Ist das Modell des kommunikativen Handelns nach Habermas ein brauchbares Modell für Soziologen?

Kritik am Kommunikativen Handeln nach Habermas


Hausarbeit, 2009
13 Seiten, Note: 1,7
Emil Schmidt (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Modell des kommunikativen Handels
2.1 Definition des kommunikativen Handelns
2.2 Sprachliche Vermittlung
2.3 Koordination der Handlungspläne
2.4 Erzielung eines Einverständnisses

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich auf das Modell des kommunikativen Handelns des Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas (*1929) eingehen und im weiteren Verlauf herausarbeiten, inwiefern das Modell ein brauchbares Modell für die Arbeit der Soziologen darstellt. Ziel ist es also das Modell hinsichtlich seiner Realitätsnähe, seinem Zweck und Nutzen zu untersuchen.

Zunächst möchte ich das Modell des kommunikativen Handelns, nach Habermas, kurz vorstellen, um im Folgenden eine Definition des Modells zu geben. So soll eine Grundlage geschaffen werden, um darauf im Weiteren aufzubauen.

Im weiteren Verlauf werde ich die relevanten Einzelaspekte des kommunikativen Handels hinsichtlich bestimmter Fragestellungen untersuchen. Die Fragestellungen ergeben sich aus den relevanten Einzelaspekten des Modells und dienen zur Untersuchung dieser Einzelaspekte hinsichtlich ihrer Teleologie.

Ziel ist es hier Schritt für Schritt herauszuarbeiten, ob das Modell für deskriptive und explanatorische Zwecke sinnvoll eingesetzt werden kann.

Ich stütze mich mit dieser Vorgehensweise hauptsächlich auf die Untersuchung „Handlung oder Kommunikation?“ von Evelyn Gröbl-Steinbach. Diese Untersuchung ist Grundlage und Leitfaden dieser Hausarbeit.

An manchen Stellen werde ich tiefergehende Literatur von Habermas und Joas verwenden, um bestimmte Aspekte genauer ausleuchten zu können.

2. Das Modell des kommunikativen Handels

Als Jürgen Habermas 1981 sein zweibändiges Werk über die „Theorie des kommunikativen Handelns“ vorlegte „wurde vornehmlich in ironischen Tönen der Vorwurf eines hoffnungslos idealistischen Unternehmens erhoben.“[1]

Diese erste Einschätzung hat sich nicht bestätigt. Nicht umsonst ist diese Theorie zu einer der wichtigsten und umfassendsten Gesellschaftstheorien geworden. Auch heute, 27 Jahre nach ihrem erscheinen, hat die Theorie kaum an Aktualität eingebüßt. Immer wieder wird die Theorie einer kritischen Untersuchung unterzogen. So auch in meiner Grundlagenliteratur „Handlung oder Kommunikation?“ von Evelyn Gröbl-Steinbach.

2.1 Definition des kommunikativen Handelns

Gröbl-Steinbach versteht kommunikatives Handeln als soziales Handeln konzipiert, dass die Interaktion von mindestens zwei Subjekten meint, die eine interpersonale Beziehung eingehen.

Hier grenzt Gröbl-Steinbach die Begriffe Handlung, soziale Handlung, Interaktion und Kommunikation voneinander ab.

Handlung wird hier als Zwecksetzung und Intentionalität verstanden. Soziale Handlung versteht Gröbl-Steinbach als absichtsvolle, teleologische, an ein tatsächliches oder virtuelles Ko-Subjekt gerichtete Handlung mit einem Anfangs- und Endpunkt.

Interaktion stellt die Vernetzung wechselseitig aufeinander bezogener und koordinierter sozialer Handlungen zweier Aktoren dar. Die Aktoren haben jeweils individuelle Handlungspläne. Interaktion ist ein, durch bestimmte Koordinationsformen vernetztes Handlungsmuster.

Kommunikation ist ein wechselseitig aufeinander bezogener Austausch von Sprechakten mit mindestens einem Sprecher und mindestens einem Hörer. Kommunikation kann, muss aber keine soziale Handlung sein.[2]

Diese Definitionen möchte ich auch hier weiterverwenden und verweise bei der Benutzung dieser Begriffe auf die eben gegebenen Definitionen.

