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Der Begriff der Kanzlerdemokratie

Title: Der Begriff der Kanzlerdemokratie

Term Paper , 2002 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anja Rössner (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Summary Excerpt Details

Der Ursprung der Kanzlerdemokratie liegt in der Kanzlerschaft Adenauers. So wurde
der Begriff im Hinblick auf einen besonders „starken“ Kanzler, wie ihn Adenauer
verkörperte, geprägt, obwohl er in sachlicher Hinsicht zunächst dazu diente, die
Unterschiede zwischen der Weimarer Republik und der Bundesrepublik zu
verdeutlichen: die „Kanzlerdemokratie“ wurde dabei als stabileres Gegenstück zur
„Präsidialdemokratie“ aufgefasst.1
Heute ist in der Politikwissenschaft umstritten, inwiefern diese Bezeichnung in
Bezug auf die heutigen Rahmenbedingungen politischer Führung noch relevant ist.
Denn auch wenn die Bestimmungen des Grundgesetzes die Grundlage für eine
dominante Stellung des Kanzlers im deutschen Regierungssystem bilden, scheint die
Bezeichnung „Kanzlerdemokratie“ nur bedingt auf das gegenwärtige deutsche
Regierungssystem anwendbar: zwar kann einerseits davon ausgegangen werden, dass
der Begriff als Bezeichnung für einen „Regierungstyp“2 noch Gültigkeit hat. Auf der
anderen Seite steht jedoch die Auffassung, dass er ausschließlich die Bedingungen
der Adenauer-Ära und den darauf basierenden starken Führungsstil des Kanzlers
widerspiegelt.
Solche gegensätzlichen Auffassungen beruhen nicht zuletzt auf unterschiedlichen
Begriffsbestimmungen, denen es an begrifflicher Klarheit fehlt, so dass von einem
„unscharfen Begriff“3 gesprochen wird. So wird als Folge eines reduzierten
Begriffsverständnisses die „Kanzlerdemokratie“ häufig vor allem mit dem
persönlichen Ansehen des Kanzlers in Verbindung gebracht. Wird allerdings über
den „personellen Faktors“ hinaus differenziert, so zeigt sich, dass es einer genaueren
Begriffsbestimmung bedarf, um festzustellen, welche Merkmale diese „suggestive
Wortprägung“4 beinhaltet. Auf diese Weise wird ersichtlich, welche Auffassung dazu
führt, die Bezeichnung „Kanzlerdemokratie“ für nicht mehr zeitgemäß zu halten
(z.B. Anselm Doering-Manteuffel) und aufgrund welcher Interpretation sie
andrerseits als Bezeichnung für ein Regierungsmodell für noch aussagekräftig erklärt
wird.

1 Vgl. Doering-Manteuffel, Strukturmerkmale der Kanzlerdemokratie, 1991,S.1
2 Vgl. Niclauß, Kanzlerdemokratie, 1990, S. 134
3 Doering-Manteuffel, Strukturmerkmale der Kanzlerdemokratie, 1991, S.1
4 Niclauß, Kanzlerdemokratie, 1990, S. 133

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. Grundlagen

1.1. Verfassungsrechtliche Begründung

1.2. Historische Begründung

2. Merkmale der „Kanzlerdemokratie“ vor ihrem Entstehungshintergrund

3. Die Bedeutung der Person des Kanzlers für die Regierungstätigkeit

4. Rahmenbedingungen politischer Führung

4.1. Institutionelle Bedingungen

4.2. Der Einfluss „moderner“ Entwicklungen

5. Die „modernen“ Regeln der Kanzlerdemokratie

SCHLUSS

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz des Begriffs der „Kanzlerdemokratie“ für das moderne deutsche Regierungssystem. Dabei wird analysiert, ob die Bezeichnung lediglich ein historisches Relikt der Ära Adenauer darstellt oder ob sie aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen, wie der zunehmenden Personalisierung durch mediale Einflüsse, eine neue inhaltliche Bedeutung erhält.

  • Historische Herleitung des Begriffs der Kanzlerdemokratie aus der Adenauer-Ära.
  • Verfassungsrechtliche und institutionelle Grundlagen der Kanzlermacht.
  • Einfluss moderner Entwicklungen wie Mediennutzung und Koalitionszwänge auf das Regieren.
  • Differenzierung zwischen Kanzlerdemokratie, Parteiendemokratie und Koordinationsdemokratie.

Auszug aus dem Buch

1.1. Verfassungsrechtliche Begründung

Mit verschiedenen verfassungsspezifischen Grundlagen versuchte der Parlamentarische Rat vor dem Hintergrund der Weimarer Erfahrungen die Position des Kanzlers gegenüber dem Reichskanzler in der Weimarer Republik zu stärken. Zudem beschränkte man das Amt des Bundespräsidenten auf weitgehend repräsentative Aufgaben, wodurch die politische Macht des Bundeskanzlers noch erhöht wurde, denn die politischen Entscheidungen werden von ihm erwartet. Dem Bundeskanzler wurden das alleinige Recht zur Ernennung und Entlassung der Minister (Art 64 GG) sowie die Bestimmung der Richtlinien der Politik zugesprochen (Art 65 GG). Außerdem wurde seine Position durch das „konstruktive Misstrauensvotum“ (Art 67 GG) gegenüber der des Reichskanzlers der Weimarer Republik gestärkt, indem ein Sturz der Regierung durch das Parlament nur möglich ist, wenn gleichzeitig ein neuer Regierungschef gewählt wird.

