Mit der vorliegenden Seminararbeit soll die Frage beantwortet werden, wie Informationsasymmetrien zwischen Fremdkapitalgebern und -nehmern entstehen und mit welchen Instrumenten diese reduziert werden können. Zu Beginn werden zwei Formen der Fremdkapitalfinanzierung im Rahmen der Unternehmensfinanzierung vorgestellt. Anschließend
wird erklärt, was unter dem Begriff Rating zu verstehen ist und das interne von dem externen Rating abgegrenzt. Im dritten Kapitel wird die Entstehung von Risiken durch Informationsasymmetrien anhand der Prinzipal-Agent-Theorie und Konstellationen vor und nach dem Vertragsabschluss erklärt. Im darauffolgenden Kapitel finden sich Instrumente
für Fremdkapitalgeber und -nehmer, mit denen die Informationsasymmetrien reduziert werden können. Im fünften Kapitel werden die Informations-asymmetrien im Rahmen der Zuwendungsfinanzierung untersucht und auf die Maßnahmen dagegen näher eingegangen. Im letzten Kapitel werden die Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick
gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Unternehmensfinanzierung durch Fremdkapital
2.1 Formen der Fremdkapitalfinanzierung
2.1.1 Unternehmenskredite als Finanzierungsquelle
2.1.2 Ausgabe von Unternehmensanleihen
2.2 Rating als Instrument der Bonitätsanalyse
2.2.1 Internes Rating
2.2.2 Externes Rating
3 Informationsasymmetrien als Ursache für Risiken
3.1 Grundlagen der Prinzipal-Agent-Theorie
3.2 Das Dilemma der Prinzipal-Agent-Theorie in Finanzbeziehungen
3.2.1 Agenturprobleme vor Vertragsabschluss
3.2.2 Agenturprobleme nach Vertragsabschluss
4 Reduktion von Informationsasymmetrien im Kontext der Fremdkapitalfinanzierung
5 Informationsasymmetrien im Rahmen der Zuwendungsfinanzierung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Reduktion von Informationsasymmetrien zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern bei der Fremdkapitalfinanzierung unter Anwendung der Prinzipal-Agent-Theorie.
- Unternehmensfinanzierung durch Fremdkapital und Ratinginstrumente
- Grundlagen und Problematik der Prinzipal-Agent-Theorie in Finanzbeziehungen
- Analyse von vor- und nachvertraglichen Agenturproblemen
- Instrumente zur Reduktion von Informationsasymmetrien (Signaling & Screening)
- Übertragung der Erkenntnisse auf die öffentliche Zuwendungsfinanzierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundlagen der Prinzipal-Agent-Theorie
Die Prinzipal-Agent-Theorie ist ein Teilgebiet der Neuen Institutionenökonomik (NIÖ). Sie befasst sich mit dem Vertragsverhältnis zwischen mindestens zwei Wirtschaftsakteuren, in dem die Rollen der Auftraggeber (Prinzipale) und die Rollen der Auftragnehmer (Agenten) eingenommen werden. Durch das begründete Vertragsverhältnis sind die Parteien zu Leistung und Gegenleistung verpflichtet. Der Agent wird vom Prinzipal beauftragt, eine bestimmte Leistung zu erbringen (Leistungspflicht) und erhält im Gegenzug eine Gegenleistung (bspw. Entlohnung). Um der Leistungspflicht nachzukommen, müssen dem Agenten Handlungs- und Entscheidungsrechte übertragen werden, um so die Bedürfnisse des Prinzipals befriedigen zu können.
Infolgedessen entsteht ein wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen beiden Akteuren. Auf der einen Seite ist die Erfüllung des Auftrages und damit der Erfolg der Bedürfnisbefriedigung allein von den Handlungen und Entscheidungen des Agenten abhängig. Auf der anderen Seite kann sich der Prinzipal auf die vertraglich festgehaltenen Inhalte stützen und die Handlung des Agenten beeinflussen. Es kann nicht von einer Interessenharmonie zwischen beiden Parteien gesprochen werden, bei der auf die Interessen der anderen Partei Rücksicht genommen wird. Vielmehr versuchen beide Parteien aufgrund des Interessenkonfliktes ihren eigenen Nutzen zu maximieren, indem sie sich durch ihren Informationsvorsprung opportunistisch verhalten (bspw. durch bewusstes Zurückhalten oder Verfälschen von Informationen). In der Regel steht der Agent unter Verdacht sich arglistig bzw. opportunistisch zu verhalten, da er allein „spezielles Wissen für die Durchführung des Auftrags besitzt“. Eine Prinzipal-Agent-Beziehung findet sich auch zwischen Kapitalgebern und -nehmern wieder, auf die im nächsten Kapitel näher eingegangen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Kapitalbeschaffung für kleine und mittelständische Unternehmen ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Unternehmensfinanzierung durch Fremdkapital: Das Kapitel stellt verschiedene Formen der Fremdfinanzierung sowie Ratingmethoden als Hilfsmittel der Bonitätsanalyse vor.
3 Informationsasymmetrien als Ursache für Risiken: Hier werden mittels der Prinzipal-Agent-Theorie die theoretischen Hintergründe von Interessenkonflikten und Informationsvorteilen in Vertragsverhältnissen analysiert.
4 Reduktion von Informationsasymmetrien im Kontext der Fremdkapitalfinanzierung: Dieses Kapitel erläutert die Anwendungsbereiche von Signaling und Screening als Instrumente zur Abbau von Informationsasymmetrien.
5 Informationsasymmetrien im Rahmen der Zuwendungsfinanzierung: Der Fokus liegt hier auf der Übertragung der Agentur-Problematik auf staatliche Finanzierungen anhand des Fallbeispiels der Alexander von Humboldt-Stiftung.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über Informationsasymmetrien und deren Lösungsmöglichkeiten zusammen.
Schlüsselwörter
Fremdkapitalfinanzierung, Informationsasymmetrien, Prinzipal-Agent-Theorie, Rating, Unternehmenskredit, Unternehmensanleihe, Bonitätsanalyse, Finanzierung, Signaling, Screening, Agenturprobleme, Opportunismus, Zuwendungsfinanzierung, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Seminararbeit?
Die Arbeit behandelt, wie Informationsasymmetrien zwischen Fremdkapitalgebern und Kapitalnehmern bei Finanzierungen entstehen und wie diese Risiken gemindert werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?
Die zentralen Felder sind die Unternehmensfinanzierung, die Bonitätsprüfung durch Ratings, die Prinzipal-Agent-Theorie sowie Mechanismen zur Informationsübertragung (Signaling) und Informationsbeschaffung (Screening).
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Informationsasymmetrien entstehen und mit welchen spezifischen Instrumenten diese im Rahmen der Fremdkapitalfinanzierung reduziert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Als methodischer Rahmen dient die Neue Institutionenökonomik, insbesondere die Anwendung der Prinzipal-Agent-Theorie auf Finanzbeziehungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung von Finanzierungsformen, die theoretische Herleitung der Informationsproblematik sowie die praktische Erläuterung von Maßnahmen zur Risikominimierung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Informationsasymmetrien, Prinzipal-Agent-Theorie, Rating, Hidden Characteristics, Hidden Action, Signaling, Screening und Zuwendungsfinanzierung.
Was unterscheidet internes von externem Rating im Kontext dieser Arbeit?
Das interne Rating wird von der Bank selbst mittels eigener Daten durchgeführt, während das externe Rating durch beauftragte, spezialisierte Ratingagenturen erfolgt.
Wie lässt sich die Prinzipal-Agent-Theorie auf staatliche Förderungen anwenden?
Die Arbeit analysiert, inwieweit staatliche Institutionen als Prinzipale und geförderte Einrichtungen als Agenten auftreten, wobei der Staat Informationsdefizite durch regelmäßige Nachweispflichten und Screenings reduziert.
- Citation du texte
- Gerald Will (Auteur), 2021, Wie können Informationsasymmetrien im Rahmen der Fremdkapitalfinanzierung zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern reduziert werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1275932