Jürgen Habermas hat das Modell des kommunikativen Handelns auf der Grundlage schon bestehender soziologischer Handlungsmodelle eingeführt. Er geht von der soziologischen Grundfrage aus, wie soziales Zusammenleben unter Individuen möglich ist. Er erkennt, dass schon bestehende Handlungsmodelle zu eng angelegt sind. Die Modelle des strategischen Handelns, des normregulierten Handelns und des dramaturgischen Handelns greifen jeweils nur bestimmt Aspekte der sozialen Interaktion heraus. Habermas aber möchte ein Modell entwickeln das diese drei unterschiedlichen Handlungsmodelle vereint. Er möchte also den teleologischen Aspekt, den Aspekt der Normkonformität und den expressiven Aspekt in seine Theorie einfließen lassen. Mithilfe der Sprache ist es den Aktoren also möglich ihre individuellen Handlungspläne zu verfolgen, sich der Norm entsprechend der Handlungssituation zu verhalten und zugleich sich selbst zum Ausdruck zu bringen. Sie können sich also auf alle Teilaspekte der Interaktion beziehen: die objektive, die soziale und die subjektive Welt.[3] Grundvoraussetzung für eine gelungene Verständigung ist allerdings eine hinreichende Überlappung der lebensweltlichen Situationsdefinition. Denn wie Habermas sagt, „sind die Beteiligten nicht primär am eigenen Erfolg orientiert; sie verfolgen ihre individuellen Ziele unter der Bedingung, dass sie ihre Handlungspläne auf der Grundlage gemeinsamer Situationsdefinition aufeinander abstimmen können.“[4]

Über diese Annahmen gelangt man zu einer Definition der Theorie des kommunikativen Handelns.

„Kommunikatives Handeln besteht aus sprachlich (auch: symbolisch) vermittelten Interaktionen, bei denen die illokutionären Bindungskräfte der Sprechakte der Beteiligten die Handlungspläne der Aktoren koordinieren und die Aktoren das illokutionäre Ziel verfolgen, ein Einverständnis zu erzielen.“[5]

Daraus ergeben sich, für Gröbl-Steinbach, drei Kriterien des kommunikativen Handelns, die auch ich als Grundlage benutzen werde.

1) Das Kriterium der sprachlichen Vermittlung
2) Das Kriterium der Handlungskoordinierung
3) Das Kriterium des Einverständnisses

Diese drei Kriterien werde ich hinsichtlich ihrer Teleologie, mithilfe meiner Grundlagenliteratur, untersuchen.

2.2 Sprachliche Vermittlung

Im folgenden Teil soll untersucht werden, ob soziales Handeln tatsächlich als sprachlich vermittelndes Handeln anzusehen ist. Ich gehe davon aus, dass soziales Handeln sprachlich ermöglichtes Handeln ist. Erst die Verwendung von Sprache ermöglicht also soziales Handeln. Angelehnt ist das an Habermas’ Bewusstseinsphilosophie. Gröbl-Steinbach geht weiter davon aus, dass die Gesellschaft sich auch auf der Intersubjektivität aufbaut, in der sich die Subjekte gegenseitig als kommunizierende in der performativen Einstellung von Kommunikationsteilnehmern reziprok anerkennen. Gesellschaft ist also ein symbolisch strukturierter Zusammenhang von Interaktionen, Institutionen und gemeinsamen Traditionen und wird von den interagierenden Individuen ständig reproduziert und verändert.[6] Das beinhaltet auch, dass soziale Phänomene als soziale über ihre symbolische Struktur erkannt werden. Der Einzelne kann ihnen diese Struktur nicht verleihen, sondern nimmt sie als objektive wahr.

[...]


[1] Honnet, Axel / Joas, Hans (Hg.): Kommunikatives Handeln. Frankfurt am Main 1986. S. 7

[2] vgl. Gröbl-Steinbach, Evelyn: Handlung oder Kommunikation? in: Balog, Andreas / Gabriel, Manfred (Hg.), Soziologische Handlungstheorie. Opladen / Wiesbaden 1998. S. 263

[3] vgl. ebd. S. 266

[4] Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt am Main 1981. S. 385

[5] Gröbl-Steinbach, Evelyn: Handlung oder Kommunikation? in: Balog, Andreas / Gabriel, Manfred (Hg.), Soziologische Handlungstheorie. Opladen / Wiesbaden 1998. S. 267

[6] vgl. ebd. S. 268

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ist das Modell des kommunikativen Handelns nach Habermas ein brauchbares Modell für Soziologen?
Untertitel
Kritik am Kommunikativen Handeln nach Habermas
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Sozialtheorie II
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V127691
ISBN (eBook)
9783640353088
ISBN (Buch)
9783640353262
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modell, Handelns, Habermas, Soziologen, Kritik, Kommunikativen, Handeln
Arbeit zitieren
Emil Schmidt (Autor), 2009, Ist das Modell des kommunikativen Handelns nach Habermas ein brauchbares Modell für Soziologen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127691

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