Die Arbeit beschäftigt sich damit, wie sich das True Crime Genre insbesondere in den USA verändert hat und inwiefern kritische Aussagen in Anbetracht seiner durchlaufenen Evolution noch gerechtfertigt sind, wenn gesellschaftlich relevante Probleme thematisiert und innerhalb aktueller Serien dargestellt werden. Tanya Horeck betont in diesem Kontext unter anderem, dass beispielsweise die anhaltende Popularität von True Crime Dokumentationen für die Film- und Medienforschung eine wichtige Gelegenheit bietet, um über die aktuellen politischen und affektiven Kräfte des Genres zu reflektieren.
Im Laufe der Arbeit wird herausgearbeitet, ob auch fiktionale Formate diese Kräfte entfalten können. Die wesentlichen Leitfragen, die den Rahmen der Arbeit bilden, sind dabei folgende: Welche Faktoren haben den Wandel des True Crime Genres in den USA beeinflusst und inwiefern tragen diese zu seiner heutigen Popularität bei? Wie wird die eben angesprochene Genreevolution im True Crime sichtbar und wie hat sich dieser Prozess gestaltet? Wieso wird das Genre zunehmend seriell bzw. fiktional produziert? Diese Fragen werden mithilfe einer Analyse der ersten Staffel von AMERICAN CRIME STORY: THE ASSASSINATION OF GIANNI VERSACE, WHEN THEY SEE US sowie UNBELIEVABLE geklärt und exemplarisch beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. True Crime – Mehr als nur ein Genre?
2.1 Genrebegriff und -Problematik
2.2 True Crime
2.2.1 Definition und Genese
2.2.2 Charakteristika und Merkmale im True Crime Film
2.2.3 True Crime im Fernsehen
2.2.4 Serielle und aktuelle Tendenzen im True Crime
2.3 Einflüsse aus dem Krimi
2.4 Genrehybridisierung und Genremixing im Krimi?
3. Transgressive Television
4. Vorstellung der Analyseexemplare
4.1 THE ASSASSINATION OF GIANNI VERSACE: AMERICAN CRIME STORY
4.2 WHEN THEY SEE US
4.3 UNBELIEVABLE
5. Kontextanalyse nach Lothar Mikos
5.1 Genreeinordnung und Einflüsse
5.1.1 THE ASSASSINATION OF GIANNI VERSACE
5.1.2 WHEN THEY SEE US
5.1.3 UNBELIEVABLE
5.1.4 Zwischenfazit
5.2 Soziokulturelle Themen und verknüpfte Diskurse
5.3 Emotionale Anbindung und Authentizität durch reale Lebenswelten
5.4 Einordnung auf dem Serienmarkt und Transgressive TV
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel des True Crime Genres in den USA, insbesondere den Trend zur zunehmend fiktionalen und seriellen Produktion, und analysiert, wie diese Formate gesellschaftlich relevante Themen wie Rassismus, Homophobie und Sexismus verhandeln.
- Evolution des True Crime Genres von der reinen Darstellung realer Kriminalfälle hin zu gesellschaftskritischen Erzählungen.
- Rolle der Genrehybridisierung und Einflüsse aus dem klassischen Krimigenre (z.B. Thriller, Detektivfilm).
- Analytische Betrachtung der Serien "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story", "When They See Us" und "Unbelievable".
- Einfluss des "Quality TV" und der Streaming-Ära auf die serielle Erzählweise.
- Bedeutung der strukturellen und soziokulturellen Kritik im Kontext des "Transgressive Television".
