Einfach eines Tages nicht mehr aufzuwachen, plötzlich tot umzufallen, ohne Schmerzen, ohne kräftezehrende Krankheit, ohne zu leiden. So stellen sich viele Leute ihren eigenen Tod vor. Hoffen und bangen, sie würden nicht zu denen gehören, die alleine und verlassen, von Alter und Krankheit gezeichnet, von übereifrigen Ärzten weit über das Sinnvolle am Leben erhalten, der Apparatemedizin zum Opfer gefallen, längst mit dem Leben abgeschlossen, einen künstlich verlängerten Sterbeprozess ausharrend, endlich durch den so lange ersehnten Tod erlöst werden. Aller Hoffnung zum trotz sterben heutzutage in der westlichen Welt die wenigsten Menschen in ihrem eigenen Bett, zu hause, in Geborgenheit. Eine veränderte Gesellschaft und Spitzenleistungen der Medizin haben dazu geführt, dass die Menschen immer älter werden. Doch meist wird nicht nur das Leben verlängert, sondern auch das Sterben. Es scheint nicht mehr erlaubt zu sein, von dieser Welt zu scheiden, ohne dass nicht das Letztmögliche, das Aussergewöhnlichste noch versucht worden wäre um der Allmacht des Todes zu entrinnen. Wen wundert es, dass der Ruf nach einem humanen Sterben auf offene Ohren stösst, ja bald von überallher widerhallt; dass in Zeiten immer grösserer Individualisierung das Selbstbestimmungsrecht auch über den eigenen Tod eingefordert wird; dass in einer Welt, in der nicht mehr gewartet sondern alles geplant wird und nach straffem Zeitplan abläuft, auch das Warten auf den Tod unerträglich wird; dass da wo es nicht mehr möglich ist das Leben zu ‚machen’, nun der Tod ‚gemacht’ werden soll. Der Schrei nach dem „schönen Tod“ scheint natürliche Konsequenz jenes Aktivismus zu sein, der die unbedingte Lebensverlängerung zu seiner eigenen Maxime erhoben hat.
In der vorliegenden Arbeit soll diesem Mythos nach dem „schönen Tod“ nachgegangen werden und dieser mit dem Tatsächlichen, Wünschenswerten und Machbaren verglichen werden. Dabei spielen unterschiedlichste Gesichtspunkte eine Rolle. Die Euthanasie beschäftigt keineswegs nur den Gesetzgeber und die Richter, Menschen, die sterben wollen aber nicht können, ihre Angehörigen, Bekannten, Pfleger und Ärzte sondern auch die Kirche, die Philosophen, ja die Gesellschaft als Ganzes und jeden Einzelnen zugleich. Manche weniger und manche mehr, doch für einen Grundkonsens über das Ende unseres irdischen Daseins braucht es alle. Denn irgendwann ist für jeden die Zeit gekommen mit seinem Leben abzuschliessen.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. RELEVANTE RECHTSQUELLEN UND STAND DER DISKUSSION
1. Exkurs: Begriffsklärung und Definition
a) Euthanasie
b) Beihilfe zum Suizid
c) Passive Sterbehilfe
d) Indirekte Aktive Sterbehilfe
e) Direkte Aktive Sterbehilfe
2. Juristische Einordnung
a) Verfassungsrechtlicher Grundrechtsschutz
i) Art.10 Abs. 1 BV: Recht auf Leben
ii) Art. 10 Abs. 2 BV: Recht auf persönliche Freiheit
aa. Umfang
bb. Eingriffe
cc. Passive und indirekte aktive Sterbehilfe
dd. Aktive Sterbehilfe
iii) Art. 13 Abs. 1 BV: Schutz des Privat- und Familienlebens
b) Europäischer Grundrechtsschutz
i) Art. 2 EMRK: Recht auf Leben
ii) Art. 8 EMRK: Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens
aa. Umfang
bb. Legitimität eines Eingriffs
cc. Interessenabwägung zwischen zwei Grundrechten
dd. Privatsphäre Dritter
ee. EGMR und Europarat
c) Strafgesetzbuch und standesrechtliche Regelungen
i) Geschichtlicher Abriss
ii) aktuelle Rechtslage
aa. Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord
bb. Passive Sterbehilfe
cc. Indirekte Aktive Sterbehilfe
dd. Direkte Aktive Sterbehilfe
d) Privatrecht
i) Mandat Arzt-Patient
ii) Private Spitäler
e) Verwaltungsrecht
i) Öffentliche Spitäler
f) Zwischenfazit
III. WEITERE RELEVANTE GESICHTSPUNKTE
1. Theologie
2. Philosophie
a) Ethik
i) Unterschiedliche Schulen
ii) Selbstbestimmung / Autonomie
iii) Kategorien
iv) Leiden / Lebensqualität
v) Handeln – Unterlassen
vi) Töten – Sterbenlassen
vii) Bringt aktive Sterbehilfe Verachtung für das Leben zum Ausdruck?
