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Zensur, Sanktion und Disziplin - Die staatliche Reglementierung des DDR-Fernsehens und seiner Akteure

Titel: Zensur, Sanktion und Disziplin - Die staatliche Reglementierung des DDR-Fernsehens und seiner Akteure

Bachelorarbeit , 2009 , 34 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Doreen Herok (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Das Radio, das Fernsehen und die Printmedien waren in der DDR Herrschaftsinstrumente der SED und mussten ihre politische Arbeit unterstützen. Artikel 27 der Verfassung der DDR garantierte zwar jedem Bürger das Recht, seine Meinung frei zu äußern sowie die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens. Das Strafgesetzbuch hingegen stellte 'staatsfeindliche Hetze' und den 'Missbrauch der Medien für die bürgerliche Ideologie' unter Strafe.“
So formuliert das Institut für Geschichtliche Landeskunde die Ambivalenz der Medien in der DDR. Nur pro forma geschützt durch eine vermeintliche Pressefreiheit, unterlag das gesamte Mediensystem und insbesondere das Fernsehen als wichtigstes Propagandainstrument einer nahezu allumfassenden Steuerung und Kontrolle durch die SED.
Als totalitaristischer Staat nutzte die DDR die Medien, um ihre ideologischen Botschaften zu verbreiten – Fernsehen war „Staatsfernsehen“. Die DDR-Geschichte ist geprägt vom Reglementieren aller Lebensbereiche durch den Staat – das heißt letztlich die Partei. Demzufolge unterlagen auch die Medien, und dabei insbesondere das Fernsehen als Massenmedium mit hoher Publikumswirksamkeit, einem allumfassenden Vorschriftenkatalog. Was das Fernsehen zeigen und sagen durfte, war strengstens geregelt. Diese Fakten dürfen jedoch heute als weitgehend bekannt vorausgesetzt werden. Die vorgelegte Arbeit will das Wesen dieser Reglementierung anschaulich und transparent machen. Dazu werden zunächst die Organisationsstrukturen erläutert, die die Voraussetzungen für die staatliche Einflussnahme auf das Fernsehen schufen. Vor allem soll aber aufgezeigt werden, welcher Methoden sich jene, die „das Sagen“ hatten, bedienten, um ein Medium im Sinne der Partei zu gestalten. Welche konkreten Maßnahmen wurden umgesetzt, um die Fernsehschaffenden zu disziplinieren, wie reagierten diese darauf, und wie wurde ein SED-konformes Programm erwirkt? Am Ende der Arbeit wird der Versuch einer Antwort auf die Forschungsfrage stehen: Inwieweit wurde das Fernsehen der DDR tatsächlich und alltäglich staatlich reglementiert? Dabei wird der forschungsleitenden Hypothese gefolgt, dass sich die staatliche Reglementierung über sämtliche Bereiche des Fernsehens erstreckte. Diese Komplexität der staatlichen Reglementierung transparent zu machen ist Sinn, Zweck und Anspruch der hier vorgelegten Untersuchung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG

1.1 Gegenstand der Untersuchung

1.2 Forschungsabriss

2. FERNSEHEN ALS SPRACHROHR DER PARTEI

2.1 Funktion und rechtlicher Rahmen des Fernsehens als Herrschaftsinstrument der SED

2.2 Struktureller Aufbau der Einflussnahme auf das Fernsehen

2.2.1. Das ZK der SED – Der General- und der Agitationssekretär

2.2.2. Das ZK der SED – die Abteilung Agitation und Propaganda

2.2.3. Die Agitationskommission

2.2.4. Das Staatliche Komitee für Fernsehen

2.2.5. Die SED-Kreisleitung Fernsehen

2.2.6. Das Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrats

2.2.7. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS)

2.2.8. Weitere Institutionen

3. ZENSUR, SANKTION UND DISZIPLIN – DIE REGLEMENTIERUNG DES FERNSEHENS IN DER PRAXIS

3.1 Zensur

3.1.1. Zensur von Inhalten

3.1.2. Zensur formaler Kriterien

3.2 Indirekte Zensur

3.3 Grundlage der Akteursdisziplinierung: Anforderungen an Fernsehschaffende

3.4 Disziplinierung der Akteure

3.4.1. Parteistrafen: Von der Verwarnung bis zum Parteiausschluss

3.4.2. Personaltaktik à la SED: Versetzung, Kündigung, Berufsverbot

3.5 Grenzen der Reglementierung

3.6 Reglementierung, Reglementierte und journalistische Qualität

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die staatliche Reglementierung des DDR-Fernsehens durch die SED, um aufzuzeigen, mit welchen Methoden die Partei das Fernsehen als Herrschaftsinstrument einsetzte und wie sie Fernsehschaffende disziplinierte. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwieweit wurde das Fernsehen der DDR tatsächlich und alltäglich staatlich reglementiert?

  • Strukturelle Einflussnahme von Partei- und Staatsorganen auf das Fernsehen
  • Methoden der direkten und indirekten Zensur von Inhalten
  • Disziplinierung der Akteure durch Anforderungskataloge und Sanktionen
  • Rolle von Journalisten als „Handlanger“ und Mechanismen der Selbstzensur
  • Grenzen der staatlichen Kontrolle im Kontext der DDR-Alltagsrealität

Auszug aus dem Buch

3.1 Zensur

Ungeachtet des verfassungsmäßigen Ausschlusses der Zensur machten die Medienlenker davon ungehindert Gebrauch. Eine eigene Behörde dafür gab es nicht, aus dem einfachen Grund, dass Zensur offiziell nicht stattfand. Sie war im Grunde oft auch gar nicht nötig. Die DDR-Medien funktionierten in erster Linie über eine andere, inoffizielle Form der „Vorzensur“: die so genannte „Schere in den Köpfen“ der Journalisten.

