Leopold I. und Joseph I., Vater und Sohn, haben die Politik des Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nation vom Ende des 17. Jahrhunderts zum Anfang des 18. Jahrhunderts
entscheidend mitgeprägt. Leopold sollte durch militärische Erfolge gegen die Türken und
Franzosen das Kaisertum zu neuem Glanze führen. Joseph sollte den Startschuss zum
Aufstieg des Hauses Habsburg, bzw. Österreichs zur europäischen Großmacht geben. Wie das
Kaisertum dieser beiden Herrscher sowohl innen-, als auch außenpolitisch aussah, werde ich
versuchen in dieser Arbeit aufzuzeigen.
Mein Grundanliegen ist herauszustellen, wie und auf welche
Art und Weise sich das Kaisertum bzw. die Stellung des Kaisers im Reich unter diesen beiden
Herrschern verändert hat.
Im ersten Teil meiner Hausarbeit (welcher auch den Hauptteil bilden soll) werde ich zunächst
sowohl die Innenpolitik, als auch die Außenpolitik Leopolds I. näher betrachten. Dabei werde
ich nicht chronologisch vorgehen, sondern eher systematisch. Ich werde mich also zunächst
den Türkenkriegen und dann der Auseinandersetzung mit Frankreich zuwenden bevor ich zur
Innenpolitik des Kaisers im Reich übergehe. Neben dieser eher politischen Geschichte des
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation werde ich aber auch auf die Inszenierung des
Kaisers eingehen, welche unter Leopold eine neue Qualität erreichte. Darüber hinaus sollen
noch abschließend ein paar Worte über das Bild bzw. die Stellung Leopolds in der heutigen
Geschichtsschreibung verloren werden
Im zweiten Teil soll das Kaisertum Joseph I. näher betrachtet und aufzeigt werden, wie unter
diesem Kaiser die österreichische Hausmacht stetig vergrößert und beginnt sich mehr und
mehr aus dem Reich zu lösen. Gleichzeitig soll der spanische Erbfolgekrieg und die Folgen
für das Reich und das Haus Habsburg näher betrachtet werden.
Obwohl die Reichsgeschichte natürlich eng mit der jeweiligen Biographie des Herrschers
verbunden ist, werde ich dennoch versuchen keine biografischen Abriss der beiden Kaiser zu
geben, sondern vielmehr einen Gesamtüberblick liefern, indem sowohl biografische Elemente
vorkommen werden, als auch natürlich die Geschichte des Reiches selber. Die
Reichsgeschichte soll jedoch klar über der Biographie stellen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Kaisertum Leopolds I.
1.1 Außenpolitik des Reiches
1.1.1 Siege im Osten
1.1.2 Zähes Ringen im Westen
1.2 Das Reich im Innern
1.3 „Die andere Sonne“/Leopold damals und heute
2. Das Kaisertum Joseph I. - Beginn der Großmacht Habsburg in Europa
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des Kaisertums und die Veränderung der Stellung des Kaisers im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation während der Regierungszeiten von Leopold I. und seinem Sohn Joseph I. Dabei liegt der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen der Innen- und Außenpolitik sowie der zunehmenden Loslösung Österreichs aus dem Reichsverband zugunsten einer eigenständigen Großmachtpolitik.
- Politische und militärische Herausforderungen unter Leopold I. (Türkenkriege und Auseinandersetzungen mit Frankreich)
- Die Transformation des Immerwährenden Reichstages als Herrschaftsinstrument
- Die mediale Inszenierung des Kaisers als „andere Sonne“
- Der Aufstieg Österreichs zur europäischen Großmacht unter Joseph I. und die Folgen für die Reichsstruktur
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Zähes Ringen im Westen
Im Westen hatte das Reich unter der Regentschaft Leopolds I. einen sehr aufwendigen Kampf gegen Frankreich unter Ludwig XIV. zu führen. Während einige Reichsstände (wie der schon erwähnte Erzbischof von Mainz) zunächst die Nähe des Sonnenkönigs suchten um durch ihn eine Garantie des Westfälischen Friedens und eine quasi Schutzmacht gegen den, zum Zeitpunkt seiner Wahl nicht gerade beliebten Kaiser zu haben, wurden sie jedoch bald enttäuscht. Ludwig XIV. suchte nicht unbedingt den Frieden, sondern vielmehr die Macht im Reich. Er sah in der Tatsache, dass Frankreich Garantiemacht des Westfälischen Frieden war, ein ideales Mittel um sich in die inneren Angelegenheiten des Reiches einzumischen und auch um ihm Territorien abzunehmen.
