Thema dieser Arbeit ist die Wohnsiedlung „Rüdemannweg-Viertel“ in Hamburg-Wilhelmsburg. Die Wohnsiedlung wurde in den 1950er Jahren aufgrund der akuten Wohnungsnot von der Wohnungsgenossenschaft „Bauverein Reiherstieg eG“ errichtet. Der Bauverein verwaltet heute noch die Siedlung. Das Rüdemannweg-Viertel hat sich innerhalb von über 50 Jahren vielfach verändert. Einhergehend mit dem Wandel der Bewohnerbedürfnisse, gab es in der Vergangenheit immer wieder Anlass das Viertel umzugestalten, mit dem Ziel Wohnungen und Wohnumfeld an die Ansprüche der Bewohner anzupassen.
In dieser Arbeit soll herausgefunden werden, ob die Umsetzung der baulichen Maßnahmen im Entwicklungsverlauf der Siedlung den Bewohnern entgegenkam und zu einer erhöhten Wohnzufriedenheit geführt hat. Die Arbeit basiert auf folgender Fragestellung: Ist durch die baulichen Maßnahmen den Wohnwünschen und –bedürfnissen der Bewohner bedarfsadäquat gehandelt worden und hat dies zum Ziel – der Schaffung einer höheren Wohnzufriedenheit – geführt?
Betrachtet werden dabei unterschiedliche Entwicklungsphasen der Wohnsiedlung. Es beginnt mit dem Bau der Siedlung 1950, worauf 1975-78 die erste Modernisierung folgte und neben vereinzelten Neubaumaßnahmen die zweite Modernisierung ab 1999. Die Schilderung der Maßnahmen und der Wohnsituation der Bewohner in diesen Phasen erfolgt im Rahmen einer Vergangenheitsbetrachtung. Thematisiert werden dazu die Veränderungen der Bewohnerbedürfnisse im Laufe der Zeit und somit auch die Auswirkungen auf die Ansprüche an das Wohnviertel selbst. Diese drei Phasen werden jeweils durch die Schilderung des Handlungsanlasses und der daraufhin folgenden baulichen Maßnahmen begonnen. Im Anschluss daran, folgt jeweils eine Bewertung der Maßnahmen und der Wohnsituation der Bewohner. Da diese Arbeit sich auch stark auf Ereignisse in der Vergangenheit bezieht, wird die Evaluierung mit in die chronologische Gliederung einbezogen. Im Anschluss an die vergangenen Zeitphasen wird die aktuelle Wohnsituation des Rüdemannweg-Viertel dargestellt und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG: ZIELSTELLUNG UND AUFBAU DER ARBEIT
2. METHODEN BEI DER UNTERSUCHUNG DES VIERTELS
2.1 Kooperation mit dem Bauverein Reiherstieg eG
2.2 Dokumentenanalyse
2.3 Qualitative Interviews
2.4 Ortsbegehungen und Soziale Raumbeobachtung
2.5 Problematiken bei der Untersuchung
3. ERSTE HANDLUNGSPHASE: ERRICHTUNG IN DEN 1950ER JAHREN
3.1 Handlungsanlass und Bau der Siedlung
3.2 Bewertung von Maßnahmen und Wohnsituation
4. ZWEITE HANDLUNGSPHASE: ERSTE MODERNISIERUNG (1975 BIS 1978)
4.1 Handlungsanlass und Modernisierungsmaßnahmen
4.2 Bewertung von Maßnahmen und Wohnsituation
5. DRITTE HANDLUNGSPHASE: ZWEITE MODERNISIERUNG, NEUBAU UND WOHNUMFELDMAßNAHMEN (1990 BIS HEUTE)
5.1 Handlungsanlass und Durchführung der Maßnahmen
5.2 Bewertung von Maßnahmen und Wohnsituation
6. AUSGANGSSITUATION IM RÜDEMANNWEG-VIERTEL
6.1 Bestandsaufnahme der aktuellen Wohnsituation
6.2 Aktuelle Wohnzufriedenheit der Bewohner
7. FAZIT UND AUSBLICK AUF DIE ENTWICKLUNG DER KÜNFTIGEN WOHNSITUATION
8. HANDLUNGSANSÄTZE FÜR EINE DAUERHAFTE UND LANGFRISTIGE WOHNZUFRIEDENHEIT DER BEWOHNER
8.1 Optimierung der Durchführung von baulichen Maßnahmen
8.2 Ausrichtung der baulichen Maßnahmen am (zukünftigen) Bewohnerprofil
8.3 Nachhaltige bauliche Maßnahmen durch flexible Planung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die baulichen Maßnahmen im Rüdemannweg-Viertel den Wohnwünschen und Bedürfnissen der Bewohner entsprachen und zu einer erhöhten Wohnzufriedenheit geführt haben. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Effektivität dieser Maßnahmen im historischen und aktuellen Kontext.
