Selbstwert als Teil der sozialen Identität und dessen Einfluss auf die Bildung und Reduzierung von Vorurteilen


Hausarbeit, 2022

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung.

2 Selbstwert und soziale Identität.
2.1 Begriffserklärung und Modelle.
2.2 Messung des Selbstwerts.

3 Vorurteile.
3.1 Begriffserklärung und Komponenten.
3.2 Messung von Vorurteilen.

4 Einfluss Selbstwert auf die Bildung und Reduzierung von Vorurteilen.

5 Diskussion.

6 Fazit.

Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

„The need for positive self-esteem motivates social comparisons to differentiate oneself from others in terms of positively valued group characteristics and to differentiate one´s own group from other groups” (Turner, 1982, S. 17).

Wie im Zitat beschrieben wurde bereits 1982 von John Turner darauf hingewiesen, dass das Bedürfnis nach einem positiven Selbstwert Menschen dazu motiviert, sich mit der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt von anderen Gruppen abzugrenzen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass negative und vorurteilsbehaftete Meinungen in Deutschland weit verbreitet sind (Mosel et al., 2019, S. 6). In einer aktuellen Studie der Friedrich Ebert Stiftung wurde die Entwicklung rechtsextremer, menschenfeindlicher und antidemokratischer Einstellungen in der Bevölkerung von 2002 bis 2019 anhand einer repräsentativen Stichprobe untersucht. In der Umfrage stellte sich heraus, dass jede zweite befragte Person dazu neigt, asylsuchende Menschen abzuwerten. Es konnte innerhalb der Studie gezeigt werden, wie eng menschenfeindliche Vorurteile mit politischen Meinungen verbunden sind und auch, dass rechtsextreme Tendenzen in starkem Zusammenhang damit stehen (Zick et al., 2019, S. 1 ff.).

Es stellt sich nun die Frage, inwieweit die Bildung von Vorurteilen von dem persönlichen Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein des Selbstwerts eines Menschen abhängig ist und welche Rolle die soziale Identität sowie die Zugehörigkeit zu einer Gruppe dabei spielen. Ziel dieser Hausarbeit ist es herauszufinden, in welchem Zusammenhang der Selbstwert eines Menschen, als Teil seiner sozialen Identität mit der Bildung und Reduzierung von Vorurteilen steht. Dafür soll dem Thema durch folgende Fragestellung nachgegangen werden:

„Inwiefern beeinflusst der Selbstwert eines Menschen, als Teil seiner sozialen Identität die Bildung und Reduzierung von Vorurteilen?“

Dazu werden im Kapitel 2 die Begriffe Selbstwert und soziale Identität mithilfe bestehender Modelle erläutert und die Messung des Selbstwerts beschrieben. Darauffolgend wird im Kapitel 3 der Begriff Vorurteile anhand bestehender Definitionen erläutert und deren Messung erklärt. Im Kapitel 4 wird dann, mithilfe des aktuellen Forschungsstandes, der Einfluss des Selbstwerts auf die Bildung und Reduzierung von Vorurteilen herausgearbeitet. Abschließend wird im Kapitel 5 innerhalb einer Diskussion dargestellt, wie die aktuelle Forschungslage zu bewerten ist, um dann ein abschließendes Fazit in Kapitel 6 ziehen zu können.

2 Selbstwert und soziale Identität

Sowohl das psychologische Konstrukt des Selbstwerts als auch das Konstrukt soziale Identität sollen im Folgenden anhand bestehender Definitionen und Modelle näher erläutert werden um abschließend im Rahmen dieses Kapitels näher auf die Messung des Selbstwerts eingehen zu können.

