Unterscheiden sich Ausdauersportler/innen und Freizeit /Nichtsportler/innen in den Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion und Introversion, Leistungsorientierung und Selbstdisziplin?


Wissenschaftlicher Aufsatz, 1999
34 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1.Thema

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Trait-Ansatz (Erläuterung siehe Seite 13)
2.2. Sportpsychologie
2.3. Selektions- und Sozialisationshypothese
2.4. Sport und Persönlichkeit
2.5 Sport und Persönlichkeit: Zwei gegenläufige Positionen
2.6 Persönlichkeit:
2.7 Persönlichkeitseigenschaften
2.7.1 Kritik an Persönlichkeitseigenschaften:
2.8 Welche Beziehung besteht zwischen Persönlichkeit und Sport?
2.8.1 Einfluß sportlicher Betätigung auf die Persönlichkeit:
2.9.Unterschiede zwischen Sportlern und Nichtsportlern

3.Fragestellung
3.1. Hypothesen:

4. Material und Methoden:
4.1. Testpersonen:
4.2. Materialien und Bedingungen:
4.3. Versuchsplan (operationale Hypothesen):

5. Statistische Auswertung:
5.1. Statistische Hypothesen:
5.2 Statistische Methoden:

6. Ergebnisse: Prüfungen und Voraussetzungen:
6.1 Prüfungen und Vorraussetzungen
6.2. Tabellen:

7. Interpretationen:

8. Diskussion und Kritik:

9. Zusammenfassung:

10. Literaturverzeichnis:

11. Anhang:

1.Thema

Im Rahmen der Übungen zur praktischen Durchführung psychologischer Experimente ist das Thema: „Gibt es Unterschiede zwischen Leistungssportlern (A) und Freizeit/Nichtsportlern (F/N) in den Persönlichkeitsmerkmalen Introvsersion/Extraversion (E), Leistungsorientierung (L) und Selbstdisziplin (F) ?” untersucht worden.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Trait-Ansatz (Erläuterung siehe Seite 13)

Trait-Ansatz im Vergleich zum situationalen und dem interaktionistischen Ansatz

Aspekt der Betrachtung Trait-Ansatz Situationaler Ansatz Interaktionistischer

Ansatz

Verhaltensdeterminanten

Innengeleitet

Außengeleitet

Innen-außen-geleitet

Analyseeinheit

Eigenschaften (Traits)

Situationen

Person- Situations-Interaktion

Konsistenz versus Spezifität des Verhaltens

Verhaltenskonsistenz über Situationen hinweg

Verhaltenskonsistenz über Situationen hinweg (Spezifität)

Verhalten variiert über Situationen und Personen

Art der Datenerhebung

Fragebogen, Ratings, Tests

Experimente, Prozesse operanten Konditionierens

Beobachtungen, Tests, Fragebogen, Experimente

Art der Daten

Fragebogenwerte, Testwerte, Ratingwerte

Experimentelle Daten, Häufigkeitsauszählungen, Verhaltenschecklisten

Testwerte, Fragebogen-werte, expermintelle Daten

Datenauswertung

Korrelationen, Faktorenanalyse

Varianzanalyse, cumulative Häufigkeiten

Varianzanalysen, Faktorenanalyse, Korrelationen, Analyse von Verhaltensketten, Regressionsanalyse

2.2. Sportpsychologie

„Die Sportpsychologie untersucht die psychischen Vorgänge und ihre Erscheinungen, die sich bei Menschen vor, während und nach sportlicher Tätigkeit abspielen. Ebenso will sie die Ursachen und Wirkungen dieser Vorgänge erforschen.” (Bierhoff-Alfermann, 1986)

„Sportpsychologie als `Psychologie des Sports` ist eine empirische Wissenschaft, die die Bedingungen, Abläufe und Folgen der psychischen Regulation sportbezogener Handlungen untersucht und daraus die Möglichkeiten ihrer BeEinflußung ableitet.” (Bierhoff-Alfermann 1986)