- Entwicklungsphasen der Siedlung seit den 1950er Jahren
- Bewertung der baulichen Maßnahmen durch die Bewohner
- Rolle der Wohnungsgenossenschaft als Verwalter
- Soziale Struktur und Wohnzufriedenheit
- Handlungsempfehlungen für zukünftige Planung
Auszug aus dem Buch
3.1 Handlungsanlass und Bau der Siedlung
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Hamburg zu großen Teilen in Trümmern. Unabhängig davon, ob das urbane Trümmerfeld zu den utopischen Visionen neuer Wohnstädte einlud oder zum Wiederaufbau des Bestehenden, standen insbesondere die Planer nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor dem schwerwiegenden Problem des Wohnungsmangels. Viele Familien wohnten nach dem Krieg in sogenannten „Nissenhütten“, die nach einem englischen System prä-fabriziert und auf geräumten Trümmerflächen errichtet werden konnten. Aufgrund der Wohnungsnot hausierten zu Beginn der 1950er Jahre immer noch etwa 12.000 Einwohner in Nissenhütten, auch nachdem der Bau bereits 1946 eingestellt wurde. Viele der teilzerstörten Wohnhäuser wurden unmittelbar nach Kriegsende bei knappsten Materialressourcen von den Bewohnern in Eigenregie und mit Improvisationstalent notdürftig wiederhergestellt.
Auch Wilhelmsburg war von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges betroffen. So wurden während der Kriegsjahre insgesamt 746 Wohngebäude in Wilhelmsburg durch Bombenangriffe zerstört, davon 87 total und 117 schwer. Dies bedeutete einen Verlust von etwa 4.000 Wohnungen. Die Wohnungsnot in Wilhelmsburg war eines der dringlichsten sozialen Probleme jener Zeit. Im Wiederaufbau fungierten in Hamburg und Wilhelmsburg vor allem die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen bzw. Wohnungsgenossenschaften als maßgebliche Träger der Bautätigkeit. Die große Aktivität der Wohnungsgenossenschaften war auf die im WGG von 1940 verankerte generelle Baupflicht zurückzuführen. Die große Wohnungsnot veranlasste viele Menschen, den Wohnungsgenossenschaften beizutreten, in der Hoffnung gesicherten und preisgünstigen Wohnraum zu bekommen. Die Bautätigkeit beschränkte sich bis zu diesem Zeitpunkt vor allem auf den Ausbau der Dachgeschosse und weniger auf den Neubau von Wohngebäuden. Diese Übergangslösung konnte jedoch der Wohnungsnot nur wenig Abhilfe schaffen. Erst die in den Aufbaujahren ab 1948 einsetzende öffentliche Förderung durch den Staat führte zu einer starken Belebung der Bautätigkeit, ebenso wie das Sorforthilfegesetz von 1949.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: ZIELSTELLUNG UND AUFBAU DER ARBEIT: Stellt das Thema und die Fragestellung der Untersuchung vor und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. METHODEN BEI DER UNTERSUCHUNG DES VIERTELS: Beschreibt die angewandten Methoden, einschließlich der Kooperation mit dem Bauverein, Dokumentenanalyse, Interviews und Ortsbegehungen.
