Diese Arbeit beschäftigt sich mit fachdidaktischem Wissen von Lehrpersonen zur geographischen Perspektive des Sachunterrichts und entwickelt einen Fragebogen zu Schülervorstellungen und dem Umgang mit ihnen in der Unterrichtspraxis.
Innerhalb der lernpsychologischen und fachdidaktischen Forschung herrscht heute Einigkeit über die enorme Beeinflussung des Lernprozesses durch bereits bestehende Vorstellungen und Konzepte der Lernenden. Die SCHOLASTIKStudie von Weinert & Helmke (1997) stellte die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler (SuS) als enormen Einflussfaktor auf ihre Leistungen heraus. Auch die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen sowie die Interaktion zwischen den Beteiligten des Unterrichts ist von den Vorstellungen, Ideen und Konzepten der SuS beeinflusst.
Deshalb sind sie als zentrale Konstrukte des Unterrichts, dem durch die Lehrkraft bereitgestellten Lernangebot, anzuerkennen. Weil die Planung und Gestaltung von Lerngelegenheiten und Lernumgebungen primäre Aufgaben von Lehrpersonen darstellen, ist deren Rolle im Lernprozess der SuS nicht zu unterschätzen. Die Studie von Hattie (2009) stellte die Bedeutung der Lehrperson für den Lernerfolg der SuS einmal mehr heraus, weshalb die Frage nach den Merkmalen einer erfolgreichen Lehrkraft immer noch aktuell ist und im Zuge der Kompetenzforschung untersucht wird.
Noch weitgehend unerforscht ist hingegen das Zusammenspiel der beiden Konstrukte: Wie gehen Lehrpersonen mit den Vorstellungen ihrer SuS im Unterricht um? Die Forschung um typische Methoden, Strategien und Vorgehensweisen, die Lehrkräfte bei der Planung und Durchführung von Unterrichtsvorhaben im Zusammenhang mit den Präkonzepten der SuS mehr oder weniger verfolgen, ist noch im Rückstand.
Dabei ist der erfolgreiche Umgang von Lehrpersonen mit Schülervorstellungen vor allen Dingen im Sachunterricht der Grundschule von zentraler Bedeutung, um Anknüpfungspunkte an Lernen erkennen und darauf aufbauend anschlussfähigen, lebensweltlichen Unterricht gestalten zu können, weshalb die Thematik des fachdidaktischen Wissens von Lehrpersonen zur geographischen Perspektive des Sachunterrichts im Mittelpunkt dieser Zulassungsarbeit steht und anhand der Entwicklung eines Fragebogens zu Schülervorstellungen und dem Umgang mit ihnen in der Unterrichtspraxis untersucht werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Rahmung und Forschungsfrage
2.1 Professionelle Lehrerkompetenz
2.1.1 Lehrerprofessionalisierungsforschung
2.1.2 Professionalität und Kompetenz
2.1.3 Modellierung professioneller Lehrerkompetenz unter besonderer Berücksichtigung des Professionswissen
2.1.3.1 Pädagogisch-psychologisches Wissen
2.1.3.2 Fachwissen
2.1.3.3 Fachdidaktisches Wissen
2.2 Schülervorstellungen
2.2.1 Lerntheoretischer Zugang: Schülervorstellungen aus konstruktivistischer Perspektive
2.2.2 Definition, Entstehung und Merkmale
2.2.3 Präkonzeptforschung
2.3 Professionelle Lehrerkompetenz im Umgang mit Schülervorstellungen
2.3.1 Erfassung von Schülervorstellungen
2.3.2 Vorstellungsänderung: Die Conceptual-Change-Theorie
2.3.3 Planung von Unterricht im Sinne der Didaktischen Rekonstruktion
2.3.4 Aktueller Forschungsstand
2.4 Forschungsfragen
3 Daten und Methode
3.1 Anlage der Untersuchung
3.2 Beschreibung der Stichprobe
3.3 Entwicklung, Aufbau und Auswertung des Fragebogens
4 Ergebnisse und Interpretation
4.1 Beschreibung und Darstellung der Ergebnisse
4.1.1 Grundlegende Begriffe
4.1.2 Schülervorstellungen in der Unterrichtspraxis
4.1.3 Einordnung von beispielhaften Schülervorstellungen
4.2 Interpretation der Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das fachdidaktische Wissen von Lehrpersonen zur geographischen Perspektive des Sachunterrichts, wobei der Fokus auf dem Umgang mit Schülervorstellungen liegt. Ziel ist es, durch die Entwicklung eines Fragebogens aufzuzeigen, über welches Wissen Lehrkräfte verfügen, wie sie Schülerpräkonzepte in der Planung und Durchführung von Unterricht berücksichtigen und inwieweit sie theoretische Ansätze wie den Conceptual Change in ihrer Praxis anwenden.
- Professionelle Lehrerkompetenz und Modellierung des Professionswissens
- Konstruktivistische Lerntheorien und Bedeutung von Schülervorstellungen
- Methoden und Strategien zur Erhebung von Präkonzepten im Unterricht
- Analyse der Conceptual-Change-Theorie und Didaktischen Rekonstruktion
- Empirische Untersuchung mittels Fragebogen und Zeichnungsanalyse
Auszug aus dem Buch
Merkmale von Schülervorstellungen
Schülervorstellungen sind die Folge der individuellen Konstruktion von Informationen und damit eine Wissensbasis, auf die Lernende immer wieder zurückgreifen können. Insofern liegen ihnen verschiedene Funktionen zu Grunde (Fridrich 2009, S. 1).
