„Die Fotografie von heute lässt sich ebensowenig [sic!] unter einem Etikett zusammenfassen, wie einst, da sie sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Ansätze und Techniken zusammensetzt.“ Katharina Bosse ist nun eine von jenen, die sich jüngst in diesem heterogenen Feld angesiedelt haben, doch obwohl sich ihre Arbeit gleichsam in den Bereichen der Dokumentar-, Mode-, sowie der künstlerischen Fotografie abspielt, entziehen sich diese Werke strikten Einordnungsversuchen immer wieder.
Vielmehr geht es Bosse in ihren Bildern, in denen das Bizarre auf das Alltägliche trifft, beziehungsweise die Nähe zwischen Bizarrem und Alltäglichem offengelegt wird und deren Stil die Fotografin selbst als „eine surreale Kombination von Personen und Orten in Farbe“ beschreibt, darum, ihrem Credo, Fotografie als Sprache zu gebrauchen, Gestalt zu verleihen. Dabei bildet das Verständnis vom Bild als Oberfläche einen inhärenten Bestandteil ihres Programms.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben und Werk
3. Arbeitsweise und Stil
4. Bildbeschreibung: Untitled (1999)
4.1. Das Bild als Oberfläche
4.2. Das Gezeigte als Stereotyp
4.3. Oberflächenspannung
5. Weiteres Beispiel: OP (1998)
6. Vergleich mit Thomas Ruff
7. Fazit: Das Postmoderne im Werk Bosses
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das fotografische Werk von Katharina Bosse unter dem Aspekt der "Oberfläche". Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bosse durch bewusste Inszenierung und den Einsatz von Stereotypen die Wahrnehmung des Betrachters reflektiert und die Fotografie als Medium hinterfragt, das lediglich Oberflächen wiedergeben kann, ohne ein dahinterliegendes "Wesen" zu enthüllen.
- Künstlerische Strategien und Werkbiografie von Katharina Bosse
- Die Fotografie als "Oberfläche" und das Verhältnis von Bild und Betrachter
- Einsatz von Stereotypen und deren Brechung durch Details
- Vergleich der künstlerischen Ansätze mit dem Fotografen Thomas Ruff
- Postmoderne Wahrnehmungsstrategien und mediale Konditionierung
Auszug aus dem Buch
4.1. Das Bild als Oberfläche
Integraler Bestandteil des bildnerischen Programms von Katharina Bosse ist es, das Bild, also die Fotografie, als Oberfläche zu betrachten. Für sie ist [d]ie Fotografie an sich [...] ein seltsames Medium, da man so viel sehen kann, aber doch nicht über die Oberfläche von Dingen hinausgehen kann. Darin liegt eine Spannung: der Betrachter versucht das Bild zu interpretieren. [...] Was auch immer die Betrachter in es hineinlesen werden, es wird ihre Fantasie über den Darsteller bleiben.
Die Oberfläche ist eine inhärente Qualität der Fotografie, mit welcher Bosse auf mehreren Ebenen spielt. Zum einen ist das Medium an sich ein Flaches, das sich durch die glatte Oberfläche des Fotopapiers auszeichnet. Zum anderen, beziehungsweise daraus folgernd, kann dieses Medium lediglich die Oberfläche eines darauf Dargestellten wiedergeben, so dass es ein „Dahinter“ sozusagen nicht gibt.
Was aber wird auf einer Fotografie eigentlich abgebildet oder anders gefragt, was meinen wir darauf abgebildet zu sehen? Beruft man sich auf den indexikalischen Charakter der Fotografie, möchte man meinen objektive Wirklichkeit vor sich zu haben. Damit ist gemeint, dass ebenso wie ein Fingerabdruck die wirkliche Ursache eines Fingers voraussetzt oder belegt, die Fotografie ein durch Lichteinwirkung entstehender Abdruck eines real existierenden Referenten zu sein scheint. Noch die Moderne berief sich stark auf diese, wir können nur sagen scheinbare, Natürlichkeit der Fotografie und so galt sie beispielsweise für Edward Weston als „[...] ein viel zu ehrliches Medium, als dass sie nur oberflächliche Erscheinungen eines Gegenstands festhalten würde“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das heterogene Schaffen von Katharina Bosse und die theoretische Verankerung des Bildverständnisses als Oberfläche.
