Ziel dieser Arbeit ist es, eine ökonomische Erklärung für das Vorhandensein der betrieblichen Mitbestimmung in Unternehmungen zu finden und die damit verbundenen Vor- und Nachteile zu analysieren. Mit Hilfe der Transaktionskostenökonomik wird eine erste Untersuchung dieser Zusammenhänge in drei Schritten vorgenommen: Zunächst wird zum Grundverständnis der Rahmenbedingungen, ein Blick auf die Hintergründe der Mitbestimmung, speziell in Deutschland geworfen. Im zweiten Schritt wird die Theorie der Transaktionskostenökonomik näher betrachtet damit diese schließlich, im dritten und letzten Teil, als Analyseinstrument auf das Beispiel betrieblicher Mitbestimmung angewendet werden kann. Dabei soll untersucht werden, wie Mitbestimmung im Lichte von Transaktionskosten, Effizienz und spezifischen Investitionen erscheint und welche Gründe für oder gegen die Einführung bzw. Aufrechterhaltung umfassender Mitbestimmungsrechte sprechen. Ein kurzes Fazit rundet die Betrachtung ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Betriebliche Mitbestimmung
3. Transaktionskostenökonomik
4. Transaktionskostentheoretische Analyse betrieblicher Mitbestimmung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die betriebliche Mitbestimmung in Deutschland unter der theoretischen Perspektive der Transaktionskostenökonomik. Ziel ist es, ökonomische Erklärungsansätze für die Existenz und die Auswirkungen von Mitbestimmungsrechten zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für das Spannungsfeld zwischen gesetzlicher Vorgabe und betrieblicher Effizienz zu gewinnen.
- Grundlagen und historische Entwicklung der betrieblichen Mitbestimmung
- Einführung in die Transaktionskostenökonomik nach Coase und Williamson
- Analyse von Mitbestimmung als institutionelle Form der Transaktionskostensenkung
- Betrachtung von Humankapital und spezifischen Investitionen
- Untersuchung von Anreizstrukturen und opportunistischem Verhalten
Auszug aus dem Buch
3. Transaktionskostenökonomik
Ronald H. COASE hat 1937 mit seinem Aufsatz „The Nature of the Firm“ erstmals den Transaktionskostenansatz vorgestellt, der von Oliver. E. WILLIAMSON maßgeblich weiter konkretisiert wurde. Das Teilgebiet der Transaktionskostentheorie zählt heute zum Kern der Neuen Institutionenökonomik.
COASE definierte Transaktionskosten als Kosten der „Nutzung des Marktes“ (COASE 1937) bei Tauschvorgängen und Verträgen, was bedeutet: Würden Transaktionskosten nicht berücksichtigt oder null betragen, gäbe es effizient und kostenlos funktionierende Märkte und damit keine Notwendigkeit für die Existenz von Firmen. Transaktionskosten können also konkret durch Spezialisierung und Arbeitsteilung entstehen, zur Definition von Transaktionskosten vgl. ausführlich auch die Darstellungen bei FRAMBACH / EISSRICH, (S. 43 ff.) Dabei kann die Höhe der Transaktionskosten einerseits von den Eigenschaften der jeweiligen Transaktionen und andererseits vom individuellen Verhalten der beteiligten Akteure abhängen und unter anderem monetäre und nicht-monetäre Kosten umfassen, wie beispielsweise Such- und Informationskosten, Verhandlungs- und Entscheidungskosten, Kosten für die Überwachung und Durchsetzung vertraglicher Leistungspflichten, Kosten der Implementierung von Gesetzen, usf.(vgl. dazu RICHTER, S. 592)
Williamson beschreibt die Basisstrategie des Ansatzes damit, dass Transaktionen in kostensparender Weise Beherrschungs- und Überwachungssystemen zugeordnet werden, die sich „hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit und der damit verbundenen Kosten unterscheiden“ (WILLIAMSON 1989, S. 2). Dabei liegen eine Reihe von Verhaltensannahmen zugrunde, zum Einen die der begrenzten Rationalität im Handeln der ökonomischen Akteure, zum Anderen die Verfolgung von Eigeninteressen durch Arglist, der Opportunismus. (ebd. S. 6f.) Diese Annahmen dienen unter anderem dazu, ein realistischeres Verhalten der Akteure als bei der Unterstellung eines homo oeconomicus zu gewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung durch die hohe Bedeutung der Arbeit für das Leben der Menschen und führt in die methodische Vorgehensweise ein, betriebliche Mitbestimmung mittels Transaktionskostenökonomik zu analysieren.
