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Wie phantastisch ist Kafka?

Die Anwendbarkeit von Phantastiktheorien auf Kafkas Erzählungen

Titre: Wie phantastisch ist Kafka?

Mémoire de Maîtrise , 2007 , 82 Pages , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Claudia Engelmann (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Tzvetan Todorov löste mit seiner "Einführung in die fantastische Literatur" die zeitgenössische Diskussion über Phantastiktheorien aus. Bis heute ist das Werk des bulgarischen Philologen Grundlage der meisten Untersuchungen, die sich mit phantastischer Literatur befassen. Am Beispiel von Kafkas Erzählung "Die Verwandlung" zeigt er auf, dass die traditionelle phantastische Literatur im 20. Jahrhundert nicht mehr existiert, stattdessen konstatiert er bei Kafka eine Art verallgemeinertes Phantastisches. Todorovs These stützt sich auf lediglich einen Text Kafkas. Die vorliegende Arbeit wird jene Behauptung vom Tod der phantastischen Literatur und die Sonderstellung Kafkas an weiteren Erzählungen Kafkas textanalytisch untersuchen. Die erste These ist somit keine eigene, sondern von Todorov übernommen. Während sie bei ihm das Fazit der Untersuchung bildete, ist sie für diese Arbeit die Ausgangsposition: Die phantastische Literatur ist im 20. Jahrhundert tot. Kafka führt eine Art verallgemeinertes Phantastisches fort.

Der zweite Theorieschwerpunkt liegt auf einem der aktuellsten Konzepte in der Phantastikforschung – Renate Lachmanns kultursemiotischer Untersuchung zur (neo-)phantastischen Literatur. Die vorliegende Arbeit wird Lachmanns Phantastikkonzept auf Kafkas Texte applizieren. Ziel ist es, herauszufinden, ob der Schriftsteller tatsächlich ein klassischer Neophantast ist. Auch die zweite zentrale These ist somit keine eigene, sondern vielmehr eine von Lachmann aufgestellte, aber unbewiesene: Kafka ist ein Neophantast.

Zur Textanalyse werden überwiegend die Erzählungen Franz Kafkas herangezogen. Die Romane spielen in der vorliegenden Arbeit eine untergeordnete Rolle und werden nur in Einzelfällen zur Veranschaulichung herangezogen. Der Ansatz dieser Untersuchung zeichnet sich durch deduktives Arbeiten aus: Die Beschreibung einer Theorie phantastischer Literatur wurde durch Todorov und Lachmann vorgenommen, deren Ergebnisse will die vorliegende Arbeit an weiteren Texten (Kafkas) prüfen beziehungsweise gegebenenfalls adäquat reformulieren.

Die Analyse von Todorovs und Lachmanns Phantastikkonzept durch die kafkasche Brille soll neue Anstöße für die Kafka-Forschung geben. Mithilfe der überwiegend strukturalen Textanalysen werden sich neue Interpretationsmöglichkeiten eröffnen, insbesondere bezüglich einer sozial- und diskurswissenschaftlichen Textarbeit mit Kafkas Erzählungen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Über die vorliegende Arbeit

