In der vorliegenden Arbeit „Schulabsentismus- mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen“
sollen die verschieden Variablen erläutert werden, die Schulabsentismus begünstigen. Ferner
sollen mögliche Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung von Schulabsentismus aufgezeigt
werden.
In der Bundesrepublik Deutschland ist die Schulpflicht in den Schulgesetzen der einzelnen
Länder geregelt. Sie verpflichtet zu einem Mindestschulbesuch. Die allgemeine Schulpflicht
besteht vom 6. Lebensjahr an durchgängig bis zur Volljährigkeit und kann mittels
Zwangsmaßnahmen auch durchgesetzt werden. Eine Zurückstellung oder Befreiung von der
Schulpflicht ist nur in Ausnahmefällen zulässig (vgl. Digel / Kwiatkowski, S. 336). Auch
wenn die gesetzliche Schulpflicht in der Bundesrepublik Deutschland ein Zeichen für Bildung
und Erziehung gesetzt hat und auch heute noch setzt, so zeigt sich, daß manche Schüler die
Schule nicht als Ort des Lernens für sich annehmen können. Trotz alledem gilt auch für sie
die Schulpflicht, der sie sich auf legale Weise nicht entziehen können (vgl. Puhr u.a., S. 10).
Schüler, die sich in der Institution Schule in irgendeiner Weise unwohl fühlen, reagieren
darauf immer häufiger mit schulabsentem Verhalten (vgl. http://www.bildung-mv.de/lermv/
aktion/akber102.htm), einem Verhalten, das viele Ursachen haben kann. Zudem äußert es
sich bei jedem Schüler unter anderen Bedingungen und in verschiedenem Ausmaß (vgl.
http://www.ganztagsschulverband.de/Download/SchulverweigerungThimm.doc), was das
Identifizieren von Ursachen und daraus abzuleitenden Maßnahmen zur Unterstützung des
Schülers besonders erschwert.
Thema der Arbeit wird es sein, dieses komplexe Thema differenzierter zu betrachten und
Überlegungen darüber anzustellen, was in Bezug auf Intervention und Prävention zugunsten
der Schüler getan werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Relevanz der Betrachtung von Schulabsentismus
3. Entwicklung des Verständnisses von Schulabsentismus im Laufe der Zeit
4. Definition von Schulabsentismus
4.1. Schulschwänzen
4.2. Schulverweigerung
4.3. Zurückhalten
5. Meßprobleme der Absentismusforschung
6. Variablen für Schulabsentismus
6.1. Personale Variablen
6.1.1. Alter
6.1.2. Geschlecht
6.1.3. Selbstkonzept
6.1.4. Schulversagen
6.2. Extrapersonale Variablen
6.2.1. Schulbezogene Variablen
6.2.1.1. Strukturfaktoren von Absentismus
6.2.1.2. Schulqualität
6.2.1.3. Schulform
6.2.2. Beziehungsvariablen im Schulkontext
6.3.1. Schüler-Lehrer-Beziehung
6.3.2. Kausalattribuierungen
6.3.3. Schülerinteraktion
6.3.4. Eltern-Lehrer-Beziehung
6.3. Soziales Milieu
7. Schulabsentismus und nachschulisches Leben
8. Ansätze zur Prävention und Intervention von Schulabsentismus
8.1. Notwendige Vorüberlegungen
8.2. Konkrete Vorschläge und Umsetzungen
8.2.1. Konzepte
8.2.2. Berlin
8.2.3. Das Nürnberger Modell
8.2.4. Hi-Scout in Heidelberg
8.2.5. Alternativbeschulungen in Angeboten freier Träger
8.2.6. Reintegrationsklassen und Werk-statt-Schulen in Sachsen-Anhalt
8.2.7. „Das Boot in Neubrandenburg
8.2.8. England
9. Schlußbetrachtung
10. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexen Ursachen für Schulabsentismus und erarbeitet auf Basis einer differenzierten Analyse geeignete pädagogische Interventions- und Präventionsstrategien. Ziel ist es, die schulische Situation für betroffene Schüler so zu verbessern, dass eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht wieder möglich wird.
- Multifaktorielle Ursachenforschung von Schulabsentismus
- Einfluss von personalen und extrapersonalen Variablen auf das Schulbesuchsverhalten
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Schulabsentismus und negativen Bildungsbiografien
- Evaluierung von Best-Practice-Projekten (z.B. Nürnberger Modell, Hi-Scout)
- Pädagogische Empfehlungen zur Stärkung der Schüler-Lehrer-Beziehung
Auszug aus dem Buch
6.1.4. Schulversagen
Schulversagen ist das Resultat negativer Bewertung, in der Schule meist negativer Leistungsbewertung (vgl. Neukäter / Ricking, 1997, S. 61). Schulabsentisten sind fast immer unter den Verlierern im schulischen Leistungswettstreit zu finden (ebd.). Sie haben viele Erfahrungen mit „Nicht-Gelingen“ und „Nicht-Genügen“ gemacht (vgl. http://www.ganztagsschulverband.de/Download/SchulverweigerungThimm.doc).
