Trotz leerer Kassen und einer Wirtschaftskrise gehört Deutschland zu einem der reichsten
Länder der Welt. Meistens verbindet man Armut mit absolutem Elend und assoziiert mit
Schreckensbildern aus der Dritten Welt. Armut ist dann ganz weit weg...In Eritrea, Äthiopien,
Malawi und im Niger. Doch denken wir darüber nach und stellen wir uns Soziale
Ungleichheit, Benachteiligung, Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit vor, dann sind wir hier
in Europa - und in Deutschland.
Armut ist also auch dort wo man es nicht erwartet. Gerade Kinder und Jugendliche sind in
dramatischer Weise von der steigenden Armut betroffen. De facto ist es so, dass Kinder in
unserer Gesellschaft, aus unterschiedlichen Gründen, in Armut leben, womit nicht nur
materielle Mängel gemeint sind. Die Konsequenzen der Armut sind mehrdimensional, wie ich
in der folgenden Arbeit darlegen werde.
Ich benutze unter anderem grundlegende aussagekräftige Texte von Hurrelmann und
Bronfenbrenner, um auf die sozialisatorischen Theorien einzugehen und unter anderem
Zander, Bäcker und Wustmann um speziell das Thema Armut zu behandeln.
Um die Arbeit zu begrenzen gehe ich nicht im Einzelnen auf die kindlichen Bewältigungsstrategien
ein.
Ich habe in verschiedenen Studien recherchiert, Alte sowie Neue, und stelle sie in dieser
Arbeit vor. Außerdem streife ich noch in zwei Exkursen wichtige Aspekte, die aktuelle
Entscheidung des Bundessozialgerichtes und das Armutsrisiko der Alleinerziehenden.
Die Teilnahme an der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 24.11.2008 in Frankfurt
motivierte mich, mehr über das Thema erfahren zu wollen und meine Hausarbeit hierüber
zuschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialisation
2.1. Das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt
2.2. Sozialisation und Armut
3. Theorien der ökologischen Entwicklungspsychologie
3.1. Bronfenbrenner
3.2. Dippelhofer-Stiem
4. Entwicklungsaufgaben
5. Armut
5.1. Definition nach Hanesch
5.2. Definition nach Erler
5.3. Definition nach Bäcker
5.4. Definition nach Zimmermann
6. Empirische Befunde
6.1. UNICEF Studie „ Kinderarmut in reichen Ländern“
6.2. historische - empirische Studie „ Kindheit und Armut“ von Hetzer
7. Risikofaktoren vs. Schutzfaktoren
8. Resilienz
8.1. empirische Forschungsbefunde in der Kauai- Längsschnittstudie
8.2 Resilienzförderung
Exkurs: Armutsrisiko der allein erziehenden Eltern
Exkurs: Aktuelle Entscheidung des Bundessozialgerichtes
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Kinderarmut in Deutschland auf den Sozialisationsprozess und die Persönlichkeitsentwicklung, wobei der Fokus auf Bewältigungsstrategien und Resilienzfaktoren liegt.
- Sozialisationstheoretische Grundlagen und ökologische Entwicklungsperspektiven.
- Differenzierte Definitionen von Armut im deutschen Kontext.
- Empirische Erkenntnisse zu Kinderarmut und ihren Folgen.
- Analyse von Risikofaktoren und Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung.
- Förderung von Resilienz und Bewältigungskompetenzen trotz Armut.
Auszug aus dem Buch
3.1 Bronfenbrenner
"Die Ökologie der menschlichen Entwicklung befasst sich mit der fortschreitenden gegenseitigen Anpassung zwischen dem aktiven, sich entwickelnden Menschen und den wechselnden Eigenschaften seiner unmittelbaren Lebensbereiche. Dieser Prozess wird fortlaufend von den Beziehungen dieser Lebensbereiche untereinander und von den größeren Kontexten beeinflußt, in die sie eingebettet sind." (Bronfenbrenner 1981, S. 37)
Die Umwelt erscheint aus ökologischer Perspektive "topologisch als eine ineinander geschachtelte Anordnung konzentrischer, ineinandergebetteter Strukturen.Diese Strukturen werden als Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosysteme bezeichnet" (Bronfenbrenner 1990, S. 76).
