Der Braunschweiger Löwe zwischen den Jahren 1934 – 1946

Welche Entwicklung des Löwendenkmals und der Kulturpolitik zeigt sich zwischen den Jahren 1934 bis 1946?


Hausarbeit, 2008
16 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einführung

1. Das Löwendenkmal und das Bemühen um den Ausbau der Stadt Braunschweig zum kulturellen Mittelpunkt

2. Exil des Löwendenkmals und die Kulturpolitik während des Zweiten Weltkrieges

3. Rückkehr des Löwendenkmals und die Kulturpolitik nach 1945

4. Fazit und Ausblick

Literaturangaben

Einführung

Die Ästhetisierung der Politik und die Reglementierung und die Instrumentalisierung der Kultur definierte und legitimierte das Systems der NS-Herrschaft. Die sozialen und wirtschaftlichen Verbesserungen, sowie die Mobilisierung und Fixierung der konservativen, bildungs-bürgerlichen Eliten und der kultur- interessierten Bevölkerung brachten dem NS-System wachsende Zustimmung.

Ausgehend von den Forschungen von Ludewig1 und Bein2 untersucht die vorliegende Arbeit die Fragestellung, welche Entwicklungen des Löwendenkmals und der Kulturpolitik sich zwischen den Jahren 1934 bis 1946 aufzeigen lassen. Der erste Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Löwendenkmal und dem Bemühen um den Ausbau der Stadt Braunschweig zum kulturellen Mittelpunkt. Im zweiten Teil wird das Exil des Löwendenkmals und die Kulturpolitik während des Zweiten Weltkrieges untersucht. Im dritten Teil behandele ich die Rückkehr des Löwendenkmals und die Kulturpolitik nach 1945. Das Fazit und der Ausblick schließen die Hausarbeit ab.

1. Das Löwendenkmal und das Bemühen um den Ausbau der Stadt Braunschweig zum kulturellen Mittelpunkt

Der 880 Kilogramm schwerer und bis zur 12 mm starker Bronzeguss, der 2,79 Meter breit und 1,78 Meter hoch ist, wurde im Jahre 1166 von einem unbekannten Meister gegossen.3 Der Bronzeguss war vergoldet und kennzeichnete den Machtanspruch Heinrichs des Löwen in dem Konflikt mit dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa.4 1616 wurde das Monument durch Friedrich Ulrich wiederhergestellt und 1858 in der Werkstatt des Braunschweiger Gießers Georg Howaldt erneut restauriert. 1901 wurde im Rahmen der Neugestaltung des Burgplatzes ein Postament mit Ketten eingefassten und mit Grün bepflanzt.5

Seit 1934 forcierte Klagges den Reichsgau ´Ostfalen´6. Braunschweig sollte zur Kulturgaustadt ausgebaut werden. Dieses Bemühen wurde unter anderen von Dietrich Klagges7, Werner Flechsig8, Johannes Dürkop9 und Wilhelm Hesse10 forciert.11 Ab 1935 wurde das Grab Heinrichs des Löwen geöffnet, der Dom, das Löwendenkmal und der Burgplatz umgestaltet.12 Die Wahrzeichen der Stadt Braunschweig sollten zur nationalen Weihestätte instrumentalisiert werden. Regional- sowie national- agierende NS-Prominenz sollte infolgedessen für den Raum Braunschweig mobilisiert und zu fixiert werden.13

Die Vereinnahmung Heinrichs des Löwen fixierte der Legitimierung ´deutscher Ostpolitik´ und mobilisierte die angestrebte ´Gewinnung von Lebensraum im Osten´. Zugleich war die historische Legitimation eines von Klagges angestrebten Gaues Ostfalen mit Braunschweig als Kulturgaustadt und seiner eigenen Position im lokalen NS-System kennzeichnend.14

Weiterhin ging es um Standortvorteile für mögliche Industrieansiedlung im Raum Braunschweig, gegenüber Hannover und in Konkurrenz zu Quedlinburg. Für Braunschweig bedeutete diese Initiative eine erhebliche Aufwertung der Region und für die hier ansässige Industrie volle Auftragsbücher und Profit. Die Gründe für den Ausbau der Industrie15 waren durch zwei Grundgedanken beherrscht: dem Autarkiestreben und der Aufrüstungspolitik.16

