Frauen auf Kreuzzügen

Rolle, Funktionen, Gefahren


Hausarbeit, 2007
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema/Vorstellung der Forschungsliteratur
1.2 Frauen in den Quellen

2. Funktionen
2.1 Frauen im Kampfgeschehen
2.2 Unterstützung der Kämpfenden
2.3 Dienst im Gefolge adliger Frauen
2.4 Sexuelle Dienste
2.5 Wäscherinnen
2.6 Hochadlige/Königinnen

3. Frauen in Gefangenschaft

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema/Vorstellung der Forschungsliteratur

Wenn man an die Kreuzzüge denkt, so stellt man sich große Heere von Rittern vor, die sich durch Wüsten kämpfen und sich mutig dem Feind entgegenstellen, während ihre Frauen zu Hause um ihr Überleben bangen. Nur selten werden Frauen als Teilnehmerinnen in den Chroniken erwähnt.

Tatsächlich zogen jedoch auch einige Frauen mit. So erwähnt Fulcher zum Beispiel, dass bei einem Schiffbruch 400 Menschen beiderlei Geschlechts ertranken.[1] Nun stellt sich die Frage – wenn tatsächlich Frauen teilnahmen, was taten sie dann auf einer Reise, die eigentlich eine Unternehmung der Männer war? Gab es Aufgaben, die sie erledigen konnten, ohne sich in Gefahr zu bringen? Oder brachten sie sich vielleicht absichtlich in Gefahr, um zu helfen? Wurden sie vielleicht sogar dringend gebraucht und nahmen deswegen teil? Und was geschah, wenn sie wirklich in Gefahr schwebten, indem sie vom Feind gefangen genommen wurden?

Die Quellenlage ist sehr dürftig und es ist schwierig, auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Es haben sich jedoch mittlerweile einige Historiker mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich werde mich größtenteils auf zwei Monographien und eine Essaysammlung beziehen. Sie gehen das Thema alle sehr unterschiedlich an. Während Sabine Geldsetzer (Frauen auf Kreuzzügen, wie Anm. 16) versucht, möglichst alle Schichten von Frauen zu berücksichtigen und sehr kritisch an die Quellen herangeht, hat sich Régine Pernoud (Frauen zur Zeit der Kreuzzüge, wie Anm. 1) darauf spezialisiert, die Lebensgeschichten der Hochadligen und der Königinnen sehr plastisch darzustellen. Die Schönheit der Regentinnen, die romantische Liebe und ihre Begleiterscheinungen wie z.B. Eifersucht sind häufig auftretende Motive. Dabei wahrt die Autorin selten die nötige Distanz zu den Quellen. Gendering the crusades (herausgegeben von Susan B. Edington und Sarah Lambert) zeichnet sich dadurch aus, dass die Autoren häufig längere Quellenzitate verwenden und versuchen, diese so gewissenhaft wie möglich zu interpretieren. Die Themen sind sehr breit gestreut und beziehen sich nicht auf eine bestimmte Schicht.

Ich werde in dieser Arbeit zunächst erläutern, was Chronisten dazu bewogen hat, Frauen zu erwähnen. Im zweiten Teil werde ich dann die einzelnen Funktionen darstellen, die Frauen inne hatten. Was geschah, wenn sie durch eine Gefangennahme aus diesen Funktionen herausgerissen wurden, beschreibe ich im dritten Teil.

1.2 Frauen in den Quellen

Sarah Lambert hat das Erscheinen von Frauen in den Quellen im Hinblick auf dessen Funktion untersucht. Dass wir Stellen, die von Frauen berichten, immer im Hinblick auf die Intention des Chronisten und symbolische Bedeutungen hin betrachten, ist von größter Wichtigkeit, wenn wir ihren Wahrheitsgehalt überprüfen wollen.

Das weibliche Geschlecht musste zwangsläufig in den Quellen erscheinen, denn wenn dies nicht der Fall wäre, dann würden die „symbolischen und sozialen Bedeutungen der Männlichkeit“ neutralisiert werden.[2] Damit dies nicht der Fall ist, wurden Texte wie dieser verfasst, der aus dem Itinerarium Peregrinorum stammt:

„A great many men sent each other wool and distaff, hinting that if anyone failed to join this military undertaking, they were fit only for women’s work. Brides urged their husbands and mothers incited their sons to go; their only sorrow being that they were not able to set out with them, because of the fragility of their sex.”[3]

Die Männer schickten sich also gegenseitig Spinnrocken, um ihr Benehmen als weiblich und den Kreuzzug hingegen als typisch männlich darzustellen. Die Frauen hatten sich ihrer Unterlegenheit bewusst zu sein und ihre einzige Möglichkeit, etwas beizutragen, ohne die Grenzen ihres Geschlechts zu überschreiten, war das Ermutigen ihrer Männer.[4] Auffällig ist: Selbst die Frauen, die an den Kreuzzügen teilnahmen, blieben meist innerhalb ihrer Grenzen und kümmerten sich um typisch weibliche Aufgaben. Auch das Ermutigen der Männer während eines Kampfes gehörte dazu.

Dass der Autor des Itinerarium Peregrinorum wirklich speziell Frauen und nicht nur Personen aller Art ohne militärische Fertigkeiten ausschließen wollte, zeigt die folgende Passage: „A great number [of men] went from cloister to camp, threw off their cowls, donned mail shirts and became knights of Christ in a new service, replacing alms with arms.“[5] Die Teilname an den Kreuzzügen war aufseiten der Kirche wegen dem monastischen Prinzip der Sesshaftigkeit (stabilitas loci) zwar nicht erwünscht, aber in diesem Falle wollte der Autor damit nochmals unterstreichen, dass ein Kreuzzug eine männliche Angelegenheit war.[6] Man muss also immer darauf achten, was der Chronist gerne hätte oder wie er dachte, dass es sein solle, bevor wir seine Aussage als bare Münze nehmen.

In vielen Fällen erscheinen Frauen nur im Text, um männliche Vorzüge zu unterstreichen – diese möchte der Autor nämlich meist besonders in seiner Geschichte hervorheben; um sie dreht sich alles. Nur deswegen widerspricht sich auch der Autor des Itinerarium, indem er später doch von Frauen berichtet, die ihre Spinnrocken niederlegten.[7]

Eine weitere Funktion war, durch Frauen Gottes Größe zu demonstrieren. So berichtet Peter von Dusberg in seiner Chronik etwa 1326:

„The women, laying aside feminine adornment, put on a male frame of mind, girded swords upon the thigh, and ascended the battlements, comporting themselves so manfully (viriliter) for their defence, that nowwhere was the weakness of their sex apparent.“[8]

Peter von Dusberg stellt die Schwäche der Frauen gar nicht in Frage – sie war nur für den Moment, in dem Gott ihnen übernatürliche Stärke schenkte, nicht sichtbar. Hier werden die Frauen auch wieder benutzt, um etwas anderes – in diesem Fall Gott – als stark erscheinen zu lassen.

Frauen können auch erwähnt werden, um die richtige oder falsche Ordnung der Gesellschaft aufzuzeigen, etwa indem rechtschaffene Frauen mit morallosen Frauen verglichen werden. Da sie das schwächere Geschlecht sind, kann man auch das Leiden oder die Opferrolle an ihnen demonstrieren. Auch die Sündenbockfunktion im Falle von Misserfolgen schrieb man ihnen oft zu. Im anderen Fall konnte man auch einen großen Sieg besonders plastisch darstellen, wenn man beschrieb, wie Frauen und Kinder des Feindes gefangen genommen wurden – der Feind hatte es nicht einmal geschafft, die Familien zu schützen. Am Beispiel von Frauen, die sich entgegen ihrer Geschlechterrolle verhielten und so ihre Würde verloren, wurde zudem die Gefahr einer bewaffneten Pilgerfahrt nach Osten betont.[9]

Angesichts dieser zahlreichen Möglichkeiten, Frauen nicht ihrer selbst willen zu erwähnen, sondern als Mittel, um die Männer oder sogar Gott in ein besseres Licht zu stellen, ist es wichtig, die entsprechenden Quellen immer in mehrere Richtungen zu interpretieren.

2. Funktionen

Wenn Frauen in den Quellen erwähnt werden, drehen sich diese Beschreibungen meist um charakteristisch weibliche Eigenschaften wie z.B. Verletzlichkeit oder Schwäche. Frauen trugen jedoch in vielerlei Hinsicht zum Gelingen eines Kreuzzuges bei. Dabei gab es viele Möglichkeiten, die ein breites Spektrum abdeckten, angefangen vom Gebrauch von Waffen mitten im Kampfgetümmel bis hin zur Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse der Kreuzfahrer.

2.1 Frauen im Kampfgeschehen

Verschiedene Faktoren haben dazu beigetragen, die militärischen Rollen der Frauen in den Hintergrund zu drängen: Erstens war da ihr natürlicher Wunsch, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, da ihr Verhalten nicht dem entsprach, was von ihnen verlangt wurde. Zweitens erwähnten sie die Chronisten nicht, da sie von der Kirche aus als den Männern unterlegen angesehen wurden – selbst heute noch bleiben ihnen bestimme Bereiche vorenthalten. Und drittens hatten Frauen die Möglichkeit, ihr wahres Geschlecht unter Helmen und entsprechender Kleidung zu verbergen.[10] Sabine Geldsetzer weist darauf hin, dass dies auch eine Möglichkeit war, dem Gegner eine nicht erschöpfte Kampfkraft zu suggerieren.[11]

Frauen hatten aber tatsächlich Zugang zu Kampfhandlungen, jedoch kämpften sie in den seltensten Fällen Seite an Seite mit Männern.

Jedoch konnten sie zum Erfolg einer Belagerung beitragen, denn dieser Erfolg war größtenteils abhängig von der Anzahl der Belagerer, ihrer Geduld und ihrer Vertrautheit mit der Umgebung. Die Anwesenheit von Frauen unter den Belagerern war eine Möglichkeit, ihre bloße physische Präsenz zu erhöhen.[12]

Frauen halfen auch beim Füllen der Burggräben mit, was uns deshalb bekannt ist, da eine Frau bei dieser Tätigkeit getötet wurde. Die meisten von ihnen starben jedoch nicht und wurden so auch nicht als Heldinnen in einer christlichen Chronik erwähnt.[13]

[...]


[1] Vgl. Régine Pernoud: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge, Freiburg u.a. 1995, S. 42.

[2] Vgl. Sarah Lambert: Crusading or Spinning, in: Gendering the crusades, hrsg. von Susan B. Edington und Sarah Lambert, New York 2002, S. 1-15, hier: S. 2.

[3] Zitiert nach: Lambert: Crusading or Spinning (wie Anm. 2), hier: S. 3.

[4] Ebd.

[5] Zitiert nach: Lambert: Crusading or Spinning (wie Anm. 2), hier: S. 4.

[6] Vgl. Lambert: Crusading or Spinning (wie Anm. 2), hier: S. 4.

[7] Vgl. Lambert: Crusading or Spinning (wie Anm. 2), hier: S. 7.

[8] Zitiert nach: Lambert: Crusading or Spinning (wie Anm. 2), hier: S. 6.

[9] Vgl. Lambert: Crusading or Spinning (wie Anm. 2), hier: S. 9-11.

[10] Vgl. Keren Caspi-Reisfeld: Women warriors during the crusades. 1095-1254, in: Gendering the crusades, hrsg. von Susan B. Edington und Sarah Lambert, New York 2002, S. 94-107, hier: S. 103f.

[11] Vgl. Caspi-Reisfeld: Women warriors during the crusades (wie Anm. 10), hier: S. 126.

[12] Vgl. Caspi-Reisfeld: Women warriors during the crusades (wie Anm. 10), hier: S. 95.

[13] Vgl. Caspi-Reisfeld: Women warriors during the crusades (wie Anm. 10), hier: S. 98.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Frauen auf Kreuzzügen
Untertitel
Rolle, Funktionen, Gefahren
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Die Kreuzzüge
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V127742
ISBN (eBook)
9783640340774
ISBN (Buch)
9783640337705
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Rolle, Funktionen, Gefahren, Kreuzzüge
Arbeit zitieren
Sonja Kaupp (Autor), 2007, Frauen auf Kreuzzügen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127742

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