Um grundsätzliche Veränderungen in der Weltökonomie zu erfassen, die sich in den letzten
Jahrzehnten ereignet haben, ist die Globalisierung als wesentlicher Erklärungsfaktor zu
nennen, die im überproportionalen Zuwachs von Warenströmen, Direktinvestitionen, Finanztransaktionen und Informationsaustausch dokumentiert ist (KULKE 2006: 195). Während nationale Ökonomien an Bedeutung verlieren, gewinnen regionale Standorte durch
komparative Vorteile an Bedeutung, indem sie verstärkt in internationale Netzwerke integriert werden und neue Formen der weltweiten Arbeitsteilung prägen.
Das Konzept der Global Commodity Chains (GCC) nach GEREFFI ET AL. knüpft an
die Organisation internationaler Produktion innerhalb und zwischen Unternehmen an, die
hierarchiegebunden ist.
Die Identifikation, Beschreibung und Erklärung von Wertschöpfungsketten ist nicht neu. So
untersuchte bereits PORTER auf der Unternehmensebene Wertketten, die folglich vor- und
nachgelagerte Rückkopplungen zwischen Unternehmen sowie Aspekte der Unternehmensmacht ausblendeten.
Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht in der Darstellung der Grundkonzeption (GCC) des
ersten von GEREFFI vorgestellten Konzepts welches an einem Fallbeispiel der USamerikanischen Textilindustrie eingehender behandelt wird. Anschließend wird ein inhaltlicher Vorläufer, das Filière-Konzept, erläutert, bevor der Ansatz der Global Production
Networks (GPN) nach HENDERSON ET AL. dargelegt wird, welcher eine Weiterentwicklung
des ersten Konzepts der GCC bedeutet.
Schließlich wird das überarbeitete Global Value Chain-Konzept (GVC), der zweite, überarbeitete Ansatz von GEREFFI ET AL. vorgestellt, bevor im Schlussteil die Bedeutung für die
Wirtschaftsgeographie beleuchtet wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Global Commodity Chains
2.1 Historisch-wissenschaftliche Einbettung und Vorläufer des Konzepts
2.1.1 Relationale Geographie und Neue Wirtschaftsgeographie
2.1.2 Globalisierung
2.2 Definition einer Global Commodity Chain
2.3 Das Konzept der Global Commodity Chains nach Gereffi et al. (Konzept I)
2.3.1 Producer-driven versus buyer-driven Commodity Chains
2.3.2 Die Rolle des Staates in Global Commodity Chains
2.3.3 Fallbeispiel: Strategic Reorientations of U.S. Apparel Firms (TAPLIN 1994)
2.5 Alternativkonzepte und Kritik am ersten Konzept der GCC
2.5.1 Das Filière-Konzept als Vorläufer des Global Commodity Chains-Konzepts
2.5.2 Das Konzept der Global Production Networks nach Henderson et al.
2.6 Das Konzept der Global Value Chains nach Gereffi et al. (Konzept II)
3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Global Commodity Chains" (GCC) nach Gereffi et al. hinsichtlich seiner theoretischen Grundkonzeption sowie seiner wissenschaftlichen Bedeutung und Anwendbarkeit für die moderne Wirtschaftsgeographie.
- Historische Einbettung und theoretische Vorläufer des GCC-Konzepts
- Differenzierung zwischen producer-driven und buyer-driven Commodity Chains
- Einfluss staatlicher Rahmenbedingungen und industrielle Entwicklungspfade
- Fallstudie: Strategische Neuausrichtung US-amerikanischer Bekleidungsunternehmen
- Kritik und Weiterentwicklung des Konzepts (GPN-Ansatz und Global Value Chains)
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Producer-driven versus buyer-driven Commodity Chains
Der Grund für ein Forschungsinteresse in GCC kann mit ihrer Verwurzelung in die Produktionssysteme begründet werden die zur Folge haben, dass sich bestimmte Muster in der Koordinierung des Handels ergeben (GEREFFI ET AL. 1994: 96 ff.). Die GCC bestehen aus Serien von organisationsübergreifenden Netzwerken, die sich um eine Ware oder ein Produkt herum gruppieren. Sie vernetzen Haushalte, Unternehmen und Staaten innerhalb der Weltwirtschaft. Diese Netzwerke sind situationsspezifische, soziale und im jeweiligen lokalen Kontext verankerte Konstrukte (GEREFFI ET AL. 1994: 2).