viii) Assistierter Suizid – aktive Sterbehilfe
b) Moral
3. „Gesellschaftspolitische“ Argumente und Gesichtspunkte
a) Rationalität des Sterbewunsches
b) Dammbruchargument
c) Finanzielle Aspekte
d) Gesellschaftlicher und familiärer Druck
e) Arzt-Patienten-Verhältnis
f) Steuerungsfähigkeit des Rechts
4. Zwischenfazit
IV. AUSGEWÄHLTE EINZELPROBLEME DER RECHTLICHEN REGELUNG
1. Menschenwürde
2. Urteilsfähigkeit
a) Mündig und urteilsfähig
b) Unmündig oder entmündigt aber urteilsfähig
c) Urteilsunfähig
d) Exkurs: Rechtsverbindlichkeit und Aussagekraft einer Patientenverfügung
e) Erörterung des mutmasslichen Willens
f) Ist Urteilsfähigkeit unbedingte Voraussetzung für Sterbehilfe?
3. Problematik der Sterbehilfeorganisationen
a) Die Schweizer Sterbehilfeorganisationen und ihre Dienstleistungen
b) Die Vorgehensweise bei einem assistierten Suizid
c) Suizid in Züricher Pflege- und Altersheimen
d) Die Problematik
e) Überlegungen zu einer Neuregelung
4. Verfahrensfragen
a) Staatliche Aufsicht
b) Wille des Patienten
c) Zweiter Arzt oder Experte
d) Alternativen
e) Leiden
f) Spezielles Verfahren für aktive Sterbehilfe
5. Todeskausalität
6. Bedeutung und Stand der Palliative Care
V. BERÜHMT-BEWEGENDE EINZELFÄLLE
1. Falldarstellungen
a) Ramón Sampedro
b) Vincent Humbert
c) Terri Schiavo
d) Doppelter Schlaganfall
e) Diane Pretty
2. Diskussion
VI. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht den aktuellen Stand der Euthanasiediskussion in der Schweiz, wobei insbesondere die rechtliche Situation, ethische Fragestellungen und gesellschaftspolitische Argumente im Fokus stehen. Ziel ist es, die interdisziplinäre Komplexität der Thematik aufzuzeigen, bestehende rechtliche Graubereiche zu analysieren und Wege für eine zukunftsweisende gesetzliche Regelung zu erörtern, ohne dabei eine einfache Patentlösung zu propagieren.
- Rechtliche Einordnung der Sterbehilfe durch Verfassungs- und Strafrecht
- Ethische Reflexion über Leben, Tod, Autonomie und Menschenwürde
- Diskussion gesellschaftspolitischer Argumente wie Dammbrucheffekte und Kostenaspekte
- Analyse der Rolle von Sterbehilfeorganisationen und Palliative Care
- Kritische Betrachtung prominenter Einzelfälle (z.B. Ramón Sampedro, Terri Schiavo)
Auszug aus dem Buch
a) Euthanasie
Euthanasie heisst auf Griechisch der „schöne Tod“. Darunter verstehen wir heute Sterbehilfe für unheilbar Kranke, Schwerstverletzte und unerträglich Leidende, um ihnen ein qualvolles Ende zu ersparen. Euthanasie hat nichts mit der Qualifizierung in lebenswertes und nicht lebenswertes Leben zu tun, wie dies unter dem Regime der Nationalsozialisten in Deutschland geschah. Euthanasie war bloss der Deckname für die schauerliche Mordaktion T4, deren Inhalte frei nach der nationalsozialistischen Rassenlehre definiert wurden. Wenn in dieser Arbeit von Euthanasie gesprochen wird, so ist dies gleichbedeutend mit Sterbehilfe, also dem fürsorglichen und helfenden Beiseitestehen, um unerträgliche Qualen zu lindern und zu vermeiden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und den medizinischen Fortschritt, die den Sterbeprozess zunehmend verlängern und eine Debatte über ein menschenwürdiges Sterben notwendig machen.
