Diese Arbeit beschäftigt sich mit Musik und der Musizierpraxis am frühneuzeitlichen Hof.
Wer schon einmal ein klassisches Konzert besucht hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass dieses unter ganz bestimmten Vorgaben abläuft. Nicht nur durch die obligatorische Abendgarderobe, das strikte Einhalten der Applausmomente, sondern auch durch den festlichen und feierlichen Gesamtcharakter des Konzertes wird dem Besucher klar, dass alles einer gewissen Ordnung und einem festgesetzten Ablauf zugrunde liegt. Das Musizieren beziehungsweise der Vortrag des Musizierenden wird dadurch schnell auf eine höhere Ebene gestuft, die ihre wahre Entfaltung erst durch das Verhältnis von Publikum und vortragendem Künstler erfährt.
Nicht zuletzt durch die alljährlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehprogramm stattfindenden Neujahrskonzerte, beispielsweise der Wiener Philharmoniker, nimmt die Musik des Barock und der Renaissance auch Platz im alltäglichen Leben der Menschen ein. Insbesondere durch Oscar-prämierte Filme, wie den 1984 erschienenen Film "Amadeus", der das Leben des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart erzählt, wird ein populärer Umgang mit Musik am Hof in Wien ermöglicht.
Doch wie verhält es sich mit der Musik am Hof in der frühen Neuzeit?
Handelt es sich bei der Musik und der Musizierpraxis am frühneuzeitlichen Hof um höfisches Vergnügen oder steckt hinter der auf den ersten Blick vermuteten Funktion mehr? Welche Funktionen kann bzw. soll Musik am Hof während des 16. -18. Jahrhunderts erfüllen? Handelt es sich bei Musikaufführungen um zufällig vom Fürsten auserwählte Aktionen oder symbolisieren Oper, Tanz, Gesang und Instrumentalspiel Instrumente herrschaftlicher Macht? Kann höfische Musik überhaupt mehr als Unterhaltung leisten, und, wenn ja, ordnet sie sich dann dem herrscherlichen Kalkül unter? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hinführung und Fragestellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Quellengrundlage
1.4 Vorgehensweise & Methodik
2. Hauptteil
2.1 Hof
2.1.1 Hofmusik
2.1.2 Zeremoniell
2.2 Quellenarbeit
2.2.1 Vorstellung der Quelle
2.2.2 Quellenanalyse
2.3 Funktionen von Musik
2.3.1 Image & Spiegel der Zeit
2.3.2 Herrschaftslegitimierung & Wettrüsten
2.3.3 Tugendhaftes Ideal
2.3.4 Leidenschaft
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Funktionen Musik und Musizierpraxis am frühneuzeitlichen Hof jenseits rein unterhaltender Aspekte erfüllten und inwieweit sie als Instrument herrschaftlicher Repräsentation und Kommunikation eingesetzt wurden. Hierbei dient der Tagebucheintrag des Obersthofmeisters Khevenhüller-Metsch als Fallbeispiel.
- Der Hof als komplexes System von Absolutismus und Machtrepräsentation
- Die Rolle von Musik als Kommunikationsinstrument und Mittel zur Standesdisziplinierung
- Analyse der Musizierpraxis anhand zeitgenössischer Quellen des 18. Jahrhunderts
- Wechselwirkungen zwischen zeremoniellen Abläufen und musikalischer Darbietung
- Bedeutung von Musik für die persönliche Identitätsbildung und Tugenderziehung innerhalb der fürstlichen Familie
Auszug aus dem Buch
1.1 Hinführung und Fragestellung
Wer schon einmal ein klassisches Konzert besucht hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass dieses unter ganz bestimmten Vorgaben abläuft. Nicht nur durch die obligatorische Abendgarderobe, das strikte Einhalten der Applausmomente, sondern auch durch den festlichen und feierlichen Gesamtcharakter des Konzertes wird dem Besucher klar, dass alles einer gewissen Ordnung und einem festgesetzten Ablauf zugrunde liegt. Das Musizieren bzw. der Vortrag des Musizierenden wird dadurch schnell auf eine höhere Ebene gestuft, die ihre wahre Entfaltung erst durch das Verhältnis von Publikum und vortragendem Künstler erfährt.