2. Leben und Werk: Biografie der Künstlerin sowie Überblick über ihre bedeutendsten Fotoserien und Ausstellungen.
3. Arbeitsweise und Stil: Analyse der technischen Mittel, insbesondere der analogen Arbeitsweise, und der ästhetischen Gestaltung, die eine bewusste Künstlichkeit erzeugt.
4. Bildbeschreibung: Untitled (1999): Detaillierte Untersuchung einer ausgewählten Aufnahme, die als Exempel für Bosses Umgang mit Licht, Inszenierung und dem Brechen von Stereotypen dient.
4.1. Das Bild als Oberfläche: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie, die das Bild als undurchdringliche, informative Projektionsfläche definiert.
4.2. Das Gezeigte als Stereotyp: Untersuchung, wie konventionalisierte Bildcodes für weibliche Verführung in den Arbeiten konstruiert und durch den Kontext wieder aufgehoben werden.
4.3. Oberflächenspannung: Reflexion über die durch Künstlichkeit erzeugte Spannung zwischen dem Bild und dem Wissen bzw. den Erwartungen des Betrachters.
5. Weiteres Beispiel: OP (1998): Analyse eines weiteren Werkes, das die Funktion von Details und die Entfesselung von Phantasien beim Betrachter thematisiert.
6. Vergleich mit Thomas Ruff: Gegenüberstellung der Bildstrategien von Katharina Bosse und Thomas Ruff, wobei die Konzentration auf die Oberfläche als gemeinsamer Knotenpunkt identifiziert wird.
7. Fazit: Das Postmoderne im Werk Bosses: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse unter Einbeziehung postmoderner Diskurse zur Wahrnehmung, Subjektivität und medialen Konditionierung.
Schlüsselwörter
Katharina Bosse, Fotografie, Oberfläche, Oberflächenspannung, Postmoderne, Stereotyp, Wahrnehmung, Bildrepertoire, Thomas Ruff, Indexikalität, Künstlichkeit, Subjektivität, Dokumentarfotografie, Inszenierung, Zeichentheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das fotografische Werk von Katharina Bosse und ihre spezifische Herangehensweise, Fotografie als "Oberfläche" zu begreifen, anstatt als Fenster zur objektiven Wirklichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Postmoderne in der Fotografie, die Bedeutung von Stereotypen in den Massenmedien, die Rolle des Betrachters bei der Sinnstiftung und die Künstlichkeit als bewusstes Gestaltungsmittel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die postmoderne Darstellungsstrategie von Bosse aufzuzeigen, bei der Bilder durch eine bewusste Künstlichkeit und die Verwendung bekannter kultureller Bildcodes beim Betrachter einen Reflexionsprozess auslösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Bildanalyse, die durch den Einbezug medien- und wahrnehmungstheoretischer Ansätze (u.a. von Roland Barthes, Vilém Flusser und Jacques Lacan) ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der Biografie der Künstlerin und ihrer Arbeitsweise werden spezifische Bildanalysen (Untitled, 1999 und OP, 1998) durchgeführt und ein Vergleich mit den Portraits von Thomas Ruff gezogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Fotografie, Oberfläche, Postmoderne, Stereotyp, Wahrnehmung und Künstlichkeit.
Inwiefern bricht Bosse mit den gezeigten Stereotypen?
Bosse wählt oft banale oder "hintergründige" Details aus, wie etwa abgenutzte Hotelzimmer oder billige Einrichtungsgegenstände, die das anfänglich perfekte, verführerische Klischee der dargestellten Person konterkarieren und die Illusion des Bildes stören.
Warum wird Katharina Bosse mit Thomas Ruff verglichen?
Der Vergleich dient dazu, die gemeinsame Bildstrategie beider Künstler hervorzuheben: Die bewusste Fokussierung auf die "Oberfläche" des Mediums und die Ablehnung einer vermeintlich tieferen, psychologischen Wahrheit im fotografischen Abbild.
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- Sarah Poppel (Author), 2007, Das Bild als Oberfläche - Katharina Bosse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127797