Azouz Begag, Autor zahlreicher Romane und Erzählungen, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder, ist zweifelsohne einer der bekanntesten Vertreter der Littérature Beur. In vielen seiner Romanen scheint er seine eigenen Erfahrungen als Kind algerischer Eltern, aufgewachsen in einem Bidonville Lyons, verarbeiten zu wollen. So wird sein Werk Le gone du Chaâba auch häufig als autobiographischer Roman klassifiziert. In seinen Werken thematisiert er die verschiedensten Probleme der Einwanderungskinder, wie beispielsweise das Leben im Ghetto, Rassismus, Arbeitslosigkeit, aber ebenso das Thema der Identitätsproblematik, der Transkulturalität und der Selbstfindung.
Dies wird auch in seinem Roman Le Gone du Chaâba deutlich, in welchem der kleine Azouz seine Identität je nach Situation immer neu definieren muss, um so seinen eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Aber wie genau spiegelt sich diese Identitätsproblematik in Le Gone du Chaâba wider? Und inwieweit stellt das Werk eine realistische Widerspiegelung der Identitätsfindung und –bildung eines bi-kulturellen Jugendlichen dar.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Beurs in Frankreich: Begriffklärung, Entwicklung und Identität
1.1 Beur Kultur : Entstehung einer Littérature Beur
2. Begags Le Gone du Chaâba
2.1. Identitätsproblematik in Le Gone du Chaâba
3. Zusammenfassung
4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Identitätsproblematik von Jugendlichen mit algerischem Migrationshintergrund in Frankreich anhand von Azouz Begags autobiographisch geprägtem Roman „Le Gone du Chaâba“. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Protagonist seine Identität im Spannungsfeld zwischen zwei Kulturen bildet und wie das Werk die Schwierigkeiten einer bi-kulturellen Identitätsfindung widerspiegelt.
- Entwicklung und Lebensrealität der „Génération Beur“ in französischen Banlieues.
- Die Rolle der Sprache und der Sprachmischung als Ausdruck der Identität.
- Soziale Ausgrenzung, Rassismus und deren Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung.
- Der Einfluss von Schule und Erziehung auf die Assimilation bzw. Identitätsbewahrung.
- Die Bedeutung von Literatur als Medium der gesellschaftlichen Sensibilisierung.
Auszug aus dem Buch
2.1. Identitätsproblematik in Le Gone du Chaâba
Bereits der Titel Begags Werkes Le Gone du Chaâba verdeutlicht die Transkulturalität zwischen der französischen und der maghrebinischen Kultur, wie es von Azouz, dem Protagonisten, bzw. Begag, dem Schriftsteller, wahrgenommen wird. So stellt der Titel eine gewisse Mischform, eine Hybride Konstruktion, beider Kulturen dar. Dadurch das Begag das Wort Le Gone (Kind/Junge) wählte, verdeutlicht er eindeutig eine Zugehörigkeit zur französischen Kultur, da dieses ein spezifisches Wort aus der Region in und um Lyon ist. Das Algerisch-Arabische Wort Chaâba repräsentiert die andere Seite Azouz’ und bedeutet im weitesten Sinne dasselbe, wie das französische Wort Bidonville. Dadurch das die Bewohner des Chaâba diesem Bereich einen algerischen Namen geben, beweist dass sie ihn als den ihren ansehen, ein Gebiet das algerisch und nicht französisch ist. So zeigt bereits der Titel Azouz Selbstidentifizierung mit einer gewissen Region Frankreichs, da das Wort außerhalb Lyons nicht existiert, gleichzeitig aber findet keine komplette Ablösung von der elterlichen Kultur, jener die ihm zuhause in der Familie vorgelebt wird, statt d.h. in der Schule erlebt Azouz die französische Kultur im Chaâba die Algerische und muss somit seine Identität jeweils anpassen.
