Preisbildung und Spekulation an Rohstoffmärkten: Nahrungsmittel


Seminararbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Spekulation
2.1 Spekulation an Agrarmärkten
2.2 Rohstoff-Futures
2.3 Spekulation als Grund für Preissteigerungen

3. Gründe für den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln
3.1 Steigende Nachfrage und veränderte Ernährungsgewohnheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern
3.2 Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen zur Produktion von Agrartreibstoffen
3.2.1 Subventionen zur Agrartreibstoffproduktion
3.2.2 Getreidepreissteigerungen mit und ohne Agrartreibstoffproduktion
3.3 Exportbeschränkungen für Lebensmittel durch Regierungen
3.4 Stagnation der Landwirtschaft

4. Mögliche politische Maßnahmen
4.1 Beseitigung von landwirtschaftlichen Exportzöllen
4.2 Änderung der Agrartreibstoffpolitik
4.3 Beruhigung der Märkte durch eine marktorientierte Regulierung der Spekulation und verlässliche Nahrungsmittelhilfe
4.4 Aufstockung des Investitionsvolumens für anhaltendes landwirtschaftliches Wachstum

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Überdurchschnittlich hohe Preissteigerungen für Nahrungsmittel in den Jahren 2006/07 und in der ersten Hälfte des Jahres 2008 verursachten eine Nahrungsmittelkrise, die schwerwiegende politische und soziale Auswirkungen für Schwellen- und Entwicklungsländer sowie auch für die Industrienationen hervorgebracht hat. Der FAO Nahrungsmittel Preisindex stieg von Anfang 2005 bis Juni 2008 um fast neunzig Prozent. Die größten Preissteigerungen gab es bei Pflanzenölen mit bis zu 170 Prozent, gefolgt von Getreide mit bis zu 160 Prozent.1 Nach Angaben des IMF gibt es Grund zur Annahme, dass diese Preissteigerungen ein Signal zum Ende eines Jahrzehnts stabiler Preisentwicklung sein könnten, trotz sinkender Preise seit Juli 2008. Besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern steigt die Kerninflationsrate weiter an, die bereits über dem bisherigen Rekordniveau der letzten fünfzehn Jahre liegt.2 Der Inflationsanstieg in Industrienationen ist zwar spürbar, jedoch deutlich geringer als in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Der Grund dafür ist, dass außerhalb Westeuropas oder Nordamerikas ein größerer Prozentsatz des Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben wird. Hier werden nach Angaben der IMF nur etwa zehn Prozent des jährlichen Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben. In Schwellen-und Entwicklungsländern hingegen wird mehr als ein Drittel der Konsumausgaben eines Haushalts in Nahrungsmittel investiert, sich erstreckend über einen Anteil von zehn Prozent bis zu 80 Prozent in manchen Entwicklungsländern (siehe Abb. 1.1).3 Hinzu kommt, dass Konsumenten aus Industrienationen weitaus mehr vorbearbeitete Lebensmittel konsumieren als Verbraucher aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Das United States Department of Agriculture ermittelte, dass von einem US-Dollar der in Industrieländern für Lebensmittel entrichtet wird, nur etwa 20 Cent auf das eigentliche Landwirtschaftserzeugnis entfallen, 40 Cent für Löhne, 12 Cent für die Konfektionierung und der Rest auf Strom, Transport, Steuern und Gewinnausschüttungen verwendet werden.4 In Entwicklungsländern ist der Anteil, der auf das eigentliche Rohstofferzeugnis anfällt höher, da Verbraucher in diesen Ländern größtenteils auf unbearbeitete Nahrungsmittel wie Weizen und Reis angewiesen sind. Somit hat auch ein Anstieg der Preise für gewisse Lebensmittel in Schwellen- und Entwicklungsländern einen höheren Einfluss auf Endverbraucherpreise, als dies in Industrieländern der Fall ist.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Gründe für die Preissteigerungen - die zu den oben erwähnten Problemen führen – herauszuarbeiten, wobei besonders das Problem der Spekulation an Rohstoffmärkten in einem eigenen Abschnitt zu thematisieren ist. Anschließend gilt es Lösungen zu finden, die dem Agrar- und Nahrungsmittelsystem zu Stabilität verhelfen, da im Gegensatz zu Preissteigerungen bei anderen Rohstoffen Menschenleben direkt von den Preisen abhängig sind. Im abschließenden Teil wird die zukünftige Preisentwicklung auf Basis der aktuellen Sachlage analysiert.

2. Spekulation

„Die internationalen Kapitalmärkte sind auf der Suche nach lukrativen und relativ zukunftssicheren Anlagemöglichkeiten wieder auf die Agrarmärkte aufmerksam geworden. Dies sorgt für mehr Volatilität, insbesondere, wenn Akteure einsteigen, die stark spekulativ agieren.“5, so nannte das BMZ im April 2008 Spekulation als einen der Gründe für die hohen Lebensmittelpreise.