Bereits 1681 verleibte er sich (obwohl er noch zwei Jahre vorher nach dem Französisch-Holländischen Krieg mit dem HRRDN Frieden geschlossen hatte) die Reichsstadt Straßburg ein. Schon vorher verprellte er die deutschen Reichsfürsten im Rheinischen Bund, sodass dieser 1668 nicht mehr verlängert wurde und schielte nun begehrlich auf alle linksrheinischen Gebiete. Diese Reunionspolitik, welche bald mit äußerster Skrupellosigkeit und Gewalt durchgeführt wurde, ließen ihn alle Sympathien bei den ihm gewogenen Reichsständen kosten. Als Reaktion darauf (und auf das gleichzeitig drohende Türkenproblem) wurde im Reich die s.g. Reichskriegsverfassung verabschiedet, in welcher vertraglich festgelegt wurde, dass im Kriegsfall die Reichskreise die Truppenkontingente zu stellen hatten. Diese Reichskriegsverfassung sollte bis zum Ende des HRRDN Truppenauf- und Bereitstellungen im Kriegsfall ordnen. Allerdings war diese Reichskriegsverfassung in der Praxis kaum brauchbar, da die großen Reichsstände weiterhin den Oberbefehl über ihre eigenen Truppen behielten, wie z.b. Preußen, was den Bestimmungen zuwiderlief und die Aufstellung und v.a. die Führung der Truppen im Kriegsfall lähmte (so geschehen im Pfälzischen Erbfolgekrieg).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Regierungszeiten von Leopold I. und Joseph I. ein und beschreibt das Ziel, die innen- und außenpolitischen Veränderungen des Kaisertums sowie den Aufstieg des Hauses Habsburg darzustellen.
1. Das Kaisertum Leopolds I.: Dieses Kapitel analysiert die Außenpolitik, insbesondere die Konflikte mit den Osmanen und Frankreich, sowie die innenpolitische Stärkung des Kaisers durch den Immerwährenden Reichstag und die mediale Selbstinszenierung.
2. Das Kaisertum Joseph I. - Beginn der Großmacht Habsburg in Europa: Das Kapitel betrachtet die kurze Regierungszeit Josephs I., die durch den Ausbau der habsburgischen Hausmacht in Oberitalien und eine verstärkte Ausrichtung Österreichs als eigenständige europäische Macht geprägt war.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Regierungszeiten beider Kaiser zwar das Ansehen des Amtes stärkten, aber durch dynastische Interessen außerhalb des Reichsverbandes unfreiwillig den Weg zur späteren Separation Österreichs ebneten.
Schlüsselwörter
Leopold I., Joseph I., Heiliges Römisches Reich, Habsburg, Reichspolitik, Österreich, Großmacht, Immerwährender Reichstag, Türkenkriege, Frankreich, Ludwig XIV., Reichskriegsverfassung, Reunionspolitik, Spanischer Erbfolgekrieg, Kaisertum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische Entwicklung und die Stellung des Kaisers im Heiligen Römischen Reich während der Regierungszeiten von Leopold I. und Joseph I.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Außenpolitik gegenüber dem Osmanischen Reich und Frankreich, die innenpolitische Machtverschiebung durch den Reichstag sowie der Aufstieg Österreichs als europäische Großmacht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und auf welche Weise sich das Kaisertum bzw. die Stellung des Kaisers im Reich unter diesen beiden Herrschern verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen systematischen Ansatz, um den Gesamtüberblick über die Reichsgeschichte unter Einbeziehung biografischer Elemente zu liefern, wobei die Reichsgeschichte stets Vorrang vor einer reinen Lebensbeschreibung hat.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Innen- und Außenpolitik unter Leopold I. sowie die Untersuchung des Übergangs zur Großmachtpolitik unter Joseph I.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kaisertum, Haus Habsburg, Reichsverband, Immerwährender Reichstag und das Verhältnis zwischen Reich und österreichischer Hausmacht.
Welchen Einfluss hatte der Immerwährende Reichstag auf die Macht Leopolds I.?
Der Reichstag entwickelte sich für Leopold I. zum idealen Herrschaftsinstrument, da er ihm ermöglichte, durch den Nachrichtenfluss nach Wien Einfluss zu nehmen und die Macht der Kurfürsten zugunsten des Kaisers zu schwächen.
Warum wird die Regierungszeit von Joseph I. als Startpunkt für den Aufstieg Österreichs gesehen?
Joseph I. nutzte den Spanischen Erbfolgekrieg und seine Politik in Oberitalien gezielt dazu, den habsburgischen Machtbereich außerhalb des Reichsverbandes erheblich zu vergrößern, was den Beginn einer eigenständigen österreichischen Machtpolitik markierte.
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- Christian Pötsch (Author), 2009, Das Kaisertum Leopolds I. und Josephs I., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127398