Die Forschungsfrage dieser Bachelorarbeit lautet: Welche Erfahrungen von Fremdenfeindlichkeit haben Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund seit der Flüchtlingskrise 2015 erlebt?
Ausgangspunkt und Anreiz dieser Auseinandersetzung mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit war und ist die momentane gesellschaftliche und sozialpolitische Situation in Deutschland. Seit der Flüchtlingskrise 2015 erlebt die als rechtspopulistisch angesehene Partei Alternative für Deutschland (AfD) großen Zuspruch und erreicht eine neuartige Auseinandersetzung innerhalb der etablierten politischen Landschaft in Deutschland. Mit zahlreichen fremdenfeindlichen und rassistischen Aussagen zahlreicher Parteimitgliedern zieht die Partei 2017 als drittstärkste Kraft in den Deutschen Bundestag ein.
Angesichts dieser und anderer Vorkommnisse sowie der Wahlergebnisse in Deutschland könnte der Eindruck entstehen, als hätten fremdenfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung seit der Flüchtlingskrise 2015 rapide zugenommen und rechte Ideologien wären politisch und gesellschaftlich anerkannter als zuvor. Mit dieser Vermutung und Blick auf die 19,7 Millionen lebenden Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland stellt sich die Frage, ob eine veränderte politische Lage Auswirkungen auf diese Gruppe von Menschen hat. So ist das Ziel dieser Bachelorarbeit, die Erfahrungsebene von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund im Hinblick auf die Fremdenfeindlichkeit seit der Flüchtlingskrise 2015 zu untersuchen. Die Motivation dieser Arbeit liegt darin, dass in der Migrationsforschung der Großteil der Forschungsarbeiten darauf ausgerichtet ist, Aussagen über die Verbreitung fremdenfeindlicher und rechtsextremer Einstellungen und Haltungen zu treffen oder aber die Motivation der Täter_innen aufzudecken. Dieser Forschungsansatz findet zwar auch in der Ausarbeitung des Forschungsstandes eine große Beachtung, aber das wesentliche Erkenntnisinteresse liegt darin, die Erfahrungsebene der Betroffenen darzustellen. Die Perspektive der Betroffenen von Fremdenfeindlichkeit findet in der einschlägigen Literatur kaum eine Aufmerksamkeit, sodass keine Studie ausfindig gemacht werden konnte, die sich schwerpunktmäßig mit den Erfahrungen von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund im Hinblick auf die Fremdenfeindlichkeit seit der Flüchtlingskrise 2015 beschäftigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Flüchtlingskrise und ihre Folgen
2.1 Der Beginn der Flüchtlingskrise in Europa
2.2 Die Situation in Deutschland
3. Begriffliche Eingrenzung und Abgrenzung
3.1 Ausländerfeindlichkeit
3.2 Fremdenfeindlichkeit
3.3 Rassismus
3.4 Warum Fremdenfeindlichkeit als Konzept der Untersuchung?
4. Fremdheit
4.1 Die Soziologie des Fremden
4.2 Wer sind die „Fremden“ in der Moderne?
5. Erklärung von Fremdenfeindlichkeit
5.1 Soziodemographische und sozioökonomische Faktoren
5.1.2 Alter
5.1.3 Geschlecht
5.1.4 Herkunft
5.1.5 Bildung und Einkommen
5.2 Theorien und Hypothesen
5.2.1 Kontakt- und Konflikthypothese
5.2.2 Relative Deprivation
5.2.3 Anomie und Desintegration
6. Einstellungsstudien
6.1 Leipziger-Mitte-Studie
6.2 Syndrom Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
6.3 Zusammenfassung der Einstellungsstudien
7. Eigene empirische Untersuchung
7.1 Methodisches Vorgehen
7.1.1 Problemzentriertes Interview
7.1.2 Qualitative Inhaltsanalyse
7.1.3 Erstellung des Interviewleidfadens
7.1.4 Auswahl der Interviewpartner_innen
7.1.5 Kontaktaufnahme und Interviewablauf
7.1.6 Datenauswertung
7.2 Darstellung der Ergebnisse
7.2.1 Kurzbiografien der Interviewpartner_innen
7.2.2 Auswertung des Datenmaterials
7.2.3. Gesamtbetrachtung der Interviews
8. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche persönlichen Erfahrungen Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund seit der Flüchtlingskrise 2015 im Hinblick auf Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gemacht haben. Ziel ist es, die bisher wenig beachtete Erfahrungsebene der Betroffenen mittels qualitativer Interviews darzustellen und einzuordnen.
- Analyse soziologischer Definitionen von Fremdheit und Fremdenfeindlichkeit
- Theoretische Grundlagen zum Verständnis von Vorurteilen und Diskriminierung
- Empirische Einstellungsstudien zur Verbreitung rechtsextremer Tendenzen
- Qualitative Auswertung persönlicher Interviews mit Betroffenen
- Darstellung von Strategien zum Umgang mit fremdenfeindlichen Situationen
Auszug aus dem Buch
Konstruktion von Fremdheit
Auch im Hinblick auf die Faktoren, die für die Konstruktion von Fremdheit entscheidend sind, haben die Interviewteilnehmer_innen ähnliche Aussagen geäußert. Es sind vor allem äußerliche Faktoren, die eine Person in Deutschland als fremd etikettiert. Die Befragten sind sich dabei einig, wer sich von der Mehrheitsbevölkerung äußerlich abhebt, wird auch als Fremder identifizierbar. Insbesondere Menschen, deren Erscheinungsbild auf einen Migrationshintergrund hinweisen und nicht „typisch“ deutsch aussehen, sind von der Zuschreibung als Fremde betroffen. In den Augen der Befragten wird Fremdheit entlang ethnischen Merkmalen konstruiert. Dies ist auch in den folgenden Äußerungen sichtbar.
A: „Ich finde das Aussehen einer Person ist entscheidend, damit man als Fremder gilt, aber nur dann, wenn man auch fremd aussieht und nicht typisch deutsch. Damit meine ich, wenn Menschen eine dunkle Haut, schwarze Haare, und braune Augen haben, so wie ich halt.“
C: „Man wird in Deutschland als ein Fremder wahrgenommen, wenn man keine blauen Augen, blondes Haar und keine helle Haut hat. Ich würde sagen, dass vor allem schwarze und südländisch Menschen als Fremde etikettiert werden.“
Darüber hinaus spricht Frau D. andere Sprachen an, die für die Mehrheitsgesellschaft fremd wirken können. Daneben sei auch der Kleidungsstil dafür verantwortlich, dass Menschen auf andere Menschen fremd wirken. Insbesondere das Kopftuch sei ein Merkmal, welches in der der heutigen Zeit noch immer als ein Zeichen für Fremdheit steht, so Frau D.
D: „Einige Menschen wirken sicherlich durch ihre Kleidung oder auch durch ihre Sprache fremd. Mich würde man aufgrund meines Kopftuchs sofort als eine Fremde betrachten, weil es noch immer als etwas Unbekanntes und Fremdes gesehen wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Situation in Deutschland seit 2015 und formuliert das Ziel der Arbeit sowie die Forschungsfrage bezüglich der Erfahrungen von Migranten.
2. Die Flüchtlingskrise und ihre Folgen: Dieses Kapitel beschreibt das Migrationsgeschehen ab 2015 und die damit verbundenen Herausforderungen für Politik und Gesellschaft in Deutschland.
3. Begriffliche Eingrenzung und Abgrenzung: Hier werden die zentralen Begriffe Ausländerfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus definiert und voneinander abgegrenzt, um das Konzept für die Untersuchung zu begründen.
4. Fremdheit: Es wird die soziologische Perspektive auf Fremdheit beleuchtet, wobei Klasseniker wie Simmel, Schütz und Bauman zur Konstruktion von Fremdheit herangezogen werden.
5. Erklärung von Fremdenfeindlichkeit: Das Kapitel analysiert soziodemographische Faktoren sowie zentrale sozialwissenschaftliche Theorien, die das Entstehen fremdenfeindlicher Haltungen erklären können.
6. Einstellungsstudien: Hier werden repräsentative Langzeitstudien vorgestellt, um die Verbreitung und Entwicklung rechtsextremer bzw. fremdenfeindlicher Einstellungen in der Bevölkerung aufzuzeigen.
7. Eigene empirische Untersuchung: Dieser Teil beschreibt das methodische Vorgehen, die Auswahl der Interviewpartner und präsentiert die Auswertung der geführten Interviews.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Die wesentlichen Ergebnisse werden zusammengefasst und mit einem kritischen Ausblick auf die gesellschaftliche Situation kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Fremdenfeindlichkeit, Flüchtlingskrise, Migrationshintergrund, Soziologie, Vorurteile, Diskriminierung, Qualitative Inhaltsanalyse, Gesellschaft, Identität, Integration, Gruppendynamik, Rechtspopulismus, Erfahrungsebene, Ausgrenzung, Othering.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die subjektiven Erfahrungen von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland bezüglich Fremdenfeindlichkeit im Kontext der Flüchtlingskrise seit 2015.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit verknüpft gesellschaftskritische Analysen zur aktuellen politischen Situation mit soziologischen Theorien über Fremdheit und empirischen Studien zur Einstellung der Bevölkerung.
Welches primäre Forschungsziel verfolgt der Autor?
Das Hauptziel ist es, die bisher wenig erforschte Erfahrungsebene der Betroffenen (Migranten) darzustellen, da der Fokus bisher meist nur auf den Tätern oder der allgemeinen Einstellungsstatistik lag.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt, wobei speziell das problemzentrierte Interview nach Witzel zur Datenerhebung und die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung genutzt werden.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Fundierung der Begriffe (Fremdheit, Rassismus) über die soziologischen Erklärungsmodelle für Fremdenfeindlichkeit bis hin zur Auswertung der eigenen empirischen Interviews.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Untersuchung am besten?
Die Untersuchung ist primär durch Begriffe wie Fremdenfeindlichkeit, soziale Konstruktion, Erfahrungsebene, Migrationshintergrund und Flüchtlingskrise 2015 charakterisiert.
Wie wirken sich die Medien laut den Interviewpartnern auf die Fremdenfeindlichkeit aus?
Die Interviewpartner berichten, dass die mediale Darstellung seit 2015 deutlich negativer geworden ist, oft Begriffe wie "Chaos" oder "Flut" verwendet werden und einseitig über kriminelle Delikte von Migranten berichtet wird.
Welche Strategien nutzen die Befragten, um mit fremdenfeindlichen Erfahrungen umzugehen?
Die Strategien variieren zwischen aktivem Dialog und Aufklärung, passivem Ignorieren, dem Einsatz von Humor oder dem Widerstand gegen aggressive Äußerungen im öffentlichen Raum.
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- Anonym (Author), 2019, Erfahrungen von Fremdenfeindlichkeit im Kontext der Flüchtlingskrise 2015. Eine qualitative Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1273980