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Definition und Genese
Wortwörtlich übersetzt bedeutet True Crime ‚Wahres Verbrechen‘ oder ‚Wahrer Krimi‘. True Crime Geschichten beruhen in der Regel auf wahren Begebenheiten und tatsächlich stattgefunden Kriminalfällen, die am häufigsten mit dem Thema ‚Mord‘ assoziiert werden.62 Wie bereits angeführt wurde, lassen sich Genres nicht allein auf ein Medium reduzieren. Aktuell finden sich True Crime Geschichten häufig in Form von Podcasts wieder,63 was zum Beispiel die Popularität des seit 2014 erscheinenden Podcasts Serial bestätig, der mit als einer der erfolgreichsten Podcasts in den USA gilt.64 Punnett definiert hierzu treffend, dass es sich bei True Crime um ein „multi-platform genre“ handelt.65 „While conventional journalistic crime coverage and true crime texts may appear to be compatible, consumer and editorial confusion exists because there is no overarching theory that determines what is and what is not true crime.”66 Diese Aussage unterstützt die Annahme, dass sich True Crime aufgrund seiner unterschiedlichen Einflüsse sowie seiner Format- bzw. Gattungsvielfalt zu einem schwer greifbaren Genre entwickelt hat.67 Murley versteht True Crime insofern als „more than a single popular literary genre or […] a set of technical narrative conventions.”68 Es sei zu einer “multi-faceted, multi-genre aesthetic formulation, a poetics of murder narration”69 geworden. Die Parallelen zum Journalismus und der Kriminalberichterstattung stechen besonders hervor, während True Crime von anderen Autor*innen durch seinen Bezug zur Realität auch als dokumentarisches Genre bezeichnet,70 bzw. in die Gattung Dokumentarfilm eingeordnet wird. Seltzer betont an dieser Stelle die Schwierigkeit des Genres, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden, da es im Großen und Ganzen nach ‚crime fiction‘ aussähe, es sich innerhalb der True Crime Geschichten aber eigentlich um tatsächliche Fakten handle.71 Auch Browder ordnet das True Crime Genre den Dokumentationen zu, bezeichnet es dabei aber als eine ‚dystopische Version‘: „Whereas the traditional documentary is generally designed to raise people’s consciousness about terrible conditions in order to effect change, true crime presents a picture of problems that are insoluble.”72
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kritische Debatte um die Kommerzialisierung realer Schicksale im True-Crime-Genre und definiert den Fokus auf dessen Wandel hin zu fiktionalen US-amerikanischen Serien.
2. True Crime – Mehr als nur ein Genre?: Dieses Kapitel untersucht die theoretischen Grundlagen des Genrebegriffs, die historische Entwicklung des True-Crime-Genres sowie dessen Verbindung zu anderen Krimi-Subgenres.
3. Transgressive Television: Das Kapitel führt den Begriff des "Transgressive Television" ein, um aktuelle US-amerikanische Serien zu analysieren, die Genrekonventionen brechen und soziale Normen sowie politische Diskurse problematisieren.
4. Vorstellung der Analyseexemplare: Hier werden die untersuchten Miniserien "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story", "When They See Us" und "Unbelievable" in ihren inhaltlichen Grundzügen vorgestellt.
5. Kontextanalyse nach Lothar Mikos: In diesem Hauptteil findet die systematische Kontextanalyse der drei Serien statt, wobei der Fokus auf Genreeinordnung, soziokulturellen Themen, emotionaler Authentizität und der Einordnung auf dem Serienmarkt liegt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt, dass das Genre einen Perspektivwechsel vollzogen hat, indem es den Fokus von der reinen Fallaufklärung hin zur Kritik struktureller gesellschaftlicher Missstände verschoben hat.
Schlüsselwörter
True Crime, Krimigenre, US-amerikanische Serien, Genrehybridisierung, Transgressive Television, Quality TV, Streaming-Plattformen, Netflix, Fiktionalisierung, Soziokulturelle Themen, Rassismus, Homophobie, Justizsystem, Narrationsstrategien, Dokumentarische Gattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit untersucht die evolutionäre Entwicklung und den Wandel des True-Crime-Genres in den USA, insbesondere den Trend zur zunehmend fiktionalisierten und seriellen Darstellung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Bedeutungswandel des Genres, das Verhältnis zwischen Fiktion und Realität, der Einfluss des "Quality TV" sowie die soziokulturelle Kritik an gesellschaftlichen Missständen.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, welche Faktoren den Wandel des True-Crime-Genres in den USA beeinflusst haben und inwiefern diese zu dessen heutiger Popularität sowie einer neuen gesellschaftspolitischen Relevanz beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Kontextanalyse nach Lothar Mikos, ergänzt durch genretheoretische Ansätze und Analysen von Erzählstrukturen sowie Figurenkonstellationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Kontextanalyse der drei exemplarischen Serien "The Assassination of Gianni Versace", "When They See Us" und "Unbelievable" hinsichtlich ihrer Genre-Einordnung und ihrer soziokulturellen Aussagekraft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Genre-Hybridität, Transgressive Television, Strukturmodell des Krimifilms und institutionelle Kritik am Justizsystem geprägt.
Warum spielt das Konzept der "Transgression" eine wichtige Rolle für die Analyse?
Das Konzept hilft zu erklären, wie moderne True-Crime-Serien durch das Überschreiten konventioneller Genre-Grenzen sowie politischer und moralischer Normen eine tiefere gesellschaftskritische Funktion erfüllen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in den ausgewählten Serien von klassischen Krimis?
Während klassische Krimis (Whodunit) oft die Aufklärung eines Verbrechens fokussieren, stehen die analysierten Serien stärker in der Tradition eines Sozialdramas und prangern strukturelle Mängel und systemische Diskriminierung an.
- Citation du texte
- Lucia Heymann (Auteur), 2022, Die Entwicklung des True Crime Genres in den USA. Warum ist das Genre so populär?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1278680