Gewalt in den Medien. Ein Thema, das stark diskutiert wird und vor allem in Bezug auf Horrorfilme bei Eltern, Jugendschützern und Analytikern auf starke Kritik stößt. Dennoch fasziniert dieses Kunstgenre viele Menschen und begeistert mit Filmen, Videospielen und Musik.
Horrorfilme haben einen gesellschaftskritischen Ursprung. Sie entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts, um die Auswirkungen und Probleme einer Gesellschaft und die Folgen in extremer und erschreckender Form darzustellen.
Soziale, gesellschaftliche und politische Missstände in der Gesellschaft sollen durch Übertreibung und Zuspitzung aufgezeigt werden. Beispielsweise stützen sich liberal politische Theorien auf das Horrorgenre, um auf rhetorische Weise eine liberale Regierungsführung zu verteidigen. Zudem wird die Ausgrenzung einzelner Menschen oder ganzer Gesellschaftsgruppen sowie die Angst vor dem Fremden thematisiert. Dennoch sind Regisseure und Produzenten mit dem Vorwurf und der Angst vor negativer Beeinflussung von Aggression und Gewalt konfrontiert. Gewalt und Aggressionen haben verschiedene Auslöser, die einerseits in diesen Filmen gezeigt werden und andererseits durch diese angeregt werden können.
Mit den Jahren hatten Horrorfilme, wie „Saw“, „Freitag der 13.“, und „Scream“ mit Anschuldigungen von Kritikern zu kämpfen, dass sie Gewalt verherrlichen, die diesbezügliche Hemmschwelle senken und Jugendliche beeinflussen würden. Bis jetzt stehen Videospiele, insbesondere Ego-Shooter (ein Spieler agiert aus der Ich-Perspektive, in einem dreidimensionalen Raum, mit Schusswaffen), im Zentrum der Vorwürfe und der Analysen, da sie eine stärkere Nähe zur Gewalthandlung aufweisen.
Das Horrorgenre, vertreten sowohl in Videospielen als auch in Filmen, wird für Amokläufe und Morde, insbesondere in Form von Nachahmungstaten verantwortlich gemacht. Nachahmungstaten sind ein reales und gegenwärtiges Phänomen, dessen Untersuchung äußerst relevant ist und größtenteils auf fiktive Gewalt zurückzuführen ist. Solche Forschungen beziehen sich meist auf Videospiele, weswegen Horrorfilme meist keine große Beachtung finden und weiterhin frei zugänglich sind und im öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt werden.
Die vorliegende Forschung dient dazu, Ursachen von Gewalt und Aggressionen im Zusammenhang mit fiktiver Gewalt in Horrorfilmen anhand eines konkreten Fallbeispiels und mithilfe von soziologisch und (sozial)-psychologischen Theorien aufzuzeigen und zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz
1.2 Fragestellung und Vorgehen
2. Fiktive Gewalt
2.1 Gewalt und fiktive Gewalt Definition
2.2 Fiktive Gewalt in Filmen, im Fernsehen und in Videospielen
3. Horrorfilme
3.1 Horrorfilme Definition und Ursprung
3.2 Subgenre des Horrorfilms
3.3 „Scream“ der Kulthorrorfilm
4. Copycat Killer
4.1 Copycat Killer Definition, Formen und Forschungsstand
4.2 Der Film „Scream“ und die Gewalttat in Gersthofen 2002
5. Theoretischer Rahmen und Analyse
5.1 Theorien zu Ursachen von Gewalt und Aggression
5.2 Anwendung der Desintegration- und Verunsicherungstheorie
5.3 Anwendung der Identitätstheorie
5.4 Anwendung des General Aggression Model (GAM)
5.5 Anwendung der sozial-kognitiven Lerntheorie
5.6 Diskussion und Kritik
6. Das Fallverstehen
7. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen von Gewalt und Aggression im Zusammenhang mit fiktiver Gewalt in Horrorfilmen, wobei insbesondere der Einfluss des Films „Scream“ auf eine reale Gewalttat in Gersthofen aus dem Jahr 2002 analysiert wird. Ziel ist es, durch die Kombination soziologischer und psychologischer Theorien zu verstehen, wie mediale Inhalte zur Nachahmung von Verbrechen beitragen können.
- Fiktive Gewaltdarstellungen und deren Rezeption.
- Die Spezifika des Horrorgenres und des Slasher-Films.
- Phänomenologie und Forschungsstand zum Copycat-Crime-Effekt.
- Theoretische Analyse mittels Desintegrationstheorie, Identitätstheorie und General Aggression Model.
- Fallbeispielanalyse der Gewalttat von Gersthofen 2002.
Auszug aus dem Buch
3.3 „Scream“ der Kulthorrorfilm
Konkret wird in der Bachelorarbeit der Zusammenhang zwischen dem Filmklassiker „Scream“ und einer Gewalttat untersucht, weswegen dieser Film im Folgenden näher beleuchtet wird.