3.1.1. Zensur von Inhalten

Die Redakteure schlugen ihre geplanten Sendeabläufe in Redaktionskonferenzen vor, von denen aus sie an Joachim Herrmann übermittelt wurden. Die Agitationsabteilung änderte dann, strich, forderte Ergänzungen oder Vertiefung von Themen.

Scharf beobachtet wurde war die erfolgreiche Sendereihe „PRISMA“, ausgestrahlt von März 1963 bis zum Ende des DDR-Fernsehens 1991, die Alltagsprobleme thematisierte. Durchaus staatskonform konzipiert – es durften ausschließlich Probleme der Bevölkerung angesprochen werden, deren Lösung bereits präsentabel war – konnte man diesem Format dennoch eine gewisse Portion Kritik nicht absprechen. Die Sendung war, rückblickend betrachtet, einer der wenigen Versuche, eine Plattform für Ansätze einer Kommunikation von „unten“ nach „oben“ zu schaffen. Für die Macher von PRISMA bedeutete dies über Jahrzehnte eine ständige Gratwanderung zwischen Publikumswirksamkeit –die war bei PRISMA hoch war – und dem Unwillen der Partei. Die Kritik musste oberflächlich bleiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINFÜHRUNG: Die Einleitung definiert das Fernsehen der DDR als zentrales Herrschaftsinstrument der SED und stellt die Forschungsfrage nach dem Wesen der staatlichen Reglementierung.

2. FERNSEHEN ALS SPRACHROHR DER PARTEI: Dieses Kapitel erläutert den rechtlichen Rahmen und die komplexe Organisationsstruktur der Einflussnahme, die das Fernsehen dem direkten Zugriff der SED-Spitze unterstellte.

3. ZENSUR, SANKTION UND DISZIPLIN – DIE REGLEMENTIERUNG DES FERNSEHENS IN DER PRAXIS: Dieser Teil untersucht die konkreten Zensurmethoden, die Akteursdisziplinierung und die Grenzen der Kontrolle, die maßgeblich durch ideologische Ausbildung und Sanktionsdruck aufrechterhalten wurden.

Schlüsselwörter

DDR-Fernsehen, SED, Medienlenkung, Zensur, Propaganda, Staatliche Reglementierung, Journalismus, Akteursdisziplinierung, Agitation, Herrschaftsinstrument, Schere im Kopf, Aktuelle Kamera, Kader, Sanktionen, DDR-Medien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die staatliche Reglementierung und Kontrolle des Fernsehens in der DDR durch die SED, um aufzuzeigen, wie das Medium als Propaganda- und Herrschaftsinstrument genutzt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den Organisationsstrukturen der Medienlenkung, den Zensurmethoden, der Disziplinierung der Fernsehmitarbeiter und dem Zusammenspiel zwischen Parteivorgaben und journalistischem Handeln.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das Ziel ist es, die Komplexität und den Alltag der staatlichen Reglementierung transparent zu machen, um die Forschungsfrage zu beantworten, inwieweit das DDR-Fernsehen tatsächlich staatlich gelenkt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung von Fachliteratur, Zeitzeugenberichten sowie der Analyse von Archivmaterial, um die Mechanismen der Medienlenkung zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich den Institutionen der Einflussnahme, der praktischen Umsetzung von Zensur (inhaltlich und formal), den Anforderungen an Fernsehschaffende und den Sanktionsmechanismen bei Abweichungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Begriffe wie SED-Herrschaft, Medienlenkung, Propaganda, Zensur, Akteursdisziplinierung und DDR-Fernsehen beschreiben den inhaltlichen Kern der Analyse am präzisesten.

Wie funktionierte das System der „Schere im Kopf“ bei den Journalisten?

Es handelte sich um eine Form der inoffiziellen Vorzensur, bei der die Journalisten durch jahrelange Erfahrung und Anpassungsdruck lernten, welche Themen und Darstellungen sanktioniert wurden, und sich infolgedessen selbst zensierten.

Warum war das „Staatliche Komitee für Fernsehen“ von zentraler Bedeutung?

Es fungierte als organisatorisches Bindeglied, das die politischen Anweisungen der SED-Spitze in Programmrichtlinien übersetzte und die Einhaltung durch gezielte Personalpolitik sicherstellte.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zensur, Sanktion und Disziplin - Die staatliche Reglementierung des DDR-Fernsehens und seiner Akteure
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar Kommunikationspolitik, "Medien à la DDR"
Note
1,3
Autor
Doreen Herok (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
34
Katalognummer
V126931
ISBN (eBook)
9783640329823
ISBN (Buch)
9783640331635
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR DDR-Fernsehen Deutsche Demokratische Republik SED Dikatur Reglementierung Totalitarismus Machtmissbrauch Zensur Medien Kommunikationspolitik Medienpolitik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Doreen Herok (Autor:in), 2009, Zensur, Sanktion und Disziplin - Die staatliche Reglementierung des DDR-Fernsehens und seiner Akteure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126931
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Leseprobe aus  34  Seiten
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