„Sportpsychologie ist die Wissenschaft vom Verhalten und Erleben des Menschen im Rahmen sportlicher Aktivität”. (Bierhoff-Alfermann, 1986)

Sportpsychologie wird erstens als empirische (nicht ausschließlich als experimentelle) Wissenschaft aufgefaßt, die versucht, Verhalten und Erleben objektiv, d.h. intrasubjektiv nachprüfbar zu erfassen, zu erklären und vorherzusagen. Zweitens wird Sportpsychologie als Wissenschaft aufgefaßt, die sportliche Aktivität zum spezifischen Gegenstand hat und darauf auch ihre Methoden, Meßinstrumente, Theorien, usw. abstellen muß. Drittens wird sie als Wissenschaft begriffen, die nicht nur äußerlich beobachtbares Verhalten, sondern auch inneres Erleben im Rahmen sportlicher Aktivität zum Gegenstand hat.

Sportpsychologie stellt das Verbindungsstück zwischen Psychologie und Sportwissenschaft dar. Innerhalb der Psychologie läßt sie sich als Teilgebiet der angewandten Psychologie begreifen. (Bierhoff-Alfermann, 1986, S 11)

Aufgabenfelder angewandter Sportpsychologie (Bierhoff-Alfermann, 1986):

Aufgabe

Beispiele

Krisenintervention

- Starke Wettkampfangst
- Verlust der Selbstkontrolle aufgrund schlechter Leistungen
- Akute persönliche Krise
- Motivationsverlust oder Krise

Diagnostik

-Eignungsdiagnose zur Selektion für Wettkampfsport, Traineramt
- Individualdiagnose zur Erstellung von Trainingsprogrammen

bzw. zur Beratung

Leistungssteigerung

-Durchführung therapeutischer Techniken zur Erhöhung der

Selbstkontrolle und Leistungsfähigkeit

- Hilfen zur Erleichterung des Lernprozesses
- Verbesserung der Mannschaftsinteraktion
- Motivierung

Beratung bei Trainingsprogrammen

- Betreuung und Beratung von Athleten
- Beratung von Trainern
- Evaluation von Trainingsprogrammen

Prophylaxe und Behandlung von Verletzungen

- Angstabbau
- Verminderung der Schmerzwahrnehmung
- Muskelentspannungstraining
- Streßreduktion

2.3. Selektions- und Sozialisationshypothese

Die Vorstellung, dass sportliche Betätigung und Persönlichkeit in einer systematischen Beziehung stehen, hat schon eine längere Tradition (Bierhoff-Alfermann, 1986). Der Ausgangspunkt ist, daß sich Sportler von Nichtsportlern in identifizierbarer Art und Weise in ihrer Persönlichkeitsstruktur voneinander abgrenzen lassen. Diese Grundannahme wird zu zwei Kausalannahmen ausgeweitet, die abhängige und unabhängige Variablen jeweils umkehren.

Im ersten Fall wird davon ausgegangen, daß Aufnahme und Verbleib in einer Sportart von be-stimmten Persönlichkeitsmerkmalen abhängt, sichtbar etwa in der klassischen Annahme, daß introvertierte Personen zu Individual- und extravertierte zu Mannschaftssportarten tendieren. Im zweiten Fall wird angenommen, daß zunächst keine differenzierenden Persönlichtkeitsmerkmale bei Anfängern im Sport bzw. in bestimmten Sportarten zu beobachten sind, sondern sich erst im Laufe der sportlichen Karriere herauskristallisieren, indem Persönlichkeitsmerkmale so beeinflußt werden, daß sie Erfolg und Verbleib in einer Sportart begünstigen. Dies wäre dann der Fall, wenn durch längerfristige Betätigung in einer Mannschaftsportart sich eine eher extravertierte Persön-lichkeit und in einer Individualsportart eine eher introvertierte Persönlichkeit entwickelt (Bierhoff-Alfermann, 1986)

Selektionshypothese

Sozialisationshypothese

Ausgangsbasis

(deskriptive Ebene)

Es gibt Unterschiede zw. Sportlern und Nichtsportlern und zw.

