Rezension zu Familienbeziehungen bei hyperaktiven Kindern im Behandlungsverlauf (Christoph Käppler 2005, in Kindheit und Entwicklung 14 (1), 21-29)


Hausarbeit, 2007

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Die Herangehensweise der Studie – Eine Analyse:

Eine für manchen wohl überraschende Konsequenz ausgerechnet der neurowissenschaftlichen Forschung lautet: Die Therapie muss sich stärker um die zwischenmenschlichen Beziehungen des Klienten kümmern. Beziehungserfahrungen sind für das Gehirn sehr wichtig.“ (Psychologie heute, 5/2004, zitiert in Käppler, 2005)

Wenn auch dieses Zitat des Psychotherapeuten Klaus Grawe aus dem Zusammenhang gerissen erscheinen mag und der vorliegende Artikel nicht der neurowissenschaftlichen Forschung zu zuordnen ist, möchte ich dennoch diese die vorliegende Arbeit abschließende Feststellung bewusst an den Anfang meiner Rezension stellen, da sie für mich bezeichnend, ja charakteristisch für die Herangehensweise und den Schwerpunkt des vorliegenden Artikels ist: wie schon aus dem Titel hervorgeht, stehen (Familien-)Beziehungen im Mittelpunkt der Beschäftigung mit Therapieverfahren hyperaktiver Kinder.

Der Autor schildert zu Beginn ein realistisch anmutendes Bild der aktuellen Therapiesituation von Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS): obwohl das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Einbeziehung der Familien in den Therapieprozess von ADHS-Kindern weit verbreitet ist und Fachleute dieser Forderung auch nahezu einheitlich zustimmen, mangelt es bis jetzt noch an konkreten Methoden der praktischen Umsetzung, sowie an adäquaten und differenzierten familiendiagnostischen Untersuchungsverfahren, die mehr als nur einen bloßen Eindruck der Situation zu liefern vermögen.

In diese deskriptive Schilderung mischt sich – nach meinem Empfinden – bereits unterschwellig der Wunsch nach und der Anspruch an eine geeignete Herangehensweise im Therapiekontext, die die familiären Beziehungskonstellationen ins Zentrum rückt und das Umfeld der von ADHS betroffenen Kindern bereits in den diagnostischen Prozess integriert.

Schon ganz zu Beginn des Artikels wird für den Leser deutlich, dass der Autor sich von der überholten Vorstellung einer einseitig auf das „Problemkind“ (in diesem Fall das Kind mit ADHS) fixiertenn Vorgehensweise gelöst hat und in systemisch-ökologischen Dimensionen denkt, die die wechselseitige Beeinflussung und Vernetzung der (Familiensystem-) Mitglieder berücksichtigen. Eine effektive Therapie erfordert für Käppler demnach – um mit den Begriffen Bronfenbrenners zu sprechen – die vollständige und umfassende Berücksichtigung des gesamten Mikrosystems „Familie“, d.h. des Lebensraums des von ADHS betroffenen Kindes, der als „reziprokes Interaktionssystem“ (Peterander) verstanden wird und die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern umfasst. Dadurch kann sich der Blick weiten, weg vom engstirnigen Nahzoom auf das ADHS-Kind, hin zur Weitwinkelperspektive auf die gesamte Familie. Diese methodische Herangehensweise ermöglicht es, gleichzeitig wertvolle Informationen von mehreren Familienmitgliedern zu bekommen und so durch das Aufgeben der auf eine Person zentrierten Perspektive ein umfassenderes Bild der Familien-, und Beziehungskonstellation, sowie der Interaktionsmuster zu erhalten. Der große Vorteil, der sich aus diesem systemtheoretischen Ansatz ergibt, ist die Möglichkeit, Entwicklungen innerhalb des Systems zu erfassen und zu verstehen, die in direktem und unmittelbarem Zusammenhang zum eigentlichen Mittelpunkt der Therapie, dem ADHS-Kind, stehen.

Die Ziele der Studie – eine Herausarbeitung:

Aus dem vorliegenden Artikel werden folgende explizit formulierte und implizit erschließbare Ziele ersichtlich:

1. Der Autor möchte untermauert durch einige theoretische Erklärungen die Bedeutung des familiären Beziehungskontexts bei der Behandlung von ADHS-Kindern hervorheben und auf die sträfliche Vernachlässigung desselben aufmerksam machen.
2. Darüber hinaus macht er auf die Relevanz des Verständnisses intrafamiliärer Identifikationsprozesse zur Evaluierung der familiären Beziehungsqualität aufmerksam und betont in diesem Zusammenhang einen eklatanten Mangel an theoretischen Modellvorstellungen.
3. Schlussfolgernd spricht er sich am Beispiel der Behandlung von ADHS-Kindern für eine Neuorientierung im Diagnose- und Therapieprozess aus, deren elementares Kernstück -ausgehend von einem system-ökologischen Ansatz- eine aktive Einbeziehung der Familien in Diagnose und Therapie darstellen soll.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Rezension zu Familienbeziehungen bei hyperaktiven Kindern im Behandlungsverlauf (Christoph Käppler 2005, in Kindheit und Entwicklung 14 (1), 21-29)
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Seminar "Interaktions- und kommunikationszentrierte Gesprächsführung in Familien mit Problemkindern"
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
7
Katalognummer
V127829
ISBN (eBook)
9783640349241
ISBN (Buch)
9783640349623
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rezension, Familienbeziehungen, Kindern, Behandlungsverlauf, Käppler, Kindheit, Entwicklung
Arbeit zitieren
Franziska Roßmann (Autor), 2007, Rezension zu Familienbeziehungen bei hyperaktiven Kindern im Behandlungsverlauf (Christoph Käppler 2005, in Kindheit und Entwicklung 14 (1), 21-29), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127829

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