Die Einspielergebnisse des US-amerikanischen Slasher-Films „Scream - Der Schrei!“ aus dem Jahr 1996 sprachen in den 90er Jahren für sich. Er belebte mit seinem 173 Millionen Doller Erfolg das Slasher-Genre wieder und entwickelte dieses weiter (MovieJones o.A.; siehe Kapitel 3.2). Wes Craven als Regisseur, Dimension Films sowie Woods Entertainment als Koproduzenten und die Schauspieler Neve Campbell, Courteney Cox, Drew Barrymore, Jamie Kennedy, Rose McGowan und Skeet Ulrich verhalfen diesem 111 Minuten Film zu seinem Erfolg, der zu drei kommerziell erfolgreichen Fortsetzungen und einer Serie führte, die 2019 endete (IMDb o.A.). Er wurde von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) 2011 ab 16 Jahren freigegeben (Vertreter der Landesjugendbehörden 2011).
Dieser Film handelt davon, dass seine Charaktere über das Wissen von Horrorfilmen verfügen. Sie wissen, wie sich Personen in Horrorfilmen verhalten und was deren Fehler sind. Unvermeidliche Momente werden in dem Film dekonstruiert (vgl. Ebert 1996; vgl. Craven 1996: 0:52:01 - 0:54:11; 1:08:42 - 1:09:40). Zudem werden von den Charakteren in dem Film die Regeln eines Horrorfilms erläutert:
There are certain rules that one must abide by in order to successfully survive a horror movie. For instance: 1. You can never have sex. The minute you get a little nookie, you’re as good as gone. Sex always equals death. 2. Never drink or do drugs. The sin factor. It's an extension of number one. And 3. Never, ever, ever, under any circumstances, say ‚I'll be right back.’(Craven 1996: 1:08:42 - 1:09:40; ebd. 0:52:01 - 0:54:11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Medienwirkungsforschung ein und stellt die Forschungsfrage zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem Film „Scream“ und der Tat in Gersthofen.
2. Fiktive Gewalt: Hier wird der Gewaltbegriff theoretisch hergeleitet und speziell auf fiktive mediale Gewalt sowie die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland eingegangen.
3. Horrorfilme: Das Kapitel erläutert die Genese des Horrors und seiner Subgenres sowie die spezifische Bedeutung von „Scream“ für die Wiederbelebung des Slasher-Films.
4. Copycat Killer: Dieser Abschnitt definiert Nachahmungsverbrechen (Copycat Crime) und berichtet über den spezifischen Tathergang in Gersthofen sowie das Profil des Täters.
5. Theoretischer Rahmen und Analyse: Der Hauptteil wendet vier zentrale Theorien (Desintegrationstheorie, Identitätstheorie, GAM, sozial-kognitive Lerntheorie) auf den Fall Gersthofen an, um Ursachen für das Handeln des Täters zu identifizieren.
6. Das Fallverstehen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Befunde zusammengeführt, um ein profundes Verständnis der Tat im Kontext der Biographie und des Medienkonsums des Täters zu gewinnen.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Ergebnisse, der Beantwortung der Forschungsfrage und einem gesellschaftspolitischen Ausblick auf künftige Präventionspotenziale.
Schlüsselwörter
Horrorfilm, Slasher, Fiktive Gewalt, Nachahmungstat, Copycat Killer, Aggression, Gersthofen, Medienwirkungsforschung, Identitätstheorie, Desintegration, Sozial-kognitive Lerntheorie, General Aggression Model, Jugendmedienschutz, Medienkonsum, Gewaltverherrlichung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie fiktive Mediengewalt, exemplarisch an Horrorfilmen wie „Scream“, zur Entstehung oder Inspiration von realen Nachahmungstaten beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung spannt einen Bogen von der Definition des Gewaltbegriffs über medienpädagogische Aspekte bis hin zu tiefenpsychologischen und soziologischen Erklärungsansätzen menschlichen Fehlverhaltens.
Welches primäre Ziel verfolgt die Bachelorarbeit?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Analyse der Gewalttat in Gersthofen 2002 unter Anwendung etablierter Theorien, um den Einfluss von Horrorfilmen auf den Täter plausibel nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden eine Literaturanalyse und ein theoretisch gestützter Fallvergleich durchgeführt, wobei soziologische und psychologische Modelle (u.a. von Heitmeyer, Schimank und Bandura) zur Anwendung kommen.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Ursachen von Aggression und Gewalt, wobei der Fokus auf Desintegration, Identitätsbildung und den mechanismen des beobachtenden Lernens liegt.
Welche Schlüsselbegriffe definieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem „Copycat Crime“, „Slasher-Filme“, „Identitätsbewahrung“ und das „General Aggression Model“.
Welche Rolle spielt der Film „Scream“ im Fall Gersthofen?
Der Täter identifizierte sich laut polizeilicher Erkenntnisse stark mit dem Film, übernahm dessen Kostümierung und ließ sich von den darin dargestellten Gewaltszenarien inspirieren.
Zu welchem Schluss kommt die Analyse bezüglich des Täters?
Die Analyse zeigt, dass gesellschaftliche Ausgrenzung, familiäre Instabilität und eine diagnostizierte Persönlichkeitsstörung den Täter anfällig für die Rolleninszenierung eines Horrorfilm-Killers machten.
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- Anonym (Autor), 2020, Fiktive Gewalt in Horrorfilmen als Auslöser für Gewalt und Aggressionen bei Jugendlichen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1275415