3. ERSTE HANDLUNGSPHASE: ERRICHTUNG IN DEN 1950ER JAHREN: Analysiert den Bau der Siedlung infolge der Nachkriegswohnungsnot und bewertet die damalige Wohnsituation.
4. ZWEITE HANDLUNGSPHASE: ERSTE MODERNISIERUNG (1975 BIS 1978): Untersucht den Anlass und die Durchführung der ersten großen Modernisierungswelle sowie die Bewohnerreaktionen.
5. DRITTE HANDLUNGSPHASE: ZWEITE MODERNISIERUNG, NEUBAU UND WOHNUMFELDMAßNAHMEN (1990 BIS HEUTE): Betrachtet die zweite Modernisierungsphase, Neubaumaßnahmen und die Gestaltung des Wohnumfeldes im Kontext sich wandelnder Bedürfnisse.
6. AUSGANGSSITUATION IM RÜDEMANNWEG-VIERTEL: Liefert eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation und analysiert die Zufriedenheit der Bewohner hinsichtlich Wohnung, Umfeld und Nachbarschaft.
7. FAZIT UND AUSBLICK AUF DIE ENTWICKLUNG DER KÜNFTIGEN WOHNSITUATION: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Erfolg der Maßnahmen sowie zukünftige Entwicklungsrisiken.
8. HANDLUNGSANSÄTZE FÜR EINE DAUERHAFTE UND LANGFRISTIGE WOHNZUFRIEDENHEIT DER BEWOHNER: Leitet Empfehlungen für eine bewohnerorientierte, flexible und nachhaltige Planung ab.
Schlüsselwörter
Wohnraumanalyse, Bauverein Reiherstieg, Rüdemannweg-Viertel, Wohnungsnot, Wohnzufriedenheit, Modernisierung, Sanierung, Bewohnerbedürfnisse, Wohnungsgenossenschaft, Wohnumfeld, Nachbarschaft, Demographischer Wandel, Stadtplanung, Wohnqualität, Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit analysiert die Entwicklungsgeschichte der 50er-Jahre-Siedlung „Rüdemannweg-Viertel“ in Hamburg-Wilhelmsburg und bewertet, wie bauliche Maßnahmen zur Wohnzufriedenheit der Bewohner beigetragen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die drei wesentlichen Handlungsphasen: die Errichtung in den 1950er Jahren, die erste Modernisierung in den 1970er Jahren sowie die zweite Modernisierungs- und Neubauphase ab 1990.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob durch die baulichen Maßnahmen den Wohnwünschen und Bedürfnissen der Bewohner bedarfsadäquat gehandelt wurde und ob dies tatsächlich zu einer höheren Wohnzufriedenheit geführt hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Kombination aus Archiv- und Literaturanalyse, der Auswertung einer vorhandenen Wohnzufriedenheitsstudie, Experten- und Bewohnerinterviews sowie eigenen Ortsbegehungen und Raumbeobachtungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Entwicklungsphasen des Viertels und analysiert jeweils die Beweggründe für bauliche Maßnahmen, deren Durchführung sowie die anschließende Bewertung durch die Bewohner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wohnraumanalyse, Wohnungsgenossenschaft, Modernisierung, Wohnzufriedenheit, Bewohnerbedürfnisse und Stadtteilentwicklung in Wilhelmsburg sind prägende Begriffe.
Wie bewerten die Bewohner die aktuellen Modernisierungsmaßnahmen?
Die Bewohner zeigen eine gemischte Akzeptanz; während die bauliche Aufwertung teilweise positiv gesehen wird, gibt es Kritik an den Mietsteigerungen, der langen Dauer der Maßnahmen und der fehlenden Einbeziehung in den Planungsprozess.
Welches Problem stellt die Überalterung der Bewohnerschaft für die Zukunft dar?
Die starke Überalterung erschwert eine angestrebte soziale Durchmischung, da jüngere Familien und Haushalte abweichende Anforderungen an Wohnungsgrößen und Umfeld haben, auf die die Genossenschaft derzeit nur schwer reagieren kann.
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- Dipl.Ing. Mareike Schuppe (Author), 2007, Wohnraumanalyse einer 50er Jahre Siedlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127082