1.2. Grundsätzliches zur Forschung über phantastische Literatur

2. Der Tod der phantastischen Literatur im 20. Jahrhundert

2.1. Todorovs Konzept phantastischer Literatur

2.2. Form des Phantastischen

2.2.1. Zwischen den Genres

2.2.2. Die Bedingungen für das Phantastische

2.2.3. Strukturale Eigenschaften phantastischer Texte

2.2.4. Die Themen des Phantastischen

2.2.5. Die Ich-Themen

2.2.6. Exkurs I: Bachtins Chronotopos im 20. Jahrhundert

2.2.7. Die Du-Themen

2.3. Funktion des Phantastischen

2.3.1. Funktion des Übernatürlichen innerhalb des Werkes

2.3.2. Soziale Funktion des Übernatürlichen

2.3.3. Funktion des Phantastischen selbst

2.3.4. Exkurs II: Phantasmen der Macht

2.4. Überprüfung von Todorovs Modell

2.4.1. Zusammenfassung der Textanalyse

2.4.2. Ist die phantastische Literatur im 20. Jahrhundert tot?

2.4.3. Kritik

3. Kafka als Neophantast

3.1. Grundsätzliches zur Neophantastik

3.2. Lachmanns kultursemiotisches Modell der Phantastik

3.3. Konzeptgeschichte der Phantastik

3.3.1. Phantasmagenese

3.3.2. Phantastik als Gegenrhetorik – Das Paradox

3.3.3. Die Rolle des Zufalls

3.4. Orte des Phantastischen

3.4.1. Geheimwissen

3.4.2. Exkurs III: Tier-Werden vs. Molekular-Werden

3.4.3. Zeichen

3.4.4. Blick

3.4.5. Diskurs

3.4.6. Medium

3.5. Orte des Neophantastischen

3.5.1. Die andere Morphologie

3.5.2. Das andere Wissen

3.5.3. Die andere Wirklichkeit

3.6. Überprüfung von Lachmanns Modell

3.6.1. Zusammenfassung der Textanalyse

3.6.2. Ist Kafka ein Neophantast?

3.6.3. Kritik

4. Wie phantastisch ist Kafka – ein Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Phantastiktheorien (insbesondere von Tzvetan Todorov und Renate Lachmann) auf die Erzählungen von Franz Kafka. Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob Kafka – entgegen Todorovs These vom Tod der phantastischen Literatur im 20. Jahrhundert – als Neophantast klassifiziert werden kann und wie sich die Struktur und Funktion des Phantastischen in seinen Texten manifestiert.

  • Analyse der Todorovschen Phantastiktheorie und deren Überprüfung an ausgewählten Texten Kafkas
  • Untersuchung von Renate Lachmanns kultursemiotischem Phantastikmodell
  • Dechiffrierung der sozialen und funktionalen Bedeutung des Phantastischen in Kafkas Werk
  • Gegenüberstellung von traditioneller Phantastik und Neophantastik
  • Vergleich der Erzählperspektiven und der Rolle des "Alltäglichen" als phantastischer Ort

Auszug aus dem Buch

2.2.1. Zwischen den Genres

In einer Welt, die die unsere sein könnte, geschieht ein Ereignis, welches sich aus den vertrauten Gesetzen nicht erklären lässt. Zwei Möglichkeiten der Auflösung bieten sich an: Entweder sieht man sich mit einer Sinnestäuschung konfrontiert, was bedeutet, dass die Gesetze der Welt intakt bleiben, oder das übernatürliche Ereignis ist wirklich Bestandteil der Realität. Dann aber muss es neue Gesetze geben, die bisher unbekannt sind. Tzvetan Todorov definiert das Phantastische als diesen Moment der Ungewissheit: „Das Fantastische ist die Unschlüssigkeit, die ein Mensch empfindet, der nur die natürlichen Gesetze kennt und sich einem Ereignis gegenübersieht, das den Anschein des Übernatürlichen hat.“

Das Phantastische währt so lange wie die hésitation, die Unschlüssigkeit. Am Ende kommt, wenn auch nicht immer die Figur, so doch der implizite Leser zu einer Entscheidung und tritt aus der Unschlüssigkeit aus. Entscheidet sich der Leser, dass die Gesetze der Realität bestehen bleiben und eine Erklärung der unnatürlichen Phänomene zugelassen werden, akzeptiert er das Unheimliche als Gattung. Das Wunderbare hingegen zeichnet sich durch die Anerkennung neuer Naturgesetze aus, die eine Erklärung des unnatürlichen Ereignisses möglich machen. In der Tat gibt es nur wenige Werke, wie zum Beispiel Henry James´ The Turn of the Screw, die jene Unschlüssigkeit bis zum Schluss beziehungsweise über den Schluss hinaus aufrechterhalten können. Todorov bezeichnet das Phantastische demnach auch als „verschwimmende“ Gattung.