Auch während des Romans wird diese Repräsentation der doppelten Identität durch Sprachverwendungen immer wieder aufgegriffen. So benutzt Azouz von Zeit zu Zeit algerische Wörter, sowie auch Wörter des Lyoneser Sprachgebrauchs, und mischt sie wie selbstverständlich mit seiner französischen Sprache. So benutzt er beispielsweise Wörter wie Chemma, anstatt tabac à priser (S. 18) oder Abboué und Emma, anstelle von Papa und Maman (S.149), diese stehen für seinen maghrebinischen Hintergrund. Andererseits integriert er auch immer wieder Lyoneser Wörter wie beispielsweise la boche, anstatt la pierre oder le braque anstelle von le vélo.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt Azouz Begag als bedeutenden Vertreter der Littérature Beur vor und führt in die zentrale Fragestellung der Identitätsfindung im Kontext der Einwanderung ein.
1. Die Beurs in Frankreich: Begriffklärung, Entwicklung und Identität: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen und soziokulturellen Hintergrund der „Génération Beur“ sowie die Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung in den französischen Vororten.
1.1 Beur Kultur : Entstehung einer Littérature Beur: Dieser Abschnitt analysiert die Entstehung der Beur-Kultur als künstlerische Reaktion auf die Marginalisierung und die Rolle des Autors als erfolgreicher Intellektueller aus diesem Milieu.
2. Begags Le Gone du Chaâba: Hier wird der Roman als autobiographisches Werk verortet und die Bedeutung der Ich-Perspektive für die Darstellung der inneren Zerrissenheit eines Kindes zwischen den Kulturen hervorgehoben.
2.1. Identitätsproblematik in Le Gone du Chaâba: Der Abschnitt analysiert detailliert die sprachliche Hybridität und die psychologischen Konflikte des Protagonisten beim Versuch, sich sowohl in der französischen Gesellschaft zu etablieren als auch seine Herkunft zu integrieren.
3. Zusammenfassung: Das Fazit resümiert die identitätspolitische Relevanz des Werkes und betont die Notwendigkeit, für die Herausforderungen bi-kultureller Identität zu sensibilisieren.
4. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Online-Materialien.
Schlüsselwörter
Azouz Begag, Le Gone du Chaâba, Identitätsproblematik, Beur-Generation, Littérature Beur, Algerien, Frankreich, Migration, Integration, Rassismus, Banlieue, Bi-Kulturalität, Autobiographie, Sprache, Transkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit analysiert die Identitätsproblematik von Jugendlichen algerischer Herkunft in Frankreich anhand des Romans „Le Gone du Chaâba“ von Azouz Begag.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die soziale Situation der Beur-Generation, die Erfahrung von Diskriminierung und Rassismus sowie die komplexe Suche nach einer eigenen kulturellen Identität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Protagonist Azouz versucht, seine Zugehörigkeit sowohl zur französischen als auch zur algerischen Kultur zu definieren und mit welchen inneren und äußeren Konflikten dieser Prozess verbunden ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans, ergänzt durch soziologische Hintergründe zur Situation der Maghrebiner in Frankreich, um das autobiographische Werk in seinen gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die historische Einordnung der Beur-Kultur sowie die detaillierte Untersuchung der Identitätssuche des Protagonisten, insbesondere durch die Analyse seiner Sprachverwendung und seines Verhaltens in der Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Identitätsproblematik, Bi-Kulturalität, Migration, Integration, Rassismus, Literatur, Sprache, Transkulturalität.
Welche Bedeutung hat das Wort „Beur“ in diesem Kontext?
Der Begriff dient zur Bezeichnung der in Frankreich geborenen Jugendlichen maghrebinischer Herkunft der zweiten oder dritten Generation und drückt deren spezifische, zwischen den Kulturen stehende Identität aus.
Warum versucht der Protagonist Azouz seine algerische Herkunft zeitweise zu verleugnen?
Er strebt nach Anerkennung in der französischen Gesellschaft und ist davon überzeugt, dass er nur als „echter Franzose“ und durch schulischen Erfolg den negativen Stigmata entkommen kann, die seiner Herkunft in der französischen Gesellschaft anhaften.
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- Anja Benthin (Author), 2008, Die Identitätsproblematik in Azouz Begags „Le Gone du Chaâba“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127119