Im Jahr 1989 wurde eine Bassschule veröffentlicht, die Leben und musikalisches Schaffen eines Bassisten ins Licht der Öffentlichkeit rückte, der bis dahin der überragenden Mehrheit selbst seiner „Kollegen“ völlig unbekannt war. Wenn es hier heißt unbekannt, so ist damit seine Identität, sein Name gemeint. Sein Bassspiel allerdings dürfte so ziemlich jeder Musikrezipient der westlichen Kulturhemisphäre schon einmal gehört haben, denn er goss seinen Groove für die Plattenfirma Motown in mehr als dreißig Nummer 1 Hits der Pop-Charts und mehr als siebzig der R&B-Charts in den USA. Den Praxisteil eben erwähnter Bassschule eröffnet Paul McCartney mit den Worten:
„I’m very honored to have been asked to MC the introduction to this James Jamerson memorial tape. I’m honored for a couple of reasons: mainly because his style of bass playing for Motown was one of my major influences when I was learning electric bass, and I know that a lot of the people who are playing and demonstrating his technique on this tape have also been influenced by him.”
[...]
Der erste Teil dieser Hausarbeit wird sich mit der wechselvollen Biografie dieses R&B-Ausnahmemusikers beschäftigen, seinem atemlosen Aufstieg folgte ein langsamer und schmerzhafter Abstieg. Was von Dauer ist, sind die unzähligen Motown-Hits, an deren Erfolg er beteiligt war. Der Begriff „Zeitlosigkeit“ mag heutzutage in einer Welt milliardenschwerer Musikindustrie und Millionen verfügbarer Songs als komprimierte Daten im Internet eine bislang nie da gewesene Inflation haben. Die in einem kleinen Studiokeller in Detroit Ende der 50er bis Anfang der 70er Jahre geborene Musik hat ihre Wirkung, ihre emotionale Botschaft dennoch nicht verloren. Im zweiten Teil der Arbeit folgt eine Untersuchung Jamersons individuellen Stils, der auf eindrucksvolle Weise die Basslinien der Motownsongs mit Hilfe des Jazz aus ihrem Grundton-Quinte-Korsett befreite und sie zu lebendigen Melodien ausformte. Die Eigenarten seiner Stilistik werden anhand von Notenbeispielen veranschaulicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben und Musik James Jamersons
3. Stil und Sound
4. Resümee
5. Quellen und Sekundärliteratur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit widmet sich dem Leben, dem musikalischen Schaffen und dem stilistischen Einfluss des Bassisten James Jamerson. Ziel ist es, seine prägende Rolle als R&B-Ausnahmemusiker bei der Plattenfirma Motown zu beleuchten und aufzuzeigen, wie er durch sein innovatives Bassspiel die Grenzen dieses Genres durch Jazz-Elemente erweiterte und nachhaltig die populäre Musik beeinflusste.
- Biografischer Werdegang und die Herausforderungen in Jamersons Leben
- Die Bedeutung von Jamerson für den Erfolg und den Sound von Motown
- Analyse der musikalischen Stilistik und technischen Besonderheiten (Spieltechnik)
- Der Einfluss von Jazz-Elementen auf die Komplexität seiner Basslinien
- Nachwirkung und posthume Anerkennung des Musikers
Auszug aus dem Buch
Stil und Sound
Jamerson besaß im Vergleich zu dem Standart der achtziger Jahre und bis heute ein nur als übersichtlich zu bezeichnendes Instrumentenarsenal. Zeitlebens gehörte ihm ein einziger in Deutschland hergestellter Kontrabass. Diesen spielte er bis 1960 auch in seinen Studiosessions. Danach kaufte er einen 57er Fender Precision Bass (schwarz, daher der Spitzname „the Black Beauty“) von einem Freund ab. Doch nach wenigen Jahren wurde er aus dem Kofferraum seines Autos gestohlen und durch einen 62er Fender Precision sunburst ersetzt, der den Spitznamen „The Funk Machine“ erhielt. Auf diesem Instrument spielte er beinahe alle Sessions. Er wurde wenige Wochen vor seinem Tod gestohlen und ist bis heute nicht aufgetaucht, auch wenn anzunehmen ist, dass Sammler einen hohen Preis zahlen würden, hat doch dieser Bass populäre Musikgeschichte geschrieben, wie sonst wohl kein Einzelinstrument.