Sportlern verschiedener Disziplinen

Kausalannahme

(kausale Ebene)

Persönlichkeit begünstigt die

Zuwendung zu bestimmten

Disziplinen und den darin erzielten Erfolg

Sport beeinflußt und begünstigt den Erwerb und die Modifikation von Persönlichkeitsmerkmalen

Unabhängige (Wirkungs-)

Variable

Persönlichkeit

Sport

Abhängige (Effekt-) Variable

Sport

Persönlichkeit

Richtung der Vorhersage (prediktive Ebene)

Von Persönlichkeit auf geeignete Sportart und sportlichen Erfolg

Von Sport auf Persönlichkeit

Praktische Implikationen (Ziele)

Talentauswahl

Athletenberatung, Kultivierung der optimalen Persönlichkeitsstruktur

Sport als Erziehungsfaktor und als Therapieinstrument

Ob Hypothesen zutreffen, ist nur mit Längsschnittstudien zu zeigen. Im Rahmen des Planungspraktikums ist dies nicht möglich.

2.4. Sport und Persönlichkeit

Das Thema Sport und Persönlichkeit wirft fast zwangsläufig zwei Fragen auf:

Verändert sich die Persönlichkeit infolge sportlicher Betätigung und, falls ja, in welcher Weise?

Sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale notwendige Voraussetzung oder zumindest prädestinierend für die Ausübung einer bestimmten Sportart auf einem bestimmten Niveau?

Viele Alltagsvorstellungen vom Sport würden beide Fragen implizit bejahen. Der oft zitierten Aussage, daß Sport den Charakter bilde, liegt beispielsweise eine positive Antwort auf die erste Frage zugrunde. Sportliche Betätigung, so wird behauptet, hat einen günstigen Einfluß auf die Entwicklung solcher Merkmale wie Ausdauer, Sportsgeist, Mut; die Fähigkeit, Niederlagen einzustecken; Ausdauer, Beharrlichkeit und anderer Eigenschaften, die mit einem guten Sozialverhalten zu tun haben. Eine positive Antwort auf die erste Frage liefert auch die Grundlage für Annahmen, nach denen dem Sport ein „deformierender” Effekt zugesprochen wird. In diesem Fall werden die obengenannten positiven Merkmale durch negative ersetzt, wie etwa Aggressivität, Egoismus, Intoleranz, Mißgunst oder andere, weniger vorteilhafte Eigenschaften, die eine Folge sportlicher Betätigung darstellen könnten.

Manchmal wird hierbei nach dem Niveau differenziert, auf dem Sport betrieben wird. Die „Deformationshypothese” wird z.B. speziell auf die Konsequenzen der Ausübung von Hochleistungssport bezogen. Im Gegensatz dazu wird einer Ausübung von Sport auf einem niedrigerem Niveau ein charakterbildender Effekt zugeschrieben. Die Charakterbildungsphilosophie kann auch nach Sportarten differenziert werden: Judo ist nützlich für das Erlernen von Selbstkontrolle, Boxen für den Abbau von Intoleranz und Turmspringen fördert den Mut.

Auch auf die zweite Frage – ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zur Ausübung von Sport auf einem bestimmten Niveau notwendig sind – gibt es zahlreiche Antworten, die auf Intuition und Alltagsverstand basieren. Beharrlichkeit, zum Beispiel, ist für die meisten Sportarten eine unerläßliche Eigenschaft. Für jede einzelne Sportart kann man sich eine oder mehrere Eigenschaften denken, die günstige Voraussetzungen für diese Sportart darstellen, obwohl sie kein unabdingbares Erfordernis für diese Sportart sind. Für Fallschirmspringen ist dies etwa eine niedrige Ängstlichkeit; für Autorennen Mut, und für Billiard oder Schach Konzentrationsvermögen – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