Vordergründig dienen sie dem Individuum dazu, sich komplexe Phänomene und Ereignisse unserer Umwelt einfach beantworten und erklären zu können. Damit leisten sie durch Komplexitätsreduktion einen Beitrag zur allgemeinen Orientierung im Alltags-leben von Kindern. Die Aneignung von Vorstellungen liefert Erklärungen zu bestehenden Unsicherheiten, weshalb sie in diesem Sinne Sicherheit und Stabilität im Leben eines Individuums schafft. Weil der Aneignungsprozess als aktive individuelle Konstruktion von Informationen abläuft, sind diese Vorstellungen oftmals tief verankert und mit anderen Konzepten und Vorstellungen des Lernenden vernetzt. Zusätzlich dienen Schüler-vorstellungen als Orientierung zur Kommunikation im Alltag. Damit fungieren sie auch bei der Interaktion mit anderen als Beitrag zur Sicherheit und gewährleisten, dass ein Individuum über Themen sprechen kann, obwohl dessen Vorstellung nicht exakt mit dem fachwissenschaftlichen Konzept übereinstimmt (Fridrich 2009 S. 1).
Schülervorstellungen sind oftmals implizite, alltägliche Konzepte eines Individuums, was sie maßgeblich von fachwissenschaftlich anerkannten Theorien unterscheidet. In der Ausdifferenzierung des Begriffs der Vorstellung nach Gropengießer (2001, S. 31) werden die Unterschiede deutlich. Er unterscheidet zwischen lebensweltlichen Alltagsvorstellungen und wissenschaftlichen Vorstellungen, je nach dem Kontext, in dem sie verwendet werden. Weil die Institution Schule auf einen Wissenserwerb mit fachlicher Richtigkeit zielt, ist Unterricht der Ort, an dem fachwissenschaftliche und alltägliche Vorstellungen aufeinandertreffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die entscheidende Rolle der Schülervorstellungen im Lernprozess und leitet die Forschungsfrage über das fachdidaktische Wissen von Lehrpersonen zur geographischen Perspektive her.
2 Theoretische Rahmung und Forschungsfrage: Dieses Kapitel fundiert die Arbeit theoretisch, indem es Professionelle Lehrerkompetenz, Schülervorstellungen und Strategien zu deren Umgang sowie Didaktische Rekonstruktion beleuchtet und die spezifischen Forschungsfragen formuliert.
3 Daten und Methode: Hier wird der methodische Ansatz mit der Entscheidung für einen quantitativen Fragebogen als zentrales Instrument sowie die Beschreibung der Stichprobe dokumentiert.
4 Ergebnisse und Interpretation: Dieser Teil präsentiert und interpretiert die erhobenen Daten, gegliedert nach den Inhaltsbereichen und den Forschungsfragen, unter Einbeziehung des aktuellen Forschungsstandes.
5 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Ergebnisse kritisch und gibt einen Ausblick auf notwendige weiterführende Forschung im Bereich des Umgangs mit Präkonzepten.
Schlüsselwörter
Schülervorstellungen, Geographische Perspektive, Sachunterricht, Professionelle Lehrerkompetenz, Didaktische Rekonstruktion, Conceptual Change, Präkonzepte, Lehrerwissen, Unterrichtsplanung, Lernerfolg, Lernbarrieren, Fachdidaktik, Konstruktivismus, Bildungsforschung, Fragebogenstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Der Fokus liegt auf dem fachdidaktischen Wissen von Lehrkräften im Grundschullehramt in Bezug auf geographische Schülervorstellungen und deren Umgang im Unterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Lehrerprofessionalisierung, die konstruktivistische Sichtweise auf das Lernen, die Theorie des Conceptual Change sowie die Didaktische Rekonstruktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin zu analysieren, wie Lehrpersonen Schülervorstellungen wahrnehmen, diagnostizieren und in ihrer praktischen Unterrichtsplanung sowie -durchführung berücksichtigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Verfasserin wählte eine quantitative Forschungsmethode in Form eines standardisierten Fragebogens, der durch offene Fragestellungen zur vertieften qualitativen Analyse ergänzt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Wissens über professionelle Kompetenzen und Unterrichtsplanung sowie eine empirische Untersuchung, die das Wissen und Handeln von Lehrkräften anhand von Fragebögen und Zeichnungsanalysen auswertet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe umfassen explizit Schülervorstellungen, Conceptual Change, Didaktische Rekonstruktion, Professionswissen und Präkonzeptforschung.
Was ergab die Analyse der Kinderzeichnungen durch die Lehrkräfte?
Die Ergebnisse zeigten, dass nur die Hälfte der vorgelegten Zeichnungen von einer Mehrheit der Lehrkräfte nach den Profilvorgaben der zugrundeliegenden Studie von Adamina (2008) korrekt eingeordnet werden konnte.
Wie bewerten Lehrkräfte die Bedeutung von Fehlvorstellungen?
Die befragten Lehrkräfte betrachten Schülervorstellungen mehrheitlich als wichtige Lernchance und nicht als reines Lernhindernis, was den aktuellen Forschungsstand, der Lehrern oft ein defizitäres Wissen bei diesem Thema zuschreibt, teilweise widerlegt.
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- Linda Kirchmeyer (Autor), 2020, Fachdidaktisches Wissen von Lehrpersonen zur geographischen Perspektive des Sachunterrichts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1275427