Bikulturelle Beziehungen

Der Einfluss der Kultur auf die Erziehung der Kinder


Hausarbeit, 2005
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einführung

2 Begriffserklärung: Kultur

3 Bikulturelle Ehen und ihre Kinder
3.1 Kinderwunsch
3.2 Kulturelle Unterschiede in der Kindererziehung
3.3 Erziehungsräume

4 Bikulturelle Kinder
4.1 Zweisprachigkeit
4.2 Identität

5 Schlussfolgerung

Streszczenie

Literaturverzeichnis

1 Einführung

Heutzutage treffen sich Menschen aus unterschiedlichen Ländern immer öfter, weil die Lebensumstände es erlauben zu reisen oder im Ausland zu studieren. Aus manchen Beziehungen werden Ehen, aus welchen später Kinder hervorgehen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der Kinder in bikulturellen Familien, wobei sie vor allem die Frage beantworten soll, inwiefern die Kindererziehung durch kulturelle Muster beeinflusst wird. Es soll dargestellt werden, was die kulturellen Merkmale sind und welche Wirkungen sie auf das Eheleben mit Kindern und auf die Kinder selbst haben.

Am Anfang erläutere ich kurz, wie der Begriff Kultur zu verstehen ist und stelle einige Ansätze vor, wie man sie definieren kann. Kultur ist sehr umfangreich und in diesem Kontext nicht beschreibbar, weil sie aus subjektiven Gefühlen konstituiert wird und sowohl individuell als auch gesellschaftlich sein kann. Man kann die kulturellen von den familiären Traditionen nicht trennen; daher ist jede Ehe in bestimmter Hinsicht bikulturell. Gleichzeitig ist es aber möglich zu zeigen, wie Kultur in bikulturellen Familien benutzt wird, indem die persönliche zur nationalen Identität wird. Verschiedene Konflikte werden kulturalisiert und als eine Art Schutz benötigt, wobei auf diese Weise manche Probleme leichter gelöst werden können.

Die Unterschiede in bikulturellen Familien werden aber oft durch das Prisma der Kultur wahrgenommen. Im nächsten Kapitel stelle ich dar, was unter bikulturellen Ehen verstanden werden kann und warum man sich für einen ausländischen Partner entscheidet. Das erste Problemfeld konstituieren Verschiedenheiten, welche beim Kinderwunsch zum Ausdruck kommen, weil Kinder als Nachwuchs unterschiedlichen Wert für die Eheleute haben können. Mit den Kindern kommen neue Probleme, die geklärt werden müssen. Deswegen werden weitere drei Bereiche anhand von Romano präsentiert und genauer erläutert. Es handelt sich um Werte/Glauben, Disziplin/Ausbildung und Eltern-Kind-Beziehung. Jede von ihnen hat eine andere Bedeutung für die bikulturelle Familie. Wichtig dabei ist es, dass es den Ehepartnern gelingt eine gemeinsame Meinung zu vertreten, damit die Kinder eine Orientierung für das spätere Leben bekommen. Manche Kinder lernen aber aus Unterschiede Selbstständigkeit und Sensibilität, wobei starke Konflikte innerhalb von allen drei Bereichen die Beziehung zu den Eltern verschlechtern können. Aus dieser Erziehung erfolgen später bestimmte Erziehungsräume, welche mit den Erläuterungen von Gebauer verknüpft sind. Diese sind auch transnational zu betrachten, weil unterschiedliche kulturelle Muster auch in verschiedenen Ländern gleich sind. Jede Erziehung soll als eine Art Kompromiss konstruiert sein. Die Ehepartner wählen entweder eine totale bzw. bedenkende Assimilation oder Nicht-Entscheidung, welche aber die Probleme nicht lösen kann, weil sie nicht von selbst verschwinden werden.

Die Erziehungsprobleme haben Einfluss auf die persönlich Betroffenen d.h. die Kinder, die nicht unbedingt zweisprachig/bikulturell aufwachsen müssen und sich als bikulturell betrachten. Allgemein unterteilen sich die Probleme in Zweisprachigkeit und bikulturelle Identität. Zweisprachigkeit erfolgt nicht automatisch und hängt von vielen Faktoren ab, z.B. welchen Status die fremde Sprache hat und ob beide Eltern zweisprachig sind und die fremde Sprache unterstützen. Die bikulturelle Identität ist eine Wahl der Kinder, die sie selber treffen müssen, wobei diese von den Eltern stark durch die Erziehung beeinflusst wird. Die gewählte Identität zeigt, ob jemand gewonnen hat oder es beiden Elternteilen gelungen ist ihre Werte zu vermitteln.

2 Begriffserklärung: Kultur

Der Begriff Kultur bedeutet laut Meyers Lexikon Sprache, Religion, Ethik, Institutionen, Recht, Technik, Kunst, Musik, Philosophie und Wissenschaft. Kultur ist auch der Prozess des Hervorbringens der verschiedenen Kulturinhalte und Kulturmodelle und entsprechender individueller und gesellschaftlicher Lebens- und Handlungsformen (vgl. Meyers Lexikon 1990: 257). Im Duden kann man folgende Definition von Kultur finden: "Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung" (Duden Universal Wörterbuch 1996: 908). Für diese Arbeit ist die Tatsache relevant, dass Kultur viele unterschiedliche Bereiche umfassen kann und ein sehr umfangreiches Feld darstellt.

Nach Schröder wird die Kultur als ein Kode definiert, der "als ein System von Konzepten, Wertorientierungen und Normen, die im Fühlen, Denken, Handeln und Sprechen des Menschen sichtbar [wird]" (vgl. Schröder 1997). Kultur hat eine Struktur, welche als ein Bündel von Regeln und Werten, die einen Kode bilden, betrachtet wird.

Kultur kann laut Waldis nicht definiert werden, weil sie nicht statisch ist und sich unter den kulturellen Einflüssen der fremden Nationen befindet. Sie ist mit vielen Bezugspunkten verknüpft, welche komplexe Verbindungen und Verankerungen in unterschiedlichen Lebenswelten haben (vgl. Waldis 2002: 61f.).

Aufgrund dieser differenzierten Lebensweise setzt sich jeder Mensch mit seiner eigenen Welt auseinander und lernt die Muster, die zur Interpretation der Wirklichkeit dienen. Dies geschieht in der primären und sekundären Sozialisation, im Arbeitsprozess und in der Familie (vgl. Koller 2001: 162).

Deswegen taucht die Frage auf, ob nicht jedes Paar von unterschiedlichen kulturellen Mustern beeinflusst wird, indem die Sozialisation auch innerhalb derselben Kultur anderes sein kann. Diesen Ansatz vertritt Lang:

"Jedes Paar kommt aus zwei Kulturen. Jede Familie hat eigene Wertvorstellungen. Der eine hat gelernt, seine schmutzigen Socken gleich in den Wäschekorb zu tun, der andere lässt sie ein paar Tage herumliegen. Oder unterschiedliche Tischmanieren. Das sind scheinbar unwichtige Dinge, sie können aber Anlass grosser Zwiste sein. Auch Kommunikation findet in jeder Familie anders statt." (Lang 2001)

Varro gibt zu, dass der kulturelle Raum als Begriff nicht klar definiert ist und es deswegen auch schwer festzustellen ist, was die neue kulturelle Zone bei den Familien bildet. Kulturen bestehen aus nicht abgeschlossenen und dynamische Praktiken und Werten (vgl. Varro 1997a: 125f.). Varro meint, dass "der Bezug auf das Nationale vom Familialen wie vom 'Kulturellen' nicht mehr zu trennen ist." (Varro 1997a: 133)

"Die 'Kulturen väterlicher- und mütterlicherseits', eigentlich die Kulturen des Vaters und der Mutter als einmaliger Wesen, sind 'unscharf abgegrenzte' Ensembles, die sowohl aus den Herkunftssprachen und den früheren Erfahrungen jedes Elternteils (unter anderem ihrer eigenen Familiengesichte) bestehen als auch aus ihrem jeweils eigenen 'Stil'. Diese für die Kinder stets gleichzeitig präsenten 'Kulturen' bilden das Milieu, in das sie hineingeboren werden, unabhängig davon, ob ihre Eltern unterschiedlicher Nationalität sind oder nicht." (Varro 1997c: 206)

Weiterhin berichtet Varro, dass es die Menschen sind, welche sich auf eine bestimmte Kultur berufen. Sie und nicht die Kulturen stehen im Konflikt (vgl. Varro 1997b: 177). Die eheliche Spannung wird oft in den kulturellen Rahmen interpretiert und nicht als interpersonelle Beziehung betrachtet. Die Probleme müssen deswegen nicht persönlich analysiert werden, weil die Kultur eine Art Alibi darstellt (vgl. Varro 1997b: 183). Bei den Streitigkeiten greift man zu den Adjektiven, welche die Nationalität beschreiben, weil die Nationalität oft die Identität bestimmt (vgl. Varro 1997b: 184f.).

Lang meint, dass sich die bikulturelle Ehen oft dieser impliziten kulturellen Muster nicht bewusst sind und bestimmte Handlungen deswegen nicht interpretieren können:

"Bei Mischehen ist das Problem des Kulturunterschieds pointierter. Viele Paare unterschätzen das. Sie beziehen Probleme auf sich, sehen nicht den kulturellen Hintergrund. In Japan zum Beispiel, wo ich mehrere Jahre lebte und arbeitete, spricht man nicht offen über Gefühle. Eine Japanerin, deren Schweizer Mann von ihr verlangt, dass sie offen über ihre Gefühle sprechen soll, muss erlernte Gesprächsregeln übertreten. Ein Marokkaner, der seine Schweizer Frau dominiert, tut dies nicht aus Böswilligkeit, sondern weil die arabische Kultur patriarchalisch ist. Normen der eigenen Kultur kann man nicht einfach fallen lassen. Viele haben Mühe, diese Andersheit zu akzeptieren. Das ist auch schwierig, aber viele «gemischte» Paare sind sich dessen zu wenig bewusst." (Lang 2001)

Waldis sieht die Kultur als eine Problemquelle, aber gleichzeitig eine Quelle, welche zur Lösung der Probleme führen kann. Interessant ist, dass es nicht definierbar ist, was unter Kultur verstanden wird und trotzdem wird sie in der Argumentation benutzt, um den Alltag zu bewältigen. Die Art der kulturellen Differenzen ist situationsabhängig und jeweils andere Argumente werden bei der Interpretation oder Legitimation bestimmter Handlungen verwendet (vgl. Waldis 2002: 60).

Die Kultur kann, wie Waldis berichtet, verschiede Rollen in der Beziehung spielen. Das anfängliche Interesse verschwindet allmählich, aber die kulturellen Unterschiede kommen in neuen Phasen, wie beispielsweise der Geburt des Kindes oder der Arbeit, zum Ausdruck und müssen neu thematisiert werden, obwohl sie vorher unwichtig waren (vgl. Waldis 2002: 62).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Bikulturelle Beziehungen
Untertitel
Der Einfluss der Kultur auf die Erziehung der Kinder
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V127588
ISBN (eBook)
9783640340286
ISBN (Buch)
9783640337620
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bikulturelle, Beziehungen, Einfluss, Kultur, Erziehung, Kinder
Arbeit zitieren
Master of Arts (Kulturwissenschaften) Dorota Miller (Autor), 2005, Bikulturelle Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127588

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