Lernberatung bei verhaltensauffälligen Kindern mit AD(H)S


Hausarbeit, 2009
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernberatung – Begriffserklärung und Methoden

3. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung
3.1. Hauptsymptome
3.1.1 Störungen der Aufmerksamkeit
3.1.2 Impulsivität
3.1.3 Hyperaktivität
3.2. Sekundärsymptome:
3.2.1 Störungen des Emotionalen Bereichs
3.2.2 Störungen des Sozialen Bereichs
3.2.3 Störungen des Schulischen Bereichs

4. Mögliche Lernberatungskonzepte für AD(H)S-Kinder
4.1 Training der Daueraufmerksamkeit und der Konzentration
4.2 Training der Grob- und Feinmotorik
4.3 Training bei Wahrnehmungsstörungen
4.4 Training bei Teilleistungsstörungen, Lese- und Rechtschreib- und
Rechenschwäche
4.5 Soziales Kompetenztraining
4.6 Verhaltenstagebuch
4.7 Lerntagebuch
4.8 Sportliche Aktivitäten

5. Diskussion und Ausblick

Abbildungsverzeichnis:

Literaturverzeichnis:

Internetquellen:

1. Einleitung

1844 beschrieb der Frankfurter Arzt Dr. Heinrich Hoffmann in seinem berühmten Werk „Der Struwwelpeter“ den hyperaktiven Philipp, genannt „der Zappel-Philipp“. Statt gesittet am Tisch zu sitzen, schaukelt Philipp auf seinem Stuhl hin und her. Er schaukelt, trotz ständiger Ermahnungen seines Vaters, immer heftiger, so dass der Stuhl rückwärts umfällt. Während des Umfallens versucht sich Philipp noch am Tischtuch festzuhalten. Das führt allerdings dazu, dass Philipp das Tischtuch mit dem Essen vom Tisch herunterzieht und alles auf dem Boden liegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Geschichte vom Zappel - Philipp (aus Hoffmann, Der Struwwelpeter, 1844)

Damals, zur Zeit Hoffmanns, ging man mit zappeligen Kindern sehr streng um (Tadel, Bestrafung). Dagegen befasst man sich heute mit Ursachenforschung: warum verhält sich das Kind so? Kann ich ihm helfen? Wenn ja, mit welchen Mitteln?

Viele Eltern sind mittlerweile in ihrer Erziehung sehr bequem. Sie greifen lieber auf Medikamente zurück statt sich mit ihrem Kind und seinem Problem auseinander zusetzen. Seit 1993 wird verstärkt das Medikament „Ritalin“ (chem. Methylphenidat) zur Behandlung von hyperaktiven Kindern eingesetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 : Zunahme der möglichen Dauertherapien mit Methylphenidat bei Kindern mit hyperkinetischen Störungen in den 90er Jahren (vgl. Appel/ Zeitlinger-Brückmann 2005, S. 10)

Da Medikamente meines Erachtens keine dauerhafte Lösung sind, soll diese Hausarbeit versuchen alternative oder ergänzende Lernberatungsmethoden aufzuzeigen. Wobei eine medikamentöse Behandlung immer sehr vorsichtig und wohlüberlegt, eingesetzt werden soll.

Ich werde zunächst auf die Begriffe Aufmerksamkeitsdefizit und Lernberatung eingehen. Im Hauptteil sollen mögliche Lernberatungsmethoden bei AD(H)S-Kindern (wobei ich mich nur auf die Form des „Zapplers“ beschränke) genannt und erklärt werden.

Abschließend fasse ich die Ergebnisse zusammen und gebe einen Ausblick.

2. Lernberatung – Begriffserklärung und Methoden

Lernberatung ist eine Form der Lernförderung. Sie soll individuell im Unterricht dem Schüler helfen. Der Lehrer bietet dem Schüler bzw. den Eltern Rat an oder diese wiederum ersuchen um Hilfe (vgl. Keller 1993, S. 106).

Beratung ist mit einer Förderabsicht verbunden, zielt auf Steigerung der Kompetenz ab und ist ein kommunikativer Vorgang (vgl. Loebe/ Severing, S. 11). Ziel der Lernberatung ist die Ermöglichung von Lernen, indem die Lern- und Selbstmanagementkompetenzen der Lerner aktiviert und unterstützt werden.

