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Walter Benjamin und der Rundfunk zwischen Theorie und Praxis

Oder wie der Rundfunk den Kasperl überlistet

Title: Walter Benjamin und der Rundfunk zwischen Theorie und Praxis

Term Paper , 2003 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Janin Taubert (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Benjamins Hörspiele waren der Versuch, den Rundfunkapparat für das eigene mediendidaktische und politische Konzept nutzbar zu machen und im Rahmen der technischen Möglichkeiten zu verändern, um zu zeigen, dass der Gebrauch des Rundfunks als Propagandainstrument für den Faschismus eine Perversion der negativen Dialektik der Technik darstellte. Somit lassen sich seine Rundfunkexperimente historisch nicht nur im Streit um die Suche nach der neuen Gattung des Hörspiels sondern vor allem in der Auseinandersetzung um die Funktion und Möglichkeiten dieses neuen Mediums in der Weimarer Republik verorten, die nicht zuletzt eine grundlegend politische war. Seine theoretischen Überlegungen zum Radio sind aus Texten wie Der Autor als Produzent ( 1934 ), Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1935/36)u.a. sowie aus programmatischen Schriften zusammen mit dem Programmleiter des Südwestdeutschen Rundfunks, Ernst Schoen, entstanden oder aus der Diskussion mit Wolfgang Zucker und der Auseinandersetzung mit Brecht hervorgegangen, so zum Beispiel das Konzept der Hörmodelle oder auch die Überlegungen zum epischen Theater. Zu seiner praktischen Auseinandersetzung mit dem Rundfunk gehören Hörmodelle, Hörspiele, Berichte, Buchvorstellungen und philosophische Features, die zwischen 1927 und 1933 als Beiträge für die Berliner und Frankfurter Rundfunkgesellschaft entstanden sind. Bei den praktischen Rundfunkarbeiten von Walter Benjamin handelt es sich um radioadäquate Texte, die mittels Doppeldeutigkeiten und Allusionen stets den eigenen medialen Status reflektieren, die jedoch nicht dem Anspruch einer neuen literarischen Rundfunkkunst gerecht werden. Sie sollten statt dessen als Beispiel einer kommunikationstheoretischen Deutung des Mediums Rundfunk verstanden werden und fügen sich so in Benjamins medienpädagogisches und gesellschaftspolitisches Konzept ein. Benjamin bleibt bei dem Versuch, den Rundfunk als pädagogisches Instrument bzw. als „Kommunikationsapparat“ zu erproben im Rahmen der gegebenen technischen und organisatorischen Möglichkeiten.Im Sinne der Verschränkung von Theorie und Praxis ist auch die vorliegende Hausarbeit in Form einer fruchtbaren Dichotomie angelegt. Im ersten Teil soll anhand bereits erwähnter theoretischer Texte Überlegungen Benjamins zum Rundfunk erörtert werden. Im Sinne einer deduktiven Verfahrensweise sollen in einem zweiten Teil diese dann am Beispiel der Analyse des Kinderhörspiels Radau um Kasperl überprüft werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung :

2.Zur Radiotheorie Benjamins

2.1. Die materialistische Kulturphilosophie : Der Ausdruckszusammenhang

2.2. Die Dialektik der Technik :

2.3. Der Hörer als Produzent :

3.Hörspielanalyse : Radau um Kasperl

3.1.Die Quellenlage

3.2.Radioadäquate Struktur und Figurenkonstellation

3.3. Zur Umsetzung literarischer Elemente im Rundfunk

3.3.1 Die Parallelen zur Komödie

3.3.2 Die Parallelen zum epischen Theater

3.4.Die Transparenz des Apparates

4.Fazit : Die didaktisch-politische Intention

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Kinderhörspiel "Radau um Kasperl" von Walter Benjamin im Kontext seiner Radiotheorie. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Benjamin das Medium Rundfunk durch eine dialektische und didaktisch-politische Herangehensweise für Hörer transparent und als emanzipatorisches Kommunikationsinstrument nutzbar machen wollte.

  • Walter Benjamins medienpädagogische Rundfunktheorie
  • Die dialektische Funktion von Technik in den Massenmedien
  • Strukturelle Analyse des Hörspiels "Radau um Kasperl"
  • Umsetzung literarischer Elemente wie Komödie und episches Theater im Hörspiel
  • Das Konzept des "Hörers als Produzenten"

Auszug aus dem Buch

3.2.Radioadäquate Struktur und Figurenkonstellation

Das Hörspiel ist von der Struktur und der Figurenkonstellation her wie ein Radiodrama angelegt. Die insgesamt sechs episodisch angelegten Szenen werden in der Frankfurter Fassung durch fünf instrumentelle Radauszenen unterbrochen, da sie in den Handlungsverlauf montiert werden. Diese Geräuschszenen transportieren eigene Inhalte und Bedeutungen, die von den Kindern erraten werden mussten. Die Antworten sollten sie dann zur Preisverleihung an den Rundfunk schicken. Die „Szenen waren der freien und assoziativen Gestaltung der Hörer überlassen“ und die „Besonderheit des experimentellen Ratespiels“ lag darin, die einzelnen geräuschvollen Spielszenen zu Ende zu denken. Wie wichtig diese akustischen Unterbrechungen waren zeigt auch, dass der wesentliche Unterschied der beiden Hörspielfassungen in der Bedeutung der Geräusche für die jeweilige Handlung liegt. Bei der Kölner Fassung dienen die Geräusche lediglich der Illustration der Handlung und werden dem gesprochenem Text unterlegt. Bei der Frankfurter Fassung finden sich zwischen den gesprochenen Teilen 5 eigenständige Radauszenen. Die Szenen können weitestgehend in Form einer offenen Dramatik als unabhängig voneinander betrachtet werden, wobei jede für sich anekdotischen Charakter trägt.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung : Diese Einführung verortet Benjamins Rundfunkexperimente in der Weimarer Republik und legt das methodische Vorgehen der Arbeit dar.

2.Zur Radiotheorie Benjamins : Dieses Kapitel beleuchtet Benjamins theoretische Schriften zum Rundfunk und zur Rolle von Technik und Produzenten.

3.Hörspielanalyse : Radau um Kasperl : Der Hauptteil analysiert das konkrete Kinderhörspiel hinsichtlich Struktur, literarischer Bezüge und der didaktischen Absicht.

4.Fazit : Die didaktisch-politische Intention : Diese Zusammenfassung resümiert Benjamins Bestreben, den Hörer durch Transparenz des Apparates zur kritischen Partizipation anzuregen.

Schlüsselwörter

Walter Benjamin, Rundfunk, Radau um Kasperl, Hörspiel, Medientheorie, dialektische Technik, pädagogisches Instrument, Sender-Empfänger-Modell, episches Theater, Komödie, Medienkritik, Hörer als Produzent, Massenkultur, Volkstümlichkeit, Transparenz des Apparates

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Walter Benjamins theoretisches und praktisches Engagement für das Medium Rundfunk, insbesondere anhand seines Kinderhörspiels "Radau um Kasperl".

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Rundfunktheorie Benjamins, die Einordnung in seine materialistische Kulturphilosophie und die praktische medienpädagogische Umsetzung in Hörspielform.

Welche zentrale Forschungsfrage verfolgt die Verfasserin?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Benjamin durch die bewusste Gestaltung von Hörspielen das Medium Rundfunk als pädagogisches und politisches Instrument nutzbar machen wollte, um den Hörer aktiv zu beteiligen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?

Die Arbeit folgt einer deduktiven Vorgehensweise: Zunächst werden theoretische Texte Benjamins zum Rundfunk erörtert, um diese anschließend am Beispiel der Analyse des Hörspiels "Radau um Kasperl" zu überprüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse des Hörspiels, wobei insbesondere die Struktur, die Figurenkonstellation sowie die Integration von Elementen der Komödie und des epischen Theaters untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Walter Benjamin, Radiotheorie, Hörspielanalyse, Sender-Empfänger-Modell, didaktische Intention und Medienpädagogik.

Warum ist die Figur des Kasperl für Benjamin von Bedeutung?

Die Kasperlfigur dient als traditioneller, dem Publikum vertrauter Sympathieträger, durch den Benjamin satirisch und klug die Funktionsweise des modernen Mediums Rundfunk hinterfragen konnte.

Welche Rolle spielt die "Transparenz des Apparates" in Benjamins Konzept?

Für Benjamin bedeutet dies, dass das Medium seine eigene technische Konstruktion und Funktionsweise offenlegen soll, um den Hörer davor zu bewahren, das Medium passiv zu konsumieren.

Wie unterscheidet sich die Frankfurter Fassung des Hörspiels von der Kölner Fassung?

Die Frankfurter Fassung ist die ursprüngliche Version, die durch fünf eigenständige "Radauszenen" geprägt ist, während in der gekürzten Kölner Fassung die Geräusche primär der Illustration dienen.

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Details

Title
Walter Benjamin und der Rundfunk zwischen Theorie und Praxis
Subtitle
Oder wie der Rundfunk den Kasperl überlistet
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Course
Grundkurs C Literatur und Rundfunk
Grade
1,0
Author
Janin Taubert (Author)
Publication Year
2003
Pages
22
Catalog Number
V127771
ISBN (eBook)
9783640353415
ISBN (Book)
9783640353545
Language
German
Tags
Walter Benjamin Rundfunk Theorie Praxis Oder Rundfunk Kasperl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Janin Taubert (Author), 2003, Walter Benjamin und der Rundfunk zwischen Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127771
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