In diesem Kapitel werden wir zu zeigen versuchen, in welchem Maße sich diese Vorstellungen über die Beziehung zwischen Persönlichkeit und Sport durch Forschungsbefunde stützen lassen. Dabei wird deutlich werden, daß trotz der Tatsache, daß kein anderes Thema auf dem Gebiet der Sportpsychologie auch nur annähernd soviel Aufmerksamkeit erhalten hat wie die Beziehung zwischen Sport und Persönlichkeit, die Befundlage nicht besonders beeindruckend ist. Nach einer Erörterung der Gründe für die enttäuschende empirische Evidenz zugunsten einer engen Beziehung von Persönlichkeit und Sport werden wir uns Entwicklungen zuwenden, die eine Perspektive für sinnvolle Aussagen über die Beziehung von Sport und Persönlichkeit eröffnen könnte.

2.5 Sport und Persönlichkeit: Zwei gegenläufige Positionen

Die beiden Fragen der Einleitung dieses Kapitels haben zwei Strömungen in der Welt der Sportpsychologie entstehen lassen. Bierhoff-Alfermann (1986) spricht in diesem Zusammenhang von den skeptischen und den optimistischen Positionen in seiner Diskussion der Bedeutung von Persönlichkeitseigenschaften für sportliches Verhalten. Die Skeptiker gehen davon aus, daß Persönlichkeitseigenschaften so gut wie keine Bedeutung haben für die Erklärung oder Vorhersage von Unterschieden zwischen Sportlern und Nichtsportlern, Sportlern unterschiedlicher Leistungsebenen oder unterschiedlichen Sportarten. Die Kritiker der sogenannten Eigenschaftspsychologie weisen Persönlichkeitseigenschaften nur ein geringes Maß an Brauchbarkeit für Verhaltensvorhersagen zu. Sie machen geltend, daß das Ausmaß an Variation des Kriteriumsverhaltens, das mit Hilfe von Persönlichkeitsvariablen erklärt werden könne, so gering ist (in der Größenordnung von 10% bis maximal 20%), daß es ohne praktischen Nutzen für jedwede Zwecke und Absichten sei.

Die skeptische Position läßt sich am Beispiel eines vor einigen Jahren veröffentlichten tschechoslowakischen Buchs über Sportpsychologie (Vanek, Hosek, Rychtecky & Slepicka, 1980) illustrieren. Die Autoren entschieden sich dagegen, ein Kapitel über „die Persönlichkeit des Sportlers” in ihr Buch aufzunehmen. Für ihre Entscheidung geben sie folgende Gründe an:

Wenn über die Persönlichkeit eines Sportlers oder einer Sportlerin gesprochen wird, impliziert dies eine statische Beschreibung von Persönlichkeit als einer verhältnismäßig stabilen Menge von Merkmalen, die in allen Situationen zum Ausdruck kommen. Dies wird als „strukturell-statischer Ansatz zur Persönlichkeit des Sportlers” bezeichnet, Die Autoren sind der Meinung, daß dieser Ansatz, in dem die Persönlichkeit mittels psychodiagnostischer Methoden z.B. den Standard-Persönlichkeitsfragebögen) beschrieben wird, vollkommen ungeeignet ist.

Die Forschung auf diesem Feld liefert keine Belege für Unterschiede zwischen Sportlern und Nichtsportlern.Ebensowenig ist es möglich, irgendeine signifikante Beziehung zwischen mittels psychometri-scher Tests ermittelten Persönlichkeitseigenschaften von Sportlern und der von ihnen erbrachten Leistung aufzuzeigen.Die sogenannte „allgemeine Persönlichkeit des Sportlers” ist eine Abstraktion, die in der Realität nicht existiert. Es gibt vielmehr Athleten, die verschiedene Sportarten ausüben, von denen jeder eine individuelle Persönlichkeit besitzt. Beim Versuch zu generalisieren würde die Variabilität so groß erscheinen, daß es sinnlos wäre, von einer bestimmten Persönlichkeit für eine (spezifische) Sportart zu sprechen.