Zunächst identifiziert GEREFFI drei Dimensionen von GCCs (GEREFFI 1994: 96-97):
• eine Input-Output-Struktur, die sowohl aus tangiblen (Erzeugnisse und Waren) und intangiblen (Wissen, Serviceleistungen) Strömen besteht und die im Prozess der Wertschöpfung miteinander verbunden sind;
• ein Raummuster, welches als räumliche Streuung oder Konzentration von Produktions- und Verteilungsnetzen verstanden wird, die wiederum aus verschiedenen Unternehmen bestehen sowie
• eine Governance-Struktur, die als verstandene Herrschafts- und Machtbeziehungen die Verteilung von Finanz-, Material- und Personalflüssen innerhalb einer Kette bestimmt.
Im Rahmen der Governance, also der Machtstruktur, unterscheidet GEREFFI zwei Formen der Commodity Chains (CC), die vereinfacht als „producer-driven CC“ und die „buyer-driven CC“ bezeichnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und erläutert die Relevanz des Konzepts für die wirtschaftsgeographische Forschung.
2 Global Commodity Chains: Dieses Hauptkapitel bietet eine fundierte theoretische Aufarbeitung des GCC-Konzepts, seiner Definition, der Governance-Strukturen sowie der Rolle staatlicher Akteure anhand praktischer Fallbeispiele.
3 Ausblick: Das abschließende Kapitel reflektiert die Leistungsfähigkeit des Konzepts für die Beschreibung räumlicher Organisationsformen bei globalen wirtschaftlichen Aktivitäten.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsgeographie, Global Commodity Chains, Wertschöpfungsketten, Governance, Globalisierung, producer-driven, buyer-driven, Global Production Networks, industrielle Entwicklung, Export-orientierte Industrialisierung, Import-Substitution, globale Produktionsnetzwerke, Unternehmensorganisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das von Gary Gereffi entwickelte Konzept der "Global Commodity Chains" und dessen Relevanz für das Verständnis globaler ökonomischer Netzwerke in der Wirtschaftsgeographie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Einteilung in producer-driven und buyer-driven Chains, die Rolle staatlicher Politik in Entwicklungsprozessen sowie die theoretische Kritik durch ergänzende Ansätze wie Global Production Networks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Grundkonzeption des GCC-Ansatzes zu erläutern und aufzuzeigen, inwieweit das Modell als Werkzeug für die wirtschaftsgeographische Analyse globaler Produktionsstrukturen dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Aufarbeitung wissenschaftlicher Konzepte sowie exemplarischen Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Unterscheidung verschiedener Kettentypen, die Bedeutung staatlicher Strategien sowie die kritische Auseinandersetzung mit weiterführenden Konzepten wie dem GPN-Ansatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wirtschaftsgeographie, Wertschöpfungsketten, Global Commodity Chains, Governance und Globalisierung sind die primären Begriffe.
Warum unterscheidet Gereffi zwischen producer-driven und buyer-driven Modellen?
Die Unterscheidung dient dazu, unterschiedliche Machtverhältnisse und Koordinationsmuster in globalen Industrien abzubilden, je nachdem ob die Kontrolle durch den Produzenten oder durch die abnehmende Handelsseite dominiert wird.
Welche Rolle spielen US-Bekleidungsunternehmen in der Analyse?
Sie dienen als konkretes Fallbeispiel, um die strategische Reorientierung von Firmen angesichts hoher Produktionskosten und des Drucks zur globalen Fragmentierung der Wertschöpfungskette zu illustrieren.
- Quote paper
- Michael Meurer (Author), 2008, Das Konzept der Global Commodity Chains (nach Gereffi et al.): Grundkonzeption und Bedeutung für die Wirtschaftsgeographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127717