Nicht zuletzt durch die alljährlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehprogramm stattfindenden Neujahrskonzerte, beispielsweise der Wiener Philharmoniker, nimmt die Musik des Barock und der Renaissance auch Platz im alltäglichen Leben der Menschen ein. Insbesondere durch Oscar-prämierte Filme, wie den 1984 erschienen Film Amadeus, der das Leben des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart erzählt, wird ein populärer Umgang mit Musik am Hof in Wien ermöglicht.
Doch wie verhält es sich mit der Musik am Hof in der frühen Neuzeit?
Handelt es sich bei der Musik und der Musizierpraxis am frühneuzeitlichen Hof um höfisches Vergnügen oder steckt hinter der auf den ersten Blick vermuteten Funktion mehr? Welche Funktionen kann bzw. soll Musik am Hof während des 16. -18. Jahrhunderts erfüllen? Handelt es sich bei Musikaufführungen um zufällig vom Fürsten auserwählte Aktionen oder symbolisieren Oper, Tanz, Gesang und Instrumentalspiel Instrumente herrschaftlicher Macht? Kann höfische Musik überhaupt mehr als Unterhaltung leisten, und, wenn ja, ordnet sie sich dann dem herrscherlichen Kalkül unter? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Musik am frühneuzeitlichen Hof sowie Darlegung der Forschungsfragen und der methodischen Vorgehensweise.
2. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung des Hoflebens, der Rolle der Musik im Zeremoniell sowie eine umfassende Analyse der ausgewählten Quellen zur Musizierpraxis und deren Funktionen.
3. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse, die verdeutlichen, dass Musik am Hof komplexe, hierarchische Funktionen erfüllte und weit mehr als bloße Unterhaltung darstellte.
Schlüsselwörter
Frühe Neuzeit, Hofmusik, Zeremoniell, Herrschaftsrepräsentation, Musizierpraxis, Khevenhüller-Metsch, Absolutismus, Musikfunktion, höfische Kultur, Gesellschaftsstruktur, Oper, Musikgeschichte, 18. Jahrhundert, fürstliche Erziehung, Repräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion von Musik und Musizierpraxis am Adelshof der frühen Neuzeit unter Berücksichtigung historischer Quellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen höfischer Unterhaltung, politischer Repräsentation, sozialem Zeremoniell und der erzieherischen Nutzung von Musik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob Musik am Hof lediglich der privaten Zerstreuung diente oder als zielgerichtetes Instrument herrschaftlicher Macht und Kommunikation fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine quellenbasierte Analyse, wobei ein Tagebucheintrag des Obersthofmeisters Khevenhüller-Metsch aus dem Jahr 1759 als primäre historische Quelle für die Ableitung allgemeinerer Erkenntnisse genutzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Strukturen des Hofes, die Bedeutung des Zeremoniells und die verschiedenen Funktionen von Musik, wie Imagepflege, Legitimierung von Macht und die erzieherische Bedeutung für die fürstliche Nachkommenschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben den zentralen Begriffen wie "Frühe Neuzeit", "Hofmusik" und "Zeremoniell" sind die "Herrschaftsrepräsentation" und das "herrscherliche Kalkül" maßgebliche analytische Kategorien.
Welche Rolle spielte die Musizierpraxis der Kinder der Kaiserin Maria Theresia?
Das Musizieren der Kinder diente nicht nur der persönlichen Bildung, sondern auch der Zurschaustellung fürstlicher Reputation und gemeinschaftsstiftenden sozialen Interaktion innerhalb der Familie.
Warum wird im Text explizit zwischen Oper, Tanz und Instrumentenspiel unterschieden?
Diese Differenzierung verdeutlicht, dass unterschiedliche musikalische Formen gezielt als "Instrumente" eingesetzt wurden, um verschiedene strategische Ziele (z.B. Standesdisziplinierung oder Repräsentation) zu erreichen.
- Quote paper
- Fabian Gedicke (Author), 2019, Musik am frühneuzeitlichen Hof. Höfisches Pläsier oder funktionelles Zeremoniell?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1271533