Soviel zu den Argumenten von Vanek et al. (1980). In den Abschnitten 2.8.1. und 2.9. wird deutlich werden, daß nicht all diese Argumente zutreffend sind.

Im Gegensatz zu den Skeptikern nehmen andere Autoren eine viel optimistischere Position ein. Ihnen zufolge sind Persönlichkeitseigenschaften zur Selektion von Athleten und Athletinnen ebenso geeignet wie für die Zusammensetzung verschiedener Sportmannschaften. Bierhoff-Alfermann (1986) beschreiben eine Anzahl von Persönlichkeitseigenschaften, die in Beziehung zu guter sportlicher Leistung stehen. Morgan (1980), der sicherlich nicht zu den hemmungslosen Optimisten zählt, gibt einen Überblick über mehr als 30 Studien, in denen signifikante Unterschiede zwischen Sportlern und Nichtsportlern bezüglich Persönlichkeitseigenschaften berichtet wurden – wobei die festgestellten Unterschiede allerdings nicht sehr groß sind.

Welche der beiden beschriebenen Positionen die richtige ist, kann bislang nicht entschieden werden (wir werden an späterer Stelle darauf zurückkommen), obwohl Morgan (1980, S 72) wahrscheinlich recht hat, wenn er ausführt:

„Es erscheint eine vernünftige Schlußfolgerung, daß diejenigen Sportpsychologen, die die skeptische Position vertreten, genauso falsch liegen wie diejenigen, die die optimistische Position eingenommen haben.”

2.6 Persönlichkeit:

Vor einer Erörterung von Forschungsarbeiten zur Beziehung von Persönlichkeit und Sport ist es sinnvoll, zunächst einmal die Begriffe Persönlichkeit, Persönlichkeitsmerkmale und Persönlichkeitseigenschaften weiter zu klären.

Es gibt innerhalb der Psychologie ebsensowenig eine einheitliche Definition des Begriffes Persönlichkeit wie von einer einzigen Psychologie der Persönlichkeit die Rede sein kann. Generelle Übereinstimmung besteht lediglich darin, daß jede Person einzigartig ist. Die Persönlichkeitspsychologie versucht, diese Einzigartigkeit zu beschreiben und zu erklären. Es geht also um die Beschreibung und Erklärung individueller Unterschiede. Menschen und Physiologie, in Gefühlen und Einstellungen, in Aktivitäten, darin, wie sie auf andere wirken, in ihrem sozialen Hintergrund, usw. .

Individuelle Unterschiede im Verhalten von Menschen nehmen in der Persönlichkeitspsychologie eine zentrale Stellung ein: Warum ist die eine Person fröhlich, die andere niedergeschlagen, die eine schnell verängstigt, während die andere sich vor nichts fürchtet, oder warum entscheiden sich einige Menschen für einen Urlaub in einer Gruppe, während andere es vorziehen, allein zu reisen? Diese willkürlich ausgewählten Fragen weisen auf einen zweiten Aspekt des Persönlichkeitsbegriffes hin, der mindestens ebenso wichtig ist wie der der individuellen Unterschiede, nämlich, daß der Begriff Persönlichkeit ein gewisses Maß an Stabilität impliziert. Eine Person wird auf der Grundlage ihrer Persönlichkeit charakterisiert. In ihrem Verhalten muß irgendetwas speziell Er-kennbares sein, etwas das eigentümlich für sie ist und sich demzufolge mit bestimmter Regelmäßigkeit zeigt. Bringt man diese beiden Aspekte zusammen, kann man sagen, daß der Gegenstand der Persönlichkeitspsychologie die Erforschung

jener Merkmale ist, in denen die interindividuellen Unterschiede sehr ausgeprägt und die intraindividuellen Unterschiede relativ gering sind.

Wie schon bemerkt, unterscheiden sich die Ansätze zur Erforschung dieser Merkmale in verschiedenen Theorien beträchtlich. Die unterschiedlichen Ansätze der Persönlichkeitspsychologie sollen im folgenden nicht erörtert werden.