Unter seltenen Umständen benutzte Jamerson einen 5saitigen Fender Bass, einen 8saitigen Hagstrom oder einen nicht näher bestimmten Fretless Bass. Doch wurden sie nur äußerst selten bespielt. Jamersons Geschmack den Klang und das Spielgefühl betreffend scheint vom Kontrabass bestimmt gewesen zu sein: Er schob etwas Schaumstoff unter die Saiten seiner Bassgitarre in Höhe des Stegs, was das Fehlen jeglichen Saitenklirrens jeglicher Aufnahmen erklärt, die Saitenhöhe war ungewöhnlich hoch, für viele unspielbar, und er zog Flat Wire Strings auf (Flachdrahtsaiten, bei Kontrabässen Standart), die beim Rutschen der Finger ebenfalls keine nennenswerten Geräusche verursachen.
Doch das mit Abstand Ungewöhnlichste an seiner Spieltechnik, und sonst eigentlich nur beim Kontrabass angewandt, war das Zupfen der Saite mit nur einem (!) Finger (siehe Foto). Selbst die schwierigsten Sechzehntelläufe wurden nur mit dem Zeigefinger gespielt, und zwar in einem Tempo, das auch heute noch sehr flott anmutet und nur von fortgeschrittenen Spielern (mit zwei Fingern) erreicht wird. Aus der Literatur oder Interviews lässt sich nicht entnehmen, wie er es schaffte, so zu spielen, aber die Vermutung liegt nahe, dass er seinen Finger wie ein Plektrum mit Auf- und Abschlag benutzte, also auf dem „Hinweg“ die Fingerkuppe und auf dem „Rückweg“ den Fingernagel die Saite zupfen ließ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Leben und Werk von James Jamerson ein und skizziert dessen Bedeutung als prägender, jedoch zu Lebzeiten weitgehend unbekannter Studiomusiker für das Label Motown.
2. Leben und Musik James Jamersons: Dieses Kapitel behandelt die wechselvolle Biografie Jamersons, von seiner Herkunft und Kindheit über den Aufstieg bei Motown bis hin zu seinen persönlichen Problemen und seinem späteren Abstieg aus dem Musikgeschäft.
3. Stil und Sound: Dieser Abschnitt analysiert das Instrumentenarsenal sowie die spezifische, innovative Spieltechnik Jamersons und zeigt anhand von Notenbeispielen die Integration von Jazz-Elementen in den R&B.
4. Resümee: Das Resümee fasst die Bedeutung von Jamersons Improvisationskunst für die Musikgeschichte zusammen und würdigt ihn als ersten Virtuosen auf der elektrischen Bassgitarre.
5. Quellen und Sekundärliteratur: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten Internetquellen sowie die Sekundärliteratur auf, auf denen die Arbeit basiert.
Schlüsselwörter
James Jamerson, Motown, Funk Brothers, Bassgitarre, R&B, Jazz, Musikgeschichte, Basslinie, Spieltechnik, Improvisation, Studiomusiker, Detroit, Funk Machine, Musikindustrie, Virtuosität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Leben und dem künstlerischen Wirken von James Jamerson, einem der einflussreichsten, aber lange Zeit unterschätzten Bassisten der Musikgeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Biografie Jamersons, sein musikalischer Beitrag zum Sound der Plattenfirma Motown sowie eine detaillierte Betrachtung seines einzigartigen Spielstils und seiner technischen Innovationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Jamersons bedeutenden, aber historisch lange Zeit anonym gebliebenen Beitrag zur populären Musik aufzuzeigen und seine stilistische Virtuosität zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine biografische Aufarbeitung sowie eine musikwissenschaftliche Analyse seines Stils, basierend auf vorhandener Literatur und Quellenmaterial.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Darstellung seines Aufstiegs und Falls sowie eine tiefergehende Untersuchung seiner Basslinien und seiner speziellen Spieltechnik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind James Jamerson, Motown, Bassgitarre, R&B, Improvisation, Funk Brothers und musikalische Virtuosität.
Warum war James Jamerson trotz seines großen Erfolgs lange Zeit unbekannt?
Dies lag primär daran, dass es bei Motown damals nicht üblich war, Studiomusiker namentlich auf den Platten zu erwähnen, und das Label eine gewisse Geheimniskrämerei um seinen spezifischen Sound betrieb.
Welche technische Besonderheit prägte Jamersons Spiel?
Eine markante Besonderheit war seine Technik, Basslinien mit nur einem einzigen Finger (dem Zeigefinger) zu spielen, was selbst in extremen Tempi außergewöhnlich war.
Welchen Einfluss hatte der Jazz auf Jamersons Musik?
Jamerson integrierte komplexe Rhythmen, chromatische Läufe und eine melodiöse Gestaltung in seine Basslinien, die über die einfachen Grundton-Quinte-Muster des damaligen R&B hinausgingen und diesen in Richtung Funk weiterentwickelten.
- Quote paper
- Toralf Schrader (Author), 2007, Leben, Werk und Wirkung eines Anonymus – Bassist James Jamerson , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127175