Das Mikrosystem ist die unmittelbarste Umgebung für das Kind. Es enthält die persönlichen Beziehungen der Familienmitglieder untereinander und räumliche und wirtschaftliche Gegebenheiten von Haus und Straße. Das nächsthöhere Mesosystem eines Kindes setzt sich aus Wechselbeziehungen zwischen Mikrosystemen wie Familie und Kindergarten zusammen. Den gesellschaftlichen Nahraum umfasst das Exosystem. Mehrere Settings, wie der Arbeitsplatz der Eltern oder das Wohnumfeld fallen hierunter. Das Makrosystem eines Kindes als höchstes System, beeinflusst alle anderen Systeme und bildet die Gesamtkultur einer Gesellschaft mit ihrer Werte- und Normenstruktur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problematik von Kinderarmut im reichen Deutschland und Erläuterung der Motivation sowie des theoretischen Rahmens der Arbeit.
2. Sozialisation: Definition des Sozialisationsbegriffs als Prozess der Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt sowie Betrachtung des Zusammenspiels von Anlage und Umwelt.
3. Theorien der ökologischen Entwicklungspsychologie: Vorstellung der ökologischen Systeme nach Bronfenbrenner und deren Erweiterung durch Dippelhofer-Stiem zur Analyse von Entwicklung unter Armutsbedingungen.
4. Entwicklungsaufgaben: Erörterung des Konzepts der Entwicklungsaufgaben und wie Armut die Bewältigung dieser zentralen Lebensphasen erschwert.
5. Armut: Darstellung verschiedener wissenschaftlicher Definitionen von Armut, unterteilt in objektive und subjektive Problemlagen.
6. Empirische Befunde: Analyse aktueller Studien zur Kinderarmut, darunter die UNICEF-Vergleichsstudie und historische Beobachtungen von Hildegard Hetzer.
7. Risikofaktoren vs. Schutzfaktoren: Gegenüberstellung von Gefährdungspotenzialen und entlastenden Faktoren für die Entwicklung von Kindern in Armutslagen.
8. Resilienz: Untersuchung der psychischen Widerstandskraft anhand der Kauai-Längsschnittstudie und Ansätze zur praktischen Resilienzförderung.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse mit einem Plädoyer für Bildungsgerechtigkeit und einer kritischen Reflexion der aktuellen Familienpolitik.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Sozialisation, Ökologische Entwicklungspsychologie, Resilienz, Bewältigungsstrategien, Armutsforschung, Bildungsarmut, Entwicklungschancen, Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Teilhabe, Armutsdefinition, Entwicklungsaufgaben, soziale Vererbung, Wohlbefinden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Situation von Kindern, die unter Armutsbedingungen in Deutschland aufwachsen, und wie sich dies auf ihre persönliche Entwicklung und Sozialisation auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die ökologische Entwicklungstheorie, die Definition von Armut, die Identifikation von Risikofaktoren sowie das Konzept der Resilienz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Armut und kindlicher Entwicklung zu durchleuchten und aufzuzeigen, wie Kinder trotz belastender Umstände durch Resilienzförderung unterstützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse auf Basis sozialisationstheoretischer Konzepte (u.a. Bronfenbrenner, Hurrelmann) und wertet verschiedene empirische Studien und Fachliteratur aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsansätze, verschiedene Armutsdefinitionen, die Vorstellung empirischer Befunde sowie die Analyse von Resilienz und Schutzfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kinderarmut, Sozialisation, Resilienz, ökologische Entwicklungspsychologie, Risikofaktoren und Bildungschancen.
Was bedeutet die "ökologische Perspektive" in Bezug auf Kinder in Armut?
Sie betrachtet das Kind in einem Systemzusammenhang (Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosystem), in dem Armut nicht nur individuell, sondern als belastender Faktor innerhalb dieser ineinander verschachtelten Lebensbereiche wirkt.
Welchen Stellenwert nimmt die Resilienzforschung in der Arbeit ein?
Sie dient als positiver Gegenentwurf zur Defizitorientierung und zeigt auf, dass Kinder durch bestimmte Schutzfaktoren und Copingstrategien auch unter Armutsbedingungen erfolgreich resilient werden können.
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- Birsen Krüger (Author), 2009, Sozialisation von Kindern unter Armutsbedingungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127143