"Generally speaking, the Germans regard themselves as modest, rather ordinary sort of people. Give them a beer, a Wurst, a bit of Gemütlichkeit (cosiness) and another German with whom to argue politics or bemoan the stress of life, and they will be content. They are not greedy, do not expect something for nothing and pay their bills on time. Simple, honest Volk." (Xenophobe´s guide to the Germans, 4) Dies ist nur eine von vielen Aussagen über Deutsche, die das Bild, das andere Länder von uns haben, widerspiegelt. Doch nicht nur stereotypenspezifische Literatur enthält solche verallgemeinernde Darstellungen über bestimmte Nationen und andere Gruppen. Zwar spielen die Massenmedien in diesem Kontext eine wichtige Rolle, doch oft wird vergessen, dass Schulbücher und Fremdsprachenlehrwerke eine der ersten Instanzen darstellen, über die solche Aussagen vermittelt werden. Auch wenn sie heutzutage nicht mehr zu den ersten Quellen zählen, aus denen wir Informationen und Eindrücke zu einem bestimmten Land erhalten, hinterlassen Lehrbücher für Fremdsprachen einen bleibenden Eindruck, besonders weil sie sie den Anspruch haben, wissenschaftlich fundierte Informationen zu Land und Leuten der jeweiligen Sprache zu vermitteln. Viele darin vermittelte Eindrücke bleiben im Gedächtnis des Lerners haften und sind oft auch Jahre danach noch abrufbar. Daher spielen diese Lehrbücher eine wichtige Rolle in der Forschung zu Nationalstereotypen und können zu der Beantwortung der Frage, wie ein bestimmtes Bild eines Landes entstehen kann, beitragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lehrbücher
Deutsch Heute – Grundstufe – Sixth Edition
Deutsche Sprache und Landeskunde – Fourth Edition
3. Das Schulsystem, die Universität und das Studentenleben
4. Die deutsche Essphilosophie:
Das Frühstück
5. Die deutsche Unterkühltheit
6. Männer und Frauen
7. Fazit und Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welches Bild von Deutschland und den Deutschen in US-amerikanischen Fremdsprachenlehrwerken vermittelt wird. Dabei wird analysiert, wie diese Lehrmittel nationale Stereotype aufgreifen, festigen oder revidieren und inwiefern sie ein authentisches Abbild der Lebensrealität in Deutschland erzeugen.
- Analyse der Darstellung des deutschen Schul- und Universitätssystems
- Untersuchung der vermittelten deutschen Essphilosophie und Gewohnheiten
- Betrachtung von Klischees zur deutschen Distanziertheit und Privatsphäre
- Diskussion der Rollenbilder von Mann und Frau im Kontext von Familie und Karriere
Auszug aus dem Buch
4. Die deutsche Essphilosophie:
„Frühstücken wie ein König, Mittagessen wie ein reicher Bürger, Abendessen wie ein Bettler. (DSL, 218)“
Das Thema Essen spielt in vielen unterschiedlichen Situationen der Lehrwerke eine wichtige Rolle und die Autoren haben sehr genaue Vorstellungen von den Essgewohnheiten der Deutschen. In beiden Lehrwerken wird mehrmals betont, dass zwar immer mehr Deutsche mittlerweile abends warm essen, es aber dennoch üblich ist, die warme Mahlzeit mittags einzunehmen. Diese kann aus bis zu drei Gängen bestehen (Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch (üblicherweise Obst, Pudding oder Eiskrem)). Nachmittags wird dann Kaffe und Kuchen zu sich genommen, jedoch nur an besonderen Tagen.
Vor dem Beginn einer Mahlzeit wünscht man sich „Guten Appetit“ oder „Mahlzeit“, worauf mit „Danke, gleichfalls“ geantwortet wird. Es ist durchaus üblich, sich mangels Platz mit Fremden einen Tisch zu teilen („Ist hier noch frei?“) und auch diesen wünscht man bei Eintreffen der Mahlzeit einen „Guten Appetit“. Beim Zahlen ist es üblich, den Betrag um eine kleine Summe aufzurunden und bei größeren Beträgen auch 5-10% Trinkgeld zu geben (vgl. DH, 208). Die Tischmanieren der Deutschen unterscheiden sich von denen der Amerikaner. Zum Mittagessen beispielsweise trinkt man für gewöhnlich Bier, Mineralwasser oder auch nichts. Viele junge Deutsche trinken Cola (jedoch ohne Eiswürfel) und da Leitungswasser nicht getrunken wird, bekommt man kein Eiswasser wie in den USA üblich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz von Fremdsprachenlehrwerken als Medienträger für Nationalstereotype und definiert die Forschungsabsicht der Arbeit.
2. Lehrbücher: Dieses Kapitel stellt die beiden untersuchten US-amerikanischen Lehrwerke „Deutsch Heute“ und „Deutsche Sprache und Landeskunde“ vor und charakterisiert deren Zielgruppen und Inhalte.
3. Das Schulsystem, die Universität und das Studentenleben: Es wird analysiert, wie die Lehrwerke das Bildungssystem sowie den Alltag und die Lebensbedingungen deutscher Studierender darstellen.
4. Die deutsche Essphilosophie:: Die Autoren untersuchen, welche Essgewohnheiten vermittelt werden und wie der Fokus auf gesunde Ernährung zur Konstruktion bestimmter Stereotype beiträgt.
5. Die deutsche Unterkühltheit: Dieses Kapitel thematisiert die Darstellung der Privatsphäre, die förmliche Anrede und die wahrgenommene Distanziertheit der Deutschen.
6. Männer und Frauen: Es wird beleuchtet, wie die Lehrwerke die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie aktuelle Rollenbilder von Mann und Frau interpretieren.
7. Fazit und Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Lehrwerke trotz des Anspruchs auf Authentizität ein einseitiges und stereotyp geprägtes Bild Deutschlands zeichnen.
Schlüsselwörter
Nationalstereotype, Fremdsprachenunterricht, Deutschlandbild, Lehrbuchanalyse, Essgewohnheiten, Privatsphäre, Rollenverteilung, Identität, Interkulturelle Kommunikation, Studienalltag, Vorurteile, Fremdwahrnehmung, Geschlechterrollen, Landeskunde, Kulturvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, welche Bilder, Klischees und Stereotype über Deutschland und die Deutschen in zwei spezifischen US-amerikanischen Fremdsprachenlehrbüchern vermittelt werden.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Darstellung des Bildungssystems, der Essgewohnheiten, des sozialen Umgangs miteinander (Privatsphäre) sowie der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, wie Lehrwerke ein "Bild" eines Landes konstruieren und ob dieses Bild der Realität entspricht oder veraltete beziehungsweise einseitige Vorurteile reproduziert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse angewandt?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse der Lehrbuchtexte, um durch die Untersuchung von Dialogen, Sachtexten und Bildmaterial auf die dort verankerten Stereotype zu schließen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Themenbereiche Studium und Ausbildung, Esskultur, soziales Distanzverhalten sowie die Problematik der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nationalstereotype, Lehrbuchanalyse, interkulturelle Landeskunde und Fremdwahrnehmung zusammenfassen.
Wie werden die deutschen Essgewohnheiten in den Büchern dargestellt?
Die Lehrwerke zeichnen das einseitige Bild eines gesundheitsbewussten Deutschen, der ausschließlich frische Produkte vom Markt konsumiert, während modernere oder weniger gesunde Ernährungstrends vernachlässigt werden.
Welches Fazit ziehen die Lehrwerke zur Rollenverteilung?
Die Lehrwerke betonen zwar Fortschritte in der Gleichberechtigung, unterstreichen aber gleichzeitig, dass traditionelle Rollenbilder und strukturelle Barrieren, insbesondere bei der Kinderbetreuung, eine tatsächliche Gleichstellung im Alltag erschweren.
- Citation du texte
- Marie Ansberger (Auteur), 2007, Das Deutschlandbild in englischsprachigen Lehrbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127769