Nach Dietrich Harke werden folgende Schritte behandelt (vgl. Loebe/ Severing, S. 12):

- Festlegung des Beratungsziels
- Formulierung der Möglichkeiten und Schwierigkeiten zur Zielerreichung
- Vorstrukturierung der Bearbeitungsschritte
- Ausführung der Beratungsschritte durch den Lerner
- Überprüfung des Ergebnisses der Bearbeitung und eventuell Korrektur

Soll die Lernberatung wirksam sein, so muss der Lehrer über Lerndiagnose Bescheid wissen, d.h. dass Lernschwierigkeiten und Lernstörungen bekannt sein müssen. Damit Lernberatung erfolgreich sein kann, ist strukturiertes Arbeiten unerlässlich.

Folgende hilfreiche Fragen können dem Schüler gestellt werden, damit sich der Lehrer ein Bild von dessen Lerntyp (auditiv, visuell oder haptisch) und Lernbedingungen machen kann:

- Bereitest Du Dich rechtzeitig für Klassenarbeiten vor?
- Hast Du einen schriftlichen Terminkalender, in dem Termine eingetragen werden?
- Machst Du zuverlässig Deine Hausaufgaben?
- Gibt es Störfaktoren beim Lernen (z.B. Lärm)?
- Wie konzentriert bist Du zu Lernbeginn?
- Lernst Du Texte, indem Du sie auswendig lernst oder machst Du Dir z.B. eine Bildergeschichte dazu?

Der Gesprächsverlauf einer Lernberatung sollte zunächst durch aktives Fragen gekennzeichnet sein. Kann sich jedoch der Schüler gut verbalisieren, kann zum aktiven Zuhören übergegangen werden. Der Lehrer sollte dem Schüler gut zuhören können, sein Interesse an seiner Person signalisieren und nach der Sitzung eine kurze Zusammenfassung des Erzählten machen.

Neben der allgemeinen Lerndiagnose muss auch eine Fehleranalyse vorgenommen werden z.B. gemeinsames Durchsehen der letzten Klassenarbeit. Um den Schüler zu motivieren, ist es wichtig ihm seine gehäuften Fehlerquellen aufzuzeigen, damit er zum Wiederholungslernen animiert wird statt zu einer Generalwiederholung.

Es muss auch untersucht werden, ob die Lernschwierigkeiten auf falsches Erziehungsverhalten zurückgeführt werden kann wie z.B. Überehrgeiz, Überbehütung, Ungeduld, fehlende Ermutigung und Verstärkung.

Jedoch sind diese Fehler nicht nur bei den Eltern zu finden, sondern auch bei dem Lehrer selbst und seinen Kollegen.

Der Schüler sollte sich die Lösungsschritte notieren, in Form eines kleinen Änderungsplans (vgl. Simchen 2008, S. 108):

- für Klassenarbeiten früher lernen
- bestimmte Aufgabentypen wiederholen und kontrollieren

Wichtig ist, dass Aufgaben und Inhalte in kleinen Stücken wiederholt werden und im Sinne der Selbstverstärkung der Schüler das Erledigte in seiner Liste abhakt.

Der Lernberatungserfolg hängt von der Rückmeldung ab, d.h. Lernberatung ist nicht einmalig, sondern sie muss über einen Zeitraum hinweg, begleiten. Ermutigung und Verstärkung sind ganz wichtige Faktoren für den Beratungserfolg „Ermutigung und Verstärkung spielen die wichtigste Rolle, um die Lernfähigkeit des Kindes aufzubauen“ (Simchen 2008, S. 109). Die Rückmeldung muss jedoch nicht so intensiv wie das erste Gespräch sein, sie kann eine Art „Pausencharakter“ annehmen.

Im Gespräch mit dem Schüler wird also eine Problemanalyse gemacht mit anschließender Suche nach einer Problemlösung.

Liegen aber Probleme im familiären Umfeld vor, die dermaßen blockierend für das Lernverhalten sind, so könnte das Ergebnis des Lernberatungsgesprächs sein, dass die Familie eventuell eine psychologische Beratungsstelle aufsucht.

Eine andere Diagnose des Beratungsgesprächs könnte sein, dass der Schüler richtig und fleißig lernt, jedoch trotzdem keine guten Noten schreibt. Rat könnte der Schüler dann bei einem Beratungslehrer oder Schulpsychologen finden. Testdiagnostisch könnte festgestellt werden, ob nicht etwa eine Hochbegabung des Schülers vorliegt (vgl. Simchen 2008, S. 110).

Generell lässt sich sagen, dass Schüler und Lehrer Beratungsgespräche als sehr angenehm empfinden, es weckt das Gefühl der Anteilnahme und Wertschätzung und dies fördert wiederum ein emotional warmes und lernförderndes Interaktionsklima.

3. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung

An Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (kurz: AD(H)S) leidende Kindern zeichnen sich durch ihre Unkonzentriertheit, Unruhe und Impulsivität aus. Das Aufmerksamkeitsdefizit kann mit und ohne Hyperaktivität auftreten.

Für das Phänomen der Hyperaktivität gibt es keine einheitliche Bezeichnung, so findet man in der Literatur auch Begriffe wie hyperkinetisches Syndrom, frühkindliches exogenes Psychosyndrom, Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD).

Der sog. „Zappel-Philipp“, der schon im Struwwelpeter genannt wird, ist ein Problemkind, das es schon immer gab. Aber es gibt nicht nur „Zappler“, sondern auch noch den „Träumer“ und einen Mischtyp von beidem (vgl. Leitner/ Ortner 2008, S. 289).

Diese Aufmerksamkeitsstörungen sind mit motorischer Überaktivität verbunden. Jedoch ist es bis heute in der Wissenschaft umstritten was nun genau AD(H)S auslöst und wie es definiert ist. Man konnte aber immerhin einen Konsens finden, der drei Hauptsymptome beinhaltet:

3.1. Hauptsymptome

3.1.1 Störungen der Aufmerksamkeit

Ein Kind fängt mit einer Aufgabe an, beendet die Aufgabe nicht und geht einer anderen Tätigkeit nach. Wechselndes Interesse und Ablenkung durch andere Reize bestimmen das Handeln. Die benötigte Fähigkeit visuelle, auditive, somatische oder internale Reize auszublenden, ist nicht gegeben. Die selektive Aufmerksamkeit ist nicht altersgemäß ausgebildet. Aber auch die Daueraufmerksamkeit, d.h. die Fähigkeit sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, ist im Vergleich zu Gleichaltrigen, nicht gegeben.

Jedoch sind diese Fähigkeiten nicht komplett ausgeschaltet. Lernt das Kind etwas Neues, Interessantes kennen, kann es durchaus Aufmerksamkeit zeigen.

Weitere Merkmale sind Vergessen von übertragenen Aufgaben und Verlieren von Dingen (vgl. Leitner/ Ortner 2008, S. 289).

Das Kriterium der Aufmerksamkeit wird über einen längeren Zeitraum sowie in diversen Situationen beobachtet.

3.1.2 Impulsivität

Unter dem Begriff der Impulsivität versteht man „plötzliche, unüberlegte Verhaltensweisen“ (Hillenbrand 2006, S. 180). Bedürfnisse und Wünsche können nicht aufgeschoben werden, nach Douglas müssen Wünsche sofort befriedigt werden (vgl. Leitner/ Ortner 2008, S. 292). Eine Aufgabe wird zumeist unüberlegt und überstürzt begonnen, was schnell zu einem falschen Ergebnis führen kann. Die Motivation wird direkt von der Impulsivität beeinflusst.

3.1.3 Hyperaktivität

Die Hyperaktivität stellt das auffälligste Basissyndrom dar. Kennzeichnend sind übergroße motorische Aktivitäten, d.h. das Kind kann nicht stillsitzen, macht einen ruhelosen Eindruck und nimmt gelegentlich auch Kontakt zu anderen während der Unterrichtsstunde auf.

Neben der motorischen ist auch die verbale Aktivität deutlich erhöht.

Zu Hause kennzeichnen sich AD(H)S-Kinder durch Einschlafprobleme und vermindertes Schlafbedürfnis aus. Ausdruck verleihen die Kinder ihren Gefühlen und Empfinden durch „Trommeln mit den Fingern, Klopfen mit den Füßen, Schaukeln mit dem Stuhl, abruptes Aufstehen, unangebrachtes Sprechen, Singen, Nörgeln, Necken, Stoßen und Ärgern der Mitschüler, Materialien durch die Luft werfen, sich ausziehen, unter dem Tisch liegen oder anhaltendes Tagträumen“(Steinhausen/ von Aster 1993, S.132).

Neben den genannten Basissymptomen gibt es auch Sekundärsymptome, die unter Umständen in folgenden Bereichen auftreten können, sofern die Basissymptome nicht beachtet werden (vgl. Leitner/ Ortner 2008, S. 290).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Lernberatung bei verhaltensauffälligen Kindern mit AD(H)S
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Veranstaltung
Lernberatung
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V127234
ISBN (eBook)
9783640332700
ISBN (Buch)
9783640332717
Dateigröße
2592 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lernberatung, Pädagogik, Verhaltenauffälligkeit
Schlagworte
Lernberatung, Kindern, AD(H)S
Arbeit zitieren
Haike Blinn (Autor), 2009, Lernberatung bei verhaltensauffälligen Kindern mit AD(H)S, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127234

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