Insbesondere profitierten die braunschweiger Firmen Büssing, Niemo (Flugmotoren), MIAG, Jüdel (Siemens), Wilke und Voigtländer von den Rüstungsaufträgen und konnten ihre Werke ausbauen und vergrößern.17 Die neu gegründeten, hochspezialisiert Firmen, wie die Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL), die Flugzeugreparaturfabrik G.m.b.H. und die Errichtung des Verkehrsflughafens Waggum und dessen Einbindung in das deutsche Luftverkehrsnetz, die Gründung des Instituts für Luftfahrtmesstechnik und Flugmeteorologie an der Technischen Hochschule in Braunschweig, die Gründung der Akademie für Jugendführung, der SS-Junkerschule, die Gebietsführerschule der HJ, die Führerschule des deutschen Handwerks zeigen die kriegsvorbereitenden und kriegsfördernden Strukturen auf. Hinzu kamen zwei weitere nationalsozialistische Neugründungen, nämlich die Reichswerke- Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten ´Hermann Göring´

(RHG) in Salzgitter-Watenstedt und das ´Kraft durch Freude-Werk´ / ´Volkswagenwerk´ bei Fallersleben.18

Seit 1936 begann Heinrich Himmler im Quedlinburg die dortige Stiftskirche zu usurpieren, um am Grab König Heinrich I. einen zentralen Erinnerungsort für die SS einzurichten.19

Hitler kam 1935 nach Braunschweig, ließ sich unter anderem von Klagges die Pläne für eine Gruft im Braunschweiger Dom erläutern, bewilligte die Mittel und sorgte für die Anstellung der Architekten.20 Die Zeitschrift „Das Bild“ schildert in ihrer Ausgabe aus dem Jahre 1937 folgende Eindrü> „Der gen Osten blickende monumentale Braunschweiger Bronzelöwe von 1166 [...] wirkt nun beherrschend, nachdem man die alte, schöne Pflasterung des Burgplatzes wiederhergestellt und die gärtnerischen `Anlagen` entfernt hat. Man muß den Löwen einmal beim Fackelschein eines Aufmarsches erlebt haben. [...] So zeigt sich der Burgplatz würdig des Domgrabes, das nun nach dem Willen des Führers Weihestätte des Deutschen Volkes werden soll.“ 21

Vor dem Ausbruch und während des Zweiten Weltkrieges rückte Heinrich der Löwe im Geschichtsbild Hitlers in den Hintergrund. Der Rivale Heinrichs, Friedrich Barbarossa, passte besser in die Weltherrschaftspläne Hitlers.22

Im Volksbildungsministerium, das Klagges unterstand, wurden die kulturpolitischen Entscheidungen getroffen. Klagges förderte die Ur- und Frühgeschichte, die Heimatforschung und Heimatpflege. Eine gezielte Geschichtspolitik sollte die Institutionen reglementieren und instrumentalisieren.

[...]


1 Ludewig, Hans-Ulrich: Kulturpolitik im Land Braunschweig 1933 – 1945. In: Myrrhe, Ramona (Hg.): Geschichte als Beruf. Demokratie und Diktatur. Protestantismus und politische Kultur. Festschrift zum 65. Geburtstag von Klaus Erich Pollmann, Halle 2005, S. 71 – 86.

2 Bein, Reinhard / Vogel Bernhardine: Nachkriegszeit. Das Braunschweiger Land 1945 bis 1950. Materialien zur Landesgeschichte. Begleitbuch zur Ausstellung des Gymnasiums Neue Oberschule im Städtischen Museum Braunschweig vom 12. März bis 17. April 1995, Braunschweig 1995. Bein, Reinhard: Zeitzeichen. Stadt und Land Braunschweig. 1930 – 1945, Braunschweig 2000.

3 Spies, Gerd (Hg.): Der Braunschweiger Löwe, Braunschweig 1985, S. 9ff.

4 Jäckel, Dirk: Der Herrscher als Löwe. Ursprung und Gebrauch eines politischen Symbols im Früh- und Hochmittelalter, Köln / Weimar / Wien 2006, S. 55f (Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte; Heft 60).

