In der Geschichtswissenschaft definiert man den Längsschnitt als ein darstellerisches Konzept. In der Regel wird der Längsschnitt epochenübergreifend angewendet, damit das zeitliche Nacheinander betont wird und man die historische Zeit beschleunigt betrachten kann. Mit einem Längsschnitt ist es also möglich, einen erhellenden Blick auf historische Zustände zu bestimmten Zeitpunkten zu erlangen. Der Schwerpunkt der Hausarbeit liegt in der Konzeption solch eines Längsschnitts. Als Grundlage dient das Thema "Flucht".
Es werden vergangene Ereignisse auf andere vergangene Ereignisse bezogen. Damit die Arbeitsmethode gewinnbringend angewendet werden kann, sollte das Arbeiten aus einer bestimmten Gegenwartserfahrung heraus geschehen. Der Ausgangspunkt dafür sind Dimensionen, wie beispielsweise Alltagskulturen, Eigenes und Fremdes, Raumnutzung, Reisen oder Herrschaft, die bis heute immer noch Aktualität vorweisen und als historische Themen behandelt werden können.
Die Stärken und der didaktische Wert von Längsschnitten liegen unter anderem darin, dass die Tiefendimension der Geschichte schon in frühen Jahrgangsstufen erfahren und erlebbar gemacht werden kann. Epochen werden überbrückt und historische Erfahrungen mit der Gegenwart verknüpft. Vor allem werden durch die Gegenwartsbezüge Problemsituationen erkennbar gemacht, aber auch Problemlösungen offengelegt.
Neben diesen Vorteilen bringt diese Methode im Geschichtsunterricht aber auch Nachteile mit sich: Einzelne historische Probleme wirken losgelöst und isoliert aus dem Strukturzusammenhang ihrer Epoche. Somit kann die Komplexität der Geschichte missverstanden werden und es kann schnell zu gedankenlosen Aufreihungen von Fakten und Ereignissen seitens der Lernenden kommen. Dadurch, dass gewisse Merkmale einer Epoche nicht behandelt werden, sondern geschichtliche Zusammenhänge isoliert voneinander betrachtet werden, kann es passieren, dass zu abstrakt unterrichtet wird und wenige bis keine Kenntnisse des chronologischen Zusammenhangs weitergegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Thema Flucht und seine Bedeutung
3. Vorstellung des Lernarrangements
3.1. Flucht heute: Fluchtbewegungen in der Gegenwart
3.2. Flucht in der frühen Neuzeit: Die Hugenotten
3.3. Flucht und Vertreibung durch den zweiten Weltkrieg
3.4. Flucht durch die Jugoslawienkriege der 1990er Jahre
4. Erwartungshorizont der Arbeitsaufträge
5. Literaturverzeichnis
6. Internetquellen
7. Anhang: Längsschnitt „Flucht“
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist die Konzeption eines problemorientierten Lernarrangements für den Geschichtsunterricht der 8. Klasse, das den Längsschnitt als Methode nutzt, um das Thema „Flucht“ diachron zu erschließen. Die Arbeit zielt darauf ab, Lernenden die historische Bedingtheit von Flucht zu verdeutlichen und Kompetenzen zur Analyse von Kontinuitäten und Brüchen zwischen historischen Migrationserfahrungen und gegenwärtigen Phänomenen zu fördern.
- Didaktische Begründung der Methode des historischen Längsschnitts
- Analyse und Vergleich der Gründe und Rahmenbedingungen von Flucht in verschiedenen Epochen
- Förderung der interkulturellen Kompetenz und des „Fremdverstehens“
- Reflexion über gesellschaftliche Integrationsprozesse und deren Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
3.1. Flucht heute: Fluchtbewegungen in der Gegenwart
Durch Kriege, bewaffnete Konflikte und politische Verfolgung im 21. Jahrhundert sind immer mehr Menschen dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Weltweit sind es mittlerweile 50 Millionen Menschen, die sich auf der Flucht befinden. Viele Menschen suchen Zuflucht im direkten Nachbarland und kleinere Anteile versuchen, nach Europa zu flüchten. Im Jahre 2014 haben circa 626.000 Menschen in der EU Asyl beantragt und nehmen dafür lebensbedrohliche Wanderungen oder Überseefahrten über das Mittelmeer auf sich. Flucht bedeutet im Grunde genommen, das Ausweichen von Gewalt, welche heutzutage meist aus politischen, religiösen, rassistischen oder genderspezifischen Gründen ausgeübt oder angedroht wird.