2. Betriebliche Mitbestimmung: Dieses Kapitel erläutert die historisch gewachsene Struktur der betrieblichen Mitbestimmung in Deutschland und grenzt das Betriebsverfassungsgesetz als zentralen regulatorischen Rahmen ab.
3. Transaktionskostenökonomik: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Transaktionskostentheorie, insbesondere die Konzepte von Coase und Williamson sowie das Problem der Fundamentalen Transformation, dargelegt.
4. Transaktionskostentheoretische Analyse betrieblicher Mitbestimmung: Dieses Hauptkapitel wendet die Theorie auf die Mitbestimmung an, wobei die Auswirkungen auf Vertragsbeziehungen, Anreize und spezifische Investitionen kritisch diskutiert werden.
5. Schluss: Das Fazit resümiert, dass die Theorie keine eindeutige Aussage zur allgemeinen ökonomischen Effizienz erlaubt, da trotz theoretischer Vorteile für Unternehmen reale Konflikte bestehen bleiben.
Schlüsselwörter
Betriebliche Mitbestimmung, Transaktionskostenökonomik, Neue Institutionenökonomik, Betriebsverfassungsgesetz, Opportunismus, begrenzte Rationalität, Humankapital, spezifische Investitionen, Vertragsgestaltung, Arbeitsbeziehung, Effizienz, Unternehmensführung, Mitspracherechte, Arbeitnehmerinteressen, Organisationsformen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomische Sinnhaftigkeit und Auswirkung betrieblicher Mitbestimmungsstrukturen in Deutschland unter Anwendung transaktionskostentheoretischer Modelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das deutsche Betriebsverfassungsrecht, die Grundlagen der Neuen Institutionenökonomik und die ökonomische Bewertung von Mitspracherechten der Arbeitnehmer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte ökonomische Analyse, um zu klären, welche Gründe für oder gegen die gesetzliche Verankerung und Aufrechterhaltung betrieblicher Mitbestimmung sprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deduktive Analyse unter Nutzung der Transaktionskostenökonomik als Analyseinstrument angewendet, um Institutionen wie Betriebsräte ökonomisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Mitbestimmung Transaktionskosten beeinflusst, welche Rolle spezifische Investitionen in Humankapital spielen und wie sich die „Kooperationsmaxime“ auf die Effizienz auswirkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Transaktionskostenökonomik, Betriebliche Mitbestimmung, Opportunismus, Effizienz, Humankapital und Neue Institutionenökonomik.
Wie bewertet die Arbeit die Effizienz der Mitbestimmung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass keine pauschale Aussage möglich ist, da die Mitbestimmung zwar einerseits Koordinationskosten senken kann, andererseits aber durch ihre gesetzliche Zwangslage Anreizprobleme erzeugt.
Welche Rolle spielen spezifische Investitionen?
Spezifische Investitionen in Humankapital führen zu gegenseitiger Abhängigkeit; die Mitbestimmung kann hier als Schutzmechanismus fungieren, um eine Ausbeutung durch den Arbeitgeber zu verhindern.
Warum wird Coase in diesem Zusammenhang zitiert?
Ronald H. Coase ist der Begründer des Transaktionskostenansatzes, der in der Arbeit als theoretisches Fundament dient, um die Existenz von Organisationen (wie Firmen oder Betriebsräten) zu erklären.
- Quote paper
- Stefan Glusa (Author), 2008, Die Bedeutung der betrieblichen Mitbestimmung aus Sicht der Transaktionskostenökonomik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127337