen (wie auch immer gearteten) Ausleseprozess durchlaufen haben. Sie gelten als eine (häufig positiv) bewertete Minderheit“ (Wasner 2004: 16).

Der Prozess der Auslese und Konkurrenz rechtfertigt die herausragende Stellung, welche Eliten einnehmen. Bis in die Gegenwart ist aber nicht klar, was eine Person als elitär qualifiziert: Leistung, Reputation, Selbstzuschreibung, Bildung, Expertenwissen, Reichtum oder Stand (vgl. Kaina 2004: 18)?

Zunehmender Konsens in der Eliteforschung herrscht aber darüber, dass es in modernen, komplexen Gesellschaften nicht die eine Elite, sondern verschiedene Teileliten gibt. Diese Überlegungen können auf die Systemtheorie von Niklas Luhmann zurückgeführt werden. Demnach sind moderne Gesellschaften gekennzeichnet durch ihre funktionale Differenzierung, d.h. es existieren ungleiche, aber gleichwertige Teilsysteme. Damit unterscheidet sich die moderne Gesellschaft von vormodernen, die z.B. segmentär, zentral/peripher oder stratifikatorisch differenziert sein können dadurch, dass sie kein Zentrum und keine Spitze hat. Vielmehr existieren Politik, Ökonomie, Recht, Erziehung, Wissenschaft, Medizin, Religion und Kunst als in sich geschlossene Teilsysteme nebeneinander (vgl. Luhmann 1997: S. 654-710). Jedes Subsystem bringt dabei nach seinem eigenen Regelwerk Eliten hervor und die Anforderungen an sie sind je nach System verschieden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik an gesellschaftlichen Eliten im Kontext von Finanzkrisen und erläutert die methodische sowie inhaltliche Zielsetzung der Arbeit.

2. WAS SIND ELITEN UND WIE KÖNNEN SIE IDENTIFIZIERT WERDEN?: Dieses Kapitel erörtert verschiedene theoretische Definitionsansätze und Identifikationsmethoden von Eliten in modernen, funktional differenzierten Gesellschaften.

3. LEGITIMITÄT, GEMEINWOHLORIENTIERUNG, PROBLEMLÖSUNGS- UND LEISTUNGSFÄHIGKEIT VON ELITEN: Hier werden die demokratische Legitimation von Eliten sowie die notwendige Kooperation zwischen verschiedenen Teilsystemen zur Sicherung der Gemeinwohlorientierung analysiert.

4. DIE ELITESTRUKTUR DER BRD: ZENTRALE ERKENNTNISSE AUS DER POTSDAMER ELITESTUDIE 1995: Eine empirische Auswertung der Potsdamer Elitestudie 1995 liefert Erkenntnisse zu Bildungsgraden, Karrierewegen und parteipolitischen Präferenzen deutscher Führungskräfte.

5. WERTEINSTELLUNGEN UND GEWOHNHEITEN VON ELITEN: ERGEBNISSE DER BEFRAGUNGEN DES ALLENSBACH INSTITUTS FÜR DIE ZEITSCHRIFT „CAPITAL“: Auf Basis von Allensbach-Daten werden habituelle Merkmale, Einstellungen und Arbeitsweisen von Eliten in Politik und Wirtschaft dargestellt.

6. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das abschließende Kapitel fasst die Heterogenität deutscher Eliten zusammen und reflektiert die historische Belastung des Elitebegriffs sowie Herausforderungen für zukünftige Eliteförderung.

7. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.

Schlüsselwörter

Elitenforschung, Machtstrukturen, Demokratie, Systemtheorie, Gemeinwohlorientierung, Elitenrekrutierung, Potsdamer Elitestudie, Parteipräferenzen, Funktionsfähigkeit, Liberalisierung, Legitimität, Führungspersonen, Eliteförderung, Deutschland, politische Elite.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Phänomen von Eliten in modernen Demokratien, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland, und analysiert deren Legitimation, Struktur und Rolle innerhalb gesellschaftlicher Teilsysteme.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zu den Kernbereichen gehören die Definition von Eliten, deren Identifikation mittels verschiedener sozialwissenschaftlicher Methoden, ihre demokratische Einbindung sowie ihre Werteinstellungen und Karriereverläufe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, wie Eliten in der modernen Gesellschaft identifiziert werden können und ob ihre Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Sektoralrationalität und Gemeinwohlorientierung legitimiert bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse systemtheoretischer und demokratietheoretischer Grundlagen sowie auf die Auswertung empirischer Sekundärdaten, namentlich der Potsdamer Elitestudie von 1995 und Befragungsdaten des Allensbach-Instituts.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung des Elitebegriffs, eine demokratietheoretische Einordnung von Führungseliten sowie eine detaillierte empirische Bestandsaufnahme der deutschen Elite-Struktur hinsichtlich Ausbildung, Ideologie und Zufriedenheit mit dem politischen System.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlüsselbegriffe umfassen Elitenforschung, Legitimität, Systemtheorie, demokratische Konsensbildung und die historisch bedingte Skepsis gegenüber Elitekonzepten in Deutschland.

Inwiefern beeinflusste die deutsche Geschichte den heutigen Umgang mit dem Elitebegriff?

Aufgrund der Erfahrungen der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus ist der Begriff „Elite“ in Deutschland historisch negativ konnotiert, was lange Zeit zu einer Vermeidung des Begriffs in wissenschaftlichen und alltäglichen Diskursen führte.

Wie unterscheidet sich die Zufriedenheit mit dem politischen System zwischen ost- und westdeutschen Eliten?

Die Daten zeigen, dass westdeutsche Eliten und die Bevölkerung signifikant zufriedener mit dem demokratischen System sind als ihre ostdeutschen Pendants, wobei Eliten aus der PDS die stärkste Skepsis aufweisen.

Warum wird das deutsche Hochschulwesen im Fazit besonders kritisch betrachtet?

Trotz der hohen Qualität der Ausbildung wird kritisiert, dass das deutsche System Begabungen mangelhaft fördert und an Institutionen wie Eliteuniversitäten fehlt, was in Kombination mit schlechten Karrieremöglichkeiten zum sogenannten „Brain Drain“ führt.

Welche Rolle spielt die „Sektorale Rationalität“ bei der Kooperation von Eliten?

Sektorale Rationalität erschwert die Kooperation, da Führungspersonen primär den Logiken ihres eigenen Teilsystems (z.B. Gewinnmaximierung in der Wirtschaft) folgen müssen, was oft in Konflikt mit den Erwartungen der Allgemeinheit an ein gemeinwohlorientiertes Handeln steht.

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Details

Title
Eliten als Minderheiten in modernen Gesellschaften
College
University of Marburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Minderheiten - Bereicherung oder bloße Herausforderung für Gesellschaften?
Grade
1,3
Author
Martin Schultze (Author)
Publication Year
2009
Pages
20
Catalog Number
V126925
ISBN (eBook)
9783640332878
Language
German
Tags
Eliten Minderheit moderne Gesellschaft; soziale Verantwortung; Eliteförderung; Elitefeindlichkeit; Eliteuniversität; BRD; DDR;
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Schultze (Author), 2009, Eliten als Minderheiten in modernen Gesellschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126925
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