II. RELEVANTE RECHTSQUELLEN UND STAND DER DISKUSSION: Dieses Kapitel analysiert die verfassungs- und strafrechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe in der Schweiz und stellt die verschiedenen Formen wie aktive und passive Sterbehilfe dar.
III. WEITERE RELEVANTE GESICHTSPUNKTE: Hier werden theologische und philosophische Positionen sowie gesellschaftspolitische Argumente wie die Rationalität des Sterbewunsches und finanzielle Aspekte kritisch beleuchtet.
IV. AUSGEWÄHLTE EINZELPROBLEME DER RECHTLICHEN REGELUNG: Dieses Kapitel widmet sich spezifischen Herausforderungen wie der Menschenwürde, der Urteilsfähigkeit, der Praxis von Sterbehilfeorganisationen und verfahrensrechtlichen Fragen.
V. BERÜHMT-BEWEGENDE EINZELFÄLLE: Durch die Analyse bekannter Fälle wie Ramón Sampedro oder Terri Schiavo wird die praktische Relevanz der theoretischen Diskussion verdeutlicht.
VI. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion, die einen interdisziplinären Dialog und klarere rechtliche Regelungen für die Zukunft fordert.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Euthanasie, Selbstbestimmung, Autonomie, Patientenverfügung, Strafgesetzbuch, Palliative Care, Menschenwürde, Assistierter Suizid, Aktive Sterbehilfe, Passive Sterbehilfe, Urteilsfähigkeit, Sterbehilfeorganisationen, Ethik, Rechtsgrundlagen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den heutigen Stand der Diskussion um Sterbehilfe in der Schweiz aus einer interdisziplinären Perspektive, die rechtliche, ethische und gesellschaftliche Aspekte miteinander verknüpft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die juristische Einordnung verschiedener Sterbehilfeformen, ethische Grundsatzfragen zur Autonomie sowie die Rolle von Sterbehilfeorganisationen und Palliative Care in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die bestehenden Graubereiche und Widersprüche zwischen Rechtsnormen und den Bedürfnissen der Gesellschaft aufzuzeigen, um eine Basis für einen fundierten Wertediskurs und zukünftige Regelungen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Rechts- und Literaturanalyse, ergänzt durch die Auswertung medizinisch-ethischer Richtlinien und die Untersuchung zahlreicher Einzelfälle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die rechtliche Einordnung, die ethisch-theologische Reflexion, gesellschaftspolitische Argumente, spezifische Probleme der gesetzlichen Regelung (z.B. Urteilsfähigkeit) sowie eine Analyse prominenter Einzelfälle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sterbehilfe, Selbstbestimmung, Autonomie, Palliative Care und rechtliche Graubereiche charakterisiert.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Palliative Care?
Die Autorin betrachtet Palliative Care als eine essenzielle Ergänzung zur medizinischen Versorgung, die stärker gefördert werden muss, betont jedoch, dass sie keine direkte Alternative zur Sterbehilfe darstellt.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur gesetzlichen Regelung?
Die Autorin plädiert dafür, dass die aktuelle Rechtsunsicherheit durch klarere verfahrensrechtliche Regelungen beseitigt werden sollte, wobei der Schutz vor Missbrauch und die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts im Vordergrund stehen müssen.
- Citation du texte
- Noëmi Schenk (Auteur), 2005, Zum heutigen Stand der Euthanasiediskussion in der Schweiz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127619