Mit der „Vertrauensfrage“ (Art 68 GG) ist dem Bundeskanzler außerdem verfassungsrechtlich ein Instrument an die Hand gegeben, mit dem er eine Auflösung des Parlaments herbeiführen kann, falls dieses der Regierung die Unterstützung verweigert und kein konstruktives Misstrauensvotum zustande bringt. Besonders bedeutend ist zudem die Organisationsgewalt, die dem Bundeskanzler laut Grundgesetz zusteht und ihn befugt, die Kompetenzen der Ministerien festzulegen sowie neue Ministerien zu schaffen. Vor dem Hintergrund dieser verfassungsrechtlichen Bestimmungen ist der Begriff des Kanzlerprinzips zu sehen, der die charakteristische „starke“ Stellung des Kanzlers und damit die verfassungsrechtliche Besonderheit des Grundgesetzes beschreibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Grundlagen: Beleuchtet die verfassungsrechtliche Stärkung des Kanzleramtes nach Weimarer Vorbild sowie die historische Prägung des Begriffs durch Konrad Adenauer.

2. Merkmale der „Kanzlerdemokratie“ vor ihrem Entstehungshintergrund: Analysiert die Kernmerkmale des Modells und die Frage, ob diese unter variierenden wirtschaftlichen und politischen Bedingungen auf andere Kanzler übertragbar sind.

3. Die Bedeutung der Person des Kanzlers für die Regierungstätigkeit: Diskutiert die Grenzen der Personalisierung und stellt den Begriff der Kanzlerdemokratie alternativen Konzepten wie der „Parteiendemokratie“ gegenüber.

4. Rahmenbedingungen politischer Führung: Untersucht institutionelle Einschränkungen durch Koalitionen sowie moderne Herausforderungen wie den Einfluss elektronischer Medien auf die Kanzlerrolle.

5. Die „modernen“ Regeln der Kanzlerdemokratie: Untersucht das Phänomen der „Medienkanzlerschaft“ und die damit verbundenen Risiken für den Gestaltungssinn politischer Arbeit.

Schlüsselwörter

Kanzlerdemokratie, Bundeskanzler, Richtlinienkompetenz, Adenauer, Regierungssystem, Personalisierung, Medienpolitik, Koalitionsregierung, Grundgesetz, Parteienstaat, Konstruktives Misstrauensvotum, Regierungsstil.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und zeitgenössischen Einordnung des politikwissenschaftlichen Begriffs der „Kanzlerdemokratie“ innerhalb der Bundesrepublik Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die verfassungsrechtliche Ausstattung des Bundeskanzlers, den historischen Kontext der Ära Adenauer sowie den Wandel politischer Führung durch Medieneinflüsse und Koalitionszwänge.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu klären, ob das Regierungsmodell der „Kanzlerdemokratie“ für die gegenwärtige politische Lage noch ein gültiges Erklärungsmodell bietet oder ob es historisch überholt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche Diskursanalyse, um verschiedene Interpretationen und Expertenauffassungen zum Regierungssystem gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die institutionellen Machtressourcen, den Einfluss von Parteien und Koalitionspartnern sowie die zunehmende Bedeutung der Medien für die Darstellung der Kanzlerpersönlichkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern zählen insbesondere Kanzlerdemokratie, Richtlinienkompetenz, Regierungsstil, Personalisierung und Koalitionsregierung.

Wie beeinflusst das Fernsehen die Rolle des Kanzlers heute?

Das Fernsehen fördert laut Arbeit die Personalisierung der Politik und dient als Machtressource, indem der Kanzler seine Position in der Öffentlichkeit medienwirksam inszenieren kann.

Ist die „Kanzlerdemokratie“ laut Fazit noch zeitgemäß?

Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass der Begriff zwar die institutionelle Komplexität nicht vollständig erfasst, aber weiterhin ein nützliches Strukturelement zur Beschreibung der dominierenden Stellung des Kanzlers im parlamentarischen System bleibt.

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Details

Title
Der Begriff der Kanzlerdemokratie
College
LMU Munich  (Geschwister Scholl Institut für Politische Wissenschaften)
Grade
1,3
Author
Anja Rössner (Author)
Publication Year
2002
Pages
16
Catalog Number
V12701
ISBN (eBook)
9783638185165
Language
German
Tags
Begriff Kanzlerdemokratie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Rössner (Author), 2002, Der Begriff der Kanzlerdemokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12701
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