2.1 Begriffserklärung und Modelle

Der Begriff Selbstwert kann nach Schütz und Röhner definiert werden als die Bewertung die man sich selbst gibt und wird als grundlegende Einstellung dem eigenen Selbst gegenüber verstanden (Schütz & Röhner, 2019, Abs. 1). Diese Definition deckt sich zum Teil mit der Definition des Selbstwert von Gilovich et al. Sie definieren Selbstwert als eine relativ stabile Eigenschaft der Persönlichkeit, aber auch als einen Zustand der je nach Kontext variieren kann (Gilovich et al., 2016, S.106). Innerhalb eines Reviews wurde aufgezeigt, dass viele Wisschenschaftler*innen davon ausgehen, dass Menschen allgemein und von Natur aus motiviert sind ein hohes Maß an Selbstwert aufrechtzuerhalten und ihn zu verteidigen, wenn er in irgendeiner Weise bedroht wird (Pyszczynski et al., 2004, S. 435).

Erstmals wurde im Rahmen der Theorie der sozialen Identität der Selbstwert als Teil der sozialen Identität verstanden (Tajfel & Turner, 1979, S. 38). Identität wird definiert als die Art und Weise wie ein Mensch sich selbst mit seiner Entwicklung und seiner dauerhaften Auseinandersetzung mit seinem sozialen Umfeld versteht und wahrnimmt (Lucius-Hoene, 2021, Abs.1). Aufbauend auf diese Definition kann soziale Identität definiert werden als das Wissen einer Person, einer sozialen Kategorie oder Gruppe anzugehören und sich als Mitglied dieser Gruppe wahrzunehmen (Hogg & Abrams, 1988, S. 24). Durch die Identifizierung mit einer Gruppe, in der man gleiche Werte und Einstellungen teilt, entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl. Die Gruppe mit der man sich identifiziert wird fortan zur Eigengruppe (Turner, 2010, S. 16 ff.). Die Theorie der sozialen Identität besteht aus drei wesentlichen Grundannahmen. Erstens streben nach dieser Theorie Menschen danach ihr Selbstwertgefühl zu erhalten oder zu stärken. Die zweite Grundannahme besteht darin, dass die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe bzw. die Wahrnehmung der sozialen Identität sowohl positiv als auch negativ für ein Individuum sein kann, je nach der Bewertung der eigenen Gruppe. Die letzte Grundannahme besagt, dass die Bewertung der Eigengruppe im Vergleich zu anderen Gruppen erfolgt. Dabei führt eine positive Bewertung der Eigengruppe im Vergleich zu anderen Gruppen zu einem hohen Status, wohingegen eine negative Bewertung zu einem niedrigeren Status führt. Die Eigenschaften der Eigengruppe werden mit anderen Gruppen verglichen und gegenüber anderen Gruppen aufgewertet um sich besser als diese zu fühlen, was wiederum dazu führt, dass der Selbstwert gesteigert wird (Tajfel & Turner, 1979, S. 38 ff.).

Auch die Theorie des Selbstwert versteht den Selbstwert als Teil von grundlegenden Identitätsprozessen. Diese Theorie wurde im Rahmen einer Studie entwickelt, aus dessen Ergebnissen hervorgeht, dass Personen die ihre soziale Identität innerhalb einer Gruppe überprüfen, sich selbst als kompetent und effektiv wahrnehmen. Dabei führen die Überprüfung und Bestätigung der eigenen Identität in sozialen Gruppen zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls (Cast & Burke, 2002, S. 1058 ff.). Die Soziometertheorie sieht den Selbstwert auch als Teil von sozialen Beziehungen an. Das Selbstwertgefühl eines Menschen wird in dieser Theorie definiert als eine Komponente, die die eigene Stellung in sozialen Beziehungen überwacht. Innerhalb von fünf Studien konnte die Ausgangshypothese bestätigt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Selbstwertgefühl eines Menschen und der sozialen Ausgrenzung gibt. Demnach führt die Ausgrenzung durch andere Menschen zu einem geringeren Selbstwertgefühl, wohingegen die wahrgenommene Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu einem höheren Selbstwertgefühl führt (Leary et al., 1995, S. 520 ff.).

