In der vorliegenden Hausarbeit soll Marshall McLuhans Dualismus zwischen Technik und Wahrnehmung auf die Konvergenz zwischen Filmtechnik, hier besonders die Einführung von Kranaufnehmen, und der Filmtheorie angewandt werden.
In diesem Sinne soll zuerst die Ausgangslage, das Selbstverständnis des jungen Mediums Film am Anfang des 20. Jahrhunderts dargestellt werden, welches vor allem durch ein narratives Paradigma vorbestimmt zu sein schien.
In einem zweiten Schritt wird die Entwicklung einer Bildsprache und die Aufwertung derselben sowohl bei der Produktion, als auch bei der Rezeption von Filmen nachvollzogen werden. Eine besondere Gewichtung soll hier auf den Möglichkeiten der Kranfahrt liegen und wie sie die Bedürfnisse einer filmischen Bildsprache bedient. In einem letzten Schritt werden zwei berühmte Kranfahrten aus der Filmgeschichte auf ihre Wirkung im Sinne einer Filmsprache hin analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das narrative Paradigma
III. Eine ästhetische Bildsprache
IV. Die Kranaufnahme
V. Zwei Filmbeispiele
A Citizen Kane
B La nuit américaine
VI. Resumée
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische Wirkung und filmtheoretische Bedeutung von Kranaufnahmen im Kontext des narrativen Kinos und der Entwicklung einer transnarrativen Bildsprache, wobei ein besonderer Fokus auf dem Zusammenspiel von Filmtechnik und menschlicher Wahrnehmung liegt.
- Verhältnis von Technik und Wahrnehmung nach Marshall McLuhan
- Dominanz des narrativen Paradigmas in der Filmproduktion
- Entwicklung einer ästhetischen Bildsprache und Kameraführung
- Das Bewegungspotential des Kamerakrans als Gestaltungsmittel
- Analyse von Kransequenzen in Citizen Kane und La nuit américaine
Auszug aus dem Buch
Die Kranaufnahme
Kamerahandeln, ob in narrativer oder transnarrativer Absicht, bedeutet stets Handeln im Raum. Karl Prümm führt in seinem bereits erwähnten Plädoyer den Begriff „Mise en images“ als Evolutionsfolge zur „Mise en scène“ ein.
„Die Kategorie der Mise en scène geht von der Denkfigur eines tiefengestaffelten Bedeutungsraums aus. Der menschliche Körper steht hier im Zentrum und im Vordergrund, auf das Sichtbarmachen, auf das Nach-Außen-Treten eines inneren Ausdrucks ist letztlich alles abgestellt. Hervorbringen und Zeigen bleibt eng gebunden an die Rolle dessen, der diesen Ausdruck vorentwirft und modelliert, an den Regisseur, der sich im Prozess der Mise en scène als Auteur und als Meister (...) beweist. Der Ausdruck, der von innen nach außen sichtbar gemacht wird, ist seinerseits gekoppelt an die Psychologie der Figuren, die szenisch agieren; die Szene wiederum verweist auf die Dramaturgie und die narrative Struktur im Hintergrund dieses gedachten Bedeutungsraums. Die Kategorie Mise en scène befestigt diesen Bedeutungsraum, legt folglich den analytischen Blick fest auf die vertraute Kultur des Theatralen und des Narrativen.“
Wichtig ist es zu verstehen, dass die Kategorie des „Mise en images“ nicht als Opposition zur „Mise en scène“ zu verstehen ist. Vielmehr kulminiert die „Mise en scène“ in der „Mise en image “.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Medientheorie von Marshall McLuhan ein und setzt diese in Bezug zur Konvergenz von Filmtechnik und Filmtheorie, speziell im Hinblick auf Kranaufnahmen.
II. Das narrative Paradigma: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des Kinos, das sich anfangs stark an Literatur und Theater orientierte, wodurch sich ein dominantes, stereotypes narratives Gefüge etablieren konnte.
III. Eine ästhetische Bildsprache: Hier wird die Emanzipation der Kameraleute und die Entstehung einer originären Bildsprache beschrieben, wobei insbesondere experimentelle Ansätze und Kollektive wie die Kinoki hervorgehoben werden.
IV. Die Kranaufnahme: Dieser Abschnitt analysiert das ästhetische Potenzial des Kamerakrans als Instrument zur Durchbrechung des narrativen Bedeutungsraums und zur Befreiung der Kamera von ihrer Körperlichkeit.
V. Zwei Filmbeispiele: Anhand der Filme Citizen Kane und La nuit américaine wird in der Praxis aufgezeigt, wie Kransequenzen narrative und ästhetische Zusammenhänge effektiv verdeutlichen.
VI. Resumée: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass Kranaufnahmen die Ordnung des Filmbildes dynamisieren und eine virtuos entfesselte Kommunikation über das Bild ermöglichen.
Schlüsselwörter
Kamerakran, Filmtheorie, Mise en scène, Mise en images, Marshall McLuhan, Bildsprache, Narrative Paradigma, Kamerabewegung, Transnarrativität, Montage, Filmästhetik, Kinoki, Citizen Kane, La nuit américaine, Kameratechnik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie technische Innovationen – insbesondere der Kamerakran – die ästhetische Sprache des Films beeinflussen und wie sie das narrative Kino transformieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Medientheorie, die historische Entwicklung der Filmproduktion, der ästhetische Wandel von statischen Bildern hin zu bewegten Räumen und die Rolle des Zuschauers als Subjekt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Dualismus zwischen Technik und Wahrnehmung auf die Konvergenz von Filmtechnik und Filmtheorie anzuwenden und das ästhetische Potenzial von Kranfahrten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt medienwissenschaftliche Ansätze, filmtheoretische Grundlagen (wie die Konzepte von Prümm oder McLuhan) und führt eine qualitative Analyse anhand von konkreten Filmbeispielen durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung der filmischen Bildsprache, dem Übergang von der Mise en scène zur Mise en images und der konkreten technischen Funktionsweise sowie ästhetischen Wirkung von Kamerakränen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kranaufnahme, Mise en images, Bildsprache, Narrative Paradigma und Filmästhetik charakterisieren.
Warum wird gerade der Film "Citizen Kane" als Beispiel gewählt?
Citizen Kane dient als Beispiel für den virtuos-technischen Einsatz von Kransequenzen, die einen Übergang zwischen verschiedenen Bedeutungsebenen schaffen und den Zuschauer zum allwissenden Beobachter machen.
Welche Funktion hat die Kransequenz in "La nuit américaine"?
Die Szene illustriert, wie mit einfachen Mitteln komplexe metadiegetische Zusammenhänge (Film im Film) verdeutlicht werden, indem die Kamera die Inszenierung offenlegt.
- Citation du texte
- Christian Schliebs (Auteur), 2009, Topshots. Kamerakräne im Kontext einer ästhetischen Bildsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127532