Häufig begeben sich Menschen daher über einem längeren Zeitraum auf die Flucht und müssen sich an verschiedenen Fluchtorten niederlassen. Migrantinnen und Migranten sind daher gewillt, ihren Aufenthaltsort andernorts dauerhaft oder temporär zu gewährleisten. Ziele der Fluchtbewegungen sind natürlich die eigene Sicherheit zu gewährleisten, aber auch das Streben nach Autonomie, Schutz und die Chance auf Erwerbs- und Bildungsmöglichkeiten. Es gibt verschiedene Gründe der Flucht. Viele Flüchtlinge ergreifen die Flucht, da in ihrem Heimatland Krieg herrscht, ebenso gibt es politisch Verfolgte Flüchtlinge. Politisch Verfolgte sind all diejenigen, die im Falle der Rückkehr in ihrem Heimatland einer schwerwiegenden Menschenrechtsverletzung ausgesetzt sind. Dies kann durch die Nationalität, politische Überzeugung, religiöse Grundentscheidung oder Zugehörigkeit bestimmter sozialer Gruppen sein. Je nachdem, aus welchen Gründen Menschen fliehen, streben sie eine dauerhafte oder temporäre Asylberechtigung an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung verortet das darstellerische Konzept des Längsschnitts in der Geschichtsdidaktik und begründet dessen Eignung, historische Phänomene epochenübergreifend strukturiert und verständlich darzustellen.
2. Das Thema Flucht und seine Bedeutung: Das Kapitel erörtert die gesellschaftliche und schulpraktische Relevanz des Themas Flucht, insbesondere unter Berücksichtigung von Migrationshintergründen in der Schülerschaft und dem Ziel der Förderung interkultureller Kompetenz.
3. Vorstellung des Lernarrangements: Dieser Abschnitt erläutert die problemorientierte Grundidee und die Lernziele des Längsschnitts, um danach spezifische historischen Schwerpunkte methodisch-didaktisch in Arbeitsaufträge zu übersetzen.
3.1. Flucht heute: Fluchtbewegungen in der Gegenwart: Hier werden die aktuellen Ursachen globaler Fluchtbewegungen analysiert und als Ausgangspunkt für die Gegenwartsbezüge im Unterricht genutzt.
3.2. Flucht in der frühen Neuzeit: Die Hugenotten: Dieses Kapitel behandelt die Verfolgung und Flucht der Hugenotten als frühes Beispiel für Massenmigration und thematisiert deren Status als „attraktive“ Einwanderer.
3.3. Flucht und Vertreibung durch den zweiten Weltkrieg: Fokus liegt hier auf den Fluchtbewegungen der 1940er Jahre und der schwierigen Ankunft sowie Eingliederung von Vertriebenen in den Besatzungszonen.
3.4. Flucht durch die Jugoslawienkriege der 1990er Jahre: Anhand dieses Konflikts wird die Dynamik ethnischer Gewalt und die rechtliche Problematik von Flucht, Duldung und Perspektivlosigkeit aufgearbeitet.
4. Erwartungshorizont der Arbeitsaufträge: In diesem Kapitel werden die inhaltlichen Erwartungen an die Bearbeitung der Arbeitsblätter sowie die zu fördernden geschichtsdidaktischen Kompetenzen strukturiert dargelegt.
Schlüsselwörter
Längsschnitt, Geschichtsdidaktik, Flucht, Migration, Vertreibung, Fremdverstehen, Hugenotten, Zweiter Weltkrieg, Jugoslawienkriege, Gegenwartsbezug, Urteilskompetenz, Orientierungskompetenz, Lernarrangement, Arbeitsaufträge, Interkulturelles Lernen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein didaktisches Konzept für den Geschichtsunterricht, das das Thema Flucht mittels eines chronologischen Längsschnitts über verschiedene Epochen hinweg bearbeitet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit strukturiert sich entlang der Themen Flucht in der Gegenwart, Flucht der Hugenotten in der Frühen Neuzeit, Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Fluchtbewegungen während der Jugoslawienkriege.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Schülern durch den Längsschnitt zu ermöglichen, historische Kontinuitäten und Brüche im Bereich von Flucht und Migration zu verstehen, das Fremdverstehen zu fördern und eine eigene Urteilsfähigkeit gegenüber aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Als strukturierendes Element der Geschichtsdidaktik dient der „thematische Längsschnitt“, der epochenübergreifend an eine spezifische Gegenwartsfrage anknüpft, um historische Phänomene vergleichend zu betrachten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Methodik des Längsschnitts sowie in die konkrete Vorstellung des Lernarrangements mit Sachanalysen und didaktischen Reflexionen zu vier historisch-differenzierten Unterthemen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Längsschnitt, Geschichtsdidaktik, interkulturelle Kompetenz, Fremdverstehen, Migration, Urteilskompetenz sowie das Spannungsfeld zwischen eigenem und fremdem Erleben.
Warum wurde das Thema „Flucht“ speziell für einen Längsschnitt gewählt?
Das Thema weist eine hohe Aktualität für die heutige Schülerschaft auf, ermöglicht tragfähige Gegenwartsbezüge und bietet die Chance, komplexe gesellschaftliche Fragen wie das „Fremdverstehen“ oder rechtliche Aspekte wie Asyl und Duldung historisch fundiert einzuordnen.
Wie soll der Umgang mit dem „Fremden“ im Unterricht thematisiert werden?
Durch die Analyse unterschiedlicher historischer Fluchtgründe und der jeweiligen Reaktionen der Aufnahmegesellschaften sollen Schüler Empathie entwickeln, ihre eigene Perspektivität hinterfragen und gesellschaftliche Identitätsmuster kritisch reflektieren.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2018, Historischer Längsschnitt zum Thema "Flucht" (Unterrichtsentwurf Geschichte), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1270492