An dieser Stelle spielt auch die Einheit des Werkes eine wichtige Rolle. Eine weitaus größere Anzahl von Texten wäre dem phantastischen Genre zuzuordnen, wenn man nur Teile des Werkes betrachtete. Dies bestätigt die kafkasche Textanalyse, denn einzelne Teilstücke aus Beschreibung eines Kampfes wären viel leichter mit Todorovs Phantastikkriterien zu fassen als die gesamte Erzählung. Dies wird sich im Verlauf der Untersuchung noch zeigen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Phantastikforschung bei Kafka ein und stellt die Thesen von Todorov und Lachmann als theoretisches Fundament der Arbeit vor.

2. Der Tod der phantastischen Literatur im 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert Todorovs strukturalistische Theorie und prüft kritisch, ob seine Definition des Phantastischen auf Kafkas Erzählungen angewendet werden kann oder ob sie im 20. Jahrhundert überholt ist.

3. Kafka als Neophantast: Hier wird Lachmanns kultursemiotischer Ansatz auf Kafkas Texte appliziert, um zu untersuchen, ob der Autor als Neophantast verstanden werden kann, wobei insbesondere Orte des Phantastischen analysiert werden.

4. Wie phantastisch ist Kafka – ein Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Kafka als Neophantast eingeordnet werden kann, dessen Phantastik primär der Dechiffrierung zwischenmenschlicher Beziehungen dient.

Schlüsselwörter

Kafka, Phantastik, Neophantastik, Todorov, Lachmann, Unschlüssigkeit, Die Verwandlung, Beschreibung eines Kampfes, Literaturtheorie, Strukturale Analyse, Phantasma, Moderne, Gegenrhetorik, Zwischenmenschliche Beziehungen, Paradigma.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische Einordnung von Franz Kafkas Erzählungen in den Kontext der phantastischen Literatur, unter besonderer Berücksichtigung der Theorien von Tzvetan Todorov und Renate Lachmann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die Definition des Phantastischen, die Rolle des Erzählers, die Struktur des Phantastischen (Raum-Zeit, Sprache) sowie die soziale und semantische Funktion des Übernatürlichen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu belegen, ob Kafka als "Neophantast" bezeichnet werden kann und ob seine Texte die gattungskonstituierenden Merkmale der klassischen Phantastik erfüllen oder revidieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Die Arbeit nutzt überwiegend strukturale Textanalysen und einen deduktiven Forschungsansatz, um theoretische Modelle an Kafkas Erzählungen zu prüfen.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit Todorovs Phantastiktheorie und eine Anwendung von Lachmanns kultursemiotischem Modell auf Kafkas Erzählwelt.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Neophantastik, Kafka, strukturelle Phantastik, Unschlüssigkeit und Lachmanns kultursemiotisches Modell definieren.

Warum wird "Die Verwandlung" als Ausgangspunkt gewählt?

Die Erzählung dient als Basis, da Todorov sie selbst als Beispiel für das "verallgemeinerte Phantastische" verwendet hat, welches den Leser und die Welt des Buches gleichermaßen einbezieht.

Welche Bedeutung hat das "Alltägliche" bei Kafka?

Im Gegensatz zur klassischen Phantastik, die das Übernatürliche als Einbruch definiert, liegt das Phantastische bei Kafka in der Banalität und der Dechiffrierung zwischenmenschlicher Strukturen des Alltags.

Fin de l'extrait de 82 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Wie phantastisch ist Kafka?
Sous-titre
Die Anwendbarkeit von Phantastiktheorien auf Kafkas Erzählungen
Université
University of Constance
Note
1,0
Auteur
M.A. Claudia Engelmann (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
82
N° de catalogue
V127835
ISBN (ebook)
9783640341047
ISBN (Livre)
9783640336784
Langue
allemand
mots-clé
Kafka Anwendbarkeit Phantastiktheorien Kafkas Erzählungen Thema Franz Kafka Thema Kafka Interpretationen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
M.A. Claudia Engelmann (Auteur), 2007, Wie phantastisch ist Kafka?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127835
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