Die Familie ist eine der ältesten Sozialformen der Menschheit und hat sich im historischen Verlauf zahlreich verändert. In den letzten Jahrzehnten ist eine neue Phase im gesellschaftlichen Stellenwert von Familie eingetreten. Die zunehmende Diskussion um die Familie als eine bedeutsame gesellschaftliche Institution zeigt deutlich die Aktualität dieses Themenkomplexes.
Die Familie im Sozialismus der DDR wurde vor allem im Hinblick auf die Wechselwirkung mit anderen Sozialisationsträgern erforscht. Seit den fünfziger Jahren haben Fragen der Familie und der Familienerziehung zunehmend Eingang in die politischen und wissenschaftlichen Diskussionen gefunden. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Familienverständnis und der Stellung der Kinder in der Gesellschaft der DDR. Zunächst wird eine allgemeine Definition zum Begriff der Familie vorgestellt, die eine Grundlage für die weitere thematische Bearbeitung darstellt. Darauf folgt die Erläuterung des Stellenwertes der Familie in der DDR unter besonderer Berücksichtigung der Wandlungen in der Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft. In einem weiteren Themenkomplex werden die Rahmenbedingungen für die Familie im Sozialismus vorgestellt und bewertet. Gleichfalls wird das Augenmerk auf die konkreten Familienformen gelegt und die besondere Stellung der Kinder in der Gesellschaft der DDR betrachtet. Um den Bereich der Kinder in der sozialistischen Gesellschaft der DDR zu erweitern, wird sich ein weiterer Punkt mit der Erziehung im Kindergarten auseinandersetzen. Der Bildungs- und Erziehungsplan für den Kindergarten soll dabei analysiert werden. Durch ein Interview mit einer ehemaligen Erzieherin der DDR sollen diese theoretischen Grundlagen verglichen und ausgewertet werden. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszuarbeiten welchen Stellenwert Familie und Kinder in der Gesellschaft der DDR besaßen und mit welchen Maßnahmen sie durch den sozialistischen Staat unterstützt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserläuterung: Familie
3. Verhältnis von Familie und Gesellschaft in der DDR
3.1 Stellenwert der Familie
3.2 Wandlungen in der Rolle der Frau
4. Rahmenbedingungen für Familie in der DDR
4.1 Grundlage politischer Rahmenbedingungen
4.2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
4.3. Sozial – und familienpolitische Maßnahmen für die Familie
5. Familienformen in der DDR
6. Stellung der Kinder in der Gesellschaft der DDR
7. Erziehung im Kindergarten in der DDR
7.1 Erziehungs- und Bildungsplan
7.2 Auswertung des Interviews mit einer Zeitzeugin
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Familienverständnis sowie die Stellung von Kindern in der Gesellschaft der DDR. Dabei wird analysiert, welchen Stellenwert Familie und Erziehung in der sozialistischen Ideologie einnahmen und welche staatlichen Maßnahmen zur Förderung von Ehe und Familie implementiert wurden, um den gesellschaftlichen Anforderungen und der demografischen Entwicklung gerecht zu werden.
- Stellenwert und Definition des Familienbegriffs im DDR-Sozialismus
- Rolle der Frau und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- Staatliche Rahmenbedingungen und sozialpolitische Fördermaßnahmen
- Erziehungsziele im Kindergarten und die Bedeutung des Bildungsplans
- Analyse der staatlichen Lenkung der frühkindlichen Entwicklung
Auszug aus dem Buch
7. Erziehung im Kindergarten in der DDR
Der Kindergarten hatte die Aufgabe die von der sozialistischen Gesellschaft gestellten Ziele, die im Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem verankert waren, umzusetzen. Die Bildungs- und Erziehungseinrichtung hatte dafür zu sorgen, dass die Kinder gesund aufwuchsen und sich allseitig entwickelten. Die Hauptaufgaben lagen in der körperlichen, geistigen, sittlichen und ästhetischen Bildung. Zur Stabilisierung der Gesundheit dienten Maßnahmen zur Anerziehung hygienischer Gewohnheiten, die Einhaltung eines geregelten Tagesablaufs, die Ausübung von Körperübungen und der Aufenthalt im Freien. Zielstrebig wurde an der Entwicklung der Sprache und des Denkens gearbeitet
Die Kinder wurden angehalten, Gegenstände und die Umwelt zu beobachten und zu verstehen. Die Erzieherin musste sich dem Bedürfnis der Kinder nach sprachlicher Äußerung anpassen und sie befähigen, ihre Gedanken und Erlebnisse sprachlich und sachlich wiederzugeben. In diesem Zusammenhang war es das Ziel die Kinder zu befähigen, sich zu konzentrieren und aufmerksam zu sein, um auf die Arbeit in der Schule vorbereitet zu werden. In der Gruppe konnten sich sozialistische Normen des Zusammenlebens herausbilden.