2.2 Messung des Selbstwerts

Eine Möglichkeit den Selbstwert zu messen stellt die Rosenberg Self-Esteem Scale (RSES) dar. Dieses Standardinstrument ist ein Fragebogen mit 10 Items, die mittels Selbsteinschätzung anhand einer vierstufigen Rating-Skala, von 0=trifft überhaupt nicht zu bis 3=trifft voll und ganz zu, eingestuft werden (Rosenberg, 1965, S. 16ff.). Nach Ciarrochi und Bilich besitzt der Test eine hohe interne Konsistenz sowie eine sehr gute Retest-Reliabilität. Zudem weist dieses Messinstrument eine gute Konstruktvalidität auf und ist normiert (Ciarrochi & Bilich, 2006, S. 61).

Eine weitere Messmethode des Selbstwerts ist die Multidimensionale Selbstwertskala (MSWS). Auch dieses Messinstrument liegt in Form eines Selbstbeurteilungsfragebogens vor. Anders als bei der Rosenberg Self-Esteem Scale mit Hilfe derer der Selbstwert eindimensional gemessen wird, kann mit der Multidimensionalen Selbstwertskala der Selbstwert mehrdimensional gemessen werden. Neben dem allgemeinen Selbstwert, der sich noch in weitere Formen des Selbstwerts unterteilt, werden noch der körperbezogene Selbstwert und der Gesamtselbstwert ermittelt. Auch dieses Messinstrument ist valide, normiert und besitzt eine hohe Retest-Reliabilität sowie interne Konsistenz (Daig, 2008, S. 166 ff.).

3 Vorurteile

„Von allen menschlichen Schwächen ist keine für die Würde des Individuums und die sozialen Bindungen der Menschen zerstörerischer als Vorurteile“ (Gerrig & Zimbardo, 2008, S. 653).

3.1 Begriffserklärung und Komponenten

Das Vorurteil kann nach Gordan Allport definiert werden als „eine ablehnende oder feindselige Haltung gegen eine Person, die zu einer Gruppe gehört, einfach deswegen, weil sie zu dieser Gruppe gehört und deshalb dieselben zu beanstandenden Eigenschaften haben soll, die man dieser Gruppe zuschreibt“ (Allport, 1956, S. 21). Im Prozess der sozialen Kategorisierung werden Menschen demnach bewertet, ob sie so sind wie man selbst ist, sodass eine Unterteilung in Eigen- und Fremdgruppe stattfindet. Hinweise auf Unterschiede zwischen den Gruppen kann dazu führen, dass Vorurteile gegenüber der Fremdgruppe entstehen (Zimbardo & Gerrig, 2008, S. 653 f.). Vorurteile können sich in stärkerer Ausprägung auch in Form von Handlungen zeigen. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedene Arten feindseliger Handlungen. In der schwächsten Ausprägung zeigen sich Vorurteile in Form von Verleumdung. In weiterer Ausprägung kommt es zu Vermeidung, indem Kontakt mit Mitgliedern der abgelehnten Gruppe vermieden wird. Auf der nächsthöheren Stufe kommt es zu aktiver Diskriminierung. Darauf folgt körperliche Gewaltanwendung und endet in der höchsten und extremsten Stufe der Vernichtung. Die letzte Stufe zeigt sich beispielsweise in Völkermorden (Allport, 1956, S. 28 f.). Das Erfahren von Vorurteilen und Diskriminierung ist davon abhängig, zu welcher ethnischen Gruppe, zu welchem Geschlecht, zu welchem Kulturkreis und Religion man gehört und welche Sexualität man hat (Werth et al., 2020, S. 233).