5 Biegel, Gerd: Der berühmteste und älteste Braunschweiger. Kunstwerk und Symbolfigur für Braunschweig. In: Braunschweiger Zeitung - Spezial (Hg.): Die 100 grössten Braunschweiger, Nr. 1 (2005), 2. Auflage, Braunschweig 2005, S. 97. Kiekenap, Bernhard: Spuren des Löwen. Geschichte und Tradition in Braunschweig und Blankenburg, Braunschweig 2002, S. 5.

6 Geplant war die Zusammenlegung des Landes Braunschweig mit Lüneburg und Hildesheim; siehe auch: Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 74.

7 Klagges war seit dem Jahr 1934 Ministerpräsident.

8 Flechsig war seit dem Jahr 1939 Referent im Volksbildungsministerium des Landes.

9 Dürkop war seit dem Jahr 1935 Leiter des Vaterländischen Museums.

10 Hesseseit war seit dem Jahr 1933 Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig.

11 Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 74f.

12 Städtisches Museum Braunschweig / Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (Hg.): Deutsche Kunst 1933 – 1945 in Braunschweig. Kunst im Nationalsozialismus. Katalog zur Ausstellung, Hildesheim, Zürich und New York 2000 , S. 57.

13 Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 79; Bein: Zeitzeichen, S. 153f.

14 Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 74f und S. 104f; vgl.: Ludewig, Hans-Ulrich: Braunschweig im Nationalsozialismus. In: Stadt Braunschweig / Der Oberbürgermeister / Städtisches Museum Braunschweig (Hg.) / Erika Eschebach (Redaktion): Deutsche Kunst 1933 – 1945 in Braunschweig. Kunst im Nationalsozialismus. Vorträge zur Ausstellung (1998 – 2000), C; Vorträge im Städtischen Museum 2000, Braunschweig 2001, S. 97 – 112, hier S. 105.

15 Ab 1936/37 folgte die Umstellung auf Rüstungsindustrie.

16 Ludewig, Hans-Ulrich: Das Land Braunschweig im Dritten Reich (1933 – 1945). In: Jarck, Horst-Rüdiger / Schildt, Gerhard: Die Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrhundertüberlick einer Region, Braunschweig 2001, S. 981 – 1024, hier S. 1000.

17 Ebenda: S. 1000.

18 Pingel, Norman-Mathias: Die Kriegswirtschaft im Land Braunschweig. In: Fiedler, Gudrun / Ludewig, Hans-Ulrich: Zwangsarbeiter und Kriegswirtschaft im Lande Braunschweig 1939 -1945, Braunschweig 2003, S. 15 – 29, hier S. 15f; Ludewig, Hans-Ulrich: Das Land Braunschweig im Dritten Reich (1933 – 1945), S. 992 und S. 1000. Konservenindustrie / Nahrungsindustrie wurde ausgelassen.

19 Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 79. Vgl.: Ahrendt, Karl: Mißbrauchte Geschichte. Der Braunschweiger Dom als politisches Denkmal 1935 / 45. In: Herzog Anton Ulrich-Museum / Luckhardt, Jochen / Niehoff Franz (Hg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit, Bd. 3, München 1995, S. 48 – 65.

20 Ebenda, S. 122 u.153; Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 74

21 Zitiert nach: Das Bild, Heft 10, Oktober 1937, 7. Jahrgang, S. 299.

22 Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 79. 23 Ludewig: Kulturpolitik im Land Braunschweig, S. 81.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Braunschweiger Löwe zwischen den Jahren 1934 – 1946
Untertitel
Welche Entwicklung des Löwendenkmals und der Kulturpolitik zeigt sich zwischen den Jahren 1934 bis 1946?
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Historisches Seminar)
Note
2,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V127035
ISBN (eBook)
9783640333813
ISBN (Buch)
9783640333431
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Braunschweiger, Löwe, Jahren, Welche, Entwicklung, Löwendenkmals, Kulturpolitik
Arbeit zitieren
Darius Windyka (Autor), 2008, Der Braunschweiger Löwe zwischen den Jahren 1934 – 1946, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127035

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Braunschweiger Löwe zwischen den Jahren 1934 – 1946


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden