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Religiöse Askese oder Entfaltung der Sinnlichkeit. Spannungen vor dem Leitmotiv der vanitas in der Poesie des 17. Jahrhunderts

Am Beispiel Gryphius' und Hoffmannswaldau

Title: Religiöse Askese oder Entfaltung der Sinnlichkeit. Spannungen vor dem Leitmotiv der vanitas in der Poesie des 17. Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2022 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Leah Geißler (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Bis heute beeinflusst das Wissen um Vergänglichkeit und Sterblichkeit das Denken und Handeln der Menschen. Losgelöst von Zeit und Kultur wird dieses fundamentale Thema in Dichtung, Musik und bildender Kunst mithilfe des vanitas Motivs stets neu ausgelegt. Es handelt sich hierbei um einen eigenständigen Topos, der seinen Ursprung in der christlichen Theologie hat. Ziel des ersten Kapitels wird daher sein, das Begriffsgeflecht im Hinblick auf Definition und Entstehungsgeschichte zu entfalten, um darauf basierend eine Erklärung für dessen Unverzichtbarkeit in der Literatur des 17. Jahrhunderts zu liefern.

Im zweiten Kapitel wird anhand der Werke des Dichters Andreas Gryphius die traditionelle barocke Umsetzung des vanitas Motivs und dessen Steigerung im vanitas vanitatum et omnia vanitas dargestellt. Über einen Einstieg in den Melancholie Topos und die Situierung Gryphius ́ darin, soll die Begründung für dessen Mahnruf zur asketischen Lebensverneinung geleistet werden. Diese Manier der Weltabsage hat zudem große Auswirkung auf Gryphius ́ Verständnis von Körperlichkeit, das im Kapitel 2.2. näher ausgeführt wird.

Gryphius ́ Interpretation der vanitas wird im dritten Kapitel schließlich das Werk Hoffmannswaldaus gegenübergestellt. Hier findet eine doppelbödige Aktualisierung des Begriffs statt, die anhand des Gedichts „Vergänglichkeit der Schönheit“ entfaltet wird. Die dort gewonnenen Erkenntnisse werden im darauffolgenden Unterkapitel 3.2. am Text "So soll der Purpur deiner Lippen" vertieft, wobei besonders auf die Bedeutung Hoffmannswaldaus ästhetischer Vorgehensweise eingegangen und dessen Haltung zur Rettung der menschlichen Seele im Heil deutlich gemacht wird. Zuletzt werden erschlossene Ergebnisse zusammengetragen und ein Ausblick auf die Bedeutung der Dichtung Hoffmannswaldaus in Verbindung mit der Wiedererstattung der Sinnlichkeit in der Literatur gegeben.

Excerpt


Inhalt

Einleitung

1. Begriffsgeflecht „vanitas“

1.1. Begriffsdefinition „vanitas“

1.2. Die vanitas bei Kohelet - Spannung zwischen carpe diem und memento mori

1.3. Die Hochzeit der vanitas-Dichtung im Barock

2. Andreas Gryphius- weltverachtender homo religious

2.1. Melancholie-Tradition und Gryphius‘ Situierung im Topos

2.3. Die Rolle der Körperlichkeit als kreatürliche Sinnlichkeit vor dem Hintergrund des Verfalls am Beispiel von „An Eugenien“

3. Christian Hoffmann v. Hoffmannswaldaus Spiel mit den Grenzen - Zwischen Vergänglichkeitsbewusstsein und Lebensgenuss

3.1. Die doppelbödige Aktualisierung der vanitas am Beispiel von „Vergänglichkeit der Schönheit“

3.2. Zwischen Ernst und Erotik - Ironie durch Mehrdeutigkeit der Metaphorik in „So soll der Purpur deiner Lippen“

4. Schlussbetrachtung: Gryphius und Hoffmannswaldau im Vergleich

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Vanitas-Motiv in der deutschen Barocklyrik, wobei der Fokus auf den gegensätzlichen literarischen Ansätzen von Andreas Gryphius und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau liegt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die beiden Dichter das Spannungsverhältnis zwischen memento mori und carpe diem in ihrer Lyrik verhandeln und welche Rolle dabei die Sinnlichkeit und Körperlichkeit spielt.

  • Semantische Entfaltung und barocke Definition des Begriffs „vanitas“.
  • Analyse der pessimistischen Weltanschauung bei Gryphius und der Rolle der Melancholie.
  • Untersuchung der spielerischen, erotisierten Vanitas-Dichtung bei Hoffmannswaldau.
  • Vergleichende Gegenüberstellung der ästhetischen Realisierungsformen des Vanitas-Motivs.

Auszug aus dem Buch

1.2. Die vanitas bei Kohelet- Spannung zwischen carpe diem und memento mori

Das Buch „Kohelet“ gehört zur Weisheitsliteratur des Alten Testaments und wird dem Prediger Salomo zugeschrieben. Obwohl alles Menschenmögliche in seinem Leben erreicht hatte, kam er zu der Erkenntnis, dass alles vergebens ist. Er reflektiert [und klagt] über die Flüchtigkeit und Nichtigkeit aller möglicher Existenzformen:

Ich sah an alles tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind.

Aus diesen Welt- und Lebenserfahrungen Kohelets, die verstärkt sich das wiederkehrende Leitmotiv der vanitas und dessen Steigerung in vanitas vanitatum et omnia vanitas, der Eitelkeit der Eitelkeiten, heraus:

Es ist alles ganz eitel“, sprach der Prediger, „es ist alles ganz eitel“

Seine Erkenntnisse bringen Kohelet schließlich dazu, allgemein gültige ethische und religiöse Werte zu hinterfragen. Aufgrund seines Ringens um einen Umgang mit der Erfahrung Vergänglichkeit, „der sich an einer praktischen Ethik des guten Lebens und nicht an von außen herangetragenen moralischen oder religiösen Vorgaben orientiert“, schreibt er gegen religiösen Zeitgeist und Moral an. Kohelet fordert dennoch zum Genuss auf:

Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden? So geh hin und iß dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; [...] Genieße das Leben mit deinem Weibe, das du liebhast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung skizziert die Ursprünge des Vanitas-Motivs und legt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen dar.

1. Begriffsgeflecht „vanitas“: Dieses Kapitel definiert den Begriff „vanitas“ und beleuchtet dessen biblische Wurzeln sowie die barocke Hochzeit des Motivs.

2. Andreas Gryphius- weltverachtender homo religious: Gryphius’ Werk wird als melancholische, weltabgewandte Dichtung analysiert, die den Körper als Ort des Verfalls begreift.

3. Christian Hoffmann v. Hoffmannswaldaus Spiel mit den Grenzen - Zwischen Vergänglichkeitsbewusstsein und Lebensgenuss: Dieses Kapitel zeigt, wie Hoffmannswaldau die Vanitas-Thematik durch erotische Metaphorik und eine spielerisch-ironische Haltung neu kontextualisiert.

4. Schlussbetrachtung: Gryphius und Hoffmannswaldau im Vergleich: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, in der die antithetischen Ansätze der beiden Barockdichter gegenübergestellt werden.

Schlüsselwörter

Vanitas, memento mori, carpe diem, Barocklyrik, Andreas Gryphius, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, Weltverachtung, Sinnlichkeit, Melancholie, Vergänglichkeit, Eitelkeit, Körperlichkeit, Barockdichtung, Literaturanalyse, Kohelet.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Umsetzung des Vanitas-Motivs im 17. Jahrhundert, speziell in der Lyrik von Gryphius und Hoffmannswaldau.

Welche Themenfelder werden zentral behandelt?

Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen religiöser Todesmahnung (memento mori) und lebensbejahendem Genuss (carpe diem) sowie die Darstellung von Körperlichkeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, wie die beiden Autoren das Vergänglichkeitsbewusstsein poetisch verarbeiten und welche Gegensätze in ihrer ästhetischen Herangehensweise bestehen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung einer komparatistischen Perspektive, die primäre Primärliteratur mit sekundärer Forschungsliteratur verknüpft.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert Sachtexte und Gedichte der beiden Autoren, insbesondere die melancholische Weltsicht von Gryphius und das spielerische-erotische Motivspiel bei Hoffmannswaldau.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Vanitas-Motiv, Barocklyrik, Leib-Seele-Dualismus, Vergänglichkeit und die Gegenüberstellung von asketischer Verleugnung und erotischem Genuss geprägt.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Sinnlichkeit bei Hoffmannswaldau von der bei Gryphius?

Während bei Gryphius die Sinnlichkeit meist im Kontext von Vergänglichkeit als negativer Verfall dargestellt wird, nutzt Hoffmannswaldau sie in galanten Gedichten als ästhetisches Spiel, das jedoch oft durch Vanitas-Motive gebrochen wird.

Welche Rolle spielt die „Diamant-Metapher“ bei Hoffmannswaldau?

Sie dient als rhetorisches Mittel, um die Mehrdeutigkeit von Beständigkeit und Vergänglichkeit auszudrücken und die Spannung zwischen dem „ewigen“ Wert und dem leiblichen Verfall zu fokussieren.

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Details

Title
Religiöse Askese oder Entfaltung der Sinnlichkeit. Spannungen vor dem Leitmotiv der vanitas in der Poesie des 17. Jahrhunderts
Subtitle
Am Beispiel Gryphius' und Hoffmannswaldau
College
University of Cologne  (Institut für deutsche Sprache und Literatur I)
Course
Hauptseminar Barock
Grade
1,0
Author
Leah Geißler (Author)
Publication Year
2022
Pages
27
Catalog Number
V1277967
ISBN (PDF)
9783346730312
ISBN (Book)
9783346730329
Language
German
Tags
vanitas Gryphius Hoffmannswaldau carpe diem memento mori Barock galante Lyrik Sonett Ironie religiöse Askese
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Leah Geißler (Author), 2022, Religiöse Askese oder Entfaltung der Sinnlichkeit. Spannungen vor dem Leitmotiv der vanitas in der Poesie des 17. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1277967
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