Spekulation ist definiert als das Kaufen (oder Verkaufen) von Gütern, mit dem Ziel, sie später wieder zu verkaufen (oder zurückzukaufen) auf Grund der Erwartung von zukünftigen Preisänderungen und nicht um sich des eigentlichen Nutzens der Güter zu bedienen oder um sie auf anderen Märkten zu tauschen.6

Ob und inwiefern Spekulation Einfluss auf die Preisbildung hat und in welchem Umfang sie an den Preissteigerungen am Nahrungsmittelmarkt beteiligt ist, wird im Folgenden analysiert und dargestellt.

2.1 Spekulation an Agrarmärkten

Im Zusammenhang mit Agrarmärkten tritt Spekulation schon seit dem 19. Jahrhundert auf, um Rohstoffhändler und Rohstoffverarbeiter gegen kurzfristige Preisvolatilität abzusichern. Käufer werden vor plötzlichen Preissteigerungen und Verkäufer gegen möglicherweise auftretende Preisstürze geschützt. Für Rohstoffkäufer und -verkäufer ist die gewerbliche Spekulation also eine Möglichkeit der Absicherung. Im Gegensatz dazu wird „non- commercial Speculation“ nicht eingesetzt, um sich vor Preisvolatilität zu schützen, sondern um Profit zu erwirtschaften, indem eine mögliche Preisentwicklung antizipiert wird. Sie tritt entweder als das Kaufen und Horden von Rohstoffen in der Erwartung auf steigende Preise, oder der Kauf von Futures und Optionsscheinen als Investmentstrategie (ohne Versicherungsgedanken) auf. Eine aggressive Strategie der Spekulation ist es große Mengen an Rohstoffen in Zeiten der Knappheit zurückzuhalten um einen Preisanstieg zu bewirken. In vielen Fällen, lässt sich erst durch empirische Forschung ermitteln, ob es sich bei Finanzanlagen um Spekulation oder für den Agrarmarkt produktive Investitionen, die den Markt liquider und effizienter macht, handelte.7 Laut FAO war die Preisvolatilität von Mais im April des Jahres 2008 um 30 Prozent höher, als sie es durch fundamentale Marktbewegungen hätte sein können, bei Sojabohnen beträgt dieser Wert sogar 40 Prozent.8 Dies lässt darauf schließen, dass nicht kommerzielle Spekulation einen erheblichen Anteil an der Preisbildung am Agrarmarkt hat. Entsprechend haben auch die Investitionen in Rohstoff-Index Fonds zwischen Ende 2003 und März 2008 von 13 Mrd. US-Dollar auf 260 Mrd. US-Dollar zugenommen.9 Nach Angaben des Sachverständigenrats beträgt der Anteil der „Non-commercial Trader“ ungefähr 50 Prozent.

2.2 Rohstoff-Futures

Bei einem Rohstoff-Futures-Kontrakt gibt es immer eine Zusammenkunft eines Käufers mit einem Verkäufer. Der Verkäufer ist verpflichtet zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Menge zu einem bestimmten Preis eines Gutes zu liefern und damit die Short-Position einzunehmen. Diese Position wird meist von Produzenten eingenommen, die sich gegen künftigen Preisrückgang absichern wollen. Gleichzeitig muss ein Käufer existieren, der den Rohstoff zu dem vereinbarten Preis abnimmt und damit die Long-Position übernimmt. Anliegen des Käufers ist die Absicherung gegen Preisanstiege. Neben den kommerziellen Händlern gibt es am Markt wie bereits erwähnt auch „nicht-kommerzielle Händler“, deren Priorität eine hohe Rendite darstellt und deren Interesse nicht den physischen Gütern gilt. Nicht-kommerzielle Händler sind zum einen kurzfristig agierende Arbitrageure, die zur Preisfindung und zum effizienten funktionieren der Märkte beitragen, zum anderen eher langfristig orientierte Vermögensverwalter „die vorwiegend Long-Positionen einnehmen, um an der (positiven) Marktentwicklung zu partizipieren, ohne tatsächlich physische Güter kaufen zu müssen“10. Doch nicht nur eine hohe zu erwartende Rendite macht Rohstoff-Futures interessant. Rohstoffanlagen weisen geringere Preisschwankungen als Aktien auf und sind zudem auch noch negativ mit den Schwankungen der Aktienrenditen korreliert. Tendenziell steigen Rohstoffpreise also, wenn Aktien fallen und umgekehrt. Als Plattform für solche Terminkontrakte stehen Rohstoffbörsen wie die CBOT oder NYMEX zur Verfügung, an denen ein standardisierter Handel der Futures stattfindet. Weizen wird an der CBOT z.B. in Einheiten zu 5000 Bushel (rund 150 Tonnen) gehandelt, die möglichen Liefertermine sind jeweils im Juli, September, Dezember, März und Mai. Um an einer Terminbörse einen Kontrakt einzugehen, muss ein Anteil des Kontraktwertes bei der Börse bzw. bei der Bank hinterlegt werden und somit ein „Margin Account“ eröffnet werden. Nach Börsenschluss werden anschließend die Gewinne und Verluste der Halter von offenen Kontrakten zum „Settlement Price“ verrechnet und der Wert des „Margin Accounts“ aktualisiert.11

2.3 Spekulation als Grund für Preissteigerungen

Eine erhöhte Existenz von Spekulation an den Rohstoffmärkten ist nachweisbar, doch ob diese Spekulation auch tatsächlich als Grund für Preisvolatilität oder Preisanstiege in dem Maße, wie sie in den vergangenen zwei Jahren zu betrachten waren, herangezogen werden kann, ist auch unter Experten umstritten. Nach Angaben des IFPRI ist Spekulation nur ein Symptom und keine wirkliche Ursache für Preissteigerungen.12 Der Sachverständigenrat begründet, „dass es ebenso in anderen Rohstoff-Märkten starke Preisanstiege gab, selbst wenn in diesen kein Futures-Handel existiert“13. Weiterhin wird erwähnt, dass im Futures- Markt für Nickel das Volumen stark gestiegen sei, der Preis für Nickel sich aber im Zeitraum von September 2007 bis Juni 2008 in etwa halbiert hätte.

3. Gründe für den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln

Neben der Spekulation gibt es weitere Faktoren, die zur Preisvolatilität an den Nahrungsmittelmärkten führen. Zum einen exogene Schocks auf der Nachfrageseite, welche durch demografischen Wandel oder veränderte Nahrungspräferenzen in Schwellen- und Entwicklungsländern zu erklären sind, die nicht plötzlich aufgetreten sind, sondern schon seit vielen Jahren Einfluss auf die Preisbildung nehmen.

[...]


1 Food and Agriculture Organisation oft the United Nations. http://www.fao.org/worldfoodsituation/FoodPricesIndex/en/

2 Vgl. IMF, World Economic Outlook 2008, S. 83. http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2008/02/pdf/c3.pdf

3 Vgl. IMF, World Economic Outlook 2008, S. 105. http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2008/02/pdf/c3.pdf

4 Hofstrand, Domestics Perspectives on Food versus Fuel, AgMRC, 2008. http://www.agmrc.org/renewable_energy/biofuelsbiorefining_general/domestics_perspectives_on _food_versus_fuel.cfm

5 Vgl. BMZ, Steigende Nahrungsmittelpreise und ihre entwicklungspolitischen Auswirkungen, April 2008, S. 3. http://www.bmz.de/de/zentrales_downloadarchiv/Presse/fact_sheet_nahrungsmittelpreise_0804 21.pdf

6 Vgl. Feiger, What is Speculation, in: The Quarterly Journal of Economics, Vol. 90, No. 4, November 1976, S. 677.

7 Vgl. IFPRI, Speculation and World Food Markets, in: IFPRI Forum, Juli 2008, S. 9-12. http://www.ifpri.org/PUBS/newsletters/IFPRIForum/if22.pdf

8 Vgl. FAO, Volatility in Agricultural Commodities – an Update, in : FAO Food Outlook, Juni 2008. http://www.fao.org/docrep/010/ai466e/ai466e13.htm#21

9 Vgl. Sachverständigenrat, Jahresgutachten 2008/09, November 2008, S. 47.

10 Vgl. Sachverständigenrat, Jahresgutachten 2008/09, November 2008, S. 48.

11 Vgl. Meier, Futures: Rohstoffe in der Zukunft handeln, Schweizer Bank, Juni 2005. http://www.schweizerbank.ch/de/artikelanzeige/artikelanzeige.asp?pkBerichtNr=100669

12 Vgl. IFPRI, High Food Prices: The What, Who, and How of Proposed Policy Actions, Mai 2008, S. 5. http://www.ifpri.org/PUBS/ib/FoodPricesPolicyAction.pdf

13 Vgl. Sachverständigenrat, Jahresgutachten 2008/09, November 2008, S. 50.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Preisbildung und Spekulation an Rohstoffmärkten: Nahrungsmittel
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Volkswirtschaftliches Institut)
Veranstaltung
Allgemeine Fragen der Wirtschaftspolitik
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V127725
ISBN (eBook)
9783640340699
ISBN (Buch)
9783640337644
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Preisbildung, Spekulation, Rohstoffmärkten, Nahrungsmittel
Arbeit zitieren
Tobias Kleinmann (Autor), 2009, Preisbildung und Spekulation an Rohstoffmärkten: Nahrungsmittel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127725

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