Vorurteile bestehen grundsätzlich aus drei Komponenten. Zum einen beinhaltet die affektive Komponente die negativen Einstellungen gegenüber einer Gruppe und den Mitgliedern dieser Gruppe. Die kognitive Komponente beinhaltet negative kognitive Schemata über eine Gruppe und ihre Mitglieder, die auch als Stereotype bezeichnet werden. Bestimmte Eigenschaften werden als charakteristisch und homogen für eine Gruppe wahrgenommen. Die letzte und dritte Komponente ist die Verhaltenskomponente. Darunter versteht man die Diskriminierung, also die ungerechte Behandlung von Menschen aufgrund der Tatsache, dass sie zu einer bestimmten Gruppe gehören (Schindler & Bartsch, 2019, S. 3).

3.2 Messung von Vorurteilen

Es gibt verschiedene Verfahren um Vorurteile zu messen. Im Folgenden wird ein Verfahren näher erläutert. Die Social Distance Scale stellt eine Möglichkeit dar um Vorurteile und Intergruppenbeziehungen zu messen. Sie ist ebenso wie die Rosenberg Self-Esteem Scale ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung. Die Teilnehmer*innen sollen ihre Gefühle der Akzeptanz gegenüber Mitgliedern von Fremdgruppen angeben. Dafür werden Aussagen auf einer Skala von 1= keine soziale Distanz bis 7= größte soziale Distanz eingestuft (Mather et al., 2017, S. 1).

4 Einfluss Selbstwert auf die Bildung und Reduzierung von Vorurteilen

Die grundlegende Motivation nach einem hohen Selbstwert ist weder gut noch schlecht, jedoch wird das Verhalten durch den Selbstwert reguliert und kann zu antisozialem Verhalten wie beispielsweise das äußern von Vorurteilen und Diskriminierung beitragen (Psyszczynski et al., 2004, S. 464). Dieser Einfluss des Selbstwert auf die Bildung von Vorurteilen, und damit einhergehend die Diskriminierung anderer Personen, wurde bereits 1997 in einer Studie untersucht. Anhand von insgesamt 259 Teilnehmer*innen innerhalb von drei Unterstudien konnte nachgewiesen werden, dass die Abwertung einer stereotypisierten Person zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls und zur Aufrechterhaltung des Selbstbildes führt (Fein & Spencer, 1997, S. 31).

In einer weiteren Studie von 2005 wurde untersucht welchen Einfluss ein niedriges implizites Selbstwertgefühl auf die ethnische Diskriminierung hat. Innerhalb dieser Studie wurde unterschieden zwischen explizites und implizites Selbstwertgefühl. Diese beiden Arten unterscheiden sich in der Art und Weise wie sie gemessen werden. Während das explizite Selbstwertgefühl mittels Selbsteinschätzungsskalen gemessen wird, kann das implizite Selbstwertgefühl über indirekte Verfahren wie beispielsweise computergestützte Reaktionszeitaufgaben gemessen werden. Diese beiden Arten sind unabhängig voneinander. An der Studie nahmen insgesamt 150 Teilnehmer*innen teil, deren Selbstwert mit der Rosenberg Self-Esteem Scale gemessen wurde. Das implizite Selbstwertgefühl wurde mit einem impliziten Assoziationstest gemessen. Die Teilnehmer*innen bekommen dafür Wörter auf einem Bildschirm präsentiert, die dann so schnell wie möglich bestimmten Kategorien zugeordnet werden sollen. Die Hypothese konnte bestätigt werden, dass ein niedriges implizites Selbstwertgefühl dazu führt, dass Personen ethnische Diskriminierung einsetzen um ihr Selbstbild zu schützen und ihr Selbstwertgefühl zu steigern (Jordan et al., 2005, S. 693 ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Selbstwert als Teil der sozialen Identität und dessen Einfluss auf die Bildung und Reduzierung von Vorurteilen
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Jahr
2022
Seiten
13
Katalognummer
V1272734
ISBN (Buch)
9783346716323
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstwert, soziale Identität, Vorurteile, Sozialpsychologie, Psychologie
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Selbstwert als Teil der sozialen Identität und dessen Einfluss auf die Bildung und Reduzierung von Vorurteilen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1272734

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