Schulversagen kann als einer der stärksten Risikofaktoren für Schulabsentismus angesehen werden (ebd.). Dies verdeutlicht folgende Kette: Erfahrungen mit Überforderung, Frustration und Angst rufen beim Schüler Schulunlust, Schulmüdigkeit und Desinteresse an der Schule hervor (vgl. Hildeschmidt, 1979, zitiert nach Neukäter / Ricking, 1997, S. 61). Leicht kann dies dann zum Vermeiden des Schulbesuchs führen. Unter Anbetracht der Leistung kann ein Circulus vitiosus beschrieben werden. Leistungsversagen erzeugt Schulangst, die dann zum Schwänzen oder Schulverweigern veranlaßt. Durch die Abwesenheit des Schülers vom Lehr- und Lernprozeß wird seine Leistung jedoch immer schlechter, sein Wissen lückenhafter im Vergleich zu anderen. Dies führt sodann wieder zu Angst vor Leistungsversagen etc. (vgl. Sander, 1979, zitiert nach Neukäter / Ricking, 1997, S. 61). Unter diesen Umständen ist die Schulpflicht noch der einzige Grund, überhaupt noch zur Schule zu gehen ( vgl. Neukäter / Ricking, 1997, S. 62). Wenn dann nicht einmal auf die Anwesenheit des einzelnen geachtet wird, ist sein Fehlen schon vorprogrammiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der Relevanz der Schulpflicht und der grundlegenden Zielsetzung sowie der Struktur der vorliegenden Arbeit.
2. Relevanz der Betrachtung von Schulabsentismus: Erörterung der negativen Folgen für Schüler, wie soziale Marginalisierung und Arbeitslosigkeit, sowie die Notwendigkeit pädagogischen Handelns.
3. Entwicklung des Verständnisses von Schulabsentismus im Laufe der Zeit: Historischer Abriss vom Verständnis als "Ungehorsam" hin zum heutigen multifaktoriellen Ansatz.
4. Definition von Schulabsentismus: Differenzierung zwischen den Formen Schulschwänzen, Schulverweigerung und dem Zurückhalten durch Erziehungsberechtigte.
5. Meßprobleme der Absentismusforschung: Analyse der methodischen Schwierigkeiten bei der Erfassung von Fehlzeiten aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Dokumentationsweisen.
6. Variablen für Schulabsentismus: Detaillierte Untersuchung von personalen Faktoren (Alter, Geschlecht, Selbstkonzept) sowie extrapersonalen Einflüssen (Schulstruktur, soziale Milieus, Beziehungen).
7. Schulabsentismus und nachschulisches Leben: Darstellung der Langzeitfolgen von Schulabsentismus und der Gefahr von "sozialen Negativkarrieren".
8. Ansätze zur Prävention und Intervention von Schulabsentismus: Diskussion pädagogischer Konzepte und Vorstellung konkreter Modellprojekte zur Wiedereingliederung.
9. Schlußbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über die Notwendigkeit, das System Schule zu sensibilisieren und Schüler als Individuen wahrzunehmen, statt nur auf formale Disziplin zu setzen.
Schlüsselwörter
Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Schulpflicht, Schulversagen, Prävention, Intervention, pädagogische Maßnahmen, soziale Deprivation, Schulentwicklung, Förderbedarf, Bildungsbiografie, Dissoziale Störung, Schulqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Facetten des Schulabsentismus, identifiziert zugrunde liegende Ursachen und bewertet unterschiedliche pädagogische Ansätze, um dem Fernbleiben von der Schule entgegenzuwirken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Formen des Absentismus, der Untersuchung von personalen und sozialen Einflussfaktoren sowie der kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Interventionsprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, ein differenziertes Verständnis für das Phänomen zu schaffen und Strategien aufzuzeigen, die Schülern eine Rückkehr in den Lernalltag ermöglichen, ohne dabei nur auf Zwang oder formale Disziplinierung zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene psychologische und erziehungswissenschaftliche Forschungsstände sowie Projektberichte zusammenführt und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine terminologische Definition, eine detaillierte Analyse der Einflussfaktoren auf das Schulbesuchsverhalten sowie eine Bestandsaufnahme konkreter Projekte zur Prävention und Intervention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind u.a. Schulabsentismus, Schulverweigerung, pädagogische Intervention, Schulpflicht, soziale Deprivation und Schulentwicklung.
Wie unterscheiden sich "Schulschwänzen" und "Schulverweigerung" nach Ansicht der Autorin?
Die Autorin hebt hervor, dass Schulschwänzen oft durch externe Faktoren und eine gewisse Eigeninitiative des Schülers geprägt ist, während Schulverweigerung stärker mit psychischen Belastungen und einer inneren Haltung gegenüber der Institution Schule verknüpft ist.
Welche Rolle spielt die Schulqualität bei der Entwicklung von Absentismus?
Laut der Untersuchung kann eine als autoritär oder feindlich erlebte Atmosphäre in der Schule das Risiko für Schulversagen und Angst signifikant erhöhen, was wiederum ein häufiger Auslöser für das Ausbleiben vom Unterricht ist.
- Quote paper
- Julia Hansens (Author), 2002, Schulabsentismus - mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12794