Eine sehr brauchbare Definition des Persönlichkeitsbegriffs, in der die beiden obengenannten

Aspekte kombiniert werden, stammt von (Guilford (1959), zitiert nach Pirker, WUV-Skriptum).

„Die Persönlichkeit eines Individuums besteht aus ihrem einzigartigen Muster von Persönlichkeitsmerkmalen."

Tatsächlich spricht Guilford von einem „einzigartigen Muster von Eigenschaften". In der psychologischen Literatur hat der Eigenschaftsbegriff allerdings eine engere Bedeutung (nämlich eine Verhaltensdisposition) als die von Guilford implizierte. Daher wird vorgezogen, von Persönlichkeitsmerkmalen zu sprechen und den Begriff „Persönlichkeitseigenschaft" für Verhaltensdispositionen vorzubehalten. In dieser Definition wird die Einzigartigkeit der Persönlichkeit betont, während der zweite Aspekt bei der Beschreibung von Persönlichkeitsmerkmalen gekennzeichnet wird als „jede unterscheidbare, relative überdauernde Weise, auf die sich ein Individuum von anderen unterscheidet."

Guilford unterscheidet verschiedene Klassen (oder Modalitäten) von Persönlichkeitsmerkmalen, die verschiedene Seiten von Persönlichkeit repräsentieren Einstellungen:

Interessen Temperament

Bedürfnisse Fähigkeiten

Physiologie Morphologie

Abbildung 1: Modalitäten von Persönlichkeitsmerkmalen, die verschiedene Aspekte von Persönlichkeit repräsentieren. Aus Guilford (1959).

Diese Klassen sind in Abbildung 1 wiedergegeben. Physiologische und morphologische Merkmale beziehen sich auf Körperfunktionen (z.B. Herzschlagfrequenz, Körpertemperatur) bzw. auf Aspekte der Körperstruktur (Größe, Gewicht, Gesichtsmerkmale usw.). Begabungen betreffen die Leistungsfähigkeiten. Die Anzahl dieser Merkmale ist im Prinzip sehr groß, weil alle motorischen, intellektuellen und sozialen Fertigkeiten sich in diese Klasse einordnen lassen. Bedürfnisse, Interessen und Einstellungen werden unter dem Sammelbegriff „motivationale Eigenschaften" zusammengebracht und beziehen sich auf Dinge, nach deren Ausführung oder Erlangung wir streben. Temperamentsmerkmale umfassen schließlich alle Verhaltenseigenschaften, die übrigbleiben, nachdem die anderen Klassen herangezogen wurden. Selbstvertrauen, Fröhlichkeit, Impulsivität und Nervosität sind Beispiele für diese Klasse.

Ein besonders wichtiger Teil der Persönlichkeitspsychologie befaßt sich mit Verhaltens- oder „Persönlichkeitseigenschaften", während gleichzeitig die Auseinandersetzungen bezüglich der oben skizzierten Kontroverse in diesem Bereich geführt werden. Im folgenden Abschnitt werden wir daher den Persönlichkeitseigenschaften spezielle Aufmerksamkeit widmen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Unterscheiden sich Ausdauersportler/innen und Freizeit /Nichtsportler/innen in den Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion und Introversion, Leistungsorientierung und Selbstdisziplin?
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Das Allgemeine Lineare Modell und seine Anwendung in der entwicklungspsychologischen Forschung, 2stündig,ID 2102, SS 1999
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
34
Katalognummer
V127177
ISBN (eBook)
9783640339518
ISBN (Buch)
9783640336999
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterscheiden, Ausdauersportler/innen, Freizeit, Persönlichkeitsmerkmalen, Extraversion, Introversion, Leistungsorientierung, Selbstdisziplin
Arbeit zitieren
Mag. a .rer. nat. Irene Prokop (Autor), 1999, Unterscheiden sich Ausdauersportler/innen und Freizeit /Nichtsportler/innen in den Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion und Introversion, Leistungsorientierung und Selbstdisziplin?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127177

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