Die Hausarbeit diskutiert und vergleicht zwei Klassenmodelle, einerseits von Andreas Reckwitz und andererseits von Daniel Oesch. Dabei wird aufgezeigt, dass die Modelle sehr verschiedene theoretische Grundlagen in Bezug auf Klassenbegriff, Anzahl der Klassen, Abstraktionsebene und Kriterien der Ausdifferenzierung aufweisen. Jedoch ergeben sowohl empirische als auch theoretisch Parallelen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Reckwitz
2.1 Von der industriellen Moderne zur Spätmoderne
2.2 Ein kultursoziologisch grundiertes Klassenschema
2.3 Das 3+1 Klassenmodell
3. Oesch
3.1 Das Erikson/ Goldthorpe Schema
3.2 Eine veränderte Berufsstruktur
3.3 Ein neues Klassenschema
4. Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit verfolgt das Ziel, die Klassenmodelle von Andreas Reckwitz und Daniel Oesch in einen direkten Theorievergleich zu setzen, um deren konzeptionelle Unterschiede sowie inhaltliche Parallelen hinsichtlich ihres Verständnisses von Sozialstruktur und Klassenbildung aufzuzeigen.
- Multidimensionale versus ökonomische Klassenbegriffe
- Analyse des Strukturwandels von der industriellen zur Spätmoderne
- Horizontal differenzierte Arbeitslogiken bei Oesch
- Vertikale Polarisierung der Sozialstruktur bei Reckwitz
- Der Einfluss von Bildungsexpansion und Berufswelt auf Klassenbildungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Von der industriellen Moderne zur Spätmoderne
Reckwitz arbeitet drei zentrale Transformationsprozesse heraus, welche seit den 1970er Jahren für die Gesellschaft prägend sind: „erstens die Postindustrialisierung der Ökonomie, zweitens die Bildungsexpansion und drittens der Liberalisierungsprozess des Wertewandels“ (Reckwitz 2019: 77, Hervorh. im Original).
Zunächst zum Strukturwandel der Ökonomie: Reckwitz betrachtet zur Beschreibung des Strukturwandels des Ökonomischen die Krisen Anfang der 1970er Jahre, welche er „zugespitzt als das Zusammenfallen einer Sättigungskrise mit einer Produktivitätskrise“ (Reckwitz 2019: 149, Hervorh. im Original) charakterisiert.
Es handelte sich um eine Sättigungskrise, da die „nivellierte Mittelstandgesellschaft“ (Schelsky) mit „standardisierten, funktionalen Gütern“ (Reckwitz 2019: 150) gut versorgt war, die kapitalistische Wirtschaft aufgrund ihres strukturellen Steigerungsimperativs jedoch weiterhin auf Wachstum angewiesen war. Somit musste die Ökonomie „über das Feld der etablierten funktionalen Massenkonsumgüter hinausgehen (Reckwitz 2019: 150, Hervorh. im Original)“ und in das „Feld der komplexeren, differenzierten Güter einer kognitiven und kulturellen Ökonomie” (Reckwitz 2019: 150). Jene neue Güterform steht paradigmatisch für die postindustrielle Ökonomie, welche Reckwitz als „ein Doppel von kognitivem und kulturellem Kapitalismus“ versteht (Reckwitz 2019: 141, Hervorh. im Original). Kognitiv sei er, da der Großteil des investierten Kapitals nicht mehr in materielle Produktionsmittel, sondern in „intangible assets“ (ebd.) fließt und die Arbeit, welche in die Güter fließt „in hohem Maße Wissensarbeit“ (ebd.) ist. Kulturell ist die spätmoderne Ökonomie, da es sich nicht mehr primär um Funktionsgüter, sondern um „Affektgüter“ (Reckwitz 2017: 113, Hervorh. im Original) handelt, „von denen die Konsumenten einen kulturellen Wert […] erwarten“ (Reckwitz 2019: 141). Das Verlangen nach diesen kulturell-kognitiven Gütern kennt keine Sättigung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Debatte um die Klassenmodelle von Reckwitz und Oesch ein und beschreibt das Fehlen eines direkten Theorievergleichs in der aktuellen soziologischen Forschung.
2. Reckwitz: Dieses Kapitel erläutert Reckwitz' Analyse der Spätmoderne und sein darauf basierendes 3+1 Klassenmodell, das Klassen als multidimensionale Gebilde aus ökonomischem, kulturellem und politischem Kapital versteht.
3. Oesch: Das Kapitel analysiert Oeschs Modell, das den Beruf als zentralen Bezugspunkt nutzt und durch die Einbeziehung horizontaler Arbeitslogiken das Erikson/Goldthorpe-Schema für die moderne Berufsstruktur weiterentwickelt.
4. Vergleich: Hier werden die theoretischen Grundannahmen und die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Autoren hinsichtlich Klassenbegriff, Stratifizierung und Transformationstrends kritisch miteinander verglichen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede und theoretischen Parallelen zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche Forschungsansätze zur Verbindung beider Modelle.
Schlüsselwörter
Klassenmodell, Reckwitz, Oesch, Spätmoderne, Sozialstruktur, kulturelles Kapital, Arbeitslogik, Wissensarbeit, Berufsstruktur, Stratifizierung, Transformation, Mittelklasse, Postindustrialisierung, Wertewandel, Klassentheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen Klassenmodelle von Andreas Reckwitz und Daniel Oesch, um deren jeweilige theoretische Perspektiven auf die soziale Struktur der modernen Gesellschaft gegenüberzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Strukturwandel von der Industrie- zur Spätmoderne, die Bedeutung von Lebensstilen versus Arbeitsmarktlagen sowie die Art und Weise, wie klassische Klassenmodelle auf aktuelle gesellschaftliche Trends reagieren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist ein theoretischer Vergleich, der aufzeigt, wie Reckwitz und Oesch Klassen definieren, wie sie diese quantitativ erfassen und welche Bedeutung sie dem Wandel des Arbeitsmarktes beimessen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theorievergleichende Literaturarbeit, die auf einer systematischen Analyse soziologischer Fachliteratur und der jeweiligen Primärquellen der Autoren (Reckwitz 2019, 2021; Oesch 2006, 2015) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Reckwitz' kultursoziologischem Ansatz und Oeschs arbeitsmarktzentriertem Schema, gefolgt von einem direkten Vergleich ihrer Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Klassenmodell, kulturelles Kapital, Arbeitslogik, Wissensarbeit, Spätmoderne und soziale Stratifizierung.
Wie unterscheidet sich Reckwitz' Klassenbegriff von dem Oeschs?
Reckwitz wählt eine multidimensionale Perspektive, die Lebensstile und politisches Kapital integriert, während Oesch den Fokus pragmatisch auf ökonomische Positionen und berufliche Anforderungen im Arbeitsmarkt beschränkt.
Welche Bedeutung kommt der „neuen Mittelklasse“ in den Modellen zu?
In Reckwitz' Modell ist sie die „Trägerin der Bildungsexpansion“ und zentraler Akteur des Wertewandels, während sie bei Oesch aufgrund beruflicher Aufwertungsprozesse innerhalb der Mittelklasse stärker horizontal differenziert wird.
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- Keke Kürvers (Author), 2022, Reckwitz versus Oesch. Ein Theorievergleich zweier Klassenmodelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1277706