Um die Selbstständigkeit zu fördern , wurden die Kinder an einfache Tätigkeiten im Interesse der Gruppe herangeführt. Die Liebe zur Arbeit war hier das Ziel. Die Kinder sollten auch zur Liebe und Achtung ihrer Eltern sowie zur Verbundenheit mit der Regierung erzogen werden. Eine angenehm gestaltete Atmosphäre gab den Raum , um die Freude an allem Schönen zu entwickeln. Das Bedürfnis nach singen, Musik hören, malen, basteln und modellieren zu entwickeln war der Grund. Die Kinder wurden mit Märchen, Gedichten und Erzählungen bekannt gemacht, so dass sie ihre Fantasie und die Formung erster moralischer Urteile nutzen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der historischen Bedeutung der Familie und Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich des Stellenwerts von Familie und Kindern in der DDR.
2. Begriffserläuterung: Familie: Theoretische Herleitung des Familienbegriffs unter soziologischen und pädagogisch-psychologischen Gesichtspunkten.
3. Verhältnis von Familie und Gesellschaft in der DDR: Analyse des hohen Stellenwerts der Familie als Keimzelle der Gesellschaft und der Rolle der Frau innerhalb dieses Systems.
4. Rahmenbedingungen für Familie in der DDR: Untersuchung der rechtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen sowie der staatlichen familienpolitischen Fördermaßnahmen.
5. Familienformen in der DDR: Betrachtung der vorherrschenden Lebensformen, wie der Kernfamilie, sowie des Wandels hin zu alleinerziehenden Eltern oder Lebensgemeinschaften.
6. Stellung der Kinder in der Gesellschaft der DDR: Erörterung der Erziehungsziele und der staatlichen Bestrebungen, die junge Generation zu sozialistischen Persönlichkeiten zu formen.
7. Erziehung im Kindergarten in der DDR: Analyse des Bildungs- und Erziehungsplans sowie Auswertung eines Experteninterviews zur praktischen Umsetzung in der DDR-Kinderbetreuung.
8. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse zur staatlich gelenkten Familienpolitik und deren Einfluss auf den Alltag und die Entwicklung der Menschen in der DDR.
Schlüsselwörter
DDR, Familie, Familiengesetzbuch, Sozialismus, Kindererziehung, Bildungsplan, Rolle der Frau, Sozialisation, Kinderbetreuung, Familienpolitik, DDR-Gesellschaft, Staatliche Lenkung, Erzieherin, DDR-Alltag, Familienformen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle der Familie und der Erziehung in der DDR sowie der staatlichen Unterstützung durch familienpolitische Maßnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Familienverständnis, den Rahmenbedingungen für Kinder und Ehepaare sowie der staatlich gelenkten Erziehung im Kindergarten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es herauszuarbeiten, welchen gesellschaftlichen Stellenwert Familie und Kinder in der DDR besaßen und wie der sozialistische Staat diese unterstützte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorinnen kombinieren eine literaturgestützte Analyse der historischen und rechtlichen Rahmenbedingungen mit der Auswertung eines Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Familienideologien, sozialpolitischen Förderprogrammen, Familienformen und den staatlichen Bildungszielen für Kinder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DDR, Familie, sozialistische Erziehung, Familiengesetzbuch, Bildungsplan und staatliche Fördermaßnahmen.
Wie wurde die Rolle der Frau in der DDR im Text bewertet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die angestrebte Gleichstellung der Frau oft in eine Doppelbelastung durch Beruf und Familie mündete.
Welche Rolle spielte der "Bildungs- und Erziehungsplan" im Kindergartenalltag?
Der Plan war ein exaktes Regelwerk, das keinen Raum für individuelle Gestaltung ließ und die pädagogische Arbeit durch Fachberater streng kontrollierte.
Welchen Stellenwert nahm die "Drei-Kinder-Familie" ein?
Diese Familienform wurde vom Staat als das ideale Modell propagiert und durch gezielte Kredite und Unterstützungen gefördert.
- Quote paper
- Patrick Ziehm (Author), 2008, Familienverständnis und Stellung der Kinder in der Gesellschaft der DDR - der hohe Wert der Familie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127038