Das Verhältnis zwischen Egoismus und Altruismus in John Deweys Verständnis


Essay, 2007

6 Seiten, Note: B

Christine Porath (Autor)


Leseprobe

Das Verhältnis zwischen Egoismus und Altruismus

in John Deweys Verständnis

verfasst von: Christine Porath

Eine wichtige Frage in der Ethik, die daran interessiert ist zu bestimmen, welche Handlungen moralisch gut oder schlecht sind, ist, ob die Menschen egoistisch oder altruistisch sind, d.h. ob wir allein mit Rücksicht auf unsere eigenen Interessen handeln, oder ob wir darüber hinaus mit Rücksicht auf andere Menschen handeln und welche dieser Handlungsweisen einen moralischen Wert haben. Es gibt unterschiedliche philosophische Strömungen, die entweder annehmen, dass Menschen unmittelbar nur egoistisch sind oder dass der Mensch sowohl egoistisch als auch altruistisch handelt und dass nur Handlungen, die nicht egoistisch sind, einen moralischen Wert haben. Aber alle sehen beide Handlungsweisen getrennt, d.h. dass sich beide gegenseitig ausschließen. Im Gegensatz dazu argumentiert John Dewey in seinem Essay „The Moral Self“ dafür, dass es nicht gegensätzlich ist, sowohl egoistisch als auch altruistisch zu handeln. Wenn man den moralischen Wert einer Handlung mit Hinblick darauf bestimmt, ob diese egoistisch ist oder nicht, dann bedeutet dies, dass man die Handlung in Bezug auf das Resultat dieser Handlung beurteilt, d.h. dass man fragt, ob die nachfolgenden Konsequenzen nur gut für mich selbst oder für die Allgemeinheit (andere Menschen) ist. In diesem Sinne ist das Ende der Handlung am wichtigsten.

Laut Dewey sind unsere Handlungen ursprünglich nicht egoistisch oder altruistisch, weil Handlungen aufgrund eines instinktiven Interesses (oder Lust) für eine Sache entstehen.

„Our native impulses and acts are neither egoistik nor altruistik; that is they are not actuated by conscious regard for either one’s own good or that of others. They are rather direct responses to situations.” (Dewey 1985, 293)

Das heißt, dass man (z.B. ein Kind) nicht darauf sieht, was als Folge geschieht, wenn man auf eine bestimmte Weise handelt, sondern Handlungen werden ursprünglich ausgeführt, ohne dass man sich darum kümmert, ob die Konsequenzen gut oder schlecht für mich oder andere Menschen sind. Das ist etwas, was wir erst durch die Sozialisierung lernen. Zunächst muss ein Kind lernen, dass seine Handlungen überhaupt Auswirkungen haben können, um danach zu entscheiden, ob diese gut oder schlecht für sich oder andere Personen sind.

Aber dass Handlungen aus einem Interesse für ein Objekt resultieren, bedeutet laut Dewey nicht, dass diese Handlungen automatisch egoistisch sind. In Kants Ethik haben z.B. nur Handlungen ohne jegliches Interesse einen moralischen Wert (selbst eine gute Tat ist nicht moralisch, sofern man diese aus einem bestimmten Interesse, z.B. Liebe, getan hat). Aber ohne Interesse sind laut Dewey genau genommen keine Handlungen oder ein Selbst möglich. Der Grund dafür ist, dass ein Selbst die Voraussetzung für Handlungen ist, d.h. dass nur ein bewusstes Selbst handeln kann, sodass die Aktivität eines Menschen ein Ziel hat, das angestrebt wird. Aber jede Handlung hat auch eine Wirkung auf das Selbst, sodass die Handlung und das Selbst Einfluss aufeinander haben. Dies bedeutet, dass ein Interesse die Voraussetzung für Handlungen ist und dies hat nichts damit zu tun, ob eine Handlung egoistisch ist oder nicht. Außerdem sind Handlungen genauso wenig nur deshalb egoistisch, weil diese mit Rücksicht auf das eigene zukünftige Wohlbefinden ausgeführt werden.

„No one would say that deliberate care for one`s own healthy, efficienty, progress in learning is bad just because it is one’s own” (ebd., 294).

Es ist sogar eine moralische Pflicht, sich um sich selbst zu sorgen, aufgrund der Folgen, die entstehen könnten, wenn man nicht mit Rücksicht auf seine eigenen Bedürfnisse handelt. Zunächst würde dies dazu führen, dass man nicht länger in der Lage ist, anderen Menschen zu helfen oder sich um diese zu sorgen.

“To fail to care for one’s health or even one’s material well-being may result in incapacitating one for doing anything for others.” (Dewey, 1985, 294-295)

Aber darüber hinaus würde dies bedeuten, wenn ein oder alle Menschen vergessen würden, sich selbst zu bewahren oder eigene Bedürfnisse zu haben, dass es keine Wünsche oder Bedürfnisse anderer Menschen mehr gäbe, auf die man Rücksicht nehmen sollte, wenn man handelt. Es gäbe also gar keine Möglichkeit altruistisch zu handeln und würde im Prinzip darin resultieren, dass man gar nicht mehr handeln würde.

Dies zeigt, dass das Urteil darüber, ob eine Handlung moralisch gut ist oder nicht, nicht davon abhängig ist, ob diese nur Rücksicht auf meine eigenen Bedürfnisse oder nur auf die Bedürfnisse meiner Mitmenschen nimmt.

“An act is not wrong because it advances the well-being of the self, but because it is unfair, in considerate, in respect to the rights, just claims, of others” (ebd., 294).

Dieses Zitat zeigt, dass es laut Dewey nicht so wichtig ist, dass eine moralische Handlung ohne ein Interesse ausgeführt wurde und nicht egoistisch ist, sondern dass diese nicht zum Schaden für andere Menschen geschieht. Das heißt, dass eine Handlung moralisch gut sein kann, selbst wenn diese sozusagen egoistisch ist oder ihren Ursprung in einem privaten Interesse hat (z.B. wenn man Freude daran hat, anderen Menschen zu helfen oder wenn jemand wünscht viel Geld zu verdienen und deshalb eine eigene Firma gründet, die Arbeitsplätze schafft), sofern diese das Wohl der Mitmenschen respektiert oder befördert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis zwischen Egoismus und Altruismus in John Deweys Verständnis
Hochschule
University of Tromsø  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Individum und Gesellschaft
Note
B
Autor
Jahr
2007
Seiten
6
Katalognummer
V127489
ISBN (eBook)
9783640354351
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, John Dewey, Ethik, Immanuel Kant
Arbeit zitieren
Christine Porath (Autor), 2007, Das Verhältnis zwischen Egoismus und Altruismus in John Deweys Verständnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127489

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