Diese Arbeit untersucht die wesentlichen Entwicklungen der Bestattungsrituale im Katholizismus, Judentum und Islam und fokussiert dabei explizit die Situation in Deutschland. Diese Untersuchung soll maßgeblich entlang der vergangenen 20 Jahre geführt werden, um tatsächlich die aktuellen Entwicklungen möglichst akkurat abbilden zu können und um die Verwendung zu stark generalisierter Allgemeinplätze entsprechend zu verhindern.
Im Rahmen dieser Untersuchung soll herausgestellt werden, ob die Wandlungsbeobachtungen in Bestattungsriten mit den zentralen Kategorien der Moderne, Individualisierung, Differenzierung und Rationalisierung erfasst werden können.
Um diese Fragen beantworten zu können, wird zunächst schemenhaft auf die jeweiligen religiösen Bestattungsrituale eingegangen. Dazu wird zunächst geklärt, wie das Ritual als solches überhaupt definiert werden kann und welche Bedeutung der Religion dabei zukommt.
Im Anschluss daran werden die zentralen Bestandteile der Bestattungszeremonien im Katholizismus, Judentum und Islam dargestellt. An dieser Stelle soll die Darstellung möglichst entlang der traditionellen Riten erfolgen, um letztendlich die Wandlungsbewegungen innerhalb der jeweiligen Religionsgruppierung hervorheben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wandlungsanalyse von Bestattungsritualen der abrahamitischen Religionen in Deutschland
2.1 Was wird unter einem Ritual verstanden?
2.2 Bestattungsrituale der abrahamitischen Religionen
2.3 Bestattungselemente im sozialen Wandel
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wesentlichen Entwicklungen und den Wandel von Bestattungsritualen im Katholizismus, Judentum und Islam innerhalb Deutschlands im Laufe der vergangenen 20 Jahre, um zu analysieren, ob sich diese Prozesse mit den modernen Kategorien der Individualisierung, Differenzierung und Rationalisierung erfassen lassen.
- Analyse des Wandels in drei abrahamitischen Religionsgruppen
- Untersuchung des Einflusses von Säkularisierung und funktionaler Differenzierung
- Betrachtung von Individualisierungstendenzen in der Bestattungskultur
- Herausarbeitung von Auswirkungen der Migrationssituation und Diaspora
- Vergleich von traditioneller Ritenstabilität versus Anpassungsdruck
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Bestattungsriten im Islam
Bei Betrachtung der islamischen Bestattungskultur wird deutlich, dass sie sich durch einen hohen Grad an Formalisierung und entlang vieler Aspekte des Ritus durch eine starke Verbindlichkeit auszeichnet. Im Zuge des islamischen Bestattungsritus sind zahlreiche Praktiken zwingend zu befolgen. Die Vorgaben zum islamischen Bestattungsritus leiten sich allerdings nur zu kleinen Teilen aus dem Koran ab und werden zum Großteil aus der Sunna bezogen (Kuhnen 2012: 47).
Darüber hinaus ist es in diesem Zusammenhang schwierig von ‚dem Islam‘ als solchem zu sprechen, da sich die unterschiedlichen Rechtsschulen des Islam hinsichtlich der spezifischen Ausgestaltung der Bestattungsriten uneinig sind (Kokkelink 1996: 71). Dennoch sind einige Anteile des muslimischen Bestattungsritus zwingend zu befolgen. Eine islamische Bestattung besteht letztlich zunächst aus der Waschung des Leichnams, der Einhüllung in Leichentücher, dem Totengebet und der Bestattung als solcher (Kokkelink 1996: 71). Traditionell wird die Waschung von den Familienmitgliedern vorgenommen oder aber von einem Iman, welcher dabei von den Familienmitgliedern unterstützt wird (Kuhnen 2012: 47). Nach der rituellen Waschung erfolgt die Einhüllung in die Leichentücher. Dabei handelt es sich um weiße Baumwolltücher. Ein männlicher Verstorbener wird dabei in drei Tücher, eine weibliche Verstorbene in fünf Tücher gehüllt (Kuhnen 2012: 48).
Nach der Vorbereitung des/der Toten findet das Totengebet, in der Regel vor der Moschee, statt. Dazu wird eine Aufbahrung durchgeführt und das Totengebet wird als Gemeinschaftsgebet abgehalten (Karakasoglu 1996: 85). Dabei ist festzuhalten, dass es sich bei dem Totengebet um eine Art „Gemeinschaftspflicht“ handelt, wie Kuhnen ausführt (Kuhnen 2012: 50). Die Praxis des Totengebets als solche ist allerdings weniger formalisiert. Aus Anatolien ist eine traditionelle Praktik überliefert, welche während des Totengebets zur Anwendung kommt. Diese Praktik besteht im sogenannten ‚Helal-Gewähren‘ und im kollektiven Erlass sämtlicher wechselseitiger Ansprüche gegenüber dem Toten und seinen Angehörigen, wie z.B. materieller Schulden (Tan 1996: 108). Diese Praxis des Helal-Gewährens zeigt einmal mehr den bedeutenden Aspekt der Gemeinschaft auf, da ein solcher Erlass nur im Kollektiv erfolgen und eine gewisse Verbindlichkeit ausdrücken kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Interesse an der Langlebigkeit religiöser Rituale in der Moderne und legt den Fokus auf die Untersuchung von Bestattungsriten im Islam, Judentum und Katholizismus in Deutschland.
2. Wandlungsanalyse von Bestattungsritualen der abrahamitischen Religionen in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die rituellen Grundlagen und die Mechanismen des Wandels, wobei insbesondere auf die Auswirkungen von Individualisierung, Rationalisierung und Differenzierung eingegangen wird.
2.1 Was wird unter einem Ritual verstanden?: Hier wird der theoretische Rahmen durch eine funktionale Definition von Religion und ein Verständnis von Ritualen als Sinnstifter in der Moderne abgesteckt.
2.2 Bestattungsrituale der abrahamitischen Religionen: Dieser Abschnitt beschreibt die traditionellen Abläufe der Bestattungen in den drei untersuchten Religionen als Ausgangspunkt für die anschließende Wandlungsanalyse.
2.3 Bestattungselemente im sozialen Wandel: Dieses Kapitel verknüpft die empirischen Beobachtungen mit soziologischen Modellen des sozialen Wandels auf der Sach- und Sozialebene.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und stellt fest, dass moderne Wandlungsmuster unterschiedlich stark für die Erklärung des rituellen Wandels innerhalb der verschiedenen Religionen geeignet sind.
Schlüsselwörter
Bestattungsrituale, Abrahamitische Religionen, Sozialer Wandel, Islam, Judentum, Katholizismus, Individualisierung, Säkularisierung, Funktionale Differenzierung, Rationalisierung, Riten, Diaspora, Trauer, Religionssoziologie, Bestattungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem sozialen Wandel von Bestattungsriten innerhalb der drei großen abrahamitischen Religionsgruppen in Deutschland über die letzten zwei Jahrzehnte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Stabilität respektive Veränderung traditioneller Übergangsriten unter den Bedingungen der Moderne sowie die Rolle der Religion als Sinnstifter bei Tod und Trauer.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist herauszufinden, ob sich der Wandel der Bestattungspraktiken durch moderne soziologische Wandlungsmuster wie Individualisierung, Differenzierung und Rationalisierung hinreichend erklären lässt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf handlungstheoretische Modellierungen und nutzt soziologische Paradigmen zur Analyse des sozialen Wandels, um religiöse Riten in der säkularen Gesellschaft zu verstehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der traditionellen Riten von Islam, Judentum und Katholizismus sowie eine anschließende Analyse dieser Praktiken im Hinblick auf aktuelle Wandlungstendenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben der Bestattungskultur vor allem religiöse Vergesellschaftung, das Konzept der Entzauberung der Welt sowie die zunehmende Ökonomisierung des Bestattungswesens.
Welche Rolle spielt die Migration für den Wandel der islamischen Bestattungsriten?
Die Migrationssituation fungiert als äußerer Wandlungsimpetus, der Muslime in der Diaspora vor Herausforderungen stellt, wie die Einhaltung eines ewigen Ruherechts oder die Durchführung der rituellen Waschung in Deutschland.
Warum verliert die katholische Kirche ihr „Ritenmonopol“?
Der Wandel beim Katholizismus wird durch eine zunehmende Wettbewerbsorientierung geprägt, bei der professionelle Bestatter die Organisation übernehmen und der Priester zunehmend in den Hintergrund rückt.
- Citar trabajo
- Alexander Berghaus (Autor), 2021, Sozialer Wandel anhand von Bestattungsriten